Die in dem Telefonat enthaltene Morddrohung Timoschenkos gegen Putin wird bestätigt, ebenso wie die abfällige Bezeichnung aller russischen Bürger der Ukraine als „Ziegenbärte” – was auf jeden Fall deutlich zeigt, welch´ Geistes Kind die Freunde des Westens waren – und sind.
Sechs Monate später droht der polnische Nationalheld Lech Walesa Russland mit dem Einsatz der Nato-Atomwaffen 37. Der gleiche Mann wollte schon Homosexuelle hinter Mauern halten 38.
Nun – unsere damalige Kriegswarnung scheint also immer noch aktuell. Das ist ja auch der wahre Horror, der sich damals offenbarte: Der März 2014 (und die Folgemonate) haben den Krieg wieder nach Europa zurückgeholt ... – auch den Nuklearkrieg. Und das … wird sich auch in den nächsten Jahren nicht mehr ändern.
So leicht kann man Frieden zerstören.
Skizzen zur Frage nach Moral und zur Frage nach Gott
Vor einiger Zeit gab es in Winnenden einen Amoklauf. Die waren damals modern: Kinder, die losliefen und andere Kinder erschossen – ein Trend aus den USA. Niemand interessierte sich groß für die Ursachen. Ist ja für Kinder kein normales Verhalten, sollte man meinen.
Dafür wurde nach anderen Verantwortlichen gesucht: „Die Bürger von Winnenden fragen nach Gott“ ... konnte man nach dem Amoklauf lesen 39, eine Frage, die sich die Bürger in anderen von Amokläufen und ähnlichen Katastrophen heimgesuchten Orten wohl auch stellen.
Nun, die Kirchen haben jahrhundertelang konzentriert und gründlich daran gearbeitet, dass sich diese Frage wirklich niemandem mehr ernsthaft stellt – zu dem Schluss könnte man angesichts der beobachtbaren Entwicklungen innerhalb der christlichen Gesellschaft kommen.
Im Ernst: Schauen Sie mal in die Gotteshäuser hinein – jene Häuser, die eigentlich für sehr erhabene und erhebende Gedanken und Erwägungen gebaut worden sind. Seien Sie mutig, gehen Sie zu Zeiten des Gottesdienstes hin. Sie können ruhig hundert oder zweihundert Freunde mitbringen, ich garantiere Ihnen: Es ist Platz genug (außer zu Ostern und Weihnachten).
Der Grund für die Leere der Gotteshäuser ist einfach zu benennen: geht´s einem gut, dann pfeift man auf das Überirdische.
Doch schlagen wieder Bomben ein oder laufen Kinder massenmordend mit Waffen durch die Klassen, dann schaut man ganz schnell in sein persönliches Überlebenspaket, ob sich denn darin nicht irgendetwas findet, was den Wahnsinn aufhalten oder wenigstens etwas erträglicher machen kann.
Wahrscheinlich werden die Kirchen in solchen Momenten mal wieder kurz voller ... – könnte ja sein, das er sich gerade irgendwo in einer seiner Filialen aufhält, dieser Gott.
Nun ... der Philosoph Immanuel Kant (DIE Größe der modernen Philosophie, der erste seit den alten Griechen, der überhaupt mal einen halben Schritt weitergekommen ist als die selbigen, meinte mal ein Philosophieprofessor zu mir) hatte dieses Problem recht frühzeitig erkannt.
Es war ihm so wichtig, das er außer seinem Standardwerk „Kritik der reinen Vernunft“ auch noch eine dicke „Kritik der praktischen Vernunft“ schrieb, alldieweil er schnell erkannt hatte: die reine Vernunft allein verhindert keine Konzentrationslager – im Gegenteil, sie führt direkt dort hinein. Vernunft war es, die die Lösung diktierte: wachsende Kosten, sinkende Ressourcen – was macht man also mit Menschen, die man sowieso nicht mehr braucht?
Einfach die Vernunft fragen, sie entwickelt problemlos in kürzester Zeit effektive und kostengünstige Lösungen.
Möglicherweise wird im „Bohemian Grove“, jenem kultisch fragwürdigen Tummelplatz der amerikanischen Elite gerade deshalb die Eule ... ein altes Sinnbild für Vernunft ... als sehr verehrungswürdig dargestellt.
Leider wurde Immanuel Kant nicht alt genug, um zu sehen, welche „Nebenwirkungen“ seine Vernunft entfalten kann, seine Befürchtungen blieben noch in der Theorie stecken. Aber er erkannte damals schon, dass seine Vernunft ohne „Gott“ nicht auskommen würde. Die Vorstellung (ob nun eingebildet oder nicht, ist in diesem Zusammenhang egal) eines liebenden, allmächtigen und gerechten Gottes ist eine elementare Voraussetzung moralischen Handelns, das der lieblosen Vernunft vernünftige moralische Grenzen setzt.
Gut ... nebenbei gibt es heute (zu seiner Zeit noch unüblich) auch den „Gesellschaftsvertrag Grundgesetz“, der zu moralischem Handeln anhält. Aber diesen wird das Individuum ohne eigene Moral immer wieder zu unterlaufen versuchen – und ständige Änderungen des Grundgesetzes (das nur Vertrauen erwecken und funktionieren kann, wenn es unveränderbar bleibt – sonst hat es nämlich keinen Wert) tun ihr übriges dazu.
Doch bleiben wir bei „Gott“. „Du sollst keine Götter neben mir haben“ und „du sollst dir kein Bild von mir machen“. Jeder kennt diese Gebote. Über letzteres macht sich heute kaum noch einer Gedanken, stattdessen macht man sich lieber Bilder ... – der eine so, der andere so. Gerne wird sich ein Notfallrettungsgott gedacht, der immer dann eingreifen soll, wenn man sich durch eigenes Verschulden richtig dick in die Nesseln gesetzt hat.
Man kann diese Gebote in einfachen, modernen Worten übersetzen: Macht Euch keine Götter neben dem einen, lebendigen, lieben Gott – keine Ideologien, keine Wirtschaftssysteme, keine weltlichen Werte wie Geld und Öl, keine Pop- und Fußballstars, keine Sportwagen und I-Phones und was man sonst noch so in modernen Zeiten vergöttert. Und experimentiert nicht mit Bildern von mir herum, das wird immer schief gehen. Im Prinzip hat sich Gott damit aus dem alltäglichen Treiben der Welt verabschiedet, zieht sich darauf zurück, dass er „lieb“ und „da“ ist.
Was aber machen wir in unserem Alltag? Vergöttern Geld und Fußball – oder?
Eine wirklich christliche Gesellschaft, die nach echten christlichen Werten lebt („liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ – um das nochmal in Erinnerung zu rufen) ... wäre ein gemütliches Ding!
Leben und leben lassen, sich erfreuen an allem was da ist, den Nachbarn nicht im Dreck sitzen zu lassen, sondern gemeinsam das Leben genießen ... – mit einfachen Dingen, die glücklich machen.
Und der Aussicht auf mehr, wenn´s mal zu Ende geht. Kann man nicht meckern.
Das „real existierende Christentum“ - ich glaube, das brauche ich nicht weiter auszuführen, ist weit davon entfernt, hat eigentlich sogar den entgegengesetzten Zustand eher gefördert. Klar, das päpstliche Bild des unfehlbaren Stellvertreter Gottes auf Erden stellt ja auch einen groben Verstoß gegen die Gebote des „Chefs“ dar. Wie soll man den Laden dann noch ernst nehmen? Er scheint von anderen Zielen getrieben zu sein ... – eigentlich ein Konzern zur Vermarktung religiöser Inhalte. „Mc Christus“. Gibt´s auch als „Burger Christ“... etwas trockener in protestantischem Gewande.
Nicht gerade der glaubwürdige Träger einer Botschaft, die zu einem moralischen Leben anhält.
Und was ist nun mit diesem Gott?
Was wäre, wenn die von der Kirche ausgerotteten Katharer (was man so weiß, ganz liebenswerte Leute) Recht hätten: Die Erde ist das Herrschaftsgebiet eines bösen Weltenschöpfers. Und der andere, der liebe, ist ganz weit draußen, sein Reich ist nicht von dieser Welt, weshalb er sich überhaupt nicht in unseren Trubel einmischt?
Immerhin: Nach der Sintflut gab „Gott“ das Versprechen, dass er sich nicht mehr einmischen würde in die Geschicke der Menschheit – als Zeichen für dieses Versprechen setzte er den Regenbogen an den Himmel, so erzählen das jedenfalls die biblischen Legenden. Wir waren frei, zu tun, wonach uns der Sinn stand: nie wieder würde eine Sintflut die Erde rein waschen.
Wenn wir uns aber in Schützengräben wiederfänden, so wären wir nur selbst dafür verantwortlich. Schützengräben … stehen immer am Ende von Ketten unmoralischer Handlungen.
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