Hans W. Schumacher - Das Gespenst der Karibik

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Das Gespenst der Karibik sammelt 14 Kurzgeschichten und Erzählungen des Autors, die zwischen 1954 und 1995 entstanden sind. Die Geschichten zeichnet eine subjektive und illuminative Sichtweise aus, die von den existenziellen Erfahrungen der Protagonisten gefärbt sind.

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Die Gegenwart der Bombe über dem Frühstückstisch und im Kanneninneren erregt niemand, denn Dinge sind sowohl gefühllos als auch zum Denken unfähig. Frau Messel, die fünfundzwanzig Meter davon entfernt im Keller sitzt, ahnt noch nichts von dem Unglück. Sie wird es bald erfahren, denn die Bombe macht sich selbst auf den Weg, ihr die Nachricht zu überbringen. Ob sie aber die Betrübnis und die Bitterkeit über den Verlust der Kanne, des reichen Geschirrs, des Barocktischs, der Damastdecke, des Glasschranks, des Goethe in Maroquinleder, der Weingläser, Karaffen usw. wird aufbringen können, ist noch die Frage.

In der Tat wagt man für den Tisch, so solide er auch aussieht, nichts mehr zu hoffen. Eine weitere hundertstel Sekunde später ist er zusammengebrochen, zermalmt, zersplittert, mitsamt dem zerfetzten Tischtuch, dem Geschirr, den zerquetschten Torten, herumwirbelnden Sahnekännchen, verbogenen Silberlöffeln, Kuchengabeln und Tortenhebern, die dem Gast durch ein plötzlich in der Decke entstandenes zwei Meter breites Loch in den Herrensalon des Junggesellen und Oberlandesgerichtsrats Dr. Mansfeld folgen.

Der Einbruch der Bombe in die samtene Stille tabakparfümierter Dämmerung wirkt wie der Sturm des Pöbels ins Schloß von Versailles. Der Kometenschweif von Scherben, Tortenresten, Kalkmörtel, zersplitterten Leisten, Parkettholz, Balken, Tischbeinen und Teppichfetzen, den sie hinter sich herzieht, ist indignierend. Würdige Entrüstung zeigt demzufolge auch die Marmorbüste des Hausherrn, dessen adlerhafter Ausdruck die Miene wiederzugeben scheint, die Dr. Mansfeld beim Urteilsspruch aufzusetzen pflegt. Heute früh hatte er dazu mehrfach Gelegenheit gehabt. Ein invalider Hausmeister hatte einen dummen Witz über die Frontbegradigungen in der Ukraine gemacht. Wegen Wehrkraftzersetzung wurde er zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Ein polnischer Fremdarbeiter kam nicht so gut davon. Er hatte ein Paar kaputte Stiefel von einem Trümmergrundstück genommen. Und auf Plünderung steht die Todestrafe.

Die Bombe zerschmettert unparteiisch Büste, Sockel und Schreibtischplatte, bohrt sich durch Aktenbündel mit wohlbegründeten Urteilen, die sich augenblicklich mit den Tortenresten mischen und nun in dem Loch verschwinden, das die Bombe in die Kellerdecke geschlagen hat. Sie scheint vor der Tür des durch Bohlen und Balken abgestützten Schutzraums auftreffen zu wollen, höchste Zeit, sich den Insassen des Kellers zuzuwenden, ehe es zu spät ist.

Ihre Gestalten verlangen keine besondere Aufmerksamkeit. Sie sind unter der Hülle der Kleider nicht bemerkenswerter als die anderer Menschen auch, selbst kleinere Unterschiede wie Neger (schwarze Haut, Kraushaar) oder Juden (krumme Nase, widerliche, dekadente Intelligenz) sie vielleicht haben mögen, geben zur Unterscheidung nichts Wesentliches her. Frau Messel ist nachweislich Arierin und zum Glück ihre Tochter auch. Der Oberlandesgerichtsrat hat mit Müh und Not eine jüdische Großmutter verheimlichen können, sonst stünde er jetzt an der Ostfront und hätte nicht dies verantwortungsvolle, staaterhaltende Amt, das ihm eigentlich Gerechtigkeit besonders bei der Verteilung von Nahrungsmitteln hätte nahelegen müssen. Trotz der Knappheit hat er einen gesunden Speck bewahrt, der besonders stark von der delikaten Unterernährtheit und blassen Farbe Fräulein Messels absticht.

Vera rezitiert, ohne es zu wollen, automatisch Verse von Goethe, doch etwas hindert sie am Atmen, ihre Hände liegen wie Steine im Schoß, ihr ist, als ginge ein Brand durch die Wirbelsäule. Doch wird sie nie auf den Gedanken kommen, daß an ihrer Fortexistenz berechtigte Zweifel aufkommen könnten. Das Leben ist einfach in ihr, auch wenn die Angst sie fast in die Wand, an die sich preßt, verwandelt, während das Dröhnen von tausend Flugzeugmotoren die Mauern vibrieren läßt und der Boden von den sich nähernden Explosionen bebt und schwankt wie ein Schiff im Sturm.

Ihre Mutter sitzt ihr gegenüber auf einem wackeligen Korbsessel neben dem Stützbalken und ist ihr fern und fremd wie nie im Leben, sie würde gern die drei Schritte zu ihr hinüber machen und sich in ihrem Schoß verbergen, aber es sind Kilometer dahin, sie wagt nicht aufzustehen und ihren sicheren Platz zu verlassen. Aber wieso denn sicher? denkt sie plötzlich alarmiert, aber sie haftet an dem Küchenstuhl wie angenagelt. Nein, es wird nie geschehen! Was denn? Und sie verwechselt ihre Hoffnungen mit ihren Ängsten, und dann will sie sich ganz stark an etwas erinnern, aber sie weiß nicht an was, und etwas fällt ihr dann ein, und sie sagt es ganz langsam, und was sie sagt, trägt sie davon so leicht und frei wie der weiße Blitz, der aus der Kellerwand bricht und ihr den ganzen tiefen Sinn erklärt: Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn....

Der Oberlandesgerichtsrat hat ganz stark das Empfinden, alles sei ein Traum. Er ruft sich das immer wieder zu und schneidet gut dabei ab. Er ist wirklich mit sich selbst zufrieden und findet, daß er an der Somme 1917 weit weniger Haltung bewahrt hat. Da merkt er plötzlich, daß sein Fleisch nicht will. Es ist so etwas wie eine wachsende Auflehnung in ihm, er sieht an sich herunter und fühlt sich ganz nackt. Es ist keineswegs beschämend, denn Frau Messel und ihre halberwachsene Tochter sind für ihn nichts als Besenstiele, und überhaupt scheint alles aus Holz zu sein. Auch das flackernde Licht ist aus Holz und die gekälkte Wand, alles scheint nur eine dünne Baracke zu sein, und er sitzt da ganz allein und schutzlos wie in seiner Hüttensauna im Hunsrück, und er sieht an sich herunter und hat soviel Leib, soviel Fleisch, er sitzt da mit zusammengekniffenen Kinn- und Pobacken und wartet, daß man vergesse, daß er vorhanden ist und dann war ihm, als bräche der Ofen der Sauna auf, rasende Hitze umflammte ihn und er sagte sich: Es ist nur ein Traum.

Frau Messel erinnerte sich noch rechtzeitig, daß sie die Fenster offengelassen hatte, damit die Scheiben nicht kaputtgehen, wenn die Druckwellen kommen und daß sie das Gas zugedreht hatte. Hoffentlich passiert dem alten Geschirr nichts, erstens wäre es schade, weil es von ihrer Großmutter stammte und zweitens kriegt man jetzt sowieso kein neues Geschirr mehr. Aber daß man auch gar nichts hat auslagern können; die Bonzen haben natürlich das Wertvollste aufs Land schaffen lassen und ihre Familien dazu. Aus Frankreich ließen sie sich Champagner kommen, einmal haben wir ja auch eine Flasche auf Bezugsschein gekriegt, aber was war das schon, wo wir doch den Krieg gegen Frankreich gewonnen haben, könnten sie einem schon mehr zuteilen. Wenn nur das Licht nicht ausgeht, im Dunkeln habe ich Angst. Hofffentlich kriegt der Schmitz, der widerliche Blockwart, nicht raus, wo wir den Kaffee und die Torten für Veras Geburtstag herhaben, sie kann es wirklich vertragen, mal was hinter die Rippen zu bekommen, wie sieht sie so dünn aus und wie fett der Mansfeld....

Als die Feuerwehr sich durch den Schutt gewühlt hat, findet sie unter den Trümmern drei tote und vier überlebende Hausgenossen. Eine der Toten ist eine junge Französin, die das Unglück hatte, sich in einen deutschen Besatzungssoldaten zu verlieben und vor den Morddrohungen ihrer patriotischen Landsleute zu den Eltern ihres Freundes nach Deutschland floh. Tot sind auch Frau Messel und ihre hoffnungsvolle Tochter. Der kleine Rüdiger war also elternlos allein zurückgeblieben, denn sein Vater war, ohne daß die Familie es wußte, schon zwei Tage zuvor im Balkankrieg gefallen. Rüdiger hatte an dem betreffenden Morgen eine seltsame Vorahnung gehabt und war trotz des heftigen Protests seiner Mutter, die ihn beim Geburtstagskaffee dabeihaben wollte, mit der Hitlerjugend aufs Land gefahren. Dr. Mansfeld erlitt schwere Verbrennungen, ein Bein mußte amputiert werden, doch er kam davon, weil er in blendender körperlicher Verfassung war. Die Kürzung seiner Pension nach der Entnazifizierung wird durch eine schöne Kriegsopferrente mehr als wettgemacht.

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