»Ja, ganz toll. Das ist sehr witzig,« sagte der kleine Prinz voller Ironie. »Ich kann ja wieder gehen, wenn du dich nur über mich lustig machen willst.« »Nein, nein, entschuldige bitte, es war nur gerade so lustig. Bitte bleib kleiner Prinz mit Kopf voll Stroh! Pfffhahaha!« »Okay, mir reicht's jetzt.« Ärgerlich drehte sich der kleine Prinz von Lallepo um und machte einen Schritt in Richtung Tür. Schnell huschte das Turmgespenst an ihm vorbei und versperrte ihm den Weg. »Es tut mir wirklich leid, das war gemein. Ich sage jetzt nichts mehr über deinen Namen, versprochen. Schau her!« Mit der rechten Hand fuhr sich das Turmgespenst über den Mund, so als wollte es einen Reißverschluss schließen. Für einen Moment hielt der kleine Prinz inne und sagte dann entschlossen: »Na gut, das ist aber deine letzte Chance. Noch so'n Spruch und ich bin weg.« Der kleine Prinz von Lallepo drehte sich wieder um und auch das Gespenst schwebte ins Zimmer zurück. »Wo war ich gerade? Ach ja, meinen Namen wiederhole ich jetzt nicht noch mal«, begann der kleine Prinz und das Turmgespenst machte noch einmal die Geste mit dem Reißverschluss. »Ja, ich wohne hier und auch ja, allein. Bisher habe ich noch nie ein Gespenst gesehen und ob ich dein Freund sein will, weiß ich gerade noch nicht. Aber von mir aus können wir uns für morgen zum Spielen verabreden.« »Au ja, fein«, klatschte das Turmgespenst geräuschlos in die Hände, »aber warum erst morgen?« »Weil es mitten in der Nacht ist und ich jetzt wieder schlafen gehe«, entgegnete der kleine Prinz. »Ach ja, die Sache mit dem Schlaf, das vergesse ich manchmal.« Das Turmgespenst sah dem kleinen Prinzen direkt in die Augen und strahlte ihn an. »Siehst du, jetzt bin ich nicht mehr allein und du bist auch nicht mehr allein. Das ist doch prima.« »Na, mal sehen wie prima das wird«, sagte der kleine Prinz skeptisch. Er musste aber sofort grinsen, als er den fröhlichen Blick des Gespensts erwiderte. »Wie lange bist du eigentlich schon hier? Bisher habe ich noch nie was von dir gehört?« »Oh, schon ganz schön lange. Fast einen ganzen Tag«, sagte das Turmgespenst mit ernster Miene. »Ah ja, das ist ja wirklich schon sehr lange«, schmunzelte der kleine Prinz und er ergänzte, »dann treffen wir uns also morgen zum Spielen.« »Natürlich, das ist unbedingt und ehrenwortmäßig abgemacht«, freute sich das Gespenst. »Ich gehe jetzt wieder schlafen«, sagte der kleine Prinz gähnend, »und bitte, versuch nicht mehr zu heulen! Dabei kriege ich kein Auge zu.« »Warum sollte ich heulen?« Verwundert schaute das Turmgespenst den kleinen Prinzen an. »Ich bin doch das glücklichste Gespenst auf der ganzen Welt.« »Das freut mich. Na dann, gute Nacht.« Mit diesen Worten ging der kleine Prinz von Lallepo durch die Tür und bevor er sie hinter sich schloss, sah er noch einmal zurück ins Turmzimmer. Dort schwebte das zuvor so traurige Turmgespenst voller Glückseligkeit in schwungvollen Bögen durch sein neues Zimmer. Müde, aber auch zufrieden, machte sich der kleine Prinz von Lallepo auf den Weg in sein kuscheliges Bett.
Zweite Geschichte - Das verschwundene Versteck 2.1 Der Morgen danach
Der kleine Prinz von Lallepo und das verschwundene Versteck
Der Morgen danach
In der letzten Nacht hatte der kleine Prinz von Lallepo das Turmgespenst kennengelernt. Es hatte fürchterlich geheult, weil es traurig war und ihn damit aus dem Schlaf gerissen.
Jetzt fehlte ihm der Schlaf und er musste gähnen. Merkwürdig, dass Gespenster sich einsam fühlen konnten und nach Freunden zum Spielen suchten. Hatte er sich wirklich für heute mit einem Gespenst verabredet? Nun, da der kleine Prinz von Lallepo müde am Frühstückstisch saß, war er sich gar nicht mehr sicher, ob er die Geschichte mit dem Gespenst nicht nur geträumt hatte. Schließlich hatte er zuvor noch nie etwas von Gespenstern gesehen oder gehört. Eigentlich gab es doch gar keine Gespenster ..., oder?
»Hep, hep, hep! Auf geht's, los, los. Keine Müdigkeit vorschützen, wir haben eine Verabredung zum Spielen.« Erschrocken zuckte der kleine Prinz von Lallepo zusammen, als die aufgeregte Stimme des Turmgespensts hinter ihm ertönte. Na gut, es bestand kein Zweifel, es gab Gespenster. Und noch dazu sehr anstrengende.
Der kleine Prinz von Lallepo schluckte den Rest des Brotes herunter, das ihm vor Schreck fast im Halse stecken geblieben war. Dann drehte er sich auf seinem Stuhl um und blickte dem kaum sichtbaren, weiß schimmernden Geschöpf direkt ins breit grinsende Kugelgesicht.
»Guten Morgen, da bist du ja schon. Musst du dich so anschleichen? Ich habe mich ganz schön erschreckt. Wenn du das öfter machst, wachsen mir bald graue Haare.«
»Aber klar doch, wo bleibt denn sonst der Spaß? Schließlich bin ich ein Gespenst und Gespenster erschrecken nun mal für ihr Leben gern.« Das Turmgespenst schwebte an ihm vorbei und machte über dem Tisch halt. »Du musst zugeben, dass du jetzt richtig wach bist, nicht wahr?« In der Tat hatte der plötzliche Schreck, den kleinen Prinzen von Lallepo aus seiner Morgenmüdigkeit gerissen und nun fühlte er sich, als könnte er sofort losrennen.
»Ja, das stimmt, wach bin ich jetzt. Aber für die Zukunft sollten wir ein paar Abmachungen treffen. Und dazu gehört auf jeden Fall, dass du dich nicht mehr von hinten anschleichst und mich erschreckst. Sonst hätte ich gar keine ruhige Sekunde mehr, da du offenbar durch Wände gleiten kannst.« Der kleine Prinz von Lallepo hatte mit dem Rücken zur Wand gesessen und die Küchentür im Blick gehabt, dort konnte das Gespenst nicht hereingekommen sein, das hätte er gesehen. Also musste es durch die Wand gekommen sein.
Das Turmgespenst machte ein leicht enttäuschtes Gesicht. »Och schade, aber wenn du meinst, dann verzichte ich eben darauf.«
Ungeduldig zappelte das Gespenst über dem Tisch herum. »Na los, fertig werden, wir wollen anfangen. Ich bin schon ganz aufgeregt.«
»Ach, was du nicht sagst. Das ist kaum zu übersehen. So wie du rumzappelst, dachte ich schon, du musst dringend mal aufs Klo«, bemerkte der kleine Prinz von Lallepo scherzhaft. Dann fügte er beschwichtigend hinzu: »Es geht gleich los. Lass mich bitte noch kurz zu Ende frühstücken, ja?« Das Turmgespenst wiegte den Kopf hin und her. »Na schön, aber mach schnell, sonst muss ich am Ende doch noch vor Aufregung Pipi machen.« Irritiert blickte der kleine Prinz das Gespenst an, das angestrengt die Augen zusammenkniff. Konnten Gespenster wirklich pinkeln? Besorgt schaute er vom Gespenst nach unten zu seinem Essen auf dem Frühstückstisch.
»Hey, dann sieh zu, dass du von meinem Esstisch runterkommst«, rief der kleine Prinz von Lallepo empört.
»Pfff, ha, ha, ha! Reingelegt«, prustete das Gespenst fröhlich drauflos, »natürlich können Gespenster nicht Pipi machen, keine Sorge. Aber du hättest eben dein Gesicht sehen sollen, ha, ha, ha.« Ohne weiter auf den Spaßvogel einzugehen, trank der kleine Prinz von Lallepo seinen Orangensaft aus und räumte den Frühstückstisch ab.
Читать дальше