Bei Nieselregen klemmte sie die Krempen mit der Hand zusammen, dann schauten nur Löffel, Äuglein und Schnuppernäschen heraus. Wurde Mümmelchen müde, duckte er sich hinein und döste. Bei Schönwetter hielt sie die Hand unter den offenen Hut und ließ die Sonne auf Mümmelchens Pelz scheinen.
Auf der Wiese am Damm, der das Bungalowdorf zur Außenwelt abgrenzte, durfte der kleine Hase im Frühjahr ein bisschen herum hoppeln, frisches Gras und Kräuter fressen. Brav ließ er sich dann wieder an der Nackenfalte packen und in den Hut setzen. Mümmel fühlte sich wohl bei seinem Frauchen, das ihn hingebungsvoll zwischen den Ohren kraulte, wenn sie auf einer Bank saß und mit andren Studenten plauderte. Das Fell des zutraulichen Häschens war so weich - Luise war ganz vernarrt in ihn.
Die Mitbewohner im Studentendorf mochten Mümmel und so nahm Luise ihr Häschen stolz auf jedes Fest mit. Der alte Filzhut mit dem kleinen Hasen war eine Attraktion. Rockmusik und Rauch schienen ihn nicht zu stören. Der kleine Hase wandert von Arm zu Arm, bekam hier ein Salatblatt und dort eine Brotrinde, auch mal einen Apfelbutzen oder ein paar frisch gepflückte Löwenzahnblätter. Sobald jemand schwärmte, wie weich sein Fell sei, wollte ihn jeder streicheln und mit seinem zutraulichen Wesen eroberte er alle Herzen. Wenn Mümmel wieder im Hut hockte, guckte er neugierig herum und wenn er müde war, rollte er sich zusammen und schlief. Manchmal nagte er auch aus Langeweile ein kleines Loch in den Hut...
Zuhause setzte ihn Frauchen in die Schachtel zurück, die alle 3 Tage gesäubert wurde, und legt einen Haufen Grünzeug dazu. So war der kleine Hase schon eifrig am Kauen, wenn Luise morgens aufwachte.
Zum Sommer hin war Mümmel so groß, dass er nur noch mit dem Po in den Hut passte. Außerdem übersprang er schon die Töpfe und schnüffelte im Obergeschoss herum. Luise fürchtete, er könne was kaputt nagen und beschloss, den Nager auf den Balkon zu verbannen. Die hohe Betonbrüstung konnte er nicht überwinden.
Als Haus bekam Mümmel eine stabile Kiste, die gegen Hochwasser auf eine leere Getränkekiste gestellt und als Regenschutz mit Plastik abgedeckt wurde. Die offene Vorderseite schaute zum Fenster hin – da konnte Luise ihren Mümmel sehen, wenn sie zuhause war und das Hasenheim war windgeschützt.
Die Näpfe wurden in die Kiste gestellt, das Grünzeug lag draußen herum – dort konnte der junge Hase auf Entdeckung hoppeln. Bei Gewitter holte Luise ihren Liebling herein. Wenn es donnerte und blitzte, war er froh, bei ihr zu sein und blieb brav in der Schachtel sitzen.
Eines heißen Augusttages – Luise arbeitete 12 Stunden täglich in einem Ferienjob – ging das Wasser zur Neige. Mümmel bekam quälenden Durst und schaffte es in seiner Not auf die Brüstung. Vom Balkon im Obergeschoss ging es tief hinunter. Da traut er sich nicht zu springen. Also balanciert er weiter und hüpfte in den Nebenbalkon. Dort war nur nackter Beton, doch die Tür stand offen. Mümmel hoppelte hinein und suchte, ob er beim Nachbarn was fände.
Der griechische Student hatte gerade seine Mutter zu Besuch. Die wundert sich, als da plötzlich ein Hase auf der Treppe saß, aber Nikos kannte Mümmel und wusste,, wo er hin gehörte. Da Luise nicht zuhause war, bekam Mümmel bei Nachbars zu trinken und auch ein paar Brotreste. Weiters riss die griechische Mutter Blätter von Radieschen ab – eine Hasendelikatesse. Später ging sie hinaus und pflückt Blätter vom Riesenampfer – hmm, das schmeckte dem Hasen.
Als Luise abends mit einer riesigen Tüte frischen Hasenfutters ankam, erfuhr sie von Mümmels Ausbruch zum Nachbarn. Gleich stellte sie einen größeren Topf mit Wasser auf ihren Balkon – doch das Ausreißerproblem war damit noch nicht gelöst. Nachdem er einmal den Weg gefunden hatte, würde Mümmel Nikos immer wieder besuchen. Der hatte grundsätzlich nichts dagegen - er mochte Mümmel – bloß wenn er nicht zuhause war, sollte er nun vorsorglich immer die Balkontür schließen: Hasen nagen nämlich alles an und Luise wollte nicht, dass Mümmel bei Nikos Schaden anrichtete.
Im Wintersemester studiert Luise in Salzburg. Mümmel kam in ihrem großen Zimmer in einen alten Babylaufstall mit einem Boden aus Asbestzement. Ein Kistchen voller Torfmull diente als Hasenklo und ringsherum lag Heu. Ansonsten bekam er reife Sonnenblumen und Maiskolben. Über den Laufstall legte Frauchen nachts eine Tischdecke, damit ihn das Licht nicht stört, wenn sie noch am Schreibtisch saß.
Zwischen den Vorlesungen schaute Luise öfter zum grünen Markt, der in der Nähe ihrer Institute lag. Dort bat sie die Gemüsehändler höflich um Abfälle und packt ihren Fahrradkorb damit voll. Das reichte für etliche Tage. Mümmels Appetit hatte inzwischen nachgelassen – er war ja ausgewachsen.
Den bemalten Filzhut mit den Löchern setzte Luise im Fasching auf, zog dazu einen langen braunen Rock aus grobem Gewebe mit bunten Stickereien aus Afghanistan an und ging damit als Waldhexe. Wenn jemand fragte, wie die Löcher in den Hut reinkämen, erzählte sie begeistert von ihrem Häschen.
Ein Gartenhaus für Mümmel
Nach einem weiteren Sommer im Olympiadorf zog Luise mit ihrem Verlobten ins Erdgeschoss von Schwiegermutters Häuschen am südlichen Stadtrand von München. Für Mümmel bauten sie im Garten einen großen Stall – je einen Meter lang, breit und hoch, mit doppeltem Boden, doppelten Seitenwänden und doppelter Rückwand, in die das Heu für den Winter gestopft wurde. Da blieb es trocken und hielt das Hasenhaus gleichzeitig warm. Innen schraubte sie in halber Höhe ein halb so breites Zwischenbrett an – auf diese Galerie legte sich der Hase gern zum Mittagsschlaf. Links davor kam eine Heuraufe an die Wand, vorne standen zwei Näpfe für Körnerfutter und Wasser und in der rechten hinteren Ecke hatte das Hasenklo seinen Platz. Unter dem aufgesetzten Spitzdach wurde ebenfalls getrocknetes Gras gehortet.
Die Türe wurde außen mit Maschendraht vergittert, im Winter als Schutz vor der Kälte innen zusätzlich eine Plexiglasscheibe aufgeschraubt.
Mümmel wuchs im Herbst ein dicker Winterpelz und deshalb hatte er immer doppelten Hunger, sobald die Nächte kühl wurden. Bei starkem Frost holte ihn Luise herein und setzt ihn im Wohnzimmer in den Laufstall. Abends lag er beim Fernsehen auf ihrer Brust und wurde gestreichelt. Neugierig guckte er dabei begeistert den Eiskunstlaufmeisterschaften zu. Wenn das Winterwetter milder wurde, kam er wieder hinaus in sein Gartenhäuschen.
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