Man wollte nicht schwach erscheinen. Diese Einstellung hatte sich inzwischen geändert. Wenn alle unter dem unerklärlichen Phänomen litten, musste man sein eigenes Problem nicht mehr verstecken.
Einige der im Konferenzraum versammelten Ingenieure und Physiker hatten den im Fernsehen gesendeten Vergebungsprozess durchgeführt, um sich selbst kein Versäumnis vorwerfen zu können.
Ihre Bitte um Vergebung beinhaltete jedoch keine Reue und kam nicht aus ihrem Herzen. Deshalb konnte die Vergebung nicht gelingen. Da der Vergebungsprozess nicht erfolgreich war, gaben sie weitere Versuche auf. Nach ihrer Überzeugung war das Verfahren unzuverlässig.
Dagegen hatte sich die Anwendung von modernen Medikamenten bei den verschiedensten Krankheiten als zuverlässige Hilfe erwiesen. Die Ingenieure und Physiker versuchten daher, mit Hilfe von Medikamenten weiterhin ihren Job zu machen.
Mit den Medikamenten konnten sie die auf sie einstürmenden Gedankenbilder immer kurzfristig abschwächen, um auch andere Gedanken in ihr Bewusstsein zu holen. So waren sie noch zeitweise halbwegs arbeitsfähig, wenn auch mit gravierend eingeschränkter Produktivität und Performance.
Seit Dienstag hatten die Techniker von NBC und CBS zusammen mit den Technikern vom FBI versucht, den Piratensender zu lokalisieren. Bisher ohne Erfolg. Sie waren verzweifelt. Die Unterbrechung der TV-Sendungen von NBC und eine Stunde später von CBS durch den Sender der Botschaft der geistigen Welt zur Vergebung war für die betroffenen TV-Sender ein großes Ärgernis.
NBC und CBS, die mit ihren Senderketten in den USA über eine gewaltige Macht verfügten, mit der sie die Zuschauer und Zuhörer nach Belieben in ihrem Sinne manipulieren konnten, waren plötzlich dem Diktat eines Piratensenders unterworfen. Das war demütigend.
Das musste schnellstens siegreich beendet werden. Leider schien der Sieg noch ein Stück entfernt zu sein. Der Piratensender musste nur geortet werden. Dann konnte er von FBI oder Polizei leicht ausgeschaltet werden.
Trotz Einsatz modernster Technik hatten die Ingenieure den Piratensender noch nicht orten können. In der Geschichte der Sendetechnik hatte es solch einen Fall noch nicht gegeben. Jeder Sender sendet Signale, die auf einen Empfänger treffen. Jedes Mobilfunk-Telefon ist ein Sender und kann geortet werden. Genauso leicht müsste es mit dem Piratensender sein. Doch in diesem Fall war es anders.
Die Techniker orteten mit ihren modernsten Geräten nur das Signal des Piratensenders, das beim Satelliten ankam. Sie konnten nicht die Sendequelle orten. Auch die befragten Physiker von Forschungseinrichtungen konnten das Problem nicht lösen. Es wurden theoretische Vermutungen angestellt.
Eine Theorie war, dass der Sender die elektromagnetischen Sendewellen in der Sendequelle in Einzelteile, eine Art Pakete zerlegt und in diverse Richtungen aussendet. Das wäre eine Technik ähnlich dem Internet, wo auch Daten in einzelne Pakete aufgeteilt und über weltweit verstreute Server zum Server am Zielort gesendet werden. Aber diese einzelnen Pakete hätte man messen können. Dennoch war das nicht gelungen.
Es wurde deshalb vermutet, dass die gesendeten einzelnen Pakete von Daten am Ausgang des Senders sofort verwirbelt werden. Sie waren gelegentlich mal hier und dort, über den verschiedensten Bundesstaaten zu finden. Dann wirbelten diese Bruchstücke wieder an anderen Orten umher. Die Techniker konnten nicht einmal ein einzelnes Sendepaket orten. Das verblüffte und verunsicherte die Techniker.
Es hätte auch sein können, dass der Sender seine Daten in viele einzelne Pakete mit sehr schwacher Energie aufteilt, deren geringe Energie nur in nächster Nähe zu messen wäre. Erst beim Eintreffen der Wellen am Satelliten würden die einzelnen Pakete zur normal notwendigen Energie verdichtet und zusammengesetzt werden.
Eine dritte Theorie war, dass der Sender anfangs nur von den üblichen Messgeräten nicht messbare Quanten aussendet. Diese Quanten werden erst kurz vor dem Eintreffen beim Satelliten zu elektromagnetischen Wellen verdichtet werden.
Die Techniker diskutierten lange über die verschiedenen Theorien. Sie kamen am Ende zum Ergebnis, dass sie nicht über die notwendige Technik in Form von Messgeräten verfügten, um den Sender zu lokalisieren.
Von dem Entwickler und Hersteller des Piratensenders wurde eine Technik verwendet, die bisher unbekannt war. Diese Technik konnte militärisch hoch bedeutsam sein. Bei der gegenwärtig bekannten Sendetechnik, die bei militärischen Operationen zur Kommunikation benutzt wurde, z.B. vom Pentagon mit Schiffsverbänden in Übersee, konnten die verschlüsselten Signale vom Gegner entschlüsselt werden.
Die Kommunikation war damit nicht mehr geheim. Man erinnerte sich daran, dass es im 2. Weltkrieg den Technikern von Großbritannien gelungen war, die von der deutschen Kodiermaschine generierten Kodes zu entschlüsseln. Die Briten konnten dadurch einen großen Teil der deutschen U-Bootflotte vernichten.
Bei der vom Piratensender verwendeten Technik war dagegen der Inhalt der Nachricht, vom Sender bis kurz vor dem Empfänger, nicht zu orten und nicht abzuhören. Wenn der Entwickler des Piratensenders diesen für militärische Zwecke entwickelt hätte, wäre die Nachricht erst beim Empfänger aus den einzelnen Paketen zusammengesetzt worden. Ein Abhören von Nachrichten wäre für Gegner unmöglich. Das wäre militärisch ein bedeutsamer Vorteil.
Auf Anregung von Kyle Nandor wurde beschlossen, dass die Ingenieure von FBI, NBC und CBS zunächst die technische Literatur zum Bau und Betrieb von Sendern studieren, um Hinweise auf den Entwickler des Piratensenders zu finden.
Einige Teilnehmer wiesen darauf hin, dass es wegen der vielen Krankheitsfälle zu lange dauern würde, um ein Ergebnis zu erzielen. Sie schlugen vor, dass Büros des FBI im Ausland diese Literatur-Recherchen übernehmen sollten. Diesem Vorschlag stimmte Nandor zu. Der Direktor des FBI würde das Notwendige veranlassen.
Kyle Nandor übernahm es, die CIA um Mithilfe zu bitten, ihre Kontakte zu den verbündeten Nationen zu nutzen. Vielleicht konnten auf diesem Wege Hinweise auf den Entwickler und Hersteller des Piratensenders gefunden werden. Die bisherigen Maßnahmen, mit Messtechnik den Piratensender zu lokalisieren, wurden eingestellt. Sie waren zwecklos.
Als dritte Maßnahme wurde vereinbart, dass FBI und Polizei per Luftaufklärung nach Satelliten-Schüsseln mit einem Durchmesser von 4 Fuß oder 1,20 m suchen sollten. Für den Betrieb eines Senders wurde mindestens eine Satelliten-Schüssel in diese Größe benötigt.
Zu Lande sollte die örtliche Polizei auf Camping-Plätzen und in den Häfen auf Booten und Yachten die Größe der Satelliten-Schüsseln überprüfen. Nandor sprach jedoch hierzu die Vermutung aus, dass zu viele Piloten und Polizeibeamte krank sein könnten, um wirksam nach solch einem großen Satelliten-Spiegel suchen zu können.
Nandor beendete die Besprechung und dankte den Teilnehmern für ihre Mitarbeit trotz gesundheitlicher Beeinträchtigungen. Anschließend informierte er den Direktor des FBI über das Ergebnis der Besprechung und verabschiedete sich in den Krankenstand.
Der Direktor des FBI wies die Büros in London, Paris und Berlin an, die bekannte technische Literatur über den Bau und Betrieb von Sendern zu durchsuchen. Sie sollten klären, ob es einen Hinweis auf den Entwickler und Hersteller des Senders gebe, der in den USA mit den bekannten technischen Messgeräten nicht zu orten war.
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