Das Geschick und die Fähigkeit, Gesten anderer Menschen zu deuten und lesen zu können, gleichsam eigene Gestiken gezielt einzusetzen, birgt viele Vorteile und fördert das Zwischenmenschliche Verständnis ungemein.
„Guten Tag, mein Name ist Harry Sher, …
was darf ich für Sie tun?“………
So nehme ich im Allgemeinen meine Telefonanrufe entgegen. Wie auch Ihnen täglich mehrere Male bewusst werden dürfte ist das Telefon/Handy aus unserer heutigen Welt nicht mehr wegzudenken. Das Telefon ist für fast jeden von uns zu einem alltäglichen Gebrauchsgegenstand geworden und so lebensnotwendig wie Strom und fließendes Wasser. Aber das nur am Rande. Worauf ich eigentlich hinaus will ist die Tatsache, dass jeder von uns, auch Sie, mehrmals am Tag „telefoniert“. Ob mit stets gleichbleibender Begeisterung sei dahin gestellt. Fakt ist – zu jedem Anlass muss erst einmal telefoniert werden.
Dabei spielt es jedoch keine Rolle ob Sie eines der neuesten Modelle aus der Smartphone-Generation, ein älteres meist schnurloses Telefongerät oder aber noch ein Model der „Wählscheibengeneration“ – am Ohr halten.
Gleichbleibend bei allen „Fernsprechgeräten“ ist jedoch die Tatsache, dass wir während des Telefonierens unseren Gesprächspartner nicht sehen können, die uns aber in keiner Weise davon abhält oder beeinflusst durch und mit Gesten zu kommunizieren.
Sobald wir in irgendeiner Form beginnen uns mit einem anderen Partner verbal auseinander zusetzen, werden einige bestimmte Gliedmaßen unbewusst aktiviert und begleiten den gesprochenen Text, in einer Art „Co-Moderation“, mit erklärenden/bezeichnenden Bewegungen, unseren Gesten.
„……ja Peter prima. Dann treffen wir uns am besten in einer Stunde bei mir. Wenn Du Dich am Baumarkt XY links hältst und dann an der großen Kreuzung vor der neuen Tankstelle rechts abbiegst bist Du auf jeden Fall schneller als wenn Du erst von hinten über Da und Dort her kommst….“.
Und was passiert? - Jedem von uns –, völlig unbeabsichtigt oder geplant -….Mindestens eine Extremität beginnt dem Peter in Form von bestimmten, gut erkennbaren Bewegungen den erklärten Weg zu „zeigen“…, obwohl er uns, wie unser Gehirn eigentlich weiß, nicht sehen kann. Auch ist es völlig irrrelevant, wer da gerade mit wem telefoniert. Ob es die beste Freundin Pia ist, der ich ganz dringend berichten muss, was für einen tollen großen Kleiderschrank mir mein Ehemann gerade gekauft hat oder ob es der Tierarzt Pudelwohl ist dem ich erklären muss, wie sich mein Hund mehrmals täglich, fast anfallsartig mit dem Hinterteil über meinen Teppichboden im Wohnzimmer schubbelt, ohne dabei die Hinterbeine zu gebrauchen. Mindestens ein Arm „zeichnet“ Pia die Form und Größe meines gerade eben neu erstandenen Kleiderschrankes nach oder „zeigen“ meinem Tierarzt Pudelwohl die zuckenden Vor- und Rückwärtsbewegungen, die mein Hund Shiva scheinbar exzessiv auf meinem Teppichboden vollführt.
Allerspätestens jetzt dürfte sich jeder von Ihnen liebe Leser, an eines dieser sprichwörtlich „BEDEUTENDEN“ Telefonate erinnern, wobei Sie ihrem „FERN-Gesprächspartner“ ausdrucksstark etwas „zeigten“, was für beide Beteiligten aber nicht zu sehen war.
Wenn Sie mich nun fragen wollen ob das „Untermalen“, zum Beispiel am Telefon, ohne sichtbaren Partner, schlimm oder gar krankhaft ist, kann ich Sie beruhigen.
Das Untermalen während und mit Ihren „Gesten“ passiert, mehr oder weniger ausgeprägt, automatisch und ist deshalb völlig normal und in Ordnung.
Seit Jahrhunderten gilt der Händedruck als Zeichen der Achtung, der Einigkeit, der Freude und Wertschätzung. In der heutigen Gesellschaft gehört der formelle Handschlag zum „Guten Ton“ und ist als Zeichen der „Begrüßung“ eine unerlässliche Geste.
Jedoch werden auch größte Freude und Dankbarkeit mittels eines Händedruckes in Verbindung mit einer wohlgemeinten Umarmung zum Ausdruck gebracht.
Die Art und Weise jedoch, wie ein obligatorischer Händedruck ausgeführt wird, übermittelt uns eine Vielzahl von Informationen. Wir können daraus beispielsweise Unsicherheit oder Aggressivität, genauso wie Zielstrebigkeit oder Selbstbewusstsein erkennen. So lässt sich also der Händedruck als erste Maßnahme anwenden, um den sprichwörtlichen „ersten Eindruck“ einer Person zu gewinnen, der dann auch wiederum den Verlauf eines Gespräches stark beeinflussen kann.
Die gesamte Prozedur des Händedruckes bei normalem Verlauf dauert nicht länger als drei bis vier Minuten. Aber ist Ihnen bekannt oder können Sie sich in etwa vorstellen, wie viele falsche oder richtige „Informationen“ sie damit weitergeben geben können?!Nun, bei diesem Gedankenspiel fallen Ihnen sicherlich so manche in Erinnerung gebliebene „Begrüßungserlebnisse“ mit den unterschiedlichsten
Empfindungen ein. Ein feuchter, schlaffer Händedruck beispielsweise, wird bei Ihnen wohl kaum sympathische Zuwendung erwachsen lassen. Reicht man Ihnen nur die Fingerspitzen, zeugt das von äußerster Unkonzentriertheit.
Eiskalte Hände hingegen erwecken das gleiche unwohle Gefühl wie ein vermeintlich nicht enden wollender, nicht loslassender Händedruck. Sofort beschleicht einem der Gedanke, vor dieser Person nicht so leicht entfliehen zu können.
Grundsätzlich jedoch sollte es so sein, dass der Handschlag oder Händedruck einer Person, Vertrauen übermittelt. Sehr wichtig hierbei ist auch der Blickkontakt zum Gegenüber.
Zeigt der Handrücken einer zum Gruße gereichten Hand nach oben, wird „Dominanz“ ausgedrückt, denn dem Gegenüber bleibt keine andere Wahl, als seine Hand darunter zu schieben und somit die Position des Untergeordneten einzunehmen.
Man kann ebenso gut die gereichte Hand des Gegenübers während des Ergreifens nach unten drehen, um so die eigene Dominanz, durch die obenauf liegende Hand, auszudrücken. Wird der Händedruck kraftvoll bis mitunter schmerzhaft ausgeführt, erübrigt sich ebenfalls die Frage nach der Dominanz der Beteiligten Personen.
Dreht man jedoch die Hand-Innenfläche so, dass sie schräg oder auch völlig nach oben zeigt, akzeptiert oder begrüßt man es wenn der andere Part von Beginn des Gespräches an, die Führungsrolle übernimmt. Man baut vom ersten Moment an, Vertrauen und Wertschätzung zur anderen Person auf. Wird einem die Hand senkrecht entgegengestreckt bedeutet dies die Gleichstellung beider beteiligten Personen. Man möchte weder dominieren, noch sich unterwerfen.
Zum Durchführen eines „Distanzhandschlages“, streckt man die Hand so weit wie möglich vom eigenen Körper weg, so dass ein möglichst großer Abstand zwischen den Personen herrscht. Dies signalisiert dem Gegenüber sofort das eine „Antipathie“ zu Ihm besteht oder aber, dass man Ihn erst noch etwas besser kennenlernen möchte um mehr Nähe zulassen zu können.
Alternativ zum Distanzhandschlag gibt es noch die entgegengesetzte Variante. Man lässt zum Händeschütteln die eigene Hand nur minimal vom Körper abrücken. Will das Gegenüber die ihm gereichte Hand ergreifen, so muss es sehr dicht herantreten und stellt so unbeabsichtigt eine körperliche Nähe her. Diese Form des „Hände schütteln“ drückt unmissverständlich Dominanz aus und kann die eigene Person sehr schnell unsympathisch werden lassen.
Nach derart vielen „Handschlägen- und Schüttlern“, fragen Sie sich doch nun sicherlich …, wie funktioniert es den jetzt richtig, das perfekte und angemessene Händeschütteln?
Ich verrate es Ihnen. Das funktioniert ganz einfach SO!
Nach dem herstellen eines Blickkontaktes mit der entsprechenden Person, begrüße ich diese mit einem Lächeln, unter Einhaltung eines respektierenden Abstandes, mit festem Händedruck und einem freundlichen: „Guten Tag, mein Name ist Harry Sher“.
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