Ich wusste nicht, ob ich mich wohlfühlen könnte oder gleich wieder gehen sollte, befand mich in einem totalen Zwiespalt, wobei jede Intuition ausgeschaltet war.
Von ihren Outfits her waren beide Mädels auf Hexe gestylt, mit kräftiger Schminke, Shania war rothaarig und Lilith hatte tiefschwarzes Haar. Nun, ich denke, beide hatten da mit Farbe etwas nachgeholfen, damals hatte das Ganze für mich etwas einen Touch von Verkleidung. Obwohl Shanias grünes mittelalterliches Gewand mir durchaus recht gut gefiel. Lilith machte eher optisch den Eindruck, als käme sie aus der Gruftiszene. So im Rückblick war der erste Eindruck einigermaßen skurril. Jörg war der Einzige, der ‚normal‘ ausschaute.
Ich war viel zu neugierig, um gleich wieder abzuhauen und die Flucht zu ergreifen. Wahrscheinlich haben die anderen sich auch Gedanken über die Kräuterhexe Calea gemacht, die nur ein wenig geschminkt war, recht bürgerliche Kleidung trug – dazu noch schwarze –, um die überflüssigen Kilos zu kaschieren. Leider konnte ich die nicht wegzaubern und damals auch noch nicht so gut dazu stehen. Und dann noch der Altersunterschied, ich war gute zehn bis fünfzehn Jahre älter als der Durchschnitt.
Es wurde aber noch ganz nett, wir haben alle zusammen gekocht: Gemüse geschnippelt, Kartoffeln geschält und Fleisch gebraten. Keiner von uns war Vegetarier. Jedenfalls schmeckte das Essen richtig gut. Da ich mit dem Auto unterwegs war, habe ich auf den Wein verzichtet und mich mit Wasser begnügt, obwohl mir ein Schluck Rotwein zur Entspannung recht gutgetan hätte. So langsam gewöhnte ich mich an die Situation, und die anderen sich vielleicht auch ein wenig an mich, schließlich war ich eine liebe Hexe!
Nach dem Essen gingen wir in das Wohnzimmer, einen kleinen gemütlichen Raum, in dem wohl alles Mögliche verräuchert wurde. Meine Nase bemühte sich, mir mitzuteilen, um welche Substanzen es sich handelte, aber ich konnte den Duft nicht identifizieren.
Shania zündete einige Räucherstäbchen an, dann sollte die Wicca Arbeitsgruppe tagen.
Die Hohepriesterin beschäftigt sich jetzt nur mit mir, denn die anderen sind schon länger in der Gruppe und mit dem Lehrstoff vertraut. Shania erzählt mir etwas über die Gardner-Wicca-Traditionen und über das Hexenlehrjahr, das mindestens ein Jahr dauert, und nach dem die Hohepriesterin / der Hohepriester entscheiden wird, ob die Schülerin oder der Schüler die nötige Reife hat, um die Initiation zu erhalten. Sie können auch dagegen entscheiden, es liegt in ihrer Hand. Ich müsste mich damit an ihren Mann Darius wenden, da nur gegengeschlechtlich eingeweiht werden kann.
Dann liest sie mir vor, was ich als Erstes lernen und üben müsse, nämlich Salz zu segnen. Ich schreibe mir alles auf, auch den Spruch, den ich auswendig lernen soll. Salz wirkt reinigend, es ist ein Bestandteil von Mutter Erde und wird deshalb dem Erdelement zugeordnet.
Meine Aufgabe war es nun, Assoziationen zum Thema Erde zu finden und darüber zu meditieren, außerdem dreimal täglich Salz zu segnen. Leider ist Geduld nicht unbedingt eine meiner Stärken, und die Übung des Salzsegnens dreimal täglich, und das vier Wochen lang, kann relativ langweilig werden. Heute verstehe ich den Sinn, bin aber trotzdem der Überzeugung, dass jeder Mensch anders ist und auch anders lernt. Mir fehlte ein bisschen die Motivation bei dieser Aufgabe.
Ich kürze das Ganze einmal ab, es gab noch zwei Treffen, in denen wieder kein Ritual stattfand. Dann löste sich die Gruppe überraschend auf, weil die Wiccapriesterin und der Priester sich jeweils in ihre Schüler verliebten.
Beim Odin, da waren die Energien wohl zu heftig! Da Shania und Darius im realen Leben ein Ehepaar waren, stand eine Scheidung und Trennung von Bett und Tisch an. Ich habe mich nach der Auflösung des Arbeitskreises noch einmal mit Shania und ihrem neuen Lebensgefährten Jörg getroffen, ich hatte sie zu mir nach Hause eingeladen. Shania gab mir tatsächlich eine weitere Lernaufgabe, denn ursprünglich wollte ich weiter in Kontakt mit ihr bleiben. Nach diesem Besuch war mir aber klar: Das ist es nicht, was ich will.
Es gab für mich keine Geborgenheit im Kreise vertrauter spiritueller Freunde, sondern nur Unruhe und Unzentriertheit. Ich habe selber schon erlebt, wie heftig erotische Energien im spirituellen Bereich wirken können, jedoch sollte eine Hohepriesterin, die auch eine Lehrerin ist, anders damit umgehen können. Ich fühlte mich sehr alleine mit meinem ‚Anderssein‘. Wo sind denn die Hexen? Wahrscheinlich alle mit ihrem Besen auf dem Weg zum Blocksberg, und die Suche geht weiter!
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