Ob wir etwas als „gut“ oder „schlecht“ empfinden, ist also Ergebnis unserer Bewertung, die auf unserer Erfahrung basiert. Dies können wir uns auch im Alltag zunutze machen, wie der nächste Glückstipp zeigt.
Versuchen Sie einmal ganz bewusst, an allem, was Ihnen widerfährt, etwas Positives zu finden.
Machen Sie beispielsweise einen Fehler, dann suchen Sie danach, was Sie trotzdem alles richtig gemacht haben. Meckert Sie jemand an, dann freuen Sie sich darüber, dass Sie selber besser gelaunt sind. Verlieren Sie 10 Euro, dann freuen Sie sich darüber, dass es keine 20 Euro waren. Und so weiter.
Mit etwas Phantasie und ein wenig Übung lässt sich in jeder Situation ein „Goldstückchen“ finden.
Ein für unser Thema besonderer Bereich des Gehirns ist das Limbische System . Es befindet sich im Zwischenhirn und den angrenzenden Gebieten. Zu ihm gehören u.a. der Hippocampus , die Amygdala (wegen seines Aussehens auch „ Mandelkern “ genannt), der Gyrus Cinguli und der Nucleus Acumbens . Sie bilden wesentlich das Belohnungssystem unseres Gehirns, das an der Erzeugung der Glücksgefühle maßgeblich beteiligt ist.
Was geschieht dort?
Wenn wir einen Reiz empfangen, der von unserem Gehirn als vorteilhaft interpretiert wird, werden im Belohnungssystem chemische Substanzen, sog. Botenstoffe freigesetzt. In diesem Fall ist es der Botenstoff Dopamin . Dieser wird zum Nucleus Acumbens und zum Frontalhirn geleitet, dort aufgenommen und erzeugt in diesen eine erhöhte Aktivität. Daraufhin produzieren bestimmte Nervenzellen im Nucleus Acumbens opiumähnliche Stoffe - wir fühlen uns euphorisch, glücklich. Das Dopamin im Frontalhirn führt dazu, dass unser Gehirn besser funktioniert: Wir werden aufmerksamer, verarbeiten die Informationen besser und lernen so, was gut für uns ist.
Glücksempfinden ist also im Grunde „nur“ ein Nebenprodukt des Lernprozesses, der dadurch optimiert wird. Das Lernen in angenehmer, stressfreier Atmosphäre ist nebenbei deutlich erfolgreicher, wie Untersuchungen der Hirnforscher zeigen.
Unser Gehirn ist anscheinend auch daran interessiert, möglichst viel zu lernen und möglichst viele neue, gute Erfahrungen zu machen. Zumindest ist dieses Ziel in unserem Belohnungssystem hinterlegt. So führt ein wiederholter, gleichartiger Reiz zu immer geringerer Dopaminausschüttung. Es tritt ein Gewöhnungseffekt auf. Anders herum stellt sich ein besonders hohes Glücksempfinden ein, wenn etwas besser ist, als erwartet. Auf diese Weise soll wohl, wie die Forscher annehmen, auch die Korrektur von falschen Vorannahmen erleichtert werden.
Die „Pille für das Glück“?
Wenn „Glücklichsein“ durch die Wirkung chemischer Substanzen im Gehirn hervorgerufen wird, dann liegt die Vorstellung nahe, dass wir uns mit einer Pille dieses Glück verschaffen könnten.
In der Tat gibt es Medikamente, die genau dies machen. Verschiedene Psychopharmaka wirken mit ihren Substanzen auf das Glückzentrum und aktivieren es. Auch manche Drogen wie Alkohol, Nikotin, Kokain oder Amphetamine imitieren die Dopaminausschüttung und erzeugen so starke Glücksgefühle.
Der Haken dabei ist, dass sich unser Glückszentrum relativ schnell an die Dosis gewöhnt und dann nach mehr verlangt. Für gleiches Glücksempfinden muss also die Menge an Botenstoffen erhöht werden.
Parallel dazu verlieren andere, eigentlich glücklich machende Erfahrungen an Bedeutung, da diese natürlich nicht dazu in der Lage sind, einen solchen Pegel zu erzeugen 8. Es kommt zur Abhängigkeit mit allen negativen Begleiterscheinungen.
Ein in der Werbung gerne aufgegriffener Punkt ist die glücklich machende Wirkung von Schokolade. Tatsächlich enthält Schokolade viele Stoffe, die eine glücklich machende Wirkung haben. Nur leider ist der Anteil viel zu gering, um einen Effekt zu erzeugen. Bevor man eine wirksame Dosis aufgenommen hätte, wäre einem schon längst übel geworden. 9
Wie unser Glückszentrum uns manchmal austrickst
Wie gesagt ist unser Gehirn optimal auf die Lebenserhaltung ausgelegt. Da sich aber unsere Lebensumstände in den vergangenen Jahrtausenden deutlich verändert haben, führt das dazu, dass auch manche schädliche Verhaltensweisen belohnt werden.
Ein Beispiel dafür ist unsere moderne Ernährung: Zu fett, zu salzig, zu süß - Pizza, Pasta, Pommes, Kekse.
Fett, Kohlehydrate und Salz waren für unsere Vorfahren überlebensnotwendig. Daher ist unser Glückssystem darauf geschult, den Erhalt dieser Stoffe mit großem Glücksempfinden zu belohnen. Leider ist unser Gehirn nicht darauf ausgelegt, mit einem Übermaß an diesen Dingen umzugehen, da dies in der Natur nicht vorkommt. Die Folge: Übergewicht, chronische Erkrankungen durch Mangelernährung trotz vollen Tellern, usw. Eine 2011 erschienene Studie bewies zudem, dass sog. „Cafeteria-Essen“ tatsächlich süchtig machen kann. 10
Glücksgefühle steuern unser Verhalten
Der Mensch ist von seiner Entwicklung her ein „Rudeltier“. Als Individuum relativ schwach und schutzlos, gewährleistet die Gruppe einen Ausgleich der Schwächen. In der Frühzeit der Menschen bot die Gruppe:
Schutz vor Gewalt und Umwelteinflüssen: in der Gruppe konnte man sich gegen rivalisierende Gruppen oder größere und stärkere Raubtiere zur Wehr setzen.
Nahrung: in der Gruppe war die Jagd erfolgreicher. Auch größere oder schnellere Wildtiere konnten gemeinsam erlegt werden.
Soziale Kontakte in der Sippe: in der Sippe boten sich zahlreiche Möglichkeiten der Paarung, die ohne die Gruppe so nicht gegeben waren. Dazu war es förderlich in der Gruppe eine möglichst ranghohe Stellung einzunehmen. Im Verlauf der Entwicklung waren das nicht immer die körperlich Stärksten, sondern auch diejenigen, die besondere Fähigkeiten hatten.
Ein Ausschluss aus der Gruppe bedeutete damals ein Todesurteil. Somit war für unser Gehirn alles das wichtig, was das Verbleiben in der Gruppe sicherstellte, eben weil es einen deutlichen Überlebensvorteil bot. Soziale Kontakte waren und sind daher von elementarer Bedeutung für jeden Menschen.
Versetzen wir uns in Gedanken einmal zurück in die Haut unserer Vorfahren vor 20.000 Jahren. In kleinen Sippen durchstreiften sie die Landschaft auf der Suche nach Nahrung. Zum Schutz vor Wetter und Raubtieren zogen sie sich nachts in Höhlen zurück. Bei einer Gefahr gab es vier grundsätzliche Verhaltensmöglichkeiten:
Vermeidung, d.h. einer Gefahr, die frühzeitig erkannt worden war, möglichst aus dem Weg gehen.
Flucht, wenn dies noch möglich war.
Kampf, mit dem Ziel der Überwindung oder Vertreibung und
Tot stellen, d.h. in Starre verfallen und hoffen, dass die Gefahr vorbei geht.
Wie gesagt, sind 20.000 Jahre für die Evolution eine sehr kurze Zeit. Unser Leben hat sich in dieser Zeit jedoch drastisch verändert. Die Gefahren heute sind ganz andere als die, denen unsere Vorfahren gegenüber standen. In den allerseltensten Fällen müssen wir heute noch mit echten Säbelzahntigern kämpfen.
Und das Beschaffen von Nahrung oder Kleidung im Kaufhaus funktioniert auch ohne Gruppenunterstützung recht reibungslos. Manchmal sogar viel besser, wenn man den Berichten mancher gestresster Ehemänner glaubt.
Auch die Möglichkeit unter den knapp 80 Mio. Bundesbürgern oder den restlichen rund 7 Mrd. Menschen einen Sexualpartner zu finden sind heute ungleich höher als damals.
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