„Das ist nicht obszön, das ist natürlich.“
„Völliger Blödsinn.“
„Bist du eigentlich noch Jungfrau?“
„Spinnst du! Das wurde schon vor längerer Zeit erledigt.“
Er grinste plötzlich. „Du gibst dich als kühle Lady, als das Produkt deiner millionenschweren Familie. Die wohlerzogene Anna Ravensberg. Aber mir machst du nichts vor. Deine Haltung ist der Versuch, innere Unsicherheit zu verdecken. In Wahrheit verstehst du mich sehr gut.“
„Was hilft es dir, wenn ich Lauras Lebensweise verurteile und dich bemitleide? Du machst es nicht besser, indem du versuchst, mich zu verführen.“
„Ich hätte von Anbeginn versuchen sollen, dich statt Laura zu heiraten.“
„Es führt zu nichts, wenn du solche Hypothesen aufstellst“, erwiderte sie.
Er legte eine Hand um ihre Schulter und ließ seine Finger über die seidenweiche, glatte Haut in Annas Ausschnitt gleiten. Er merkte, wie ihr Atem sich beschleunigte und bekam einen trockenen Mund, als seine Fingerspitzen die Ansätze von ihren jungen, elastischen Brüsten berührten. Wieder war es wie vorhin. Sie zögerte ein paar Sekunden zu lange, um überzeugend zu wirken. Sie gestattete es ihm, bis zu ihren von den Halbkörbchen des weißen BHs umschlossenen Brustwarzen vorzudringen, dann stieß sie seine Hand zurück.
„Du sollst das lassen!“, erklärte sie scharf.
Er schluckte. Oh nein, meine Liebe, dachte er. So haben wir nicht gewettet. Du hast es ganz gern, wenn ich dich auf diese Weise berühre. Du ziehst die Notbremse für meinen Geschmack etwas zu spät. Ehe es geschieht, genießt du es ganz offenbar, dich und mich scharf zu machen.
„Ich muss dich haben“, flüsterte er.
Anna erhob sich abrupt. „Du wirst jetzt gehen“, erklärte sie. Auf ihren Wangen brannten zwei Flecken von hektischer Röte und in ihren großen, schönen Augen zeigte sich ein erregter Glanz.
„Was hast du heute Abend vor?“, fragte er und erhob sich langsam von der Sessellehne.
„Was geht das dich an?“
„Ich würde es bedauern, wenn du den Appetit, den ich dir gemacht habe, bei einem anderen stillst.“
„Du redest Unsinn.“
„Du hast dich so elegant angezogen und willst ausgehen, richtig?“
„Du irrst dich.“
„Oh, dann erwartest du Besuch?“
„Ja, aber das kann dir egal sein!“
„Oh nein, es stört mich“, erklärte er. „Ich hatte mir fest vorgenommen, dich heute zu erobern.“
„Du bist ein Kindskopf.“
„Ich wüsste gern, wie du mich siehst“, sagte er ernst. „Doch nicht als Kindskopf, oder?“
„Das hängt von deinem Benehmen ab.“
„Du hast dir ein Bild von mir gemacht, das davon unabhängig sein muss. Ich bin ein Mann, du bist eine Frau. Wie siehst du mich? Was bin ich für dich?“, fragte er drängend.
„Du bist mein Schwager“, erwiderte sie. „Der Mann meiner Schwester. Nicht mehr und nicht weniger.“
„Blödsinn!“, sagte er grob. „Ich will keine verwandtschaftliche Definition von dir haben. Ich glaube dir einfach nicht, dass du in mir nur ein Gesicht, einen Namen und eine Familienfunktion siehst.“
„Was erwartest du jetzt von mir?“, fragte sie. „Soll ich dir gestehen, dich heimlich zu lieben? Soll ich sagen, dass ich meine Schwester um ihren attraktiven Ehemann beneide?“
Er grinste matt. „Ja, das würde ich gern hören.“
„Du bist ein Playboy, nichts weiter.“
„Das bin ich nie gewesen. Ich musste hart arbeiten, um mich durchzuschlagen.“
„Das kenne ich schon! Damit kokettierst du gern. Der Junge vom Land, der es geschafft hat, sich im Leben durchzusetzen! Zugegeben, das ist anzuerkennen, aber dieses Schicksal teilst du mit massenhaft anderen Menschen. Die Ehe mit Laura hat dich reich gemacht. Ich finde, du kannst es dir unter diesen Umständen leisten, die Seitensprünge deiner Frau zu ignorieren.“
Er musste sich beherrschen, um Anna nicht zu ohrfeigen. Sein Begehren fiel angesichts seines Zornes in sich zusammen wie ein Kartenhaus. Er machte kehrt und ging zur Tür. Er öffnete sie und durchquerte die große Diele.
„Leon!“, rief Anna hinter ihm her.
Er blieb stehen, vom Licht umflossen, drehte sich um und ging zurück zur Schwelle der Wohnzimmertür.
„Was ist noch?“, fragte er unverändert zornig. „Ich dachte, ich soll deine Wohnung verlassen.“
„Es tut mir leid“, sagte sie. „Ich hätte das nicht sagen dürfen. Es war hässlich von mir.“
Er ging auf sie zu, blieb dicht vor ihr stehen und sagte: „Du bist so wunderschön, Anna.“
Sie schwieg. Er legte seine Arme um sie und zog sie langsam an sich. Anna wehrte sich nicht. Ihr Körper war weich und fest zugleich, er war leicht, biegsam, erregend.
Er küsste sie auf den Mund. Ihre Lippen öffneten sich nur langsam, aber als seine Zunge drängend und fordernd in ihre Mundhöhle stieß, begegnete sie ihm plötzlich mit der gleichen, begehrlichen Wildheit.
Seine Erektion war sofort wieder präsent; sie teilte sich dem Mädchenkörper mit pochender Hitze und Härte mit. Anna presste ihren Unterleib dagegen, machte sich aber im nächsten Moment wieder außer Atem von ihrem Schwager frei.
„Das hat doch alles keinen Sinn“, murmelte sie verwirrt. „Lass uns vernünftig sein.“
„Ist es unvernünftig, wenn man sich liebt?“
„Du liebst mich nicht!“
„Doch, das tue ich.“
„Du begehrst höchstens meinen Körper.“
„Natürlich tue ich das, aber ich liebe dich auch“, sagte er und ergriff ihre Hand, führte sie an die Ausbeulung seiner Hose. „Ich möchte, dass du fühlst, wie du mich erregst, wie mir zumute ist...“
Er zuckte zusammen, als er Annas schlanke Finger für den Bruchteil einer Sekunde an seinem Glied spürte. Ihm schien es so, als würde ihre Hand zugreifen wollen, aber dann riss sie sich von ihm los und stürmte durch das Wohnzimmer. Sie blieb am Fenster stehen und wandte ihm den Rücken zu.
„Lass mich allein!“
Er trat erneut ins Wohnzimmer. „Es geht nicht“, erklärte er. „Wir sind schon zu weit gegangen.“
Anna drehte sich zu ihm herum, als er den Raum durchquerte und auf sie zuging. „Wenn du mich noch einmal anfasst, schreie ich“, sagte sie kaum hörbar. Ihr Gesicht war blass, ihre Augen wirkten um vieles größer als sonst.
„Das meinst du nicht ernst, wir sind beide allein in deiner Wohnung, wer sollte dich schon hören?“, sagte er und blieb vor ihr stehen. „Im Übrigen hast du keine Angst vor mir, sondern vor dir selbst. Habe ich Recht?“
„Du quälst mich!“
„Es ist eine süße Qual, wie ich zu hoffen wage...“
„Geh jetzt, bitte.“
„Ich kann nicht gehen“, entgegnete er. „Nicht mit diesem Ständer in der Hose.“
„Wie schade, dass du immer wieder zeigen musst, wie es um deine Kinderstube bestellt ist“, sagte sie herausfordernd.
Seine Mundwinkel zuckten spöttisch. „Lust kennt keine Erziehungsformen. Lust ist frei, Lust ist klassenlos.“
„Das ist nicht wahr!“
„Doch“, sagte er. „Die Frage ist nur, ob jemand den Mut findet, sich der Lust hinzugeben. Bei dir habe ich meine Zweifel. Du bist verkrampft und verklemmt.“
„Du bist unfair. Nur weil ich versuche, meine Schwester nicht zu betrügen, wirfst du mir die unmöglichsten Dinge vor“, beklagte sie sich.
„Laura hat mich hundertmal betrogen...“
„Aber mich nicht!“
„Auch dich“, sagte er. „Ich denke, du hängst so sehr an deiner Familie? Du kannst nicht behaupten, dass Lauras Handeln die Familienbande zu festigen vermochte.“
„Das ist deine Ansichtsweise, aber damit will ich nichts zu tun haben.“
„Weißt du, wie mir zumute ist?“, fragte er leise.
„Du musst jetzt gehen.“
„Ich habe dich etwas gefragt.“
„Ich weiß, aber diese Unterhaltung führt doch zu nichts. Wir müssen Schluss machen, ehe wir in Gefahr geraten, etwas zu bereuen“, sagte sie.
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