Es war nur der Zähmung dieses freiheitsliebenden Widerstandes gegen jegliche Disziplin geschuldet, dass Bestrafung und Gewaltanwendung notwendig waren. Die Soldaten waren so willig zu kämpfen und zu dienen wie die Offiziere und mussten nicht zur Pflichterfüllung gezwungen werden. Es war amüsant, die Empörung zu beobachten, mit der die Soldaten auf ihre Einteilung zur Etappe reagierten. Sie betrachteten die entsprechende Anweisung als eine vorsätzliche Beleidigung, welche irgendein Offizier ersonnen haben musste, der persönlichen Groll wider ihr Regiment oder ihre Geschützbatterie hegte und sie durch die erzwungene Abwesenheit in der Schlacht beschämen wollte. Doch es dauerte nicht lange, bis auch sie die Annehmlichkeiten eines Ruhetages in der Etappe zu schätzen lernten!
Eine weitere romantische Vorstellung, der die Jungs eine Zeit lang anhingen, war, dass Soldaten Bequemlichkeit meiden sollten und dass es glorreich sei, durchnässt, fröstelnd, hungrig und erschöpft zu sein. Sie lehnten es also ab, ihr Obdach in Häusern oder Scheunen zu suchen und quälten sich "wie wahre Soldaten" durch den Schlamm und Regen, womit sie, so ihre Überzeugung, ihrem Lande nach Kräften dienten. Sie hatten noch kein wahres Elend erlebt und sie waren begierig, "etwas zu leiden". Darauf mussten sie nicht lange warten und sie sollten sich später auch nicht beklagen können, dass man ihnen keine Möglichkeit gegeben habe, "ruhmvoll zu sterben". Anfangs war es beliebt, sich freiwillig zu gefährlichen oder unangenehmen Aufgaben zu melden, aber als die derartigen Aufgaben zunahmen, galt es als der Ehre Genüge getan, wenn man ausdrückliche Befehle erhielt oder die Ordonnanz einen zum Dienste einteilte.
Eine weitere träumerische Vorstellung war die Überzeugung, dass ein Soldat den Großteil seiner Zeit mit dem aktiven Kampf gegen den Feind verbringen sollte. Sie hielten es für ausgeschlossen, dass man sechs Monate im Heerlager verbringen könne, ohne seine Waffe abzufeuern oder umherzumarschieren, um den Feind zu täuschen oder Fuhrwerke und Ambulanzwagen zu fahren, Brücken zu bauen, Pferde zu striegeln und die weiteren tausend Pflichten eines Soldaten zu erfüllen.
Andererseits wurde einigen Pflichten enorme Bedeutung beigemessen, die sich bald als bloße Plackerei erwiesen. Manchmal betrachtete es eine gesamte Wachmannschaft, inklusive erster, zweiter und dritter Ablösung, als eine Frage der Ehre, die gesamte Nacht hindurch aufzubleiben und so intensiv zu spähen und zu horchen, als könne der Feind jeden Augenblick über sie herfallen, um sie in ein Gefangenenlager zu verschleppen. Natürlich machten sie rasch die Erfahrung, wie ausgesprochen schön es war, nach zweistündigem Postenstehen ganze vier Stunden schlafen zu können! Dies kam dem schläfrigen Manne in seiner Erwartung wie eine Ewigkeit vor, aber wenn ihm der Corporal nach diesen vier Stunden einen Stoß versetzte und sagte: "Zeit für deine Wache!", schienen die Stunden im Nu verstrichen zu sein.
Dritte Ablösung, aufstehen!
Es ist wohl noch jedem im Gedächtnis, wie die Parole umging, ein Konföderierter könne ein Dutzend Yankees verdreschen. Das mochte in Einzelfällen durchaus zugetroffen haben, aber zumeist hatte jeder von unseren Jungs mit einem oder zwei Yankees bereits mehr als genug zu tun. Zu Beginn wussten wir noch nicht, dass der Feind den Vorteil genoss, jedem der Unsrigen einen Mann entgegenstellen zu können und dann noch genügend Soldaten übrig zu haben, um an unseren Flanken und in unserem Rücken Ärger zu machen. Wir lernten unsere Lektion sehr schnell und bei nahezu jeder gewonnenen Schlacht hatten wir gegen diesen Nachteil anzukämpfen.
Nachdem wir unsere ersten "verwundeten Helden" vorzuweisen hatten, waren Wunden bei den Jungs sehr begehrt. Diesen Wunden galt der Neid der tausenden von Unglücklichen, die nicht einmal einen Kratzer vorzuzeigen hatten und sich neben dem Manne mit dem blutigen Verband klein und unbedeutend fühlten. Viele verzweifelten schier und begannen zu stöhnen, wenn sie nur daran dachten, dass ihnen möglicherweise das Schicksal bevorstünde, sicher und unversehrt nach Hause zurückzukehren und sich bis an ihr Lebensende die Lobpreisungen für den anderen Burschen anhören zu müssen, der durch eine Kanonenkugel einen Arm eingebüßt, dem ein Säbel das Gesicht zerschnitten oder dem ein Granatsplitter den Schädelknochen zerschmettert hatte. Nach einer Weile wurden auch die praktischen Vorteile einer Verwundung erkannt. Sie konnte einem Fronturlaub von unbestimmter Länge, gutes Essen und die Aufmerksamkeit und Bewunderung des schönen Geschlechts sichern und im Falle einer dauerhaften Verstümmelung sogar eine Entlassung aus dem Heeresdienst. Die Weisheit, die stets der Erfahrung entwächst, brachte alle Beteiligten bald zur Vernunft und Zäune, Bäume, Gräben und Steine galten als kostbare und begehrte Deckung, sobald "die Musik zu spielen begann" und der Donner der Napoleon-Zwölfpfünder-Geschütze laut wurde. "Tod auf dem Felde der Ehre" und "Beim Angriff der Erste, beim Rückzug der Letzte" waren Konzepte, zu denen uns das Pflichtgefühl trieb, aber ein guter Soldat lernte rasch, sein Leben zu schützen und nur etwas zu riskieren, wenn es militärisch erforderlich war.
Nur die wahrhaft weisen Männer, jene, welche bereits frühere Kriege mitgemacht hatten, konnten sich vorstellen, dass die Kampfhandlungen länger als ein paar Monate andauern könnten. Die jungen Kriegsfreiwilligen glaubten, eine einzige hitzige Schlacht werde die Sache entscheiden und tatsächlich dachten nach der ersten Schlacht von Manassas viele, sie könnten bereits nach Hause gehen! Der gesamte Norden war verängstigt und keine Unionsarmee würde mehr wagen, auf den Boden des alten Virginia vorzudringen. Colonels und Brigadier-Generals mit Fleischwunden, welche nicht der Rede wert waren, eilten nach Richmond, um den Sieg und das Kriegsende zu verkünden! Sie hatten "alles nur Erdenkliche" an Verwundeten, Toten und Verwüstungen gesehen und glaubten nun, kein zurechnungsfähiges Volk würde jemals wieder wagen, sich den Helden dieses ruhmreichen Tages entgegenzustellen.
Die Schreiberlinge der Zeitungen standen nicht an, den Soldaten zu erzählen, dass die Yankees eine Zwergenrasse seien, von schwächlicher Konstitution, hasengleicher Zaghaftigkeit und keinerlei Enthusiasmus. Sie würden in der Hitze unserer südlichen Sonne förmlich dahinschmelzen. Jeder, der einmal ein Regiment aus Ohio oder Maine gesehen hat, weiß den Wahrheitsgehalt dieser Aussage zu beurteilen. Zudem versäumten die Zeitungen es, all die Engländer, Iren, Deutschen, Franzosen, Italiener, Spanier, Schweizer, Portugiesen und Neger zu erwähnen, welche in Scharen zu den Fahnen der Union strömten und ihre Armeen anschwellen ließen, während unsere nur schwächer wurden. Es stimmt, dass dieser Abschaum der Welt über keine sonderliche Kampfkraft verfügte, aber er taugte durchaus zum Fuhrmann, zur Lagerwache, zum Garnisonssoldaten und allen anderen möglichen Hilfsdiensten, während die brauchbaren Soldaten das Kämpfen übernahmen. Als Shermans Armee nach der Kapitulation von Lee und Johnston durch Richmond paradierte, schien sie nur aus Vertretern einer wohlgenährten und -gekleideten Rasse von Riesen zu bestehen.
Ein früher Kriegsheld des Jahres 1861
Viele befürchteten, der Krieg würde enden, bevor sie ihre Chance hätten, ihren "Teil beizutragen" und dass sie nach dem Ende des "grausigen Krieges" stumm zuhause sitzen und jenen Glücklichen zuhören müssten, die "das Schießpulver gerochen" hatten und nun ihren bewundernden Zuhörern Geschichten vom blutigen Felde der Ehre erzählten. Die meisten von diesen "zogen ins Feld", weil es ihnen ein patriotisches Bedürfnis war und kehrten schließlich in die Heimat zurück, nur, um zu erfahren, dass jener Bursche, der von Anfang an zuhause geblieben war, um am Kriege Geld zu verdienen, höher in der Bewunderung stand als jener arme Kerl, dem nun ein Arm oder Bein fehlte.
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