Revolver erwiesen sich als so ziemlich der nutzloseste und sperrigste Ballast, den ein Soldat mitschleppen konnte und noch zu Kriegsbeginn wurden sie massenweise nach Hause zu den Frauen und Kindern geschickt, die sich damit vor den Erniedrigungen und Gewalttaten schützen konnten, welche durch das im Lande umherstreifende, pflichtvergessene Gesindel drohten.
Der Flanell- und Merinostoff der Uniformen wurde bald durch starken Baumwollstoff ersetzt und hierfür gab es zwei Gründe: Erstens war Letzterer leichter zu waschen und zweitens vermehrte sich das Ungeziefer in Baumwolle weniger rasch als in Wolle. Gewöhnliche weiße Baumwollhemden und Unterhosen erwiesen sich als für den einfachen Soldaten am besten geeignet.
Handschuhe waren für jeden Mann, der nicht bei der Reiterei war, vollkommen nutzlos. Wenn man Handschuhe trug, war es unmöglich, eine Axt zu handhaben, sich die Ausrüstung umzugürten, die Muskete zu laden oder den Ladestock zu handhaben. Falls man sie trug, so geschah dies aus Gewohnheit. Aufgrund des Prinzips, dass weniger Gepäck stets auch weniger Arbeit bedeutet, wurden sie schließlich ebenfalls fortgeworfen.
Auch die Lagerkiste verschwand bald. Selbst die Brigadier-Generals und Major-Generals erachteten sie als zu unhandlich und so wurde die Angelegenheit gänzlich den Quartiermeistern und Proviantmeistern überlassen. Ein Topf, einige Pfannen, ein Sack für Mehl und Gries sowie ein weiterer Sack für Salz, Zucker und Kaffee (jeweils durch einen Knoten im Sack voneinander getrennt) erfüllten ihren Zweck ebenso wohl. Der Topf wurde von Messe zu Messe weitergereicht. Jede Messe besaß für gewöhnlich ihre eigene Bratpfanne, aber häufig musste eine Pfanne auch für eine Kompanie hinreichen. Eine wasserfeste Decke war zur Zubereitung von Teig ebenso geeignet wie eine hölzerne Platte. Der Wassereimer war stets unverzichtbar.
Zelte waren eine Seltenheit. Alle Romantik über das "zeltbedeckte Feld" erstarb rasch. Zwei Männer schliefen beisammen; ein jeder hatte eine Decke und einen Regenponcho. Der Poncho wurde auf dem Boden ausgebreitet, die beiden Männer legten sich darauf, bedeckten sich mit ihren beiden Decken, schützten sich mit dem zweiten Poncho obenauf vor dem Regen und schliefen auf diese Weise sehr bequem, mochte es auch regnen, schneien oder hageln.
Im Lager zirkulierte nur sehr wenig Geld. Die Männer scherten sich nicht um ihre Bezahlung, erwarteten keinen regelmäßigen Sold und erhielten ihn auch nur selten. Zudem wollten sie von ihren Lieben zuhause keinen Teil ihrer dürftigen Barmittel erbitten und so lernten sie eben, ohne Geld auszukommen.
Als die Verpflegung knapp und knapper wurde, erwies es sich als notwendig, die schwarzen Diener nach Hause zu schicken. Einige blieben jedoch als Kompaniebedienstete und harrten treu bis zum Ende bei uns aus, wobei sie in der Etappe unsere Rationen kochten und sie unter Gefahr für Leib und Leben zu ihren "jungen Herren" an der vordersten Front brachten.
Auf das Wesentliche reduziert, bestand der einfache Soldat aus einem Menschen, einem Hut, einer Jacke, einem Hemd, einem Paar Hosen, einem Paar Unterhosen, einem Paar Schuhe und einem Paar Socken. Sein Gepäck bestand aus einer Decke, einer gummierten Decke und einem Brotbeutel. Der Brotbeutel beherbergte in der Regel Tabak und eine Pfeife sowie ein kleines Stück Seife und gelegentlich Äpfel, Persimonen, Brombeeren und andere Annehmlichkeiten, die der Soldat auf dem Marsche einsammeln mochte.
Das Eigentum der Kompanie bestand aus zwei oder drei Töpfen und Pfannen, die manchmal auf einem Fuhrwerk, aber zumeist von den Soldaten transportiert wurden. Bei der Infanterie war es üblich, den Stiel der Pfanne in den Musketenlauf zu stecken und sie derart zu tragen.
Der Wagentross war ausschließlich für den Transport von Munition, Proviant und Ausrüstung vorgesehen, welche noch nicht an die Männer ausgegeben worden waren. Rationen, die bereits Eigentum einer Kompanie waren und das Gepäck der Männer (so sie denn welches hatten) wurden von den Männern selbst getragen. Wenn, wie es gelegentlich vorkam, drei Tagesrationen ausgegeben wurden und die Truppen angewiesen wurden, diese zu kochen und sich marschbereit zu machen, so kochten sie sie befehlsgemäß, um sie dann möglichst sogleich zu verzehren, damit ihnen die Mühe erspart blieb, das Essen mit sich zu tragen. Drei Tagesrationen zu verschlingen, war keine sonderliche Aufgabe, da die Soldaten häufig bereits seit mehr als einem Tag keine Verpflegung mehr erhalten hatten und zudem oft nur halbe Rationen ausgegeben wurden.
Die Infanterie fand bald heraus, dass Bajonette keinen großen Nutzen hatten und so wurde nicht gezögert, sie mitsamt der Scheide wegzuwerfen.
Die Artilleristen, die anfangs schwere Säbel an ihren Gürteln trugen, steckten sie auf dem Marsche in den Schlamm und ließen sie dort für die Ordonnanzoffiziere zurück, damit diese sie an die Kavallerie verteilen konnten.
Auch die Kavalleristen fanden den am Gürtel baumelnden Säbel sehr ermüdend und begannen, ihn an der linken Seite des Sattels zu befestigen, wobei das Heft nach vorne zeigte und leicht greifbar war. Schließlich waren Säbel selbst bei der Kavallerie eine Seltenheit und die Kavalleristen verließen sich zunehmend auf ihre kurzen Gewehre.
Niemals in der Geschichte gab es Soldaten, die weniger Gepäck trugen, schneller marschierten oder duldsamer aushielten.
Der Mut und die Pflichttreue der Männer steigerten sich mit jeder Beschwernis und jeder Entbehrung und selbst aus großem Leid vermochten sie Unterhaltung zu ziehen. Anstatt zu murren und zu desertieren, lachten sie ob ihrer eigenen nackten Füße, abgerissenen Kleidung und ausgezehrten Gesichter. Sie waren geschwächt, hungrig, verfroren, durchnässt, verlaust, dreckig und ohne Hoffnung auf Ruhe oder Lohn, doch sie marschierten fröhlich dem wohlgenährten und warm gekleideten Feinde entgegen.
Kapitel 03: Das Ende der Romantik
Zu Beginn des Krieges kam es einer Kränkung gleich, einem einfachen Soldaten eine Beförderung anzubieten. Je höher die soziale Stellung und je größer der materielle Wohlstand, als desto patriotischer galt es, in der bescheidenen Stellung eines einfachen Soldaten zu dienen. Zahlreiche Männer von beträchtlicher Bildung und Befähigung in den verschiedensten Berufszweigen lehnten Beförderungen ab und dienten als einfache Soldaten unter Männern, die ihnen geistig wie moralisch beträchtlich unterlegen waren. Bald wurde offensichtlich, dass das Land Wissen und Befähigung ebenso brauchte wie Muskelkraft und Zähigkeit und nun wurden die entsprechend Begabten befördert, um in höheren Positionen zu dienen. Trotzdem blieb es eine Tatsache, dass unfähige Offiziere Männer befehligten, welche ihnen in jeder Hinsicht überlegen waren, mit Ausnahme eines Umstandes: ihres Ranges. Ließ man diesen Rangunterschied außer Acht, so schlugen sich die Offiziere und Soldaten in vergleichbarem Maße gut.
Es nahm Jahre in Anspruch, den gebildeten Soldaten im Heere begreiflich zu machen, dass es ihre Pflicht sei, den Offizieren bedingungslosen Gehorsam zu leisten, da diese noch kurz zuvor ihre Spielgefährten oder Geschäftspartner gewesen waren. Es geschah häufig, dass ein einfacher Soldat, der sich durch die Strenge eines Offiziers gekränkt fühlte, ihn zur Seite nahm, zum Zweikampf forderte und ihm eine ordentliche Abreibung verpasste. Im Laufe der Zeit lernten diese Soldaten alles über Sonderdienste, reduzierte Rationen und Kriegsgerichte.
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