Wenn man diese Tatsachen bedenkt, so erscheint die relative Stärke der beiden Heere nur von untergeordneter Bedeutung. Das zahlenmäßige Ungleichgewicht alleine hätte niemals herbeiführen können, was die Gesamtheit dieser Faktoren schließlich erzwang: die Kapitulation der Army of Northern Virginia.
Der konföderierte Soldat war von reinem Patriotismus motiviert. Er sah die ihm bevorstehenden Schwernisse voraus und stellte sich ihnen bereitwillig aus freiem Willen. Er war ein Individuum, das nicht als Bestandteil in der Masse aufging, sondern stets für seine eigenen Ziele und auf seine eigene Weise kämpfte. Er war ein selbstloser Held, aber er beanspruchte weder diesen Titel noch irgendeine Ehrbezeugung, denn er glaubte, nichts weiter als seine Pflicht gegenüber sich selbst, seinem Lande und Gott zu tun. Er kämpfte für ein Prinzip und musste weder überzeugt noch angetrieben werden, denn er war entschlossen und begierig, zu kämpfen. Er war kein politisch motivierter Mensch, sondern ein von feurigen Leidenschaften beseelter Mensch, der, ungeachtet der Risiken und Nöte des Krieges, für seine Menschenrechte focht.
Der konföderierte Soldat war für vier Jahre von einer einzigen Idee besessen. Diese Idee war die Unabhängigkeit der konföderierten Staaten von Amerika, welche nur durch Waffengewalt zu erlangen war.
Der konföderierte Soldat war ein ehrenwerter alter Herr, ein Heranwachsender, ein Kind, ein Prediger, ein Farmer, Kaufmann, Student, Politiker, Redner, Vater, Bruder, Ehemann, Sohn – das Staunen der Welt, der Schrecken seiner Feinde!
Wenn der Friede in diesem Lande nur gewahrt werden kann, indem man die Taten des konföderierten Soldaten und seine Verdienste um den Süden in Vergessenheit geraten lässt, so ist dieser Friede zu teuer erkauft. Wir haben geschworen, diesem Soldaten dankbar zu sein. Während er, das Haupt auf den Schoß seiner Mutter Virginia gebettet, im Sterben lag, vernahm er unseren Schwur, seinen Namen zu ehren.
Wenn wir nun also jenen blutigen Graben, den der Krieg aufriss, hastig auffüllen, so sollten wir Vorsicht walten lassen, dabei nicht all die noblen Taten, die zärtlichen Erinnerungen, die leuchtenden Vorbilder und die tränenreichen Versprechen zu verschütten.
Der folgende Brief, den ein ergrauter Vater seinem einzigen, dem Knabenalter noch nicht entwachsenen Sohne schrieb, welcher sich freiwillig zur Infanterie gemeldet hatte und bereits im Felde stand, ist ein angemessener Beschluss dieses Kapitels. Dieser Brief zeigt auf beeindruckende Weise, welche Unterstützung der konföderierte Soldat aus der Heimat erfuhr:
"Mein geliebter Sohn,
es mag dir seltsam erschienen sein, dass ein bekennender christlicher Vater seinen christlichen Sohn so bereitwillig als Kriegsfreiwilligen zu den Soldaten gehen ließ. Mein Beweggrund war, dass ich diesen Krieg als einen Verteidigungskrieg erachte. Nicht nur schlug die Konföderation der Südstaaten vor, die bestehenden Differenzen friedlich und gerecht auf dem Verhandlungswege beizulegen, sondern Virginia unternahm ebenfalls wiederholt die größten und aufrichtigsten Anstrengungen, den Griff zum Schwerte abzuwenden. Nachdem diese Offerten hochmütig ausgeschlagen wurden und unserem geliebten Süden nun Invasion und Unterwerfung drohen, scheint es mir, als bliebe uns nur noch die Wahl zwischen entschlossenem Widerstande oder schändlicher Kapitulation vor verfassungswidriger Tyrannei. Ein tapferes und edelmütiges Volk kann bei derartigen Alternativen unmöglich auch nur den geringsten Moment zögern. Das Resultat ist dieser Krieg zum Schutze von Heim und Herd, von unseren Frauen und Kindern und allem, was das Leben lebenswert macht. Wenn ich auch die Notwendigkeit dieses Opfers zutiefst bedauere, so bin ich doch glücklich, der Sache meines Landes mit einem Sohn dienen zu können und hätte ich ein dutzend, ich ließe sie alle ziehen. Während du nun zuversichtlich die Härten des Lebens in einem Heerlager erträgst, wirst du, dessen bin ich mir gewiss, die Ratschläge eines Vaters nicht verschmähen, der dir dein neues Leben erleichtern möchte.
1.) Sei sorgsam auf deine Gesundheit bedacht. Es sterben mehr Soldaten im Krankenbett als in der Schlacht. Meine Ratschläge, welche ich dir diesbezüglich zu geben vermag, lauten folgendermaßen: Wenn du an einem heißen Tage der Sonne ausgesetzt bist, lege ein dünnes, feuchtes Schwämmchen unter deine Mütze; in regnerischem Wetter trage dichte Schuhe und einen wasserabweisenden Übermantel; wenn du erhitzt bist, so trinke kaltes Wasser so langsam, als sei es heißer Tee; kaue dein Essen gründlich; meide feuchte Zelte und feuchte Schlafplätze und zuletzt reinige deinen Körper regelmäßig. Solltest du irgendetwas benötigen, das ich dir beschaffen kann, so gib Nachricht. Ich werde tun, was in meiner Macht steht, um dir Annehmlichkeiten zukommen zu lassen. Allerdings musst du als guter Soldat auch lernen, Härten zu ertragen. Da du in deinem bisherigen Leben stets in einem weichen Bette geschlafen hast und keinen Mangel an gutem Essen kanntest, wird dir das Lagerleben zweifelsohne einige Schwierigkeiten bereiten, aber sorge dich nicht zu sehr. Ich bin zuversichtlich, dass der Krieg schon bald vorüber sein wird und dann wird die Erinnerung an das Erduldete dir die Freuden des Friedens noch weiter versüßen.
2.) Kriegsführung erfordert prompten und unbedingten Gehorsam. Gelegentlich magst du einen Befehl als willkürlich und einen Offizier als hochmütig erachten, aber du musst trotzdem gehorchen. Eine undisziplinierte Armee ist der Fluch ihrer Freunde und der Spott ihrer Feinde. Tue deswegen alles in deiner Macht Stehende, um rechtmäßiger Autorität und strikter Ordnung zu dem ihnen gebührenden Respekt zu verhelfen. Gib deinen Vorgesetzten die Gewissheit, dass jegliche Aufgabe, die sie dir übertragen mögen, pflichtgetreu ausgeführt werden wird. Ein Heer aus derartigen Soldaten, das zudem von tüchtigen und tapferen Befehlshabern angeführt wird, kann mit Gottes Hilfe niemals besiegt werden. Es dient überdies einer heiligen Sache und muss letztlich triumphieren.
3.) Sei bestrebt, dir deine christliche Gesinnung unter deinen Kameraden zu bewahren. Ich muss dich nicht vor den Gefahren starker alkoholischer Getränke und dem unter Soldaten so verbreiteten Fluchen warnen, da ich weiß, dass du beide dieser Laster bereits verabscheust. Sei stets entschlossen, der Sache des Herrn zu dienen. Falls möglich, so bete regelmäßig in deinem Zelt oder treffe dich mit anderen Gläubigen zu gemeinschaftlichen Gebeten im Lager. Sollte ein Feldgeistlicher Predigten abhalten, so wohne diesen bei, sooft es dir möglich ist. Lasse die Welt wissen, dass du ein Christ bist. Lies nach Möglichkeit jeden Morgen und jeden Abend je einen Abschnitt aus dem Neuen Testament, das deine Mutter dir mitgegeben hat und bitte Gott im stillen Gebet, dass sein Heiliger Geist dich leiten und erhalten möge. Ich würde lieber Nachricht von deinem Tode erhalten als davon, dass du vom menschlichen Anstande und dem rechten Glauben abgefallen bist.
4.) Da du regelmäßigen Umgang mit Männern verschiedensten Charakters haben wirst, sei in besonderem Maße darauf bedacht, nur mit jenen Freundschaft zu schließen, die du als einen positiven Einfluss auf deinen Charakter empfindest. Manche Männer lieben es, ausschweifende Geschichten zu erzählen, sich mit vulgärem Humor zu unterhalten, betont prahlerisch umherzustolzieren, sich ihrer schlechten Manieren zu brüsten, angeberische Reden über ihren Heldenmut zu führen oder Rachegelüste gegen den Feind zu offenbaren. All dies ist einem jungen und beeinflussbaren Geiste abträglich. Solltest du Gefallen an derlei Dingen finden, so wirst du unbewusst beginnen, sie nachzuahmen und somit allmählich aber unausweichlich deinen Charakter zugrunde richten. Andere Männer sind gesittet, ohne affektiert zu sein. Sie können sich gelegentlichen Zerstreuungen hingeben, ohne den Anstand zu verletzen. Sie können ihrer Regierung treu ergeben sein, ohne persönlichen Hass wider deren Feinde zu empfinden. Sie können gelassen und tapfer in der Schlacht sein, ohne in Abwesenheit der Gefahr mit ihrem Mute zu prahlen. Doch vor allen Dingen können sie bescheiden, gläubig und aktive Christen sein und zugleich an den mitreißenden und gefahrvollen Aspekten des Soldatenlebens teilhaben. Erwähle diese Männer zu deinen Gefährten und Vorbildern, so wirst du mit unbeflecktem Namen aus dem Felde heimkehren.
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