„Ich finde es beängstigend, dass der Mörder frei herumläuft!“, gab ich Siggi zu bedenken.
„Ja, da läuft einem ein kalter Schauer den Rücken herunter!“, kam es von Siggi.
Nachdem ich mich verabschiedete und wieder in meine Wohnung ging, schaltete ich noch kurz den Fernseher an. Als ich mich auf mein Sofa setzte, merkte ich, dass ich plötzlich kein Mitleid mehr mit Lotta hatte, was wahrscheinlich an Siggi´s Erzählungen über die Engmann´s lag.
Nun freue ich mich auf mein Date mit Thomas morgen, dachte ich mir und ging mit einem Lächeln ins Bett.
Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war mein erster Gedanke, dass ich mich auf ein schönes Wochenende freue und glücklich war, dass Freitag ist.
Ich setzte mich eine halbe Stunde später an meinen Frühstückstisch und genoss die ersten Sonnenstrahlen des Tages, die da durch´s Fenster schienen.
Um 8.30 Uhr machte ich mich auf den Weg zur Arbeit.
Nach den üblichen Aufgaben, die ich jeden Tag als erstes erledigte, ging ich in Dad´s Büro.
„Weißt du was gestern passiert ist?“, fragte mich mein Vater.
„Es hat einen Mord in der Tanzschule hier im Ort gegeben. Eine Schülerin wurde erwürgt.“, erklärte Papa mir.
„Ich arbeite mit Leonard bereits daran. Mach dir keine Sorgen, mein Schatz.“
„Was genau ist passiert?“, wollte ich wissen.
„Gestern Abend wurde eine junge Tänzerin in der `Tanzschule am Markt´ umgebracht. Die Putzfrau hat sie auf der Toilette erwürgt aufgefunden. Meine Kollegen haben alle Anwesenden gestern in der Tanzschule befragt. Das Opfer heißt Lotta Engmann. Sandra, wieso wird ein Jahr später nun auch die andere Tochter umgebracht?“, fragte Dad.
„Ich weiß es nicht!“
„Wir konnten herausfinden, dass Lotta Stress mit ihrem Ex-Chef hatte. Vielleicht hat er etwas damit zu tun.“, erklärte Dad.
„Außerdem hatte sie Ärger mit ihrer Tanzkollegin und mit der Tanzlehrerin. Wir überprüfen das, Sandra“, kam es von Leonard Kummert, der plötzlich in Dad´s kam.
„Sandra, du kümmerst dich bitte zusammen mit Detektiv Michael Lindener um die Diebstähle im Warehouse. Wir sind aktuell genug Leute, die den Mord in der Tanzschule untersuchen. Wenn wir Hilfe brauchen, sag ich dir Bescheid.“, erklärte Dad und ich ging zurück in mein Büro.
Ich freute mich, als endlich Feierabend war und ich nach Hause fuhr. Heute Abend würde ich endlich Thomas wiedersehen.
Um Punkt 19 Uhr nahm mich Thomas vor dem Eingang des ´Eat and Drink´ mit einem Lächeln in Empfang und ich strahlte ebenfalls. Nachdem wir am Tisch Platz nahmen und die Speisekarten erhielten, fragte Thomas sofort, wie man Tag war.
„Beunruhigend!“, gab ich ihm daraufhin zurück.
„Ja schrecklich, was passiert ist. Schlimmer ist es, dass ich die Frau auch noch gekannt habe, die umgebracht wurde!“, sah Thomas mich nun traurig an.
„Was, du hast das Opfer gekannt?“, erschrak ich und fing ein wenig an zu zittern.
Thomas nahm meine Hand in seine.
„Ja, sie war meine Tanzkollegin und hat im selben Kurs gelernt wie ich. Ach, ich kann es nicht glauben!“, sah Thomas mich mit tränenden Augen an.
„Es tut mir leid.“
„Ihr Freund Manuel hat sich heute Morgen bei mir gemeldet. Manuel ist ein guter Freund von mir und hat sich Sorgen gemacht, nachdem Lotta-so hieß meine Tanzkollegin, gestern nicht nach Hause gekommen ist. Wir hatten gestern Abend Unterricht, weißt du. So mussten wir alle heute früh nochmal zur Tanzschule kommen und wurden von der Polizei befragt. Ich stand total unter Schock. Vor allem, nachdem ich nach der Befragung noch Manuel alles erzählen musst.“
Thomas´ Hände zitterten nun noch mehr als meine. Als wir uns etwas bestellten und der Kellner die Speisekarten wieder einsammelte, sah ich in Thomas´ Augen und fand sie sie trotz der Tränen immer schöner und musste sofort an die erste Begegnung mit Thomas denken. Wie schnell sich alles doch verändern kann.
„Ich finde es schön und bewundernswert, dass du dich trotzdem heute mit mir triffst.“, sagte ich ihm und streichelte ganz sanft seine immer noch zittrigen Hände.
„Ich wollte dich ja auch gerne wiedersehen und mit dir etwas essen. Auch wenn es heute ein schrecklicher Tag für mich ist.“, lächelte Thomas mich mit mittlerweile getrockneten Tränen schwach an.
„Mein Vater ist Polizeichef und ich arbeite ebenfalls auf seinem Revier. Er arbeitet mit seinen Kollegen an dem Fall. Ich hoffe, wir klären alles bald auf.“, erklärte ich Thomas, der daraufhin meine Hand küsste.
Nach dem Essen fragte ich Thomas, ob er nun schon nach Hause wollte oder ob er noch einen Drink bestellen möchte.
„Tut mir leid, aber der Tag war sehr anstrengend für mich. Gerne können wir uns mal wieder treffen, aber für heute reicht´s mir.“ Erneut nahm Thomas meine Hand und schaute mich erschöpft an.
„Das muss dir nicht leidtun. Ich verstehe dich. Ruh dich mal aus. Ich gebe dir meine Handynummer und du meldest dich einfach wieder, wenn es dir besser geht.“, schlug ich vor und war selber überrascht, dass ich so mutig auf mein Date einsprach, was sonst nie der Fall war.
Als wir das Restaurant verließen, tauschten wir unsere Handynummern aus und verabschiedeten uns.
In den nächsten Tagen erhielt ich vereinzelnd ein paar Nachrichten von Thomas. Von ihm erfuhr ich, dass die Tanzschule nun für einige Zeit geschlossen ist. Außerdem schrieb er, dass das Tanzfestival, das eigentlich in zwei Wochen stattfinden sollte, nun erstmal auf Eis gelegt ist.
`Schade, ich hätte dich gerne eingeladen, aber ich tanze erst wieder, wenn die Tanzschule wieder geöffnet ist. Ich überlege einen Kurzurlaub zu machen, um den Kopf einmal frei zu bekommen. Melde mich wieder bei dir. Thomas´, laß ich seine SMS laut vor.
Etwas enttäuscht legte ich das Handy zur Seite und schaute zum Fenster hinaus.
Naja, vielleicht würde mir eine kleine Balkonpause guttun und legte mich gleich in meinen Hängesessel. Die Sonne schien mir kräftig ins Gesicht und nach einiger Zeit vergaß ich völlig die Uhrzeit.
Am nächsten Morgen weckte mich mein Handy mit einem angenehmen Vibrationston. Eine SMS von Thomas:
`Hey, ich bin übermorgen wieder zu Hause. Sollen wir uns dann nicht treffen? ´
Ich beantwortete schnell die SMS und freute mich auf das nächste Treffen. Nach dem Frühstück fuhr ich auch schon zur Arbeit, setzte mich gleich an meinen Schreibtisch und beantwortete meine E-Mail, die mir meine Kollegen geschrieben haben. Dad und seine Kollegen kamen mit dem Fall einfach nicht weiter und so war ich froh, als Feierabend war. Gegen 18 Uhr fuhr ich heim und wurde zu Hause auch sofort von Siggi angerufen.
„Keine große Sache. Nur einen gemütlichen Abend zu zweit.“, lud dich mich ein und ich entschied mich, mein langes schwarzes Samtkleid anzuziehen. Auch wenn ich kein Date mit Thomas habe, kann ich mich ja schick machen. Siggi ist eine liebe und gutmütige Frau, dachte ich. Schade, dass sie so alleine ist. Das hat sie echt nicht verdient.
Bereits nach dem ersten klingeln öffnete mir eine lächelnde Siggi die Tür.
„Hereinspaziert, Frau Nachbarin!“, begrüßte Siggi mich und ich bemerkte Sofort die vielen Luftschlangen, die im Flur verteilt lagen und die große Discokugel im Wohnzimmer hängend, als ich mich nun auf das Sofa setzte.
„Hast du Geburtstag, Siggi?“
„Nein, aber ab und zu feiere ich einfach gerne und wie ich sehe du auch.“, schaute Siggi mein Kleid bewundernd an.
„Echt schick.“, zwinkerte sie mir zu.
„Ach, ich dachte, ich gehe zwar nicht zu einem Date, aber es sieht gut aus.“, lächelte ich Siggi zurück.
„Du hast aber bestimmt viele Männer, denen du gefällst.“
„Ja, ich habe letztens im Supermarkt einen netten Mann kennengelernt. Wir haben uns auch schon mal verabredet und wollen uns bald wiedersehen.“, erzählte ich eifrig und konnte dabei immer mehr sehen, wie Siggi´s Mundwinkel nach oben gezogen wurden.
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