Iwan Gontscharow - Oblomow

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Ilja Iljitsch Oblomow verkörpert mit Leib und Seele den Typus des faulen russischen Adligen und Müßiggängers. Durch seinen materiellen Stand in die Lage versetzt, Introvertiertheit und Untätigkeit zu pflegen, verbringt er seine Tage mit Nichtstun. Er liegt die meiste Zeit Mittagsschlaf haltend im Bett. Vorhaben, das väterliche Gut zu pflegen, schiebt er unablässig vor sich her, so dass dieses immer mehr verfällt. Als sein Freund Stolz, ein Deutschrusse, ihn mit der jungen Olga bekannt macht, holen ihr Intellekt und ihre Anziehung Oblomow kurzzeitig aus seiner Lethargie. Doch auch das ist nicht von Dauer. Gontscharows erfolgreichster Roman und bedeutendes Werk der russischen Literatur.

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Eine tiefe Traurigkeit überkam ihn bei dieser geheimen Beichte, die er vor sich selbst ablegte. Fruchtlose bedauernde Erinnerungen an die Vergangenheit und brennende Vorwürfe seines Gewissens verwundeten ihn wie Nadeln, und er bemühte sich mit aller Kraft, die Last dieser Vorwürfe von sich abzuwälzen, einen andern Schuldigen als sich zu finden und ihren Stachel auf diesen zu richten. Aber auf wen?

»An alledem . . . ist Sachar schuld!« flüsterte er.

Er erinnerte sich an die Einzelheiten der Szene mit Sachar, und auf seinem Gesichte flammte die glühende Röte der Scham auf.

»Aber wenn jemand das gehört hätte? . . .« dachte er, und dieser Gedanke machte ihn ganz starr. »Gott sei Dank, daß Sachar nicht versteht, es jemandem wiederzuerzählen; es würde ihm auch niemand glauben, Gott sei Dank!«

Er seufzte, verwünschte sich selbst, wälzte sich von einer Seite auf die andre, suchte einen Schuldigen, fand aber keinen. Sein Ächzen und Seufzen drang sogar bis an Sachars Ohr.

»Na, wie ihn der Kwaß aufgebläht hat!« brummte Sachar ärgerlich.

»Warum bin ich nur ein solcher Mensch?« fragte sich Oblomow beinah mit Tränen und verbarg wieder den Kopf unter die Bettdecke.

Nachdem er ohne Erfolg nach dem feindlichen Elemente gesucht hatte, das ihn seiner Meinung nach hinderte, so zu leben, wie es sich gehörte, und wie »andere Leute« lebten, seufzte er, schloß die Augen, und einige Minuten darauf begann der Schlummer wieder, sein Bewußtsein allmählich in Fesseln zu schlagen.

»Ich möchte . . . ebenfalls . . .« sagte er, mühsam mit den Augen zwinkernd, »so etwas tun . . . Hat mich denn die Natur so kümmerlich ausgestattet . . . Aber nein, Gott sei Dank . . . ich kann mich nicht beklagen . . .«

Darauf wurde ein beruhigender Seufzer vernehmbar. Oblomow ging von der Aufregung zu seinem normalen Zustande, dem Zustande der Ruhe und Apathie, über.

»Offenbar ist es nun einmal mein Schicksal so . . . Was soll ich da tun? . . .« flüsterte er kaum noch, da ihn der Schlaf überwältigte.

»Zweitausend Rubel Einnahme weniger . . .« sagte er auf einmal laut im Schlaf. »Gleich, gleich, warte noch . . .« und er wurde wieder halb wach.

»Aber . . . es wäre doch interessant zu wissen . . . woher ich . . . ein solcher Mensch bin . . .« flüsterte er wieder. Seine Lider hatten sich ganz geschlossen. »Ja, woher wohl? Wahrscheinlich . . . daher, daß . . .« er strengte sich an, zu Ende zu sprechen, vermochte es aber nicht.

So machte er die Ursache nicht ausfindig. Seine Zunge und seine Lippen erstarrten plötzlich mitten im Satz; der Mund blieb halb geöffnet, wie er gewesen war. Statt der Worte erscholl noch ein Seufzer, und darauf begann das gleichmäßige Schnarchen eines fest schlafenden Menschen zu ertönen. Der Schlaf hielt den langsamen trägen Strom seiner Gedanken an und versetzte ihn in einem Augenblicke in eine andere Periode, zu anderen Menschen, an einen anderen Ort, wohin ich und der Leser, ihm folgend, uns im nächsten Kapitel ebenfalls versetzen werden.

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