„So ein Trubel, wegen einem Köter! Na so ein Glück, dass ich den Gestank im Zelt nicht mehr ertragen muss“, zeterte er schnippisch.
Amanoue war inzwischen wieder aufgestanden und strahlte übers ganze Gesicht, als er Henry und dessen Onkel ins königliche Zelt folgte. Sirrah wich nicht von seiner Seite und ging, regelrecht gegen ihn gepresst, neben ihm her, ganz so, als hätte es nie eine Trennung zwischen ihnen gegeben.
***
Im Zelt umarmte Henry seinen Onkel nochmals, allerdings viel ungezwungener und herzlicher. „Gott, wie habe ich Euch vermisst“, sagte er aufgewühlt und schluckte gerührt.
„Mein lieber Neffe“, erwiderte Richard und strich ihm liebevoll über die Wange, „es tut mir so leid, bitte, entschuldige mein Verhalten, ich war so ein Narr!“
Henry schüttelte widersprechend den Kopf. „Nein, das wart Ihr nicht! Ihr habt Euch nur Sorgen gemacht und es ehrlich gemeint, mit mir, dies ist mir inzwischen bewusst geworden“, gab er ehrlich zu und biss sich kurz auf die Unterlippe, um seine Fassung wieder zu erlangen. „Setzt Euch, Onkel! Sebastian, bringe uns Wein“, sagte er gutgelaunt und der Diener schenkte, den Herzog freudig begrüßend, beiden ein, während Amanoue auf dem Boden sitzend mit dem Hund herumtollte.
„Er hat sich nicht verändert“, stellte Richard lächelnd fest, „immer noch, als wäre er ein großes Kind! Wie war euer Wiedersehen?“, fragte er leichthin und sofort verschwand jegliche Freude aus Henrys Gesicht.
Gedankenverloren, blickte er in seinen Pokal. „Entsetzlich“, antwortete er leise. „Ich habe ihn auspeitschen lassen und beinahe getötet“, sagte er, seinen Onkel bitter ansehend. „Aber das erzähle ich Euch ein andermal, nicht heute und jetzt, da ich gerade so glücklich bin, Euch wohlauf wiederzusehen!“
Richard war dermaßen verblüfft, dass er Henry für einen Moment nur anstarren konnte und erst als er dessen Hand auf seiner spürte, nickte er blinzelnd. „Sagt, wie geht es der Königin?“, fragte Henry deshalb ablenkend nach, „war sie sehr ungehalten, als ich ihr meinen Hauptmann auf den Hals schickte?“
Richard lachte schnaubend auf. „Das kann man wohl sagen, du kennst ihr Temperament! Sie war mehr, als ungehalten und auch ziemlich enttäuscht, aber ich soll dir die besten und liebsten Grüße ausrichten! Und, Henry, sie erwartet dich natürlich! Noch heute!“, erwiderte er eindringlich.
Henry seufzte schwer. „Natürlich! Wir werden auch sogleich aufbrechen“, pflichtete er seinem Onkel bei. „Ich freue mich ehrlich, sie wiederzusehen! Aber was blieb mir anderes übrig?“, sagte er und deutete mit einer Kopfbewegung zu Amanoue hin. „Wieviel, weiß sie über ihn?“
„So gut wie nichts, Eure Majestät“, erwiderte Richard. „Ich habe ihr nur erzählt, was sie ohnehin schon aus Euren Briefen wusste. Dass er ein asconischer Sklave sei, den Ihr aus Mitleid von tiranischen Sklavenhändlern freigekauft habt und der Euch seither, als Sekretär dient. Von unserem kleinen Ausflug nach Magiyar und dem Bordell, habe ich lieber nichts erwähnt! Ihr wisst, wie eifersüchtig sie ist“, grinste er augenzwinkernd und Henry nickte erleichtert.
„Ich danke Euch! Früher oder später, wird sie ihn eh zu Gesicht bekommen und dann muss ich mir wohl eine bessere Geschichte über ihn ausdenken! Gott, wie mir davor graust“, sagte Henry und schüttelte sich zwangsläufig.
„Tja, Eure Majestät, das hättet Ihr Euch wohl besser früher überlegen sollen! Ihr wusstet, dass es Wahnsinn und purer Leichtsinn war, ihn überhaupt bis hierher mitzunehmen“, seufzte Richard und sah ihn mit einem stillen Vorwurf an, doch Henry winkte ab.
„Nun ist es, wie es ist! Ich kann mich nicht, von ihm trennen und sie wird ihn wohl oder übel, akzeptieren müssen! Ich, bin der König und Könige hatten schon immer Mätressen!“, sagte er gereizt dazu und trank einen Schluck.
„Mätressen?“, rief der Herzog plötzlich aufgebracht aus, „Henry, er ist ein Junge! Eine andere Frau, an deiner Seite, würde man vielleicht noch tolerieren, aber einen Lustknaben? Nie und nimmer!“
„Fangt Ihr schon wieder an?!“, gab Henry ebenso aufgebracht zurück und schlug mit der Faust auf den Tisch.
Richard hob schnell beschwichtigend beide Hände und schüttelte den Kopf. „Nein, Eure Majestät, gewiss nicht! Ich verspreche Euch, zu Euch zu halten, komme, was wolle! Aber eines, kann ich Euch ebenfalls versprechen, Euer Bruder, weiß bedeutend mehr, als Sybilla und er, wird es gewiss nicht akzeptieren! Henry, Wilhelm hatte Spione, hier im Lager“, sagte er eindringlich und ihn sehr ernst ansehend.
„Spione?“, wiederholte Henry verächtlich, „dass ich nicht lache! Wilhelm würde mich nie hintergehen!“
Sein Onkel lehnte sich schwer durchatmend zurück. „Auch wenn du große Stücke auf ihn hältst und ihm das nicht zutraust, aber er wusste alles! Jeden Schritt, den du unternommen hast! Und, er weiß, was Amanoue wirklich, für dich ist! Henry, bitte, ich habe doch nur Angst um dich und mache mir Sorgen! Er, hat bereits einen Erben und eine Tochter und, seine Frau, ist schon wieder in guter Hoffnung! Während du in der Weltgeschichte herumreist und Krieg führst, setzt er wirklich alles in Bewegung, um seine Stellung als Thronfolger zu festigen! Und glaube mir, einige Herzöge und Grafen, stehen bereits hinter ihm!“
„Niemals!“, rief der König erzürnt und schlug erneut auf den Tisch, das alles wackelte. „Wilhelm liebt mich und würde mich niemals verraten! Und nun will ich nichts mehr, von Euren Verschwörungstheorien hören! Schweigt gefälligst, ein für alle Mal“, herrschte er ihn an.
Richard schloss kurz seufzend seine Augen, bevor er seinen Neffen mitfühlend ansah. „Ich liebe Euch ebenfalls, über alle Maßen, Eure Majestät!“
„Das weiß ich doch“, brummte Henry versöhnlicher, „aber glaubt mir, Ihr täuscht Euch in Wilhelm! Er würde niemals etwas tun, das mir schaden könnte!“, setzte überzeugt hinzu und stieß mit seinem Pokal gegen Richards Becher. „Lasst uns darauf trinken, ja? Darauf und auf meine, hoffentlich glückliche, Heimkehr“, sagte er milde lächelnd.
Beide prosteten sich zu und leerten ihre Trinkgefäße auf einen Zug, wobei ihnen Amanoue mit einem bekümmerten Blick zusah. „Na, kleiner Prinz“, sagte der Herzog freundlich, „warum dieses traurige Gesicht?“
„Es betrübt misch, dass Eure Gnaden und meine `err, wegen mir streiten“, antwortete Amanoue schüchtern.
„Nennt ihn nicht so“, raunte Henry seinem Onkel mürrisch zu, „ich will das nicht!“
„Aber genau das, ist er doch, ein Prinz“, erwiderte der erstaunt. „Ich habe das nicht vergessen!“
Henry schnaufte gereizt durch. „Seit Ihr hier seid, versucht Ihr mich zu provozieren! Er ist kein Prinz, nicht hier! Er ist mein Sklave und damit ist Schluss! Ich wünsche nicht, dass Ihr ihn weiterhin so ansprecht und auch kein anderer!“, zischte er trotzig.
„Jawohl, Eure Majestät“, erwiderte Richard und deutete mit einem kleinen Schmunzeln eine Verbeugung an. „Ganz, wie Ihr wünscht!“
Henry sah ihn lauernd an, lehnte sich genervt zurück und begann mit seinem Zeigefinger auf die Tischplatte zu klopfen, was Richards Schmunzeln noch bekräftigte. „Die `err `at rescht, es gibt keine Prins mehr“, sagte da Amanoue leise und tief betrübt. „Bitte, Eure Gnaden, nennt misch nischd mehr so“, bat er unterwürfig und beide sahen überrascht zu ihm hin.
„Naja, wie dem auch sei“, murmelte Henry etwas betreten und räusperte sich verhalten. „Ich denke, es wird Zeit, den Stier bei den Hörnern zu packen! Lasst uns aufbrechen, Euer Gnaden“, sagte er und sofort richtete Amanoue sich straff auf.
„Welsche Stier? Verlangt man das `ier, von Eusch, `err? Ihr sollt mit eine Stier kämpfen?“, fragte er erschrocken und mit einem derart besorgten Blick, dass beide augenblicklich auflachten.
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