Dharja glaubte dennoch nicht, dass Carl Decker die Stadt verlassen hatte. Im Moment war es jedoch nur ihr Instinkt, der sie das glauben ließ. Sie hatte in diesem Fall keine Beweise dafür.
Es war drei Tage später und Dharja befand sich auf der Arbeit. Sie hatte sicherlich schon Ringe unter den Augen und würde wieder spät nach Hause kommen. Inzwischen hatten sich die Anzeichen auch verstärkt, dass Decker aus der Stadt abgehauen sein könnte. Man hatte den Konvoi untersucht und herausgefunden wer genau Marlov rausgehauen hatte. Diese Spur war heißer als die des Sextäters und so würde es solange kein freies Wochenende geben, ehe man ihn hatte. Dharjas Einheit war im Dauereinsatz.
Ob er ihr auch so viel Stress machte? Darüber hatte Nic noch nie nachgedacht, doch wenn er sah, wie sie ihre Katze streichelte, wusste Nic, dass er sich keineswegs mit dem Arschloch in einen Topf schmeißen durfte. Er dachte nicht daran sie aufs Heftigste zu quälen und zu misshandeln, ehe er sie erdrosseln würde… eher dachte Nic daran es mit Decker zu tun.
Er wusste wie groß oder besser gesagt wie mickrig dieser Pimpf gegen ihn war und dass der sich stets an seiner Jugendfreundin rächen wollte, die blond und ober klug gewesen war. Latinas waren sicher, so wie es hieß. Sie fielen nicht in Deckers Beuteschema, doch Dharja schon.
Da, Nic nahm plötzlich eine Bewegung in Dharjas Wohnung wahr und wurde sich darüber bewusst, dass es nicht sie war. Eiseskälte stieg in dem Mehrfachmörder auf. Er sah dort was er erdacht und befürchtet hatte... der Mistkerl knackte ihre Tür und wollte sich umsehen, um ihr alsbaldig auflauern zu können. Mit einem Blick, der jedem der ihn ansehen würde, das Fürchten lernen würde, sondierte Nic das Schaffen dieses Monsters. Decker schlich in ihre vom Tageslicht erhellte Wohnung und roch an Dharjas Wäsche. Dazu ging er erst zu ihrem Wäscheschrank und roch an einem sauberen Höschen. Dann ging der rothaarige Strafgefangene hinüber zu ihrem Wäschekorb und wiederholte seine Schnüffelei bei benutzter Unterwäsche. Er grinste breit, soweit es Nic sah, als dieser ihre benutzte Strumpfhose herauszog und jene fest in seinen Händen spannte und langsam in seine Hosentasche steckte. Der Drang sich sofort auf ihn zu stürzen und ihn umzubringen, möglichst heiß und gewaltsam, ohne auf die Spuren zu achten, musste wie ein Orkan in ihm zurückgekämpft werden.
Nic würde Decker nicht mehr rechtzeitig erreichen können, denn der andere war schon dabei sich eine Kamera aufzustellen und diese anzumachen. Diese stellte er auf den Schrank in ihrem Schlafzimmer. Er hoffte wohl, dass sein Opfer diese nicht so schnell entdecken würde und er seine Tat würde mitfilmen können.
Sofort wurde von Nic eine Gegenoffensive erarbeitet. Heute Nacht würde Decker wiederkommen und sich Dharja holen. Dessen war Nic sich gewiss. Das durfte er nicht zulassen.
Ungefähr wusste er schon, wann sie nach Hause kommen würde, daher war es nun an ihm den Tatort richtig zu drapieren. Der Jäger, der meinte nun zu jagen, musste ausgetrickst werden... Sicher würde der Sexualmörder draußen stehen und sehen, wie lange Licht bei ihr an wäre. Dieses Vorgehen hatte er bereits aus den Akten gesehen, immer schön dann, wenn alles schlief war Decker unterwegs.
Sein eigener Plan enthielt wegen seiner Aktivität auch Risiken, daher war es das Erste was Nic tat, sich eine Verkleidung zu generieren. Keine einfache, nur Brille und Bart oder was man sonst so sah… das war alles stümperhaft.
Er packte langsam eine Vollgesichtsmaske aus, die er vor zwei Jahren gekauft hatte, um zu testen wie echt sowas wirken konnte. Damit machte er sich 20 Jahre älter und hatte Altersflecken. Ebenso trug er eine graue Kurzhaarperücke und setzte sich einen Hut auf, den Golfer ab einem speziellen Alter trugen. Dazu kamen eine karierte Wollweste, ein weißes langärmliges Hemd und eine helle Hose. Auch dieses Outfit hatte er schon getragen, um die Wirkung zu testen. Nun war sie nur da, um seine DNA zu verbergen, denn Nic war sicher, dass es hoch hergehen würde...
Die weißen Golfer Handschuhe mussten auch sein, ebenso wie die Tasche, die Wechselkleidung und dann noch das Chloroform, das er gerne nahm um die Verbrecher in Schach zu halten, wenn seine Kraft es allein nicht möglich machte. Er vergriff sich schließlich am hässlichsten und wehrhaftesten Abschaum der Gesellschaft, die nicht warteten, ehe sie mal sittlich zuschlagen konnten, sondern sich gleich bis aufs Blut wehren würden... wie dieser Kandidat hier...
Nic wartete nicht erst darauf, dass es dunkel wurde, ehe er sich bei dem sonst verschlossenen Notausgang des Wohnhauses auf der Hinterseite des Gebäudes Zutritt verschaffte. Der Hüne ging den gewohnten Weg zu ihrer Wohnung und öffnete diese mit seinen nachgemachten Schlüsseln. Er sah, dass es sich bei dem Gerät, welches Decker dagelassen hatte, um eine gebrauchsübliche Aufnahme handelte die stundenlang vor sich herlaufen konnte, spulte sie zurück und stellte diese ab. Decker würde es nicht merken. Dann ging er durch die Wohnung, um ihre Katze zu finden. Diese hockte wie immer unter dem Sofa und fauchte ihn an, als er ihr Versteck entdeckte. Nic lächelte leicht und ließ das Kätzchen in Frieden. Stattdessen richtete er das, was Decker hinterlassen hatte, denn Dharja sollte ja nichts merken. Er würde sich diese Sau schnappen und alles mit ihm machen, was ihm vorschwebte. Nur war Nic wichtig, dass Dharja dabei nicht zu Schaden kommen würde…
Als er fertig war, stellte er die Kamera wieder an, doch dieses Mal in einem Winkel, wie ein Profi es tun würde und nicht wie ein Amateur.
Dann kam sie endlich. Es war schon gegen Mitternacht und sie tat das was sie immer tat, ehe sie sich hinlegte und bald schlafen würde. Nun war Timing wichtig. Nic hatte bereits alles vorbereitet...
Nach dem Ereignis am Abend der Geburtstagsfeier ihrer Freundin ging ihr Team soweit, dass Tony sie jeden Morgen von zu Hause abholte, also unten von der Haustüre und abends nach Hause brachte, ebenfalls bis zur Haustür. Er wartete dann noch, bis sie drinnen war, bevor er losfuhr.
Tony würde sie sogar bis nach oben begleiten, aber das war Dharja dann doch zu unangenehm. Ihr Kollege war ein Großmaul und Labersack, aber scheinbar steckte darunter doch ein anständiger Kerl. Sie war aber eine FBI Agentin und kein Kind, dem man die Hand halten musste.
Der Dienstag mutierte zu einer Katastrophe. Sie glaubten den Aufenthaltsort des Mafioso zu kennen und stürmten ein baufälliges Wohnhaus in der Bronx. Es kam zu chaotischen Szenen, denn scheinbar wohnten dort auch zahlreiche Illegale und plötzlich erklangen weitere Schüsse. Ein farbiges Kind hatte in einem dunklen Raum mit einem Gegenstand hantiert, den ein junger, noch unerfahrener weißer Agent für eine Pistole gehalten hatte. Sie hatten wohl verdammtes Glück, dass es nur ein Streifschuss geworden war. Dennoch zerriss sie die Presse: Carl Decker verschwunden, Marlov führte sie an der Nase herum und der ‚Ice-Cold Revenger‘ war weiterhin ein Phantom. Das Einzige was das FBI konnte, war farbige Kinder anzuschießen, hieß es sogar in angesehenen Blättern wie der New York Times.
Dharja arbeitete zahlreiche Überstunden und nun rächte sich auch, dass sie spät abends noch in den Selbstverteidigungskurs ging. Schlaf wurde für sie zunehmend zur Mangelware. Auch weil sie parallel noch gegen Carl Decker ermittelte, was sie deswegen aber teilweise in die späte Nacht verlegen musste. Sie ließ sich Kopien aller Akten zu versuchten und nicht aufgeklärten Vergewaltigungen der letzten Tage zukommen. Meist konnte sie die gleich wieder durch den Schredder jagen. Aber zwei Fälle legte sie sich zur Seite. Beide hatten blonde junge Frauen zum Ziel gehabt. Die eine war eine Frauenrechtsaktivistin, die andere eine Strafverteidigerin. Die Erste konnte den Typen nach einem beherzten Tritt in die Weichteile loswerden, die Zweite mit Pfefferspray. Die Beschreibung der Täter könnte auf Decker zutreffen, aber es könnten auch andere getan haben…
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