Wirkung auf Blutgefäße und Gehirn:
Durch die Östrogenwirkung wird die periphere Durchblutung gefördert – das heißt, dass das Körpergewebe unter Östrogeneinfluss besser durchblutet wird. Dass wirkt sich sowohl auf eine gute Gedächtnisleistung aus, auf die Knochengesundheit, auf eine stärkere Sensitivität der Geschlechtsorgane und Brustwarzen und auch auf den Haarwuchs (die Kopfhaut wird besser durchblutet).
Wirkung auf Leber und Herz-Blutkreislaufgesundheit:
Man weiß heute, dass Östrogen auch auf die Leber wirkt und dort an der Bildung eines optimalen Blutfettspiegels beteiligt ist. Unter Östrogeneinfluss wird viel vom guten Cholesterin gebildet und wenig vom schlechten. Dadurch ist eine natürliche Schutzwirkung vor Erkrankungen des Herz-Blutkreislaufsystems gegeben, wie der Schutz vor Arteriosklerose. Wenn in den Wechseljahren der Östrogenspiegel sinkt, kehren sich oftmals die vorher so positiven Blutfettwerte um.
Synthetische Östrogene: Das sind künstliche, im Labor hergestellte Östrogene, wie z.B. für den Einsatz in der Anti-Baby-Pille oder auch für die Hormontherapie in den Wechseljahren.
Konjugierte Östrogene: Das sind östrogenähnliche, chemisch veränderte Substanzen, die oft bei der Hormontherapie in den Wechseljahren verordnet werden. Sie stammen meist aus pflanzlichem oder tierischem Ursprung (z.B. aus Stutenurin).
Dem Aufbau nach sind sowohl die synthetischen als auch die konjugierten Östrogene dem natürlichen Östrogen zwar ähnlich, aber doch nicht exakt gleich; daher rühren auch nach Ansicht vieler Experten die häufigen Nebenwirkungen und Beschwerden bei deren Einsatz im menschlichen Körper.
(siehe dazu auch Kapitel: Wechseljahrs-Therapien)
Die Rolle des Progesterons
Progesteron wird zum größten Teil in den Eierstöcken, in der verbliebenen Eihülle nach dem Eisprung hergestellt. Diese Eihülle wird als Gelbkörper bezeichnet, darum wird das Progesteron auch manchmal Gelbkörperhormon genannt. Ein kleinerer Teil des Progesterons wird in den Nebennieren produziert. Während die Progesteronproduktion in den Eierstöcken mit Einsetzen der Menopause stoppt, läuft sie in den Nebennieren auch nach der Menopause weiter.
Die hauptsächliche Eigenschaft des Progesterons besteht in den fruchtbaren Jahren darin, den Körper auf die Schwangerschaft vorzubereiten. Deshalb gilt es auch als das Schwangerschaftshormon. Im Monatszyklus wirkt Progesteron vor allem in der zweiten Zyklushälfte. Es wandelt die Gebärmutter so um, dass sich das befruchtete Ei darin einnisten kann. Und es bereitet die Brust auf das Stillen vor.
Durch das Absinken des Progesteronspiegels gegen Ende des Zyklus wird der Abbau der Gebärmutterauskleidung angeregt, die Monatsblutung setzt ein.
Aber die Wirkungsweisen des Progesterons sind noch umfangreicher: Außer auf die Brust und auf die Gebärmutter wirkt Progesteron auch auf das Gehirn – es regelt z.B. die Körpertemperatur; zudem sorgt es für Knochenfestigkeit und Knochenwachstum, und für ein glattes, jugendliches Bindegewebe.
Und es gibt noch eine wunderbare Eigenschaft:
Der Körper kann das natürliche Progesteron weiter umwandeln in …
Östrogen
Testosteron
Cortisol (Stresshormon – wichtig für die Stressbewältigung)
Aldosteron (Regulation des Wasserhaushalts – ist wichtig für die Figur bzw. die Erscheinungsform des Bindegewebes)
Das geschieht insbesondere dann, wenn das Progesteron im Überfluss vorhanden ist (umgekehrt funktioniert das aber nicht). Der Körper schafft sich somit seine eigene Hormonbalance.
Zu einer Unausgewogenheit im Hormonhaushalt (Pubertät, Wechseljahre) kommt es fast immer dann, wenn aus irgendeinem Grund zu wenig Progesteron gebildet wird.
Unterschied Progesteron – Gestagen
Gestagene sind künstliche Gebilde, die chemisch hergestellt und z.B. in der Anti-Baby-Pille neben dem Östrogen eingesetzt werden. Sie sind zwar dem Progesteron nachempfunden, aber nicht exakt gleich, sondern in ihrer molekularen Struktur verändert. Ihre Aufgabe ist es, dem Körper eine Schwangerschaft vorzugaukeln.
In ihrer Wirkung sind die Gestagene nicht so vielseitig wie das natürliche Progesteron. So fehlt ihnen oft die Schutzwirkung gegen Brustkrebs und Uteruskrebs. Einige Gestagene sind sogar bei manchen Auswirkungen dem Östrogen ähnlicher als dem Progesteron.
Ärzte verschreiben die Gestagene gern, weil sie im Gegensatz zum natürlichen (körperidentischen) Progesteron eine Langzeitwirkung haben und deshalb leichter dosierbar sind (wer wollte schon mehrmals täglich die Pille einnehmen). Und auch, weil sie für die Ärzte in ihrer Wirkungsweise berechenbarer sind, da sie im Körper nicht umgewandelt werden können in andere Hormone oder Botenstoffe (aber gerade deshalb fehlen den Gestagenen eben auch die vielseitigen Schutzwirkungen, die das Progesteron auf den Körper ausübt).
Das Östrogen-Progesteron-Verhältnis
Sowohl das Östrogen- als auch das Progesteronniveau sind nicht während des gesamten Zyklus gleich, sondern beide schwanken beträchtlich. Dabei stehen sie aber immer in einem bestimmten Verhältnis zueinander, wobei je nach Zyklusphase ein anderes Verhältnis normal ist.
Bisher hat noch niemand herausgefunden, wie dieses Verhältnis denn idealerweise sein müsste – und ob es nicht bei jeder Frau womöglich unterschiedlich ist. Eigentlich erkennt man nur, wenn dieses Verhältnis gestört ist, etwa an den Symptomen einer Östrogendominanz, oder an generellen Mangelsymptomen.
Die Rolle des Testosterons
Testosteron gilt als das männliche Hormon. Es gehört zu der Hormongruppe der Androgene, denen in erster Linie „vermännlichende“ Wirkungen nachgesagt werden.
Wer denkt, Testosteron habe im weiblichen Körper nichts zu suchen, der irrt gewaltig. Testosteron ist eines der vier Androgene, die als natürlicher Bestandteil im weiblichen Körper vorkommen. Es wird sowohl in den Eierstöcken als auch in der Nebennierenrinde gebildet.
Wenn die Eierstöcke ihre Funktion eingestellt haben, können Androgene der Nebenniere teilweise im Fettgewebe in Östrogene umgewandelt werden, um einen Rest-Östrogenspiegel zu gewährleisten.
In den Wechseljahren kann es sowohl zu Testosteronmangel kommen (meist in der Postmenopause) als auch zu einer erhöhten Wirkung der Androgene. Das kommt ganz darauf an, inwieweit noch Östrogen als Gegenspieler vorhanden ist, um die Wirkung des Testosterons abzudämpfen; und inwieweit eine Veranlagung zu einem erhöhten Androgenspiegel vorliegt (es gibt verschiedene Meinungen dazu – siehe ‚Postmenopause‘).
Die Wirkungen des Testosterons:
Es erhöht das Energiepotential (Aktivität) und fördert den Eiweißaufbau. Zudem stimuliert es den Muskelaufbau (anaboler Effekt) und die Bildung roter Blutkörperchen.
Und was für uns Frauen in den Wechseljahren ganz besonders wichtig ist: Testosteron stimuliert die Bildung der Stammzellen des Knochenmarks und ist damit eigentlich unverzichtbar für die Osteoporose-Vorbeugung.
Noch eines, was dann doch unsere Weiblichkeit betrifft:
Testosteron spielt eine wichtige Rolle für die Fähigkeit zur sexuellen Erregung und sexuellen Aktivität. Es erhöht (in Zusammenwirkung mit Östrogen) die Sensitivität der erogenen Zonen und die Häufigkeit der Orgasmen.
Und zuletzt: Neuere Studienergebnisse lassen vermuten, dass Testosteron und andere Androgene sicher vor Brustkrebs schützen.
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