1 Die einen sagen, nach dem Funktionsverlust der Eierstöcke würde dort meistens viel weniger Testosteron produziert. Es könne zu Testosteronmangel-Symptomen kommen (z.B. Osteoporose).
2 Andere, dass die Eierstöcke zwar die Östrogen- und Progesteronproduktion einstellen, aber dass sie weiterhin Testosteron produzieren würden; so dass es nach der Menopause durch den niedrigen Östrogenspiegel oft zu einer Testosterondominanz komme.
3 Wiederum andere vertreten die These, dass oftmals sogar noch weit mehr Testosteron produziert würde als vor der Menopause (sowohl in den Eierstöcken als auch in den Nebennieren). Es herrsche Testosteron-Überschuss. Das verbliebene Östrogen (meist Östron) könne nicht dagegen anhalten.
Die Anzeichen von Testosteronüberschuss / Testosterondominanz
Verstärkter Haarwuchs im Gesicht
Zunahme der Körperbehaarung
Akne
Tiefere Stimme
Haarausfall auf dem Kopf
Die Anzeichen von Testosteronmangel
Abnahme der Libido
gestörte Sexualfunktion
schnelle Ermüdung und generelle Lustlosigkeit
weniger Leistungskraft (weniger Energie)
vermindertes Wohlbefinden
Muskelabbau
Knochendichte nimmt ab (Osteoporose-Risiko steigt)
Ausdünnung der Schambehaarung
Therapie in der Post-Menopause
Auch wenn die Eierstöcke ihre Tätigkeit nun ganz eingestellt haben: Normalerweise werden auch nach der Menopause noch Sexual-Hormone im weiblichen Körper produziert: die Androgene in den Nebennieren und die Östrogene in den Fettzellen. Ein paar Fettreserven um die Hüften können in den späteren Jahren also durchaus nützlich sein. Wenn keine Beschwerden vorliegen, dann ist eine Hormonzufuhr meistens nicht nötig.
Wenn allerdings Beschwerden vorliegen, die auf ein Hormondefizit oder Hormonungleichgewicht schließen lassen, dann sollte unbedingt vorweg ein Hormontest durchgeführt werden. Ob Speichel- oder Bluttest, das sollte der beratende Arzt entscheiden – jede Methode hat etwas für sich. Getestet werden sollte auf Androgene, Östrogene und Progesteron.
Bei einer Hormonzuführung sollte darauf geachtet werden, dass das Verhältnis zwischen Östrogen, Progesteron und Testosteron auf jeden Fall ausgeglichen ist. Auf keinen Fall nur mit Östrogen behandeln lassen, da sonst die Risiken nach heutigem Erkenntnisstand zu hoch liegen.
In der Postmenopause ist manchmal nicht klar zu trennen, ob eventuelle Beschwerden oder Krankheiten durch Hormondefizite verursacht werden, oder ob es sich um ganz natürliche Alterungs- und Abnutzungserscheinungen handelt. Viele der sogenannten Postmenopause-Risiken wie erhöhte Anfälligkeit für Krebserkrankungen kann man nicht allein dem absinkenden Hormonspiegel anlasten; denn wenn die Organe und die Zellen altern, werden sie damit auch anfälliger.
Allerdings sind noch lange nicht alle Zusammenhänge darüber erforscht, wie die Hormone genau arbeiten und welche subtilen Auswirkungen sie noch haben auf verschiedenste Körperfunktionen und unsere Gesundheit. Wir sind gespannt, welche neuen Erkenntnisse die kommenden Jahren mit sich bringen werden.
Nicht zuletzt: Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und regelmäßigem Sport / Bewegung hat einen unschätzbaren Wert für die Gesundheit – das wurde in zahlreichen Studien belegt
Schutzwirkungen der Hormone
Wie wirken die Hormone?
Die Sexualhormone Östradiol (das wichtigste Östrogen), Testosteron und Progesteron werden in den Eierstöcken, in den Nebennieren und im Fettgewebe gebildet. Von dort aus wandern sie ins Blut.
Da die Sexualhormone aus Cholesterin aufgebaut sind, sind sie gut fettlöslich und schwer wasserlöslich. Erst diese Eigenschaften machen es möglich, dass sie im Blut transportiert werden können. Über das Blut gelangen sie direkt zu den Körperzellen, wo sie dann auf den Stoffwechsel der Zelle Einfluss nehmen können.
Die Stärke der Hormonwirkung wird durch die Form des Moleküls bestimmt. Um ihre Wirkung zu entfalten, binden die Hormone im Körper an die so genannten Hormon-Rezeptoren an. Das passiert ähnlich wie beim Schlüssel-Schloss-Prinzip. Das Hormon als Schlüssel sucht sich das passende Schloss, den Hormonrezeptor. Wenn die beiden sich verbunden haben, entsteht ein neuer Botenstoff, der dann die Hormonwirkung auslöst. Je besser das Hormon zum Rezeptor passt, umso stärker ist auch seine Wirkung.
Auf diese Weise wirken z.B. Östrogene direkt über den Zellstoffwechsel auf den Aufbau und damit auf Gesundheit und Erscheinungsbild von Haut, Haaren oder auch Fingernägeln, oder das Progesteron auf die Zusammensetzung und die Festigkeit der Knochen.
Die Tatsache, dass verschiedene Hormonunterarten an den gleichen Rezeptor anbinden, heißt noch lange nicht, dass diese die gleiche Wirkung hervorrufen. So kann ein sehr schwaches Östrogen oder ein chemisch abgeändertes Östrogen den Östrogen-Rezeptor besetzen und dabei kaum Östrogenwirkung hervorrufen; und dabei gleichzeitig verhindern, dass ein starkes Östrogen wie das Östradiol anbindet. Somit können Östrogene auch Östrogenwirkung verhindern (was zunächst einmal ziemlich paradox erscheint).
Die verschiedenen Hormone haben eine unterschiedliche Wirkungsdauer:
Östradiol ist das stärkste Östrogen und ein Langzeithormon; aus diesem Grund sind im Körper auch nur geringe Mengen nötig.
Progesteron dagegen ist ein Kurzzeithormon. Von ihm werden im Körper in den fruchtbaren Zeiten große Mengen produziert, um eine anhaltende Wirkungsdauer zu gewährleisten.
Östrogen gilt als das weibliche Hormon schlechthin. Es ist verantwortlich für die Ausbildung der weiblichen Genitalien und der sekundären Geschlechtsmerkmale (wie die weibliche Brust); und es sichert die Fruchtbarkeit und damit die Fortpflanzung.
Das Östrogen ist vor allem in der ersten Zyklushälfte aktiv – dann ist es für das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut und die Vorbereitung des Eisprungs zuständig.
Es gibt drei verschiedene Arten von natürlichem Östrogen: (die internationale Schreibweise ist Estrogen).
Östradiol (Estradiol) gilt als das wirksamste Östrogen. In der fruchtbaren Zeit wird es in großen Mengen in den Eierstöcken produziert.
Östron (Estron) wird zwar auch vor den Wechseljahren im Körper produziert. Aber nach der Menopause wird es für die Frau zum wichtigsten Östrogen im Körper. Es wird zur Hälfte in den Fettzellen gebildet.
Östriol (Estriol) erreicht seinen Höchstwert in der Schwangerschaft. Sonst herrschen eher die anderen beiden Östrogene im Leben der Frau vor.
Die besondere Eigenschaft von Östriol ist seine aktivierende Wirkung auf die Gesundheit der Schleimhäute, ohne dabei das Gewebewachstum zu stimulieren (im Gegensatz zum Östradiol). Deswegen wird es auch gern bei der lokalen Östrogentherapie (z.B. bei Scheidentrockenheit) in Form von Creme oder Gel angewandt.
Erst in jüngster Zeit kommt in der wissenschaftlichen Forschung immer mehr zutage, dass Östrogene noch weit mehr Aufgaben im menschlichen Körper haben, als die Geschlechtsmerkmale auszubilden und damit die Fortpflanzung zu sichern. Sie sind unersetzlich für die Gesundheit des Körpers und haben verschiedene Schutzfunktionen.
Östrogen wirkt nicht nur an den Geschlechtsorganen, sondern auch auf die Haut, Blutgefäße, Leber, Knochen und Gehirn.
Wirkung auf Haut und Bindegewebe:
Östrogen fördert Fetteinlagerungen unter der Haut – das macht sie schön weich, geschmeidig und lässt sie glatt erscheinen.
Im Alter, unter Östrogenmangel, werden diese Fetteinlagerungen abgebaut, die Haut erscheint uns dann viel dünner, weniger elastisch und trocken.
Östrogen hält auch Wasser und Salz im Bindegewebe zurück, und polstert damit die Haut auf. Bei zu viel Östrogen oder Östrogendominanz kann diese Eigenschaft sehr unangenehm werden, denn dann schwellen oft Bauch, Beine und das Gesicht unangenehm an (viele Frauen erleben dieses Phänomen kurz vor der Periode, wenn das Progesteron absinkt und so die Wirkung des Östrogens stärker wird.) Diese Wassereinlagerungen sind auch meist verantwortlich für die Gewichtszunahme unter Östrogeneinfluss.
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