Die Flasche ist voll, der Verschluss sitzt fest und ich schüttle das Ganze kräftig durch. Das Ganze sieht widerlich aus. Die Flasche verstecke ich hinter meinem Bett und werde sie morgen Früh, nachdem mir meine Mutter das Schulbrot eingepackt hat, in meiner Schultasche verstauen. Gedacht, getan. Am nächsten Morgen sitze ich wieder neben Hans. Ich weiß nicht warum, aber ausgerechnet heute hat er seine Schultasche zwischen uns gestellt. Ich muss daher etwas an den Rand sitzen und wahrscheinlich macht Hans das nur, um seine Macht zu demonstrieren. Während der Großen Pause schleiche ich mich ins Klassenzimmer und gönne mir einen kräftigen Schluck aus der mitgebrachten Pulle. Mit großer Mühe rinnt die nicht näher zu beschreibende Flüssigkeit durch meine Kehle. Im Trinken bin ich unschlagbar und so kippe ich fast die ganze Flasche in mich hinein, in der Hoffnung, die gleiche Wirkung zu erhalten, wie sie Opa in seinem Aufsatz beschrieben hat. Ich verstaue die Flasche wieder in meiner Schultasche und begebe mich in den Pausenhof. Noch fühle ich mich pudelwohl. Die Pause ist zu Ende und wenige Minuten später sitze ich neben Hans im Klassenzimmer. Die Lehrerin unterrichtet uns in Heimatkunde. Wir schreiben und zeichnen wie die Weltmeister in unsere Hefte. Das Gesöff beginnt zu wirken. Mir wird ganz mulmig und der Magen dreht sich gleich um. Ich schnappe nach Luft und in dem Moment, als die Lehrerin mich fragt, ob mir nicht gut ist, beuge ich mich nach links und kotze das Gesöff samt Frühstück lautstark in die offene Schultasche von Hans. Hans springt auf und bringt sich in Sicherheit. Eine zweite Ladung kommt unmittelbar hinterher, und, wie wenn die Schultasche von Hans dafür geschaffen wäre, nimmt sie diese farblich nicht definierbare Brühe in sich auf. Die besorgte Lehrerin legt mir ihre Hand auf die Stirn und stellt eine schwere Krankheit fest. Nachdem dieses Zeugs, das meine Übelkeit verursacht hatte, draußen ist, geht es mir sofort wieder besser. Peter, der neben mir wohnt, erhält den Auftrag, mich nach Hause zu begleiten. Hinter mir höre ich Hans »So ein Arschloch« rufen. Wie dem auch sei. Mein Vorhaben war geglückt. Noch am gleichen Abend ruft die Mutter von Hans meine Mutter an und rügt das Benehmen ihres ungezogenen Bengels. Hans hatte gepetzt. In den nächsten Tagen verfolgen die Mitschüler Hans mit dem Wort ‘Petze’ und spielen ihm übel mit. Ich beteilige mich nicht an diesen Aktionen, sondern hoffe, dass ich ab jetzt nicht mehr von Hans gestichelt und gedemütigt werde. Und in der Tat, schlagartig hat sich das Benehmen von Hans mir gegenüber verändert. Ich reagiere mit Gleichgültigkeit und lasse Hans links liegen.
Als ich ein Jahr später dieses Ereignis meinem Opa im Vertrauen erzählte, wunderte er sich, dass sein Rezept tatsächlich wirkt.
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