Das Bedienungsmodel trug erst mal die schon beiseite gelegten Einkäufe zusammen, entfernte die Preiszettel und begann in die Kasse zu tippen. Miami dachte : Tja, nur ich Idiot hab mal wieder nichts gefunden! Das tippen des Models machte ihn nervös. Er guckte in seinen Gelbeutel, es war wie immer viel Cash drin, aber das Erlebnis mit den gelben Kuckucks machte ihn skeptisch. Jetzt musste erst mal die Credit Card herhalten! Miami gab sie lässig dem Möchtegern-Model, doch bevor ihr Luxus Body ihn auf dumme Gedanken bringen konnte, versaute sie ihm mit einem bestimmten „So, Herr von l’Echeq, 6.578 Euro bitte“ endgültig den Tag. Ach du Scheisse! Sie zog seine Karte durch ihr Gerät. Nichts passierte. Sie warteten, und warteten, und warteten. Wie er dieses Gefühl hasste! Und dann war auf einmal Schluss mit dem freundlichen Model. Sie sah ihn kritisch an. „Tut mir leid, mein Herr, die Karte scheint gesperrt zu sein.“ Rummms! Das war das erste Mal in seinem Leben, dass ihm eine Zahlung verwehrt wurde. Das gibt’s doch nicht! Aber er fing sich schnell auf seine Art. „Was, das gibt's doch nicht, da hat man ein paar Probleme und schon sperren sie einem die Karte! Scheiss Bank!“ rief er. In ihm stieg Wut hoch. Er beruhigte sich nicht, denn er spürte, dass die Sache ernster war. Joe und Kalle beobachteten die Szene hinter einem Paravent. Sie tuschelten. „Mensch Kalle, wer weiss wie lange wir uns das noch leisten können, wenn wir nicht bald an neue Kohle kommen“. Kalle nickt Joe affig zu: „Ja, an neue Kohle kommen!“ Da erschienen Jenny und Kathrin und zeigten lachend auf ihre Kleider auf dem Tresen. Sie hatten von der Sache mit seiner Credit Card nichts mitbekommen. Jenny deutete kurz auf das von ihr erbeutete und sagte dann zu Miami: „Das geht doch klar Schatz, oder?“ Er sah sie lange an, seufze kurz und kramte dann das Bargeld aus seinem Geldbeutel. Er hatte sich zum Glück nach der Nummer mit dem netten Gerichtsvollzieher 10.000 Euro in Bar auszahlen lassen. Nachdem die Kassiererin das Geld freudig einsackte und seine Crew sich vergnügt die Einkaufstaschen unter die Arme riss, verabschiedeten sie sich. Nichts wie weg hier! Ja, geniesst nur eure gute Stimmung! dachte er. Doch für ihn war der Tag gelaufen.
Als sie alle zusammen mit ihren Tüten bepackt Richtung Odeonsplatz gingen, sah Miami in der Menschenmasse kurz einen Obdachlosen um Geld betteln. Er hatte einen verfilzten Vollbart und schien nicht viel älter zu sein als er selbst. Und da wurde ihm schlagartig klar, wie ernst seine Lage war. Angst stieg in ihm auf. Doch es war keine Angst im herkömmlichen, greifbaren Sinn. Es fühlte sich taub und distanziert an. Es war die Angst eines Hilflosen. Er hatte noch nie für etwas kämpfen müssen, geschweige denn um einen Job oder um Geld. Wo das Geld herkam, daran hatte er in der Vergangenheit keinen Gedanken verschwendet. Je mehr dies alles da war, umso mehr entfernte er sich von dem Gedanken, auf etwas verzichten zu müssen. Er wusste nicht was er zu tun hatte, um ein echtes Leben zu führen. Ein Leben, welches aus Arbeit und einem eigenen Einkommen bestand. Er war hilflos und träge geworden. Wie unter einer Glocke. Er sah die Strasse hinunter. Edel angezogene Menschen mit edlen Tüten, die hastig an noch edleren Geschäften vorbeigingen. Auf einmal stand eine alte, elegante Frau vor ihm. Sie hatte kurz die Orientierung verloren. Die Sonne strahlte ihr ins Gesicht, sie lächelte. Und dann war er plötzlich da. Der Gedanke, der wie ein Blitz in Miamis Kopf einschlug: Grossmutter!
Da sah er sie vor sich, seine alte Grossmutter. Gretchen von L’Echeq. Die er schon als Kind Grandma nannte. Die Mutter seines Vaters. Einundachtzig Jahre alt. Verwitwet. Sehr wohlhabend, sie hatte mit damals 22 Jahren einen Grossindustriellen geheiratet, der ihr alles vermachte. Sie führte in letzter Zeit ein bescheidenes Leben. Miami hatte sich immer gerne an die Ferientage erinnert, die er als Kind auf ihrem Landsitz verbracht hatte. Sie war nach dem Tod ihres Mannes verschroben und einsam geworden. Doch er hatte sie in guter Erinnerung. Das Problem dabei war, dass sie seit dem Tod seiner Eltern kein allzu gutes Verhältnis hatten. Genauer gesagt: sie hatten gar kein Verhältnis mehr! Miami hatte sich seit Jahren nicht bei ihr blicken lassen. Wieso auch. Er sah sie zuletzt bei der Beerdigung seiner Eltern. Ein kurzer Gruss. Sie war nach der Andacht abgereist. Kein gemeinsames Essen mit den anderen. Aber vielleicht hatte sie ihm ja inzwischen vergeben. Auf einmal war wieder Sonne in seinem Herzen!
Der Club La Vida, es war Abend, der Tag war Miami anstrengend genug, so etwas brauchte er keine zweimal! Alle um ihn herum kicherten und amüsierten sich bestens. Aber die Lage war ernst. Und so war es mal wieder Zeit für eine seiner gefeierten Ansprachen. „Tja, meine Freunde! Ihr habt ja mitbekommen, was bei mir los ist. Wenn es so weitergeht, habe ich bald keine Kohle mehr - und dann ist es vorbei mit Party! Hat einer eine Idee?“ Sie sahen sich verdutzt an. Blöde, leere Gesichter und Schulterzucken. „Dacht ich mir doch, wenn's eng wird bin ich der Dumme. Na, dann werd ich mit Jenny der Grandma mal einen Besuch abstatten...“ Da machte sich plötzlich Erleichterung in den Gesichtern seiner Freunde breit. Und auch er war wieder voller Mut. „Na gut - Herr Ober - Champagner für alle!“
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