Er parkte den silbernen 911er in seiner Garage. Den Porsche hatte ihm sein Vater gekauft. Das Vollkasko bezahlte er selbstverständlich auch. Sein Balthasar sollte weder Schaden anrichten noch den anderen Söhnen des Internats in irgendetwas nachstehen. Jenny und Miami stiegen aus und torkelten volltrunken und kichernd zum Hauseingang. Da war sie, seine Bogenhausener Villa. Seit einigen Wochen sein Eigentum und ohne seine Eltern völlig leer. Ohne seine Freunde bekam er in letzter Zeit mehr und mehr Angst zu vereinsamen. Doch - was für ein Anblick! Selbst im vollen Zustand. Und dann sang er sein Lied. Die grosse Hymne, die er einfach nicht mehr aus seinem Kopf bekam. „If I were a rich man, dibi dibi dibi dibi dibi dibi dibi dei…”. „Ahhh, geil“ lachte Jenny, vornüber gebeugt. Und er lachte ebenso und schüttelte sich, als hätte ihn der Wahnsinn an den Eiern. Sie schoben sich gegenseitig die Treppe zum Schlafzimmer hoch, er spürte ihre Hand in seinem Schritt, aber er war zu müde und sie war zu voll. Sie rockten noch kurz auf seinem Bett ab, dann sanken sie in einen tiefen, langen Schlaf.
Alles, was Dir begegnen wird, ist leider nicht zu vermeiden.
Sören Kierkegaard
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„Riiiiiiiiiing. Riiiiiiiiiinng. Riiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinnng!“ Die Klingel seiner Villa war gnadenlos.
Miamis erste Gedanken kamen noch aus der Welt der schlafenden. „Mein Gott, wer will denn schon so früh was von mir, diese Idioten, es kann doch höchstens 11 Uhr morgens sein!“ „Mann ist mein Kopf schwer “, dachte er sich. Neben ihm lag zusammengekauert Jenny, keine Regung. Riiiiiiiiinnnng! „Ich Komm ja schon!“ entfuhr es ihm aus seinem verschlafenen Gesicht. Er stand mühsam auf und lief die Treppe hinunter. Er gelangte wackeligen Schrittes zur Türe und öffnete. Vor ihm stand ein kleiner, fröhlich dreinblickender Mann. Mitte vierzig, rundlich und im grauen Anzug. „Herr Balthasar von l'Echeq nehme ich an? Unterwald mein Name, Gerichtsvollzieher. Da mehrere Gläubiger Zahlungen eingeklagt haben und sie nicht zu den Gerichtsterminen erschienen sind, statte ich ihnen jetzt einen Besuch ab. Sie haben doch nichts dagegen, dass ich reinkomme?“
Er drängte sich an Miami vorbei in die Wohnung. Als Miami sich umdrehte, sah er den alten Berg ungeöffneter Briefe am Boden des Eingangs. Er hatte ihn seit Monaten immer wieder zusammengekehrt und in die Ecke geschoben. Er war ja reich, wenn irgendjemand was von ihm wollte, sollte er es sich persönlich abholen. „ Ach Du Scheisse!“ Im Hintergrund näherte sich Jenny und sah sich die Szenerie skeptisch und verschlafen an. Der Gerichtsvollzieher guckte immer zufriedener drein. Miami schwante Böses. „Ich werde mich hier etwas umsehen, Herr von l'Echeq, und kleine komische Aufkleber verteilen. In zehn Minuten bin ich wieder weg, dann können Sie Ihren Rausch ausschlafen!“ Miami blickte zu Jenny, die auf der Treppe kauerte. Sie war müde und sah ihn mit merkwürdig leerem Gesichtsausdruck an. Miami zucke mit den Schultern, er war noch zu benebelt und sein Kopf zu schwer, um die Lage voll zu begreifen. Dann hörte er wie der Gerichtsvollzieher durch seine Villa ging, der edle Parkettboden knarrte eine Weile. Dann ein kurzes „Ratsch“. Das Geräusch wiederholte sich. „Ratsch, Ratsch“. Miami torkelte zum Wohnzimmer und schaute müde um die Ecke. „Was macht der denn da? Au nein, kleine gelbe Zettel - der gelbe Kuckuck!“ Miami war plötzlich wach. “Hey, was soll die Scheisse, Mann?“ Aber da stand Herr Unterwald auch schon wieder im Türrahmen. Er schien auf einmal grösser, mit einem mächtigen Stolz in der Hose. „Auf Wiedersehen, Herr von l'Echeq. Die Sachen werden dann in den nächsten Tagen abgeholt.“ Er drehte sich um und war weg. Miami schloss die Tür. Er blickte Jenny an, sie hatte ihr Gesicht in ihren Händen vergraben.
Hier stand er nun, vorbei mit Glanz und Gloria - sie würden bald die Möbel abholen. Miami fing plötzlich merkwürdig an zu schwitzen und geriet in eine nie gekannte Panik. Sollte das nun schon das Ende vom ganzen gewesen sein? Jenny blickte langsam auf und sah ihn fast ängstlich an. „Du Miami, heisst das, es gibt jetzt keine Partys mehr?“ Er zucke müde und schlapp mit den Schultern. Plötzlich kribbelte es ihn am ganzen Körper. Ein Schwall von Energie durchströmte ihn. Und da - erstmals seit langen regte sich so etwas wie ein Kampfgeist in ihm. Er schwitze noch immer. Aber der Schweiss war nun kalt. Es sollte mit dem Teufel zugehen, wenn einer wie er das nicht hinkriegen würde! Er blickte zu Jenny und strecke seinen verkaterten Körper. „Ach was, Jenny. Jetzt wird erst recht gefeiert!“ Er setzte seinen Killer Blick auf und ging langsam auf sie zu, umarmte sie fest, gab ihr einen leidenschaftlichen Kuss und dann krallte er sich ihren kleinen, geilen Grossstadthintern. Er zog sie die Treppe zum Schlafzimmer hinauf und vernaschte sie, wie er sie noch nie vernascht hatte.
München war cool und sie waren cool. Und sie alle zusammen an einem Samstag in der Münchner Altstadt waren das coolste überhaupt! Joe, Kalle, die beiden Mädchen und Miami liefen nebeneinander durch die Theatinerstrasse. Sie trugen ihre Sonnenbrillen und Designerkleidung, die Mädchen in edlen Jeans, Cowboy Boots und bunten Sommer Tops. Miami war entspannt. Er schloss leicht die Augen. Warme Sommerluft durchströmte sein gegeeltes Haar. Ach, das Leben konnte so schön sein! Jenny und Kathrin stiessen plötzlich verzückte Schreie aus. Aufgeregt wie Schulmädchen verschwanden sie in einer Seitenstrasse. Sie betraten eine der edelsten Designer Boutiquen in den fünf Höfen, na das war mal eine Überraschung! Na dann mal nix wie hinterher dachte sich Miami. „Joe, Kalle! Hier rein geht’s, ich such mir vielleicht auch noch was aus!“ Kalle und Joe betraten mit freudigen Gesichtern die Boutique. Sie rannten gleich zu den Designerbrillen. Und die Mädels zu den Schuhen. Schuhe. Miami seufzte. Und dachte an Jenny. Nein du Luder! keine Schuhe mehr! Den Saustall in meinem schönen Haus, wann hört das denn endlich auf? Aber Jenny und Kathrin streiften sich schon verzückt wiehernd den letzten Schrei über die Füsse. Miami schüttelte den Kopf. Mann musste das toll sein, als wär’s ein Ferrari. Na, wo waren denn seine Jungs? Er sah sich um. Da sass der kichernde Kalle, er hatte in einem Lounge chair Platz genommen, der noble Herr. Ein heisses blondes Model, welches sich auf dem Weg nach Paris wohl hierher verlaufen hatte, kam elegant angetrabt und reichte unserem Dickerchen blaue Krokostiefel. Miami tickte plötzlich aus. „Was? Krokostiefel? Jetzt schlägt’s dreizehn, Freunde! Ich kann den ganzen Scheiss hier nämlich wieder bezahlen!“ Ihm wurde auf einmal schlecht. Vor seinem inneren Auge erschien ihm der Gerichtsvollzieher. Aber Kalle grinste nur noch dämlicher, das Model lächelte ihn an. Kalle streifte die Dinger mühsam über, schliesslich stand er auf und sah in einen Spiegel. Das Model und ihre Modelkolleginnen nickten zustimmend und machen einen auf toll. „Das gibt Ihnen das gewisse Etwas!“ - als wenn unser Klops das nicht eh schon hätte! Kalle guckte fast platzend vor Stolz zu Joe und Miami rüber. „Mensch, das sieht cool aus, Miami, oder?“ „Ja, super cool Kalle!“ Leck mich doch .
Jenny und Kathrin kicherten immer lauter und stöckelten wie die Irren voll mit Designer Chic durch die Boutique. Sie waren in ihrem Element. Meine Flamme, laut wie immer. „Ja, echt geil, Kathrin, komm, lass uns noch andere Sachen ausprobieren!“ Und weg waren sie, und die Models stöckelten aufgeregt hinterher. Joe stand vor dem grossen Spiegel am Eingang und hatte sich einen kitschig aussehenden braunen Pelzmantel angezogen. Er drehte sich hin und her und sah zufrieden drein. Wie in Ekstase sah er zu Miami rüber. „Swinging sixties! Yeah! Miami, den nehm ich!“ Miami drehte sich kopfschüttelnd um. Da stand Jenny plötzlich mit ziemlich wenig Stoff am Körper hinter ihm. Mit ihrem Schlafzimmerblick sah sie ihm tief in die Augen, lächelte ihn an, fuhr mit den Händen über sein bestes Stück nach unten und guckte lasziv. Miami seufzte innerlich. Dieser Blick, ich kann’s nicht mehr sehen, schnell raus hier!
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