K.P. Hand - Willenbrecher

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Um dem Kopf einer organisierten Sklavenhändlertruppe auf die Spur zu kommen, schleust sich der Ermittler Norman Koch als Drogendealer in eine Verbrecherorganisation ein. Während er, abgeschnitten von seinen Kollegen und Vorgesetzten, sein Leben in Gefahr bringt um die vielen Entführten zu retten, verschwindet erneut ein junges Mädchen, das gar nicht weit von Normans Reichweite entfernt festgehalten und gefoltert wird.
Um sie zu retten benötigt Norman die Hilfe eines alten Bekannten: dem Auftragskiller Alessandro.
Überraschend möchte sich Alessandro mit Norman verbünden um ihm bei dem Fall zu helfen.
Norman lässt sich darauf ein, doch merkt er schnell, das dieser Verbrecher gar nicht so skrupellos war, wie er sich einen Auftragsmörder vorstellte. Zu der Angst, bei diesem Fall zu versagen, drängten sich Norman nun auch noch Gefühle auf, die er gegenüber diesem Mann keinesfalls zulassen will…
*Warnung: Dieser Roman will keinesfalls Gewalt verherrlichen, jedoch tauchen Szenen und Darstellungen von physischer und psychischer Grausamkeit auf, die auf manche Menschen verstörend wirken können. Außerdem enthält diese Geschichte explizit geschilderte homoerotische Szenen, an denen sich einige Menschen stören könnten. Altersempfehlung: ab 18 Jahre

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»Die Flasche mit Wasser lasse ich dir, bis ich wieder da bin«, sagte er. »Stell sie, wenn sie leer sein sollte, neben die Tür. Sie ist aus Plastik, also schlag dir aus dem Kopf, sie als Waffe benutzen zu wollen.«

Mit seinen Utensilien schlüpfte er durch die Tür und ließ sie alleine.

Ausatmend ließ Mona den Kopf auf den kalten, nassen Boden fallen. Sie war froh, nicht mehr an der Kette hängen zu müssen. Sie war auch froh darüber, dass ihre Blase leer war, und das sie eine halbe Flasche mit Wasser zur Verfügung hatte, die sie sich gut einteilen würde.

Es war erstaunlich, wie wenig ihr Peiniger ihr geben musste, um bei ihr Glücksgefühle hervor zu rufen.

***

Alessandro hatte es geschafft, unbemerkt das Haus seines Bruders verlassen zu können.

Er war von einer Villa zur nächsten Villa gefahren; von einem machtbesessenen Idioten zum anderen.

Er hörte die Schläge schon, bevor er im Obergeschoss um die Ecke gebogen war und in das Zimmer sehen konnte, zudem man ihn geschickt hatte.

Zu dem Raum gab es nicht viel zu sagen. Dunkel, kahle Betonwände, nackte Glühbirnen, die von der Decke hingen. Käfige, Ketten, Andreaskreuze, Tische mit allerlei Folterinstrumenten und eine Handvoll nackter, blutender, wimmernder Menschen. Ein Anflug von Erinnerungen ging durch ihn hindurch.

Er betrat den Raum und ging drei Schritte, bis er zu dem Mann gelangte, der schwer atmend über einem anderem hing.

»Beeindruckend«, sagte Alessandro zynisch. »Mit was für einem ... Elan du doch an die Sache heran gehst.«

Der andere dunkelhaarige Mann drehte sich zu ihm um. An seinen Händen klebte Blut, weil er zuvor mit den Fäusten auf ein Gesicht eingeschlagen hatte. Blutspritzer hatte er auch im eigenen Gesicht und auf seinem weißen Hemd, dessen Kragen weit offen stand. Alessandro konnte einen Blick auf die glatt rasierte Brust darunter erhaschen.

Er kümmerte sich nicht sofort um Alessandros Anwesenheit. Stattdessen wandte er sich an einen seiner Männer und beauftragte diesen: »Ruf Tie an. Frag ihn, ob der Kunde alle Körperteile seiner Ware benötigt. Vielleicht weicht die Sturheit, wenn wir diese unkooperative kleine Made kastrieren.«

Der Mann nickte und reichte seinem Boss ein Handtuch, bevor er sich davon machte.

Mit einem Grinsen wurde Alessandro nun Beachtung geschenkt.

»Du warst ja schon früher grausam, Franklin«, sagte Alessandro unbeeindruckt zu ihm und linste um ihn herum zu dem Mann dessen Gesicht wegen der Schläge bis zur Unkenntlichkeit

angeschwollen war. Er verzog angewidert das Gesicht. »Aber Kastration geht sogar für deine Verhältnisse zu weit.«

Franklin wischte sich das Blut von den Händen, als er erwiderte: »Manchmal muss man sein Spektrum eben erweitern.«

Alessandro brummte zustimmend, noch immer den Blick auf den wimmernden Mann gerichtet, der hinter Franklin auf dem Boden kauerte.

»Brauchst du wirklich so viele ... Sklaven? Oder gefällt es dir einfach nur, sie zu zerstören und schmeißt sie anschließend wie benutzte Taschentücher weg?«

Franklin schnaubte und erklärte: »Die sind nicht für mich, ich bilde sie nur aus.«

»Und das offenbar recht erfolgreich.«

»Könnte man so sagen.«

»Pass lieber auf, das du nicht zuviel Aufsehen erregst, Franky, wir wollen ja nicht, das dich das gleiche Schicksal ereilt wie Kev«, warnte Alessandro mit einem höhnischen Lächeln auf den Lippen.

»Wie ich sehe, hast du mein Päckchen erhalten«, überging Franklin den Kommentar.

Alessandro sah dem Mann ins Gesicht und gab verärgert zurück: »Sonst wäre ich wohl kaum hier, oder?«

»Bist du den anderen losgeworden?«

»Noch bevor ich in den ersten Flieger stieg, ja«, antwortete Alessandro.

»Gut«, erwiderte Franklin und grinste wieder.

Alessandro seufzte entnervt und verlangte zu erfahren: »Was willst du von mir?«

Eingeschnappt sah Franklin ihn an. »Das habe ich doch in meiner Nachricht erwähnt, oder?«

»Und ich habe kein Interesse.«

»Natürlich nicht«, erwiderte Franklin sarkastisch, »deswegen bist du ja auch jetzt hier ...«

»Hatte ich eine Wahl? Und jetzt spuck es aus und verschwende nicht meine Zeit, du Wurm!«

Franklin lachte auf. »Immer noch der Alte, was?«

»Und genau deswegen solltest du dich vorsehen ...«

»Schon gut, schon gut!« Franklin hob ergebend die Hände. »Also hör zu, ich habe einen Job für dich. Deswegen habe ich dir die Mittel geschickt, um zurückkommen zu können.«

Alessandro grinste und erwiderte: »Das kannst du dir nicht leisten.«

»Denkst du?« Franklin breitete die Arme aus. »Sieh dich um. Sieh dir an, was ich innerhalb eines Jahres aufgebaut habe! Ich war ein Nichts, ein Niemand, Sandro.«

»Und ich sage es noch einmal«, warnte Alessandro und baute sich vor ihm auf, »pass gut auf, denn mein Bruder wird das nicht lange dulden.«

Franklin sah ihn unbeeindruckt an und wollte wissen: »Dann arbeitest du jetzt für Enio?«

»Nein.«

»Ah. Also kommt mein Auftrag gar nicht so ungelegen, oder? Es ist nur ein kleiner Job. Ich zahle dir die übliche Summe, die du verlangst.«

»Dich kostet es mehr«, beschloss Alessandro.

Franklin schmunzelte. »Auch gut. In Ordnung.«

Mist.

Seufzend fragte Alessandro: »Eine unkomplizierte Beseitigung?«

»Ja«, bestätigte Franklin. »Es geht um einen Kerl, der mir zu auffällig arbeitet, es ist also auch im Sinne deines Bruders.«

»Ich nehme an, es geht um die Leichen, die man jetzt des Öfteren aus dem Fluss gefischt hat«, vermutete Alessandro.

»Exakt!« Franklin wirkte verärgert. »Ein Kunde, dem es an Zurückhaltung fehlt.«

»Ich dachte mir schon, dass du nicht dahinter stecken konntest. Eine oder auch zwei Flussleichen, ja, aber nicht so viele. So blöd bist selbst du nicht.«

Franklin verzog die Lippen amüsiert wegen des Seitenhiebs. »Wie dem auch sei«, nahm er das Thema wieder auf, »mir wäre es eine sehr hohe Summe wert, wenn du ihn vor den Ermittlern schnappst, bevor er plaudern kann. Du verstehst mich?«

Alessandro war mittlerweile um ihn herumgegangen und inspizierte die Folterinstrumente auf einem Tisch. Langsam ließ er seine Finger über die Lederstreifen einer Riemenpeitsche wandern. Er hatte ja ganz vergessen, wie gut es sich anfühlte ...

»Oh, ich verstehe sogar sehr gut«, gab er schließlich zurück und wandte sich wieder zu Franklin um. »Und genau deshalb mache ich es nicht.«

Franklin verengte die Augen.

»Versteh mich nicht falsch«, sagte Alessandro und ging auf ihn zu, »du weißt, ich fand dein Handwerk in Gewisserweise schon immer ... sehr ... verlockend. Wie du es schaffst, andere zu brechen ist bewundernswert. Ich ... war schon immer fasziniert von deinem ... Talent . Und mit was für einer Freude du an deine Arbeit heran gehst ist beeindruckend ...«

»Aber?«, drängte Franklin ungeduldig.

Grinsend brachte Alessandro sein Gesicht ganz nahe an Franklins, als er hohnvoll erwiderte: »Aber ich sehe viel lieber dabei zu, wie du erneut untergehst.«

Damit ging er an Franklin vorbei.

»Das Angebot steht, Sandro«, rief Franklin ihn unbeeindruckt hinterher. »Meine Tür steht weit offen, wenn du dich anders entscheidest. Andernfalls ... spreche ich vielleicht mal persönlich mit deinem Bruder, alter Freund.«

Alessandro ging kopfschüttelnd weiter. Niemals würde er für Franklin arbeiten. Denn es war allgemein bekannt, dass alle, die für ihn Auftrage erfüllten, früher oder später den Kopf verloren.

***

»Was soll ich Ihnen bloß sagen?« jammerte Fatima und fuhr sich durchs Haar.

Tom war gerade wieder ins Büro gekommen, nachdem er kurz hatte rausgehen müssen, um ein Telefonat anzunehmen.

»Keine Spur, kein Hinweis. Nichts!« Fatima verzweifelte langsam. »Mit jeder Minute die verstreicht, sinken auch die Chance, dass Mona Lorenz noch lebt.«

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