K.P. Hand - Willenbrecher

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Um dem Kopf einer organisierten Sklavenhändlertruppe auf die Spur zu kommen, schleust sich der Ermittler Norman Koch als Drogendealer in eine Verbrecherorganisation ein. Während er, abgeschnitten von seinen Kollegen und Vorgesetzten, sein Leben in Gefahr bringt um die vielen Entführten zu retten, verschwindet erneut ein junges Mädchen, das gar nicht weit von Normans Reichweite entfernt festgehalten und gefoltert wird.
Um sie zu retten benötigt Norman die Hilfe eines alten Bekannten: dem Auftragskiller Alessandro.
Überraschend möchte sich Alessandro mit Norman verbünden um ihm bei dem Fall zu helfen.
Norman lässt sich darauf ein, doch merkt er schnell, das dieser Verbrecher gar nicht so skrupellos war, wie er sich einen Auftragsmörder vorstellte. Zu der Angst, bei diesem Fall zu versagen, drängten sich Norman nun auch noch Gefühle auf, die er gegenüber diesem Mann keinesfalls zulassen will…
*Warnung: Dieser Roman will keinesfalls Gewalt verherrlichen, jedoch tauchen Szenen und Darstellungen von physischer und psychischer Grausamkeit auf, die auf manche Menschen verstörend wirken können. Außerdem enthält diese Geschichte explizit geschilderte homoerotische Szenen, an denen sich einige Menschen stören könnten. Altersempfehlung: ab 18 Jahre

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»Ich spreche von noch jüngerer Ware ...«

»Ach so.« Franklin betrat sein Arbeitszimmer und drehte sich grinsend zu Norman um. »Sie sprechen von Kindern.«

Norman nickte. Ihm war speiübel.

»Halten Sie mich für ein Untier?« Franklin lachte auf. »Wie gesagt, auch ich habe meine moralischen Grenzen, Alex. Alle Kunden, die so junge Waren verlangen, sind bei mir an der falschen Adresse. So was mache ich nicht. Für kein Geld der Welt. Zumal ich nicht einfach mal so ein Kind verschwinden lassen kann. Verstehen Sie?«

Norman schüttelte den Kopf. »Nicht wirklich.«

»Nun ...«, Franklin setzte sich in seinen Stuhl, » ... sehen Sie es mal so: Verschwindet ein Junkie, ein arbeitsloser Nichtsnutz, interessiert das die Welt wenig. Man vergisst ihn im Laufe der Zeit, auch wenn die Ermittlungen noch laufen sollten. Die Gesellschaft, das Volk, wird nicht lange die Augen nach Spuren aufhalten. Verschwindet ein Kind, ist der gesamte Planet in Aufruhr. Die Familie, insbesondere die Eltern, werden niemals die Suche nach ihrem Kind aufgeben. Wenn Sie also nicht glauben wollen, dass ich ein Funken moralischen Anstand habe, dann glauben Sie wenigstens, dass es schlecht fürs Geschäft wäre, dieses Risiko einzugehen.«

Der Polizist in Norman wollte widersprechen. Er wollte sagen, das kein Mensch, egal ob jung alt, reich, mittellos, Junkie oder nicht, je vergessen wurde. Denn er würde nie einen Fall vergessen. Aber Franklin hatte Recht damit, dass es die Gesellschaft nicht sonderlich lange interessierte, wenn ein Junkie ohne wirkliche Zukunft verschwand und nicht mehr auftauchte. Sofern sein Verschwinden überhaupt bemerkt wurde.

»Sie sehen erschöpft aus, Alex«, bemerkte Franklin.

Das lag vermutlich daran, dass Norman nicht geschlafen hatte, um unzählige Kisten mit Spritzen zu füllen.

»Nun, ich leide zeitweise unter Schlafstörungen«, erklärte Norman. »Liegt vermutlich an unserer Branche. Sie als ... dicker Fisch ... haben vermutlich weniger zu befürchten, aber ich schlafe jede Nacht mit der Sorge ein, das am nächsten Morgen meine Bude gestürmt wird.«

Franklin lachte und nickte. »Oh, ich weiß, wie das ist. Ich habe lange Zeit untertauchen müssen, weil mein Boss sich mit den falschen Leuten angelegt hatte. Aber wie Sie sehen, kam ich wieder auf die Füße. Jetzt habe ich das nötige Ansehen, um mich mit der Konkurrenz gut zustellen.«

»Da bin ich sicher«, gab Norman schmunzelnd zurück.

»Nun ... ich bin ein großzügiger Mann«, begann Franklin. - Er betonte ständig, dass er großzügig und gnädig sei, bemerkte Norman. - »Ruhen Sie sich doch eine Weile aus, hier haben Sie nichts zu befürchten«, schlug Franklin vor und beugte sich mit einem Kugelschreiber geschäftig über einige Unterlagen. »Den Flur runter, zweite Tür links, befindet sich ein Aufenthaltsraum. Ein Fernseher, eine Bar, ein gemütliches Sofa. Nehmen sie einen Drink, schauen Sie Sport, halten Sie ein Nickerchen.«

»Gerne«, nahm Norman das Angebot an.

»Ach und Alex?«

»Ja?«

Franklin schielte zu ihm auf und deutete mit dem Kugelschreiber auf Normans Gesicht. »Sieht gut aus!«

Norman hob die Hand und strich sich grinsend über das glatt rasierte Kinn. »Fühlt sich auch gut an.«

Damit wandte er sich ab und ging den Flur entlang. Vorsichtig schielte er dabei zur Decke, in der Hoffnung, mögliche Kameras zu entdecken, aber er fand keine.

Entweder sie waren gut versteckt oder es gab keine. Er hoffte auf letzteres.

5

Sie wusste nicht, woher ihr Körper die Flüssigkeit dazu nahm, aber Mona spürte, das ihre Blase voll war. Sie petzte die Beine zusammen und versuchte, nicht daran zu denken, wie dringend sie auf die Toilette musste.

Wenn ihr Entführer nicht bald kam, würde sie sich erneut einmachen.

Wie viel Zeit war vergangen?

Die Eiswürfel im Wasserglas waren bereits geschmolzen. Bis zum Rand stand das Wasser nun im Glas. Drohte überzulaufen. Zuerst war es eine Qual gewesen, das Wasser anzusehen, weil sie es so dringend zu sich nehmen wollte, nun war es eine Qual, den vollen Rand zu betrachten, weil sie sich genauso ihre Blase vorstellte: kurz vor dem Überlaufen.

Mona bekam keine Luft und als sie den Mund öffnete, um einzuatmen, klebten ihre ausgetrockneten Lippen aneinander und rissen auf. Sie schmeckte Blut und war dankbar dafür. Endlich ein Geschmack. Auch wenn es Blut war. Alles war besser als die staubige Trockenheit, die sie zuvor geschmeckt hatte.

Sie überlegte, sich die Lippe weiter aufzubeißen, um einen winzigen Tropfen Blut trinken zu können. Aber auch das würde sie nicht vor dem Verdursten bewahren.

Vermutlich hätte sie noch mehrere Stunden mit dem Durst ausharren können, aber ihre volle Blase veränderte alles. Es waren zu viele Quälen, die sie durchleiden musste. Durst, Hunger, der unbändige Drang, pinkeln zu müssen, der schmerzende Rücken, die trockene Kehle, die tauben Arme und die blutenden Handgelenke ...

Nein, sie hielt es nicht mehr aus.

Mit der letzten Kraft, die sie noch besaß, holte sie Luft und ... wimmerte.

Mona versuchte zu schlucken, dann setzte sie erneut an: »Hallo?«

Okay, das war besser, aber noch nicht laut genug. Komm schon, streng dich an !, spornte sie sich selbst an. Sie holte erneut tief Luft und diesmal rief sie laut: »Hallo? Bitte...«

Kraftlos fiel ihr Kopf nach vorne, da sah sie Schatten unter dem Türspalt.

Das Schloss knackte und ein Mann, der mit einem Gewehr bewaffnet war, trat in den Türrahmen. »Was quiekst du hier herum?«

»Bitte ...«, sie schüttelte den Kopf, »... ich will ...« Wasser, eine Toilette, nach Hause ...

Aber das würde er ihr wohl kaum gewähren.

Ihr Entführer sagte, sie dürfte nach ihm schreien, also versuchte sie eine andere Taktik: »... mein Herr.«

»Ich bin nicht dein-«

»Nein«, unterbrach sie, »ho ... hol meinen Herrn ... bitte ... kann nicht ... schreien.«

Der Mann lachte und schloss die Tür hinter sich. Aber sie hörte ihn noch amüsiert sagen: »Er wusste, du würdest einknicken.«

Leider stimmte das.

Aber das lag allein an der Tatsache, dass sie leben wollte. Der Überlebensinstinkt war nun mal im Menschen verankert. Es würde lange dauern, bis sie diesen loswurde und sterben wollte.

Ein bisschen geschlagen zu werden, ausgepeitscht, aufgehängt und angepinkelt zu werden, reichte da nicht aus.

Mona wollte leben! Also musste sie wohl oder übel um Gnade flehen.

Es dauerte nicht lange, da öffnete sich die Tür erneut und ihr Peiniger kam herein. Alleine und mit einem zufriedenem Grinsen auf dem Gesicht.

Schnell senkte Mona den Blick.

Er kam auf sie zu, hob das Glas vom Boden auf und ging in die Hocke.

»Sieh mich an!«

Sie tat es und sah ihn noch immer lächeln.

»Was willst du? Sprich!«

»Ich muss ... «

Er gab ihr eine Schelle.

Seufzend fragte er: »Wie sollst du mich anreden? Antworte!«

»Mit Herr.«

»Dann tu das doch!«

Mona atmete aus und sah ihm wieder in die Augen. »Herr, ich ...«

Sie brachte es nicht über sich, ihn wirklich darum zu bitten, sie auf die Toilette zu lassen.

Er zog eine Augenbraue hoch. »Du ... was

Tränen traten ihr in die Augen.

»Sprich endlich oder ich peitsch dich aus, weil du ohne Grund nach mir rufen ließt!«

»Ich verdurste, Herr«, brachte sie hervor. »Und ich muss meine Blase leeren.«

»Ah, ich verstehe!« Er lachte und erhob sich. »Es ist eine fürchterliche Qual, nicht wahr? Solange die natürlichen Körperfunktion zurückhalten zu müssen. Dann willst du also zur Toilette und bist bereit, zu trinken? Antworte!«

»Ja, Herr.«

Er lachte wieder leise in sich hinein.

Dann sah sie, wie er das Wasserglas schräg hielt und die Flüssigkeit langsam auf den Boden fließen ließ. Man glaubte nicht, dass es eine Qual war, das mit anzusehen und hören zu müssen, während man eine volle Blase hatte, wenn man es nicht selbst durchleiden musste.

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