„Doch, sicher, aber Christian braucht bestimmt noch etwas davon. Geh und hol mir mal die Flasche.”
Tessa geht ins Haus zurück, ist nach wenigen Augenblicken wieder da und reicht Karin das hellblaue Behältnis. „Was hast Du vor?”
„Das wirst Du gleich sehen. Komm, aber leise.”
Karin und Tessa lassen ihre Flipflops auf der Terrasse stehen und gehen barfuß über den Rasen. Christian liegt ausgestreckt, mit den Armen unter dem Kopf verschränkt auf einem der Liegestühle. Er hat die Augen geschlossen und zeigt ein feines Lächeln, als würde er an etwas besonders Schönes denken. Sein Stolz liegt ruhend auf seinem flachen Bauch, reicht fast bis zum Nabel.
Tessa bleibt hinter dem Liegestuhl stehen, Karin tritt so von der Seite heran, damit sie keinen Schatten wirft. Christian bemerkt nichts. Karin öffnet den Verschluß der Flasche beugt sich vor, sieht grienend zu Tessa hin, nimmt mit einem Blick auf den Schoß ihres Bruders Maß - und drückt über Christians gesamte Penislänge eine dicke Linie kühle Sonnenmilch heraus. Als er die Augen öffnet erschrickt sie und drückt fest zu: Ein Schwall weißer Creme klatscht auf ihres Bruders Besten.
„Was? Was ist?” Christian öffnet die Augen, sieht sich um, bemerkt die lachende Karin, sieht an sich herab und schimpft los:
„Was soll das denn? Karin, Du dumme Henne, was fällt Dir denn ein?” Er springt auf, die Sonnenmilch folgt der Schwerkraft und tropft herab.
Beide Mädchen können sich nicht mehr halten und brechen in eine Mischung aus Kreischen und Lachen aus, während Christian sich wutschnaubend abwischt, die Creme auf seinen Bauch schmiert und seinen Schwestern böse Blicke zuwirft.
„Wir dachten, Deine Neue steht vielleicht nicht auf Bratwurst.” Karin kann gar nicht glauben, daß sie das gesagt hat und sieht Tessa an. Die Mädchen biegen sich vor Lachen, daß ihnen die Tränen kommen.
„Ihr blöden Weiber.”
Während seine Schwestern sich über den gelungenen Streich weiter schier ausschütten, entdeckt Christian eine Möglichkeit, es ihnen heimzuzahlen. Karin und Tessa sind vom eigenen Gelächter so abgelenkt, daß sie nicht bemerken, was Christian vorhat. Er nimmt den Gartenschlauch in die Hand, dreht den Wasserhahn auf, hebt erst kurz vor ihnen den Schlauch an - Volltreffer. Die Mädchen kreischen auf, versuchen, dem Wasserstrahl zu entkommen, der ihnen gnadenlos folgt, und mit ihm Christian; das Lachen ist nun an ihm. Am geschlossenen Gartentor machen sie kurz halt, bleiben kreischend stehen, drehen Christian ihre Rücken zu, während sie das Törchen öffnen und auf die Straße flüchten, er aber immer weiter draufhält. Christian denkt im Eifer seiner nassen Revanche nicht daran, daß er nur Haut trägt und von der Nachbarschaft gesehen werden kann.
Und er wird gesehen. Die achtzehnjährige Christiana von gegenüber hört das Gekreische und sieht von ihrer Gartenarbeit auf.
„Hhm, Christian wird auch immer hübscher.” Ihre Augen glänzen. Auf ihre Hacke aufgestützt verfolgt sie die Szene. Sie seufzt leise vor sich hin. „Er sieht ja so scharf aus.” Daß er seine Schwestern abduscht, amüsiert sie - und sie lächelt. Bei Malvoisins ist immer etwas los.
Sie hat keine Geschwister und beneidet Karin und Tessa um ihren Bruder, aber schwesterliches Interesse hat sie an ihm nicht. Seit sie ihn einmal morgens beim Nacktschwimmen sah, was er nicht bemerkt hatte, träumt sie von ihm. Vor den Ferien hat sie ihren fremdgehenden Freund “abgeschossen” und wäre frei für ihn, aber er sieht sie nicht. Mehr als „Hi!” oder „Moin, Chris” kommt von ihm nicht, aber sein Lächeln dabei verschafft ihr stets einen Kloß im Hals. So sieht sie ihn meist nur wortlos an. Was sie nicht weiß, ist, daß Christian sie ganz nett findet, sich aber über ihre Wortlosigkeit wundert und für etwas eigenbrötlerisch hält. Dabei ist sie sehr hübsch und wird sicher einmal eine schöne Frau sein. Sie ist seiner unwillkürlichen Schätzung nach um die 1,70 m groß, hat eine schöne, schlanke Figur, was ihm im Lensahner Waldschwimmbad bei der Aufsicht durchaus aufgefallen war, und ihre etwa 56 Kilogramm kamen in dem süßen Bikini sehr wohl zur Geltung, aber was Christian nicht bemerkt hatte: er stand auf der Leitung. Na ja, Biene war noch da und Christianas Freund Sven kannte er vom Gymnasium.
So waren alle Schalter von Aufmerksamkeit auf Desinteresse umgelegt. Hätte man ihn nach ihrer Augenfarbe gefragt, er hätte es nicht gewußt. Sie hingegen konnte seine braunen Augen nicht vergessen.
„Heute Blumengießen mal anders?”
Christian dreht sich der ihm wohlbekannten Stimme zu - und mit ihm der Wasserstrahl.
„Hej, ich hab’ schon geduscht.” Jan springt zur Seite. Jetzt erst hält Christian den Schlauch gegen den Rasen, als er sieht, daß sein Freund Jan gewässert vor ihm steht.
„Oh, Tschuldigung“, lacht er auf, „Du warst nicht gemeint. Das galt diesen vorlauten Kreischliesen.” Er zeigt mit dem Schlauch auf die Mädchen, die, auf der Straßenmitte stehend, sich dem Besucher gerade nähern - und wieder “gelöscht” werden.
„Christian, es reicht” schreit Karin ihn an. Es genügt ihr. „So schlimm waren wir auch nicht”, mault Tessa und streicht sich das Wasser vom Körper.
„Schlimm? Wobei?” Jan sieht die Drei fragend an. „Nicht so wichtig”, wehrt Christian ab, der ungeschickterweise mit dem Schlauch wieder auf Jan deutet, der zu spät zur Seite springt und nun vollends naß ist.
„Eh, Du, ich bin groß genug. Mich mußt Du nicht mehr gießen.” Jetzt erst wirft Christian den Schlauch hinter sich, der sich auf dem Rasen wie eine Schlange hin und her windet.
Jan sieht die Schwestern an, die nun wieder den Garten betreten und das Törchen schließen, und kann sich ein breites Schmunzeln nicht verkneifen. „Hhmm, schön, neue Bikinis. War wohl die Einweihung?”
„Immerhin, Jan bemerkt es wenigstens”, sagt Karin, während sie ihre nassen Haare ausdrückt. „Unser Brüderchen hat bei uns für so etwas keinen Blick”, schickt Tessa spitz hinterher und schüttelt ihre Haare aus.
„Und Du trägst wohl des Kaisers neue Badehose, hhm? Ist ja so gar nichts zu sehen.”
Jan schaut prüfend auf Christians Lenden, die Mädchen sehen sich an und brechen erneut in Gelächter aus. Auf Christians ungehaltenen Blick suchen sie schnell das Weite und verschwinden im Haus.
„Was war denn los?” Jan sieht Christian forschend an. „Erzähl.”
Christian will nicht. “Laß’, nicht so wichtig.“
„Stell’ Dich nicht so an, Alter. Und überhaupt, seit wann sonnst Du Dich auch hier ohne?”
„Wieso ohne? Alles am Mann!” Die Freunde lachen, begrüßen sich mit an den rechten Hals gelegten Händen und gehen vom Gartentor weg.
Damit ist die auch optisch angenehme Unterhaltung für Christiana beendet und sie wendet sich wieder ihrer Gartenarbeit zu. Hätte Christian nur mal ihren Seufzer gehört …
Am Liegestuhl reicht Christian seinem Freund das große Handtuch. Jan trocknet sich ab. Er hat bemerkt, daß Christian dicke weiße Creme auf dem Bauch verschmiert hat und beginnt, sie mit der rechten Hand zu verreiben.
„Oh!” Christian sieht an sich herab.
„Die Mädels?”
„Ja. - Blöde Ziegen.”
Jan grient in sich hinein, während Christian das Verschmieren übernimmt und Jan seine Hand an Christians Schulter abwischt.
Christian sieht nun Jan an, befühlt dessen Kleidung. „Komm’, Du bist ja naß bis auf die Haut. Ich geb’ Dir oben trockene Sachen; wozu haben wir eine Größe.”
Jan wirft das nasse Handtuch auf die Liege; die beiden Freunde gehen ins Haus. Christian dreht sich nochmals um. Er bemerkt, daß Christiana im Garten arbeitet, aber gerade nicht herübersieht. „Ob sie mich wohl gesehen hat?” Er sieht nochmals genau hin. „Na und wenn schon, was soll’s.” Christian zuckt mit den Achseln und eilt Jan nach.
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