»Dafür garantiere ich«, antwortete Desiderius anmaßend.
Der Blonde biss sich auf die Lippen, um ein breites Grinsen zu verschleiern. Dann antwortete er auf die zuvor gestellte Frage: »Einhundert Silbertaler.«
»Nur?«, fragte Desiderius überrascht.
»Denkt Ihr, ich wage mich mit einem halben Vermögen in eine solche Stadt?«
»Allein Eure Kleidung wäre mehr wert.« Desiderius musterte ihn abschätzig. »Vielleicht stehle ich sie Euch, wenn Ihr schlaft.«
Das Herz des Blonden schlug höher, das konnte Desiderius’ Luzianergehör deutlich wahrnehmen. Er roch die Begierde, die in dem Blonden entfacht wurde. Ein süßlicher und gleichzeitig fruchtiger Duft. Die Gefahr, die Desiderius ausstrahlte, lockte den anderen Mann.
Der Blonde warf ein: »Das setzt voraus, das sie nicht beschädigt wird, wenn Ihr sie mir zuvor vom Leib reißt.«
Desiderius rollte lustvoll mit den Augen und unterdrückte bei dieser Vorstellung ein leises Aufstöhnen. Die Bilder, die sich ihm aufdrängten, waren Fantasien, die er sofort in die Tat umsetzen wollte. Das letzte Mal, als er sich derartige Befriedigung beschafft hatte, war leider schon viel zu lange her.
Er hob den Blick und machte mit einem lauten Pfiff den Bordellbesitzer auf sich aufmerksam. Sie beide kannten sich, da Desiderius hier seit vielen Jahren Stammgast war. Der Besitzer blieb stets derselbe, nur das Angebot der Ware wechselte schnell.
Der Hüne nickte ihm zu. »Was brauchst du?«
»Wie viel für eines deiner Zimmer, ohne Dirne ?«, fragte Desiderius.
Überrascht starrte der Blonde ihn an. Er hatte offenbar nicht damit gerechnet, dass Desiderius es nicht nur bei einem anregenden Wortwechsel belassen würde.
»Fünfhundert Silbertaler.«
»Komm schon, zieh mich nicht übers Ohr, Cliff!« Desiderius sah den Bordellbetreiber ärgerlich ins Gesicht. »Selbst mit einer deiner Dirnen wäre es billiger.«
»Vierhundert.«
»Fünfzig, allerhöchstens«, verhandelte Desiderius.
Cliff schüttelte den Kopf. »Dreihundertfünfzig.«
»Sechzig.«
Lachend erinnerte Cliff: »Ich lasse dich hier mehr als oft umsonst saufen, Derius! Und du schuldest mir noch sechshundert Silbertaler!«
»Fünfundsechzig für dein schlechtestes Zimmer«, schlug Desiderius vor. »Komm schon, ich brauche nur ein Bett für die Nacht.«
»Aber ihr seid zu zweit!«
Desiderius schüttelte entschieden den Kopf. »Meine Beute gehört nicht zu deiner Ware, du hast kein Recht, sie mir zu berechnen. Wir sind nur zwei Gäste, die ein Zimmer brauchen.«
Weil er ihn als Beute bezeichnet hatte, zog der Blonde ein wenig eingeschnappt seine schmalen Augenbrauen in die Höhe und starrte Desiderius mit offenem Mund an.
»Die Straße runter ist ein Gasthaus, Derius.«
»Cliff, komm schon«, flehte Desiderius inständig. Die Lust staute sich in ihm und musste befriedigt werden. Alles woran er dachte, war das eigene harte Fleisch zwischen seinen Beinen, das sich danach sehnte, von dem fremden Blonden berührt zu werden. »Fünfundsechzig Taler, nur für ein Zimmer.«
Cliff überlegte kurz, seufzte aber schließlich einlenkend. »Von mir aus. Aber kein Wein, keine Trauben oder andere Speisen. Nur ein Zimmer.«
Desiderius grinste. »Abgemacht.«
Cliff deutete in den Flur und sagte: »Letztes Zimmer, das Fenster führt zu den Gassen raus.«
Desiderius blickte den Blonden an und forderte ihn auf: »Bezahlt den Mann.«
Der Blonde sah ihn verärgert an.
Einige Augenblicke verstrichen, ehe er sich offenbar entschied, dass dieses Abenteuer die Taler wert sein würde. Er holte kopfschüttelnd einen Lederbeutel hervor und bezahlte den Bordellbesitzer.
Vorfreude breitete sich in Desiderius` Magen aus wie warmer Honigwein. Er musterte noch einmal mit vor Lust schwerem Blick die schmale Gestalt seiner Beute. Dann hob er eine Hand und strich mit der Spitze seines Fingers die Knopfreihe des Seidenhemds entlang.
Mit einem lüsternen Schmunzeln hakte er den Finger unter den Stoff und zog den willigen Blonden mit in den Flur.
***
Bunte, halbdurchsichtige Vorhänge verhinderten einen genauen Blick auf das Treiben in den vielen Zimmern, an denen sie vorbeigingen.
»Ihr seid sehr von Euch selbst überzeugt«, sagte der Blonde.
Desiderius drehte sich zu ihm um und verschlang ihn mit den Augen. Er war so schön, dass er nicht von dieser Welt stammen konnte. Und so ... zurückhaltend. Für gewöhnlich traf Desiderius auf Männer, die ihm sofort die Schnürung der Hose aufmachen wollten. Der Blonde hingegen schien nervös zu sein. Je näher sie dem Zimmer kamen, je unsicherer wurde er.
Der Blonde blieb vor einem Zimmer stehen und spähte vorsichtig durch den Vorhang, der in einem Windstoß wehte.
»Gefällt Euch, was Ihr seht?«, fragte Desiderius keck.
Der Blonde schien ihn gar nicht mehr zu hören. Blinzelnd, aber ansonsten reglos, beobachtete er das Treiben.
Desiderius trat näher, stellte sich hinter ihn und blickte über seine Schulter.
Das Zimmer, das sich ihm offenbarte, war ein winziger Raum, der mit vielen purpurfarbenen Stoffen ausgeschmückt war. Mehr als ein großes Bett passte nicht in dieses Zimmer, aber mehr benötigten die Gäste darin auch nicht.
Gespannt beobachtete der Blonde, wie eine hübsche, blonde Dirne mit spitzen, kleinen Brüsten, einen rundlichen Mann verwöhnte. Sie penetrierte ihn mit einer umgeschnallten Vorrichtung, die einem männlichen Genital zum Verwechseln ähnlich sah. Solche Hilfsmittel wurden in den Bordellen schon seit Jahrhunderten verwendet. Niemand kannte ihren anfänglichen Ursprung, aber jeder kannte ihren Zweck.
Allerdings waren sie dem Blonden wohl völlig fremd.
»Euer erster Besuch in einem Bordell?«, fragte Desiderius neckend.
»Ich kam in den letzten Jahren nicht sehr oft raus«, erklärte der Blonde daraufhin. »Ich war eine Zeitlang sehr kränklich und durfte nicht reisen.«
»Jetzt seid Ihr ja wieder gesund«, stellte Desiderius erfreut fest. Vorwitzig legte er seinen Arm um den Blonden. Seine Hand umfasste den hervorstechenden Hüftknochen. Die Wölbung seiner Hose drängte sich mit einer auffordernden Geste an die Rückseite seiner Eroberung.
Der Atem des Blonden wurde schneller. Er erzitterte, als Desiderius sich vorbeugte und mit den Lippen zart an seinem Ohr zupfte.
»Nennt mir Euren Namen«, verlangte Desiderius heiser.
Der Blonde lehnte einladend seinen Kopf schief und präsentierte seinen schlanken Hals, in den Desiderius gerne hineingebissen hätte. Ihm lief der Speichel schon im Mund zusammen.
»Den kennt Ihr nicht?«, fragte der Blonde leise.
Hypnotisiert starrte Desiderius auf die Ader, die pulsierend unter der dünnen Haut lag. Er konnte nur daran denken, welche Köstlichkeit in ihr floss.
Mit belegter Stimme wollte er wissen: »Sollte ich Ihn kennen?«
Bevor er eine Antwort erhielt, wanderte seine Hand zielstrebig nach vorne und legte sich über die verdächtige Beule in der Hose des Blonden, gleichzeitig senkte er den Kopf und legte die Lippen an den schlanken Hals. Er küsste die zarte Haut vorsichtig, leckte sanft darüber. Kostete. Schmeckte. Verlor sich fast in seinem Rausch.
Einatmen! Beherrschung suchen! Sie finden. Beruhigen. Langsam , sagte er zu sich. Nichts übereilen.
Aufseufzend lehnte sich der Blonde gegen Desiderius, seine Hand wanderte nach hinten. Suchte. Fand. Streichelte zögerlich über die Schnürung.
»Vielleicht«, hauchte der Blonde atemlos vor Begierde. »Vielleicht auch nicht.«
»Ich will Euren Namen wissen«, verlangte Desiderius mit rauchiger Stimme, während er seine erregte Männlichkeit gegen die Innenfläche der Hand drückte, die ihn streichelte.
Der Blonde rieb seine Rückseite an Desiderius, dann hauchte er neckend: »Es verliert an Reiz, wenn wir uns gegenseitig vorstellen.«
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