Donnerstag, 15. Juni: Von Kranjska Gora nach Zagreb
Heute gab es eigentlich nicht viel zu fahren, denn Slowenien ist ziemlich klein und unser Tagesziel, die kroatische Hauptstadt Zagreb, nicht allzu weit von der Grenze entfernt. Und doch hat die Fahrt erstaunlich lange gedauert, und wir fanden erst am frühen Nachmittag einen Ausstiegsplatz in Bahnhofsnähe. Erschrocken war ich, dass viele äußere Stadtteile immer noch aus riesigen Plattenbau-Siedlungen bestehen, die zudem teilweise in stark verfallenem Zustand sind. Schlimmer kann es in der DDR zu deren schlechtester Zeit nicht ausgesehen haben! Ansonsten bewahrheitet sich auch in Kroatien die Fabel von dem Hasen und dem Lidl; denn überall, wo der Hase hinläuft, ist schon ein Lidl da…
Die auf teilweise langen Treppen durchwanderte Innenstadt macht natürlich einen deutlich besseren Eindruck und erinnert an Krakau, ohne jedoch auch nur annähernd dessen Schönheit zu erreichen. Mir hat die selbsternannte „Stadt der Millionen Herzen“, deren Schönheit angeblich nur durch die ihrer Frauen übertroffen wird, in beiderlei Hinsicht nicht wirklich gefallen; allerdings hatte ich auch in den beiden Nächten davor schlecht geschlafen. Das Hotel „Panorama“ hörte sich vielversprechend an, entpuppte sich jedoch als das schlechteste auf dieser Reise.
Wie dem auch sei, nach diesem eher unerfreulichen Tag ging es merklich aufwärts, und ein Höhepunkt wird auf den nächsten folgen…
Freitag, 16. Juni: Von Zagreb nach Dugopolje
Heute ging es durch die Berge weiter nach Süden, wo der erste Höhepunkt der Reise auf uns wartete: der zum Welt-Naturerbe gehörende Nationalpark Plitwitzer Seen. Es handelt sich um vierzehn miteinander verbundene Seen, die sowohl ober- als auch unterirdisch ineinander entwässern und dabei nicht nur faszinierende Landschaften geformt haben, sondern auch Europas größtes Biotop mit 860 Arten entstehen ließen. Laut dem Reiseleiter gibt es dort auch Bären und Wölfe, die sich jedoch vor den vielen Menschen zurückziehen würde. Trotzdem sollte man am Ende der Gruppe vorsichtig sein – was ihm doch tatsächlich welche geglaubt haben! Übrigens hat wohl jeder von uns diese Seen bereits gesehen, denn dort wurden seinerzeit große Teile mehrerer Winnetou-Filme gedreht.
Für uns wurde die etwa vierstündige Tour B im Bereich der unteren Seen gebucht, die einschließlich einer Bootsfahrt und einer Strecke mit Shuttlebussen lediglich 110 Kuna kostete. Anm.: 1 Euro sind derzeit etwas mehr als 7 Kuna, man kann also etwa wie bei dänischen Kronen oder früher bei österreichischen Schillingen rechnen. Wie bei allen Wanderungen und Stadtführungen bekamen wir Audioguides, damit die große Gruppe den Erklärungen des Reiseleiters besser folgen und er die Teilnehmer leichter zusammenhalten kann. Auf den Sandwegen und hölzernen Stegen tummelten sich bereits tausende von Touristen mit und ohne Schlitzaugen. An jeder Ecke gab es neue Aussichten und Fotomotive. Das Klima war dort überwiegend sehr angenehm, aber es kündigte sich bereits die Hitze an, die uns in den kommenden Tagen noch sehr zu schaffen machen sollte.
Unsere Tour begann mit einem zweistündigen Fußmarsch zum großen Wasserfall und zum Rastplatz an der Bootsanlegestelle. Einige Teilnehmer kehrten zwischenzeitlich um, obwohl unser Reiseleiter zurecht darauf hinwies, dass der Rückweg (größtenteils bergauf) beschwerlicher sei als der Rest der Tour, die ja im Gegensatz zu früheren Jahren extra so geplant wurde, dass zuerst der Fußmarsch (größtenteils bergab) kommt und dann die Bootsfahrt und die Shuttlebusstrecke verbunden mit weiteren kürzeren Fußmärschen. Übrigens waren es die üblichen Meckerpötte, die vorzeitig aufgaben, während einige der ältesten und gebrechlichsten Teilnehmer sich heute und an den anderen Tagen tapfer durch fast das gesamte Reiseprogramm kämpften!
Nach dem anstrengenden aber lohnenden Ausflug waren alle ziemlich geschafft, und nach Plünderung der Wasservorräte im Bus verlief die Weiterfahrt recht ruhig zu unserem nächsten Hotel, das groß, sauber und schön war, aber mitten in einem Gewerbegebiet in Dugopolje lag. Der Ort liegt in der Nähe von Split, das wir jedoch erst auf der Rückfahrt besuchen werden.
Samstag, 17. Juni: Von Dugopolje über Mostar nach Dubrovnik
Heute durfte man einen besonderen Tag erwarten, denn es ging an ein Ziel, das man vor gar nicht langer Zeit als Deutscher nicht besuchen konnte, es sei denn man war Soldat, Aufbauhelfer oder ähnliches! Zunächst ging es jedoch ins Hinterland nach Imotski, wo es den Blauen und den Roten See zu sehen gibt, die auf ähnliche Weise entstanden sind wie die Plitwitzer Seen. Dummerweise hätte man, um den Roten See zu sehen, Eintritt für den dazu gehörenden Nationalpark bezahlen und eine Weile wandern müssen, was jedoch nicht in unseren Zeitplan passte. So blieb uns nur der Blaue See, was natürlich blöd ist für jemanden, der Fotos zeigen möchte.
Gleich hinter einem Nachbardorf war ein unscheinbarer Grenzübergang, bei dem man sich nicht einmal die Mühe gemacht hat, das Wort „Italy“ auf den spendierten Containern und anderes zu übermalen. Das ist die Grenze zu Bosnien-Herzegowina, also eine EU-Außengrenze, sodass wir alle unsere Ausweise oder Reisepässe einsammeln mussten (die wir übrigens auch in allen Hotels auf der Reise an der Rezeption abgeben mussten). Man wollte unseren großen Bus voller Touristen mit Geld zunächst nicht ins Land lassen, weil man zu arm sei, um sich Lesegeräte für die digitalen Ausweise und Pässe leisten zu können. Diesen diskreten Hinweis hatte unser Reiseleiter leider nicht gleich verstanden. Aber dann kam eine resolute Oberzöllnerin, um unseren Bistrobus zu besichtigen, und wir durften mit ein paar Flaschen Wein weniger einreisen.
Bosnien ist nicht nur ein sehr korruptes Land, sondern auch eines der ärmsten in Europa, was man während der Fahrt überall sehen konnte. Auch die Kriegsschäden waren nicht zu übersehen. Man fühlt sich seltsam, wenn man dort in einem Luxusbus herumfährt! Umso mehr fallen die vielerorts stehenden Neubauten und großen Autos der Leute auf, die offensichtlich Beziehungen haben. Auch unser Ziel, die Stadt Mostar, sieht nicht besser aus, und man kommt kaum an den überall sitzenden bettelnden Roma vorbei. Und doch ist Mostar inzwischen ein beliebtes Touristenziel, man hat dort einen großen Busparkplatz gebaut und die größte Sehenswürdigkeit, die im Bürgerkrieg zerstörte Alte Brücke (Stari Most) und die aus der Türkenzeit stammende Altstadt drumherum schön wiederaufgebaut. Dort gibt man sich Mühe, den Touristen ihr Geld zu entlocken, d.h. ihre Euros, denn für kroatische Kuna oder gar die Landeswährung Konvertible Mark interessiert sich niemand. Alle Preise waren schön rund, halbe Liter Bier kosteten beispielsweise 1,50, und für richtig große Eiskugeln, für die ich in Kroatien zwischen 8 und 12 Kuna hinlegen musste (übrigens war hier wie dort die Auswahl an Sorten riesig groß und einfallsreich), wollte man hier ganze 50 Cent! Ich war allerdings überrascht, vom Verkäufer des „besten Eises der Stadt“ gleich auf Deutsch angesprochen zu werden. Irgendwie scheint man mir die Herkunft anzusehen. Um die Stari Most zu überqueren, muss man erst einmal mit dem glatten Pflaster und den ungewöhnlichen Stufen zurechtkommen. Oben sammelten jungen Männer Geld, damit einer von ihnen von der Brücke springen würde, worauf unten zahlreiche Touristen warteten. Ich weiß nicht, ob er jemals gesprungen ist, während unserer Anwesenheit sprang er jedenfalls nicht.
Читать дальше