Da die meisten Urlauber noch beim Abendessen sitzen, finde ich schnell einen freien Platz und mache es mir mit einem Glas Bier gemütlich, als zwei Männer an meinen Tisch treten, von denen einer mich anspricht.
Würdest du nicht rauchen, würden wir uns zu dir setzen.
Nun, erwidere ich freundlich lächelnd.
Man muss auch mal Glück haben!
Ich kann förmlich sehen, wie es ihm die Sprache verschlägt, der Typ ist sichtlich verärgert über meine Antwort, während sein Begleiter sich belustigt wegdreht, mir zu zwinkert und seinem Freund folgt, als dieser sich wortlos umdreht und wütend davon stapft.
Klar, dies war nicht die freundlichste Erwiderung, aber mal ganz ehrlich, was war das denn für eine Anmache?
Außerdem ist das Letzte was ich hier suche – Anschluss.
Ich möchte nur meine Ruhe haben und ich fand meine Erwiderung eigentlich sogar recht witzig.
Die sahen Beide ziemlich gut aus, kann mir gut vorstellen, dass sie es nicht gewöhnt sind, eine Abfuhr zu erhalten.
Na ja, irgendwann ist immer das erste Mal.
***
Das war eine gepfefferte Abfuhr, schmunzelt Nikos Sarikakis, der Inhaber der Hotelanlage, am Nebentisch und sieht sich die Frau interessiert näher an.
Auf den ersten Blick ist ihm gar nicht aufgefallen, wie schön sie ist.
Was wohl an den straff nach hinten gebunden Haaren liegen mag.
Jetzt, als er die Frau näher betrachtet, fallen ihm ihre außergewöhnlich hohen Wangenknochen, die vollen Lippen und ihre zwar nicht gerade kleine, aber sehr schön geformte Nase auf.
Einzeln betrachtet sind die Teile ihres Gesichtes eher etwas zu groß und zu markant, aber im Zusammenspiel ergeben sie ein sehr harmonisches Bild, welches er, wie er zugeben muss, als schön empfindet.
Als hätte die Frau gespürt, dass sie beobachtet wird, dreht sich die Schöne zu ihm um und lächelt ihn an.
Gerne hätte er das Lächeln erwidert, doch als er nun ihre Augen sieht, die von dunklen, langen Wimpern eingerahmt, in einem leuchtenden Smaragdgrün erstrahlen, ist er für eine Sekunde einfach nur baff und bevor er die richtigen Worte finden kann, dreht sie sich schon wieder weg.
Noch niemals hat er eine solche Augenfarbe gesehen.
Ihre langen, dichten Wimpern rahmen die leicht schräg stehenden, großen Augen ein und lassen das leuchtende Grün noch intensiver erscheinen.
Erst jetzt fällt ihm auf, wie schön ihre rotblonden Haare im hellen Licht der beleuchteten Poollandschaft schimmern.
Versonnen, lächelnd erhebt er sich und tritt an die Bar, um sich ein neues Getränk geben zu lassen.
Es amüsiert ihn, wie sehr er bei dieser Frau ins Schwärmen gerät, vor allem weil es schon sehr lange her ist, dass ihn überhaupt eine Frau interessiert hat.
Seit vor drei Jahren seine Frau Maria bei einem Autounfall tödlich verunglückt ist, hat er weder an eine andere Frau gedacht, noch eine angesehen.
Nikos vergräbt sich seit diesem Vorfall, in seine Arbeit und vermeidet, wenn irgend möglich, den Kontakt zu anderen Menschen.
Er isoliert sich immer mehr von der Welt, was zu seinem Bedauern, viel zu oft, zu heftigen Auseinandersetzungen mit seiner Schwester Eleanna führt.
Insgeheim weiß er auch, dass sie Recht hat, es ist nicht gesund sich so zurück zuziehen, eine Trauerzeit ist in Ordnung und jeder muss sich die Zeit nehmen, die er dafür braucht, aber drei Jahre sind eine sehr lange Zeit, er weiß das und doch ist er noch nicht bereit, oder gewillt, wieder am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Er muss wieder unter die Leute, tief in sich drin weiß er das auch, für den Moment reichen jedoch seine beruflichen Kontakte völlig aus.
Maria war seine große Liebe und dass der Unfall sich kurz vor ihrer geplanten Hochzeit ereignet hat, verstört und belastet Nicos ebenso, wie die Tatsache, dass bei dieser Tragödie auch seine geliebte Mutter ihr Leben lassen musste.
Es ist bis heute schwer für ihn, diesen doppelten Verlust zu verkraften.
Umso mehr überrascht ihn seine Reaktion auf diesen Gast und er kann nur über sich selbst lächeln.
Wieder zurück an seinem Platz, setzt er seine Beobachtung diskret fort.
Die Schöne hat ihre Sitzhaltung verändert und blickt nun in seine Richtung, doch sie nimmt ihn nicht wahr, sieht durch ihn hindurch und Nicos stellt zum wiederholten Male schwärmerisch fest, wie schön ihre Augen sind.
Allerdings sehen sie jetzt, da sie nicht lächelt und anscheinend mit den Gedanken ganz weit weg ist, völlig verändert aus.
Er hat den Eindruck, die Farbe wäre auf einmal dunkler geworden, sie wirkt traurig.
Ihre Augen sind voller Leid und Schmerz, er wendet sich ab, so sehr wühlt ihn die Traurigkeit auf, welche er in ihren Augen sieht.
Eben machte sie noch einen witzigen, schlagfertigen Eindruck und jetzt sieht sie so verletzlich aus, dass er sie am liebsten in den Arm nehmen würde.
Nikos schüttelt seinen Kopf, wie um diese Gedanken los zu werden.
Was ist mit ihm los, er kennt diese Frau überhaupt nicht.
Wieso reagiert er so stark auf sie?
Hätte sie eine Ähnlichkeit mit seiner verstorbenen Frau Maria, so könnte er sich seine Reaktion noch erklären, aber so.
Seine geliebte Maria hatte glänzendes, pechschwarzes Haar und dunkle, tief blaue Augen, in denen er regelrecht versunken ist. Sie strahlte mit jeder Pore ihres Daseins eine ansteckende Lebensfreude aus. Wo er mit ihr auch hinkam, sie war sofort im Mittelpunkt und ihre, immer gute Laune war einfach ansteckend.
Obwohl sie nur eine sehr kleine, zierliche Frau war, konnte sich doch niemand ihrem Charme entziehen.
Diese Frau am Tisch ihm gegenüber dagegen, ist auffallend groß, sie wirkt selbstbewusst und hat einen ausgesprochen durchtrainierten, muskulösen Körper, ob sie wohl Tänzerin ist?
Sie ist sehr schlank, aber man sieht, dass ihre Gestalt, wie bei einem Sportler, sehr definiert ist. Im Moment macht sie allerdings einen eher gehetzten bis ängstlichen Eindruck, als ob sie auf der Hut vor etwas wäre.
Extrem Aufmerksam, bis fast nervös.
Ob sie wohl Probleme hat?
Wieder macht sich Nikos Gedanken über eine Frau, die er weder kennt, noch ihn irgendetwas angeht und doch würde er sie sehr gerne ansprechen. Er spürt plötzlich, dass er sie gerne noch einmal zum Lächeln bringen würde.
***
Obwohl ich mich seit meiner Landung in Griechenland sehr sicher fühle, schweifen meine Gedanken kurz ab und ich blicke mich unsicher um, ob sich jemand besonders für mich interessiert. Eine lästige Angewohnheit, die ich einfach nicht ablegen kann.
Der Typ neben mir gafft mich schon seit Minuten an.
Ich hätte mein Kopftuch nicht abnehmen sollen.
Wenn der mich jetzt auch noch anspricht, raste ich aus.
Tatsächlich, er kommt rüber.
Darf ich sie zu einem Getränk einladen?
Stocksauer wende ich mich dem Typen zu und habe schon eine scharfe Erwiderung auf den Lippen, als ich in seine Augen sehe.
Wow, noch niemals habe ich ein solch tiefes, wunderschönes Blau gesehen.
Völlig fasziniert vergesse ich meine scharfe Erwiderung.
Sie haben die schönsten blauen Augen, die ich je gesehen habe.
Habe ich das jetzt laut gesagt?
Bitte entschuldigen sie mich, ich bin total übermüdet, setze ich schnell hinzu.
Beschämt darüber, mein Erstaunen über seine wunderschöne Augenfarbe laut ausgesprochen zu haben, erhebe ich mich abrupt und verlasse so schnell als möglich den Poolbereich.
Der Typ hat mich echt kalt erwischt.
Nicht nur dass er tatsächlich die schönste Augenfarbe hat, die ich je gesehen habe,
der Kerl sieht auch noch aus wie ein griechischer Adonis.
Männliche markante Gesichtszüge, eine große aber wunderschöne Nase und Lippen, die sofort zum Küssen auffordern. Sein volles, fast schwarzes Haar glänzt im Licht der Lampen wie Seide.
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