Rosalie nickte und löste sich von ihrem Mann. „Ich weiß. Dennoch bin ich traurig. Sie ist mir wirklich ans Herz gewachsen. Aber ich bin froh, dass ich sie nicht in ein Pflegeheim einweisen musste. Das hätte sie vermutlich nicht ertragen. Sie liebte den Strand und ihre Freiheit. Und ich bin auch glücklich, dass sie friedlich entschlafen ist. Es gibt keine Anzeichen von Schmerzen oder einem langen, qualvollen Tod. Vermutlich hat ihr Herz beschlossen, seinen Dienst zu quittieren. Sie möge in Frieden ruhen.“
„Informierst du gleich ihre Tochter und den Leichenbestatter?“, fragte Taylor und setzte sich wieder.
„Das klingt jetzt vielleicht merkwürdig, aber damit möchte ich noch vierundzwanzig Stunden warten. Ich möchte nicht das gleiche wie bei Mrs. Elms erleben. Außerdem hatte ich vor zwei Tagen eine merkwürdige Unterredung mit ihr, die ganz gut zu diesen Phänomenen, wie du sie nennst, passt. Ich hatte mir nur nichts dabei gedacht, eben weil sie an Demenz gelitten hat. Ihre Worte ergeben zwar noch immer keinen Sinn, aber vielleicht hat es trotzdem mit der aktuellen Situation zu tun.“ Dann erzählte sie ihm ihre Unterredung vor dem schäumenden Meer. „Sie kommen! Lasst sie nicht herein, schickt sie weg! Das waren die exakten Worte, ich erinnere mich genau.“
Taylor legte ein weiteres Blatt an und schrieb die Worte auf. „Wen sollen wir wegschicken, beziehungsweise nicht hereinlassen?“
Rosalie zuckte mit den Achseln. „Ich habe nicht die geringste Ahnung.“
Auf diesen Montagvormittag freute sich Gerry schon seit drei Wochen. So lange war er schon nicht mehr bei Sandy gewesen. Sandy…. Die tollste Frau, die er je kennen und schätzen gelernt hatte. Eine Frau, die er gerne an seiner Seite hätte, doch sie war verheiratet und konnte aus finanziellen Gründen nicht aus ihrer Ehe aussteigen. Ob es wirklich die Wahrheit war, hinterfragte er nicht, denn er wollte Sandy genießen und sie nicht analysieren und seine Hingabe vielleicht durch ewiges Hinterfragen und Mutmaßungen zerstören. Er liebte sie und er hatte das Gefühl, auch von ihr geliebt zu werden. So einfach war das und genau so einfach sollte es bleiben.
Er sah sich kritisch in den Spiegel, ob er vielleicht eine winzige Stelle in seinem Gesicht übersehen hatte, auf der noch ein paar verwaiste Bartstoppeln standen. Er wollte perfekt für seine Geliebte sein denn sie war es auch. Während er sich die kritisch ausgewählte Kleidung überstreifte dachte er an ihre letzten Worte; ich freue mich schon sehr auf dich!
Mit federnden Schritten sprang er förmlich die wenigen Stufen von seinem Haus hinunter in den Garten und war auch schon in seinem Wagen. Er war damit noch am Vormittag durch die Waschstraße gefahren, um einen rundum guten Eindruck bei ihr zu hinterlassen. Offiziell war er als Vertreter bei ihr, falls Sandys Nachbarn Mutmaßungen anstellten. Zwar war es ein ungeschriebenes Gesetz, dass man als Nachbar niemals den jeweiligen Partner direkt mit den Affären und Seitensprüngen konfrontierte, aber Vorsicht war immer besser als Nachsicht. Immerhin hatte er seine jetzige Geliebte beim Verkauf einer Versicherung kennen gelernt. Im Übrigen war sie nicht die erste Affäre, die er innerhalb der Ausübung seines Jobs lieben gelernt hatte. Und er hoffte, dass sie auch nicht die letzte sein würde. Er liebte es einfach, verheiratete Frauen zu erobern, sexuell zu erkunden und ihnen jeden Trick, der die Lust steigerte, zu entlocken. Waren sie nach einiger Zeit ausgesaugt, verlor er rasch das Interesse und er wandte sich anderen Ladies zu. Genau aus diesem Grund lud er die Damen auch niemals zu sich nach Hause ein. Obwohl er seit ewigen Zeiten Single war, gab er stets vor, dass seine Frau mit den Zwillingen Rod und Todd zu Hause und er somit nicht besuchbar wäre. Die Kleinen wären gerade ein Jahr alt geworden und somit beinahe rund um die Uhr im Haus. Dann präsentierte er ihnen einen eigens für seine Affären gekauften Ehering, um die Sache noch glaubwürdiger zu machen. Er nahm ihn niemals ab, um während des Sommers einen Farbunterschied zwischen dem Finger und der Stelle, an dem sich der Ring befand, zu erzielen. Im Winter wurde er ein wenig enger und hinterließ einen Abdruck, wenn er ihn abnahm. So bestand für die Damen kein Zweifel an seiner Ehe und sie ließen ihn stets willig in ihr Haus, sobald sie sicher sein konnten, dass ihr Ehemann nicht unvermutet nach Hause kam. Mit dieser Lüge hielt er sich die lästigen Damen vom Hals, wenn er zur nächsten wechselte. Man konnte nie wissen, welche von ihnen zu stalken begann. Auch seine drei Handys wechselte er mit den Verflossenen, denn selbst wenn sie Terror machen würden, wäre es ihm gleichgültig. Er hatte zumeist ein halbes bis dreiviertel Jahr Zeit, bis er wieder zum gleichen Handy kam und zu diesem Zeitpunkt hatte es jede noch so erboste Lady aufgegeben, ihn beschimpfen zu wollen.
Während er auf der Landstraße zügig dahinfuhr, klopfte er mit der linken Hand den Takt des Sommerhits aus dem Radio auf das Lenkrad und mit der rechten fasste er sich an den Schritt. Er spürte schon, dass sein Glied leicht steif war, denn er musste unablässig an die schweren, weichen, zarten Brüste Sandys denken. Er konnte schon ihre harten, dunklen Nippel zwischen seinen Lippen und an seiner Zunge spüren und ihre prallen Pobacken an seiner Wange fühlen. Der Druck in seiner Hose nahm kräftig zu und er presste seine Finger gegen die immer größer werdende Beule. In diesen Momenten fühlte er sich wie ein unbesiegbarer Held, wie ein Liebesgott, der auf dem Weg war um ein einsames Herz wieder zum Pulsieren zu bringen.
In New Fairbanks angekommen parkte er seinen nicht ganz unauffälligen Chevrolet in der Nähe des Gemeindezentrums und machte sich zu Fuß auf den Weg zu seiner Sandy. Den Wagen vor ihrer Haustüre zu parken wäre einem affäretechnischen Selbstmord gleichzusetzen gewesen. Er wollte so unauffällig als möglich bleiben und das blieb er dank seiner jahrelangen Erfahrungen auch. Nicht ein einziger Ehemann hatte ihn jemals attackiert; weder verbal noch körperlich. Er verstand es durchaus, gehörnten Männern aus dem Weg zu gehen.
Sandy öffnete ihm die Türe, versteckte sich jedoch dahinter. Erst als er im Vorhaus stand sah er, dass sie für ihn eine rote Spitzencorsage angelegt hatte, die ihre schmale Taille und ihren doch recht üppigen Busen besonders zur Geltung brachte. Ihre strammen Beine glänzten in roten halterlosen Strümpfen und ihre sündigen High Heels einfach waren zum Verlieben. Am liebsten wäre er vor ihr auf die Knie gegangen, um ihre Schuhe zu küssen. Doch ihr blank rasiertes Dreieck zwischen den Beinen, das hinter keinem noch so heißen Stückchen Stoff verborgen war, zog ihn in den Bann. Während er sie stürmisch küsste schälte er sich aus seiner ohnehin recht spärlichen Kleidung und nahm sie gleich auf der ersten halbwegs bequemen Gelegenheit; dem Wohnzimmersofa. Er achtete nicht darauf, ob die Vorhänge zugezogen oder das Wohnzimmer für jeden einsehbar war. Er wollte nur noch diese Venus beglücken, in sie eindringen und mit ihr gemeinsam auf den Wolken der Lust dahingleiten.
Doch Sandy wollte nicht so rasch zu einem Ende kommen, weshalb sie sich abrupt von ihm löste und vor ihm davonlief. Er kapierte ihre Pläne sofort und nahm die Verfolgung auf. Er jagte sie durch das Wohnzimmer ins Schlafzimmer, von dort aus ins Badzimmer, wieder zurück ins Wohnzimmer und erwischte sie in der Küche. Dort drückte sie ihn leidenschaftlich küssend sanft auf den Küchentisch, beugte sich über seine harte Männlichkeit und ließ ihre Zunge genussvoll daran gleiten. Sie nahm sein Zepter in ihren sinnlichen Mund mit den rot geschminkten Lippen, leckte weiterhin zärtlich über seinen prallen Schaft, ließ ihn in ihrer heißen, feuchten Mundhöhle ein- und ausgleiten und biss plötzlich kraftvoll zu. Dann noch einmal und ein drittes Mal. Sie schlug ihre Zähne in ihn, durchbohrte die zarte Haut und grub sie tief in die Schwellkörper. Dunkelrotes Blut spritzte aus den tiefen Wunden wie aus einem frisch angezapften Erdölfeld. Sandy stieß einen spitzen Schrei aus, als dicke Blutstropfen mit einem deutlich hörbaren Klatschen auf ihrer makellosen Gesichtshaut auftrafen wie schwere Regentropfen auf heißem Asphalt zu Beginn eines heftigen Gewitters.
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