J.D. David - Mondschein

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Als die junge Waise Lora in den Straßen ihrer Heimatstadt einen Jungen rettet, ahnt sie noch nicht, dass dies ihr Schicksal für immer verändern soll. Denn der Gerettete stellt sich als der junge König des Reiches Valorien heraus, und Lora wird in eine Welt von Macht, Krieg, und Intrigen hineingezogen. Während das Königreich noch immer unter den Folgen des letzten Krieges leidet, ist es innerlich zerrissen. Ehrgeizige Adelige ringen um Macht, wilde Horden gefährden den Frieden, und der junge König kann sich nur auf wenige loyale Ritter verlassen.

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Als das Lied endete schienen auch die Flammen des Feuers ein wenig zurück zu gehen und loderten nur noch schwach vor sich hin.

Lora erhob sich und ging zu Alisa.

„Der Grund, wieso ich hier bin“, begann sie zu reden, „ist ein Abschied. Ich habe die Möglichkeit diesen Ort zu verlassen und mit Finn und seinem Ritter die Welt zu erkunden. Auch wenn ich viel nicht vermissen werde, so werden du und deine Lieder mir doch fehlen, denn sie gaben mir stets eine Heimat.“

Alisa lächelte und nahm erneut die beiden Hände von Lora. „Auch ich werde dich vermissen, und dennoch wünsche ich dir alles Gute. Ich werde für dich beten und ich bin mir sicher, dass deine Wege gesegnet sein werden. Möge die Trias über dich wachen. Mach es gut, Eleonora.“

Dann ging Alisa erneut auf Finn zu, der sich auch erhoben hatte. „Junger König, es war mir eine Freude dich kennen gelernt zu haben. Du wirst einst ein guter König werden, dass sehe ich in deinen Augen. Denke stets an diesen Moment, wenn du Entscheidungen zu treffen hast. Diese Leute hier sind das Herz von Valorien, höre auf dein Herz. Dein Volk hat große Hoffnungen in dich. Ich wünsche dir eine gute und glückliche Reise“, sagte sie. Finn war zu beeindruckt um noch etwas zu erwidern. Er verharrte noch einen kurzen Moment und drehte sich dann auch um, um Lora zu folgen.

Geron lag immer noch halb wach, als die beiden Kinder erneut in das Zimmer schlichen. Natürlich hatte er vorhin mitbekommen, wie die beiden entflohen waren. Als Ritter hatte man einfach keinen tiefen Schlaf, das gewöhnte man sich schon in seiner Knappschaft ab. Und dennoch hatte er sie nicht daran gehindert. Lora sollte sich ruhig noch einmal verabschieden, bevor sie Tjemin verließ und Priovan... Priovan sollte sowieso die einfache Welt Valoriens kennen lernen. Es würde ihnen schon nichts passieren, dessen war sich Geron sicher. Diesmal hatte Priovan ja auch sein Schwert mitgenommen und konnte sich so sehr groben Ärger vom Hals halten. Er hörte die beiden noch leise etwas Flüstern, verstand jedoch den Inhalt nicht. Er war froh, dass sie ab jetzt von Lora begleitet wurden. Ein bisschen Umgang mit einer Gleichaltrigen würde Priovan bestimmt gut tun, und die Kleine war eine Frohnatur. Eine Vorahnung beschlich Geron. Lora war kein normales Mädchen, dessen war er sich sicher. Vielleicht wartete noch eine große Zukunft auf sie, dem Mädchen aus Tjemin.

Kapitel 6

Am zweiten Tag nach der Schlacht erreichte der Zug aus Reitern, Soldaten und Gefangenen endlich die große Stadt Taarl, Hauptstadt des Herzogtums Tandor und nach dem Königssitz Elorath die zweitgrößte Stadt Valoriens. Taarl lag am Fuß des Klingers, einem mächtigen Berg der die Stadt mit besten Erzen versorgte und so auch die militärische Macht Tandors begründete. Im Westen wurde Taarl vom Fluss Varna gesäumt, im Norden schloss die Stadt direkt an die Nordzinnen an, lediglich die südliche und süd-östliche Seite der Stadt waren offen. Hier schlossen sich meilenweit Felder an, sodass die Stadt schon von weitem zu erkennen war. Die Verteidigungsanlagen von Taarl waren von ihrer Stärke einzigartig in Valorien. An der südlichen Mauer direkt am Fluss war das Herz der Verteidigungsanlagen, die große Burg von Taarl, die zugleich der Sitz des Herzogs war. Die äußerste Mauer der Burg bildete sogleich die Stadtmauer, im inneren schlossen sich zwei weitere Mauerringe an und innerhalb des innersten Ringes ragte der mächtige Bergfried in den Himmel, über dem das Wappen von Herzog Celan wehte. Auch der Rest der Stadtmauer wurde in regelmäßigem Abstand von Türmen geschützt und überbot an Dicke und Höhe bei weitem eine normale Stadtmauer. Innerhalb der Stadt gab es einen weiteren Mauerring, der die armen von den reichen Vierteln der Stadt trennte. Eine dritte Mauer schütze die sogenannte Bergstadt, die direkt in den Klinger gebaut war. Taarl galt als uneinnehmbar, und bisher hatte auch noch nichts das Gegenteil bewiesen.

Herzog Celan bildete mit seinen beiden Getreuen die Spitze des langen Zuges, der sich auf die Stadt zu bewegte. Natürlich war die frohe Kunde vom Sieg über Ikran Khan bereits von schnellen Boten in die Stadt getragen worden, die jubelnd ihren Herzog, ihren Helden, empfangen wollten. Hinter Celan ritt der Stolz seiner Armee, die tandorischen Reiter, dahinter schlossen sich die Infanteristen und die gefangenen Urben an. Den Schluss des Zuges bildeten die Transportwagen, die von einer kleinen Nachhut geschützt wurden. Gerade den Gefangenen war der plagende Marsch der letzten Tage anzusehen. Alle wirkten ausgezehrt und durstig und nur die Angst schien sie noch jeden Schritt voranzutreiben. Als die ersten die Mauern der Stadt erblickten, schien sich eine kleine Erleichterung breit zu machen, die jedoch schnell wieder von der Ungewissheit überlagert wurde, was mit ihnen wohl jetzt geschehen würde.

Vor dem Stadttor von Taarl bildeten die Stadtwachen ein Spalier, durch das Herzog Celan hindurch ritt. Sie standen alle stramm und stolz und blickten starr nach vorne. Ihre eisernen Brustpanzer glitzerten im Sonnenlicht und durch die Sauberkeit und Ordentlichkeit ihrer Uniformen hoben sie sich deutlich von den rückkehrenden Soldaten ab, an denen immer noch die Spuren der Schlacht und des Rückmarsches zu sehen war.

Als Herzog Celan durch das Tor geschritten war, wurde er von einer jubelnden Menge empfangen, die an beiden Straßenseiten standen. Sie alle empfingen ihre Helden, die sie endlich von der Bedrohung durch die Urben beschützt hatten. Die ganze Stadt war auf den Beinen, und entsprechend dicht gedrängt standen die Menschen, als Celan über die Straße ritt. Von allen Richtungen kamen Jubelrufe und Blumen wurden auf die Straße geworfen. Die jungen Frauen himmelten die aus der Schlacht zurückgekehrten Helden an und hier und dort liefen erleichterte Familien zu ihrem Vater oder ihrem Sohn, um in wieder in der sicheren Heimat willkommen zu heißen.

Celan winkte nach links und rechts seinen Untergebenen zu und genoss die Anerkennung und Verehrung, die ihm zu Teil wurde. Durch diesen Sieg war er unsterblich geworden, und noch lange würde man Lieder über seine Heldentaten singen. Nur die Tatsache, dass er nicht persönlich Ikran Khan getötet hatte, trübte den momentanen Triumph ein wenig, aber konnte den Glanz des Momentes nicht nachhaltig überschatten. Arthur war mit seinen Männern schon direkt nach der Schlacht wieder nach Süden Richtung Rethas gezogen, sodass er ihn hier, bei seiner Siegesfeier, nicht ertragen musste. Er drehte sich nach rechts und lächelte Forgat zu.

„So eine Siegesfeier hast du wohl in Tjemin nicht erlebt.“

Forgat lachte. „Nein, Herr, wahrlich nicht. Das ist aber auch verständlich, da es in Fendron einfach an Feinden fehlt.“

Celan nickte und blickte dann wieder nach vorne.

Der Zug ritt über die Hauptstraße erst durch die ärmeren Viertel und erreichte dann das innere Stadttor. Von hier ritten sie noch ein kleines Stück bis zum Marktplatz und bogen dann nach Südwesten auf die Straße, die zur Burg führte, ab. Vor der Burg lag ein weiter, leerer Platz, an dem die Gefangenen zurück gelassen werden sollte. Nur der siegreiche Herzog und die tandorischen Reiter ritten in die Burg hinein, die sie mit Flaggen auf jedem Turm willkommen hieß. Mit lautem Klappern ritt der Herzog über die Zugbrücke und dann durch das mächtige Burgtor in den Hof seiner Burg.

Im Hof warteten bereits fast alle Bediensteten und Wachen, um ihren Herrn willkommen zu heißen. Vor der Schar seiner Bediensteten sah Celan seine Frau, mit ihren wallenden, dunkelbraunen Locken, die seinen Sohn auf den Armen hielt. Er sah deutlich die kleine Rundung ihres Bauches, die zeigte, dass sie Celan bald erneut ein Kind schenken würde. Celan schwang sich vom Pferd und übergab die Zügel einem Stallburschen. Dann ging er zu seiner Frau, Katharina, und seinem Sohn, Lumos.

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