J.D. David - Mondschein

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Als die junge Waise Lora in den Straßen ihrer Heimatstadt einen Jungen rettet, ahnt sie noch nicht, dass dies ihr Schicksal für immer verändern soll. Denn der Gerettete stellt sich als der junge König des Reiches Valorien heraus, und Lora wird in eine Welt von Macht, Krieg, und Intrigen hineingezogen. Während das Königreich noch immer unter den Folgen des letzten Krieges leidet, ist es innerlich zerrissen. Ehrgeizige Adelige ringen um Macht, wilde Horden gefährden den Frieden, und der junge König kann sich nur auf wenige loyale Ritter verlassen.

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„Ich möchte, dass du mit deinen besten Reitern Richtung Süden reitest“, fuhr Celan fort und lief zu einem Kartentisch, der an der Wand stand. Die drei Männer, Forgat, Ulf und Narthas, folgten ihm und stellten sich um die Karte von Valorien, die auf dem Tisch lag. Celan legte seinen Finger auf die Karte und zeigte einen Bereich im südlichen Teil seines Herzogtums.

„In dieser Gegend treibt sich eine große Bande von Banditen herum. Sie sind gut bewaffnet und organisiert und marschieren zurzeit gegen Süden, dies berichten zumindest meine Späher. Ich möchte, dass du ihnen so schnell wie möglich folgst und sie vernichtest, bevor sie die Grenze nach Rethas überqueren.“

„Aber mein Herzog...“, wollte Forgat gerade einwerfen, als sein Blick sich mit Celans traf und ihn zum Schweigen brachte. Ein wissendes Lächeln lag auf den Lippen des Herzogs. Er wusste genau, wen er dort verfolgen ließ, und Forgat, obwohl er Einwände hatte, wusste, dass er jetzt zu schweigen hatte. Celan von Tandor tat nichts, ohne es gut zu überdenken, das hatte der junge Sohn Fendrons gelernt. So verhielt es sich mit der Begnadigung der Urben ebenso wie mit dem ersten Auftrag für den Urbenführer Narthas. Narthas unterbrach den kurzen Moment der unangenehmen Stille und Spannung zwischen Forgat und Celan.

„Wenn Ihr mich und meine Männer mit Pferden, Waffen und Versorgung ausstattet, dann können wir jeden Moment aufbrechen. Ein Urbe ist jeden Moment bereit zum Kampf.“

Celan wandte sich an Forgat. „Geleite bitte Narthas nach draußen und kümmere dich um die Ausstattung der Urben. Achte darauf, dass genug wichtige Männer in Taarl bleiben, bis wir ihre Frauen und Kinder in Gewahrsam haben. Wenn sich Narthas meinem Willen widersetzt, werden diese zuerst sterben, danach jagen wir die Soldaten des Khans, und schlussendlich finden wir die Frauen und Kinder in der Steppe. Danach wirst du dich um die Einhaltung des Vertrages kümmern.“ Der Herzog hatte darauf geachtet, den Urben in der dritten Person anzusprechen. Dieser sollte merken, dass er im Zweifel nicht zögern würde.

„Jawohl, Euer Gnaden.“, quittierte Forgat den Befehl förmlich und schritt zur Tür. Ohne weitere Worte folgte ihm Narthas.

Herzog Celan blickte weiterhin auf die Karte. Sein Blick wanderte Richtung Westen und Süden, über Elorath, Dämmertan bis in das Herzogtum Fendron, die Heimat seines einstmaligen Knappen und mittlerweile Junkers Forgat.

„Ulf“, sagte Celan zu dem grobschlächtigen Mann, der immer noch neben ihm stand. „Für dich habe ich einen besonderen Auftrag, mit dem ich Forgat nicht betrauen kann. Du hast es gerade wieder gemerkt, dass es ihm bei Zeiten an Gehorsam und Durchsetzungsstärke fehlt. Du hast diese Fähigkeiten, und ich benötige sie nun.“

„Was soll ich tun, mein Herzog?“, fragte Ulf, der genauso gut wie Celan wusste, dass mit der Umschreibung Gehorsamkeit und Durchsetzungsstärke lediglich seine Skrupellosigkeit meinte. Er würde jeden Befehl ausführen, mit dem ihn Celan beauftragte, und gerade deshalb schätze ihn der Herzog so sehr.

„Lass uns uns hinsetzten. Dann erklär ich dir, was ich erwarte.“, sagte Celan und deutete auf einige Stühle vor dem Kamin.

Narthas dachte noch immer an die Abmachung. Diese Gedanken plagten ihn. Seit dieser Valore, Forgat, ihn aus der Burg begleitet hatte. Und auch jetzt, da er wieder mit seinen Brüdern im Sattel saß, konnte er diese nicht wegwischen. Ein ums andere Mal wog er auf, was er verloren, und was er gewonnen hatte. Hatte er Freiheit gewonnen? Hatte er seinen Stolz verloren? Seine Ehre, sowie die Ehre seines Vaters und seiner Ahnen beschmutzt? Würden die Geister der Steppe seine Entscheidung gut heißen? Würden seine Männer ihm weiterhin folgen? Bisher taten sie es. Er blickte sich um und es erfüllte ihn mit Stolz, selber so tapfere und gute Männer anführen zu dürfen, die sich ihm ohne Fragen unterworfen hatten. Er war ein Sohn des großen Khans und als solcher war er unumstritten. Und wenn auch unter schweren Bedingungen, so hatte er sie aus der Gefangenschaft befreit. All die Krieger der Urben saßen erneut in Rüstung und Waffen auf den Pferden und zogen in den Kampf, wie sein Volk es schon seit Äonen tat. Narthas blickte entschlossen nach vorne und spornte sein Pferd an, das in einen schnellen Trab verfiel. Hunderte von Hufen schlugen auf den Boden, als sich der Trupp gen Süden bewegte.

Kapitel 7

Geron, Priovan und Eleonora standen zum Aufbruch bereit im Hof der Burg von Tjemin. Sie waren schon früh aufgestanden und nach einem reichhaltigen Frühstück hatten sie sich sofort für die Weiterreise nach Andtweil bereit gemacht. Zwei Stallknechte brachten gerade die Pferde von Geron und Priovan, als mehrere Bewaffnete in den Hof geritten kamen. Es war die Eskorte, die, auf Befehl von Herzog Richard hin, noch einmal aufgestockt worden war. Wie am Tag zuvor ausgemacht, würden die drei gemeinsam mit Isabel von Andtweil und Ludwig von Fendron reisen. Gerade als ein Mann eine Kutsche gezogen von vier Pferden vorfuhr, kamen die beiden begleitet von Herzog Richard, der sich auf einen Stock stützte, und seinem Sohn Berlan aus dem Tor des Bergfrieds.

Ludwig wirkte noch immer etwas erschöpft und müde vom vorigen Abend, zumindest zeigten dies seine tiefen Augenringe und die leicht gerötete Nase, wohingegen Isabel so jung und schön wie immer wirkte.

„Gerne hätte ich dich noch länger als Gast beherbergt, Geron, aber dennoch bin ich beruhigt, dass du es bist, der Ludwig und Isabel nach Andtweil begleitet“, begrüßte der alte Herzog Geron, der dankend nickte.

„Auch ich wäre gerne länger in Tjemin verweilt, aber wir wollen noch vor dem Herbst unsere Reise beenden, und so drängt es uns weiter nach Andtweil und dann nach Lyth Valor.“, antwortete er und wandte sich dann an Ludwig und Isabel. „Ich möchte Euch danken, dass Ihr meiner jungen Gefolgsfrau die Mitreise in der Kutsche gestattet.“ Ludwig wollte gerade antworten, als ihm Isabel mit einem Lächeln zuvor kam.

„Selbstverständlich, Herr von Dämmertan, es ist uns eine Freude. Und vielleicht wird durch ihre Anwesenheit die lange Reise etwas unterhaltsamer.“

„Nun gut“, wandte dann Ludwig ein. „Dann wollen wir aufbrechen, schließlich wartet ein langer Weg auf uns.“ Während sich Ludwig und Isabel von Richard und Berlan verabschiedeten, zog Geron Lora bei Seite.

„Pass auf, Lora. Du wirst dich absolut korrekt verhalten. Du wirst nur sprechen, wenn du gefragt wirst. Du wirst die Dame Isabel stets höflich als hohe Dame und Ludwig nur mit Wohlgeboren ansprechen. Ich will, dass du mir keine Schande machst, verstanden?“

Lora nickte ernst. Sie konnte sich nicht wirklich auf die Fahrt mit den beiden Adeligen freuen, wusste sie doch schon jetzt, dass sie sich völlig fehl am Platz fühlen würde. Und ihr war auch ungewiss, ob und worüber sie mit den beiden Herrschaften reden sollte beziehungsweise, wie sie sich verhalten sollte. Immerhin war es eine längere Fahrt bis nach Andtweil, da konnte man sich nicht einfach schweigend gegenüber sitzen. Als sie gerade noch darüber nachdachte, kam auf einmal Isabel auf sie zu.

„Du bist also unsere Mitreisende?“

„Jawohl, Hohe Dame, mein Name ist Eleonora.“, sagte Lora unsicher. Sie hatte gerade noch hinzufügen wollen, dass sie Lora genannt wurde, erkannte aber, dass dies wohl unpassend war und hatte sich rechtzeitig auf die Lippe gebissen.

Isabel lächelte sanft. „Dann komm doch mit. Wir werden bestimmt eine angenehme Reise haben.“, sagte sie und führt sie zur Kutsche, während Geron und Priovan auf ihre Pferde stiegen. Ludwig stieg als letztes in die Kutsche und dann setzte sich die Gruppe in Bewegung.

Die ersten paar Minuten war es außer dem Rumpeln der Kutsche und den Hufschlägen der Pferde, die nur gedämpft in die Kutsche drangen, sehr ruhig in dem Innenraum. Ludwig sah man die deutlichen Spuren der gestrigen Feier an. Er wirkte sehr müde und unterdrücke nur aus Höflichkeit einige Gähner. Unter seinen Augen waren tiefe Ringe und er wirkte blass, von den leicht rötlichen Färbungen der Wangen und der Nasenspitze abgesehen. Nachdem die Fahrt begonnen hatte, schloss der Sohn des Herzogs, der entgegen der Fahrtrichtung Lora und Isabel gegenübersaß, die Augen.

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