1 ...6 7 8 10 11 12 ...32 Als Arthur Luna das letzte Stück über die Mauer half, liefen die anderen Krieger der Schwarzen Pfeile schon dem Wehrgang entlang und schwangen sich nach unten in den Hof. Luna blickte auf die Mauer. Im Schnee lag ein toter Mönch in seiner braunen Kutte und einem dicken Mantel. Der Tod war offensichtlich schnell und unerwartet gekommen. Um die Kehle des Mannes färbte sich der Schnee langsam rot.
„Da lang!“, hörte sie Arthur sagen, der auf das Haupthaus zeigte. Die anderen Rethaner waren schon vorweg gelaufen. Dort sollten sie auch auf Rogard und seine Männer treffen.
„Die Feinde im Hof sind tot.“, sagte Yatane kalt, als sie nach unten blickte. Luna versuchte ebenfalls durch den Schnee zu blicken, doch konnte im dichten Schneefall nichts erkennen. Die Augen der Elfen waren viel schärfer, das wusste sie. Dennoch war es beeindruckend.
„Also weiter. Wir müssen die Schlafsäle finden.“, sagte Luna und lief neben Arthur auf der Mauer entlang. Sie achtete auf ihre Schritte, denn man konnte kaum sehen was vor einem lag, und Schnee und Eis bildeten eine rutschige Oberfläche. Es wäre doch sehr unköniglich, wenn sie nun von der Mauer fiel und sich den Hals brach. Als sie das Gebäude erreichten warteten die anderen Männer inklusive Rogard, der von der anderen Seite gekommen war, schon an der schweren Holztür. Luna blickte am Gebäude nach oben. Es war eine Halle, die vielleicht zwei, drei Stockwerke hoch war, an deren Hinterseite anscheinend Räume waren, so hatte sie zumindest beim Vorbeigehen vermutet. Rechts hinten war ein quadratischer Turm, der sich in die Höhe streckte.
Arthur gab einigen Männern zu verstehen, die Bögen bereit zu halten. Auch er selbst legte einen Pfeil auf den Langbogen und stellte sich vor die Tür. Mit einem Nicken befahl er dann zwei weiteren Männern, die Tür zu öffnen.
Blitzschnell zogen diese die beiden Flügel nach außen, achteten dabei aber darauf, dass diese nirgendwo anschlugen. Arthur bemerkte sofort die vier Mönche, die in der Halle waren. Zwei arbeiteten, einer saß am großen Kamin, und ein letzter schlief in der Ecke. Vielleicht gab es noch weitere in den toten Winkeln. Sofort lösten sich die Pfeile der Angreifer. Die Treffer waren tödlich. Außer eines leisen Stöhnens hörte man kein Geräusch der Sterbenden. Dann hielt Arthur kurz inne und atmete durch.
Doch bevor er selbst in die Halle gehen konnte, schob sich Yatane an dem Ritter vorbei. „Warte…“, wisperte Arthur noch leise und wollte sie aufhalten, doch die Elfe war schneller und wandte sich aus dem Griff, um dann lautlos in die Halle zu laufen. Sie blickte sich kurz um, und verschwand dann nach rechts aus ihrer Sicht. Es dauert ein, zwei Momente, dann tauchte sie wieder auf, den Dolch in der Hand. Blut tropfte von der Klinge. Sie winkte die Krieger hinein.
Luna schluckte kurz. Sie kannte Yatane nur als freundliche, lebensfrohe Elfe, die ihr in Alydan stets großartige Geschichten erzählt hatte. Doch die Königin wusste, dass Yatane eine Jägerin war. Eine Kriegerin. Brutal und effizient, wenn es notwendig war. Es gab wohl kaum Menschen, die einen Kampf mit einem Elf überleben konnten. Insofern war es sehr wertvoll, Yatane an ihrer Seite zu wissen.
Dann lief die Königin hinter Arthur in die Halle. Sie blickte sich um. Anscheinend war die große Halle zugleich Ort für Gebete, aber auch Speisesaal. Tische und Bänke standen gerade an der Wand. Das Feuer prasselte im großen Kamin und spendete Wärme und ein orangenes Licht. Sie brauchte kurz, um sich an die Helligkeit zu gewöhnen. Dann erkannte sie all die Gänge und Türen, die von der Halle abzweigten. Hier unten, im Erdgeschoss, schienen es hauptsächlich Lagerräume und Küchenräume zu sein, die von der Halle abführten. Nach rechts führte ein Weg zu dem Turm. Auf einigen Schritt Höhe war ein Gang aus Holz gebaut, auf den auch Treppen führten. Von dort führten Türen in den hinteren Bereich des Haupthauses. Sie vermutet dort oben die Schlafsäle und tippte Arthur auf die Schulter, um dorthin zu deuten. Der Ritter nickte und signalisierte allen Männern, ihm zu folgen. Dann schlichen sie eine der Treppen hinauf. Auf die Toten im Saal achtete Luna gar nicht.
Es gab einen großen Schlafsaal an der Ecke des Gebäudes. Obwohl rechts und links noch mehrere Türen abzweigten, mussten dies kleinere Zimmer sein, wenn man den Aufbau des Klosters beachtete. Also galt es erstmal, das blutige Handwerk im großen Saal zu vollenden, um danach Zimmer für Zimmer zu durchsuchen. Die größere Frage war, wo die Mitglieder des Wächterrates und insbesondere der Prior waren. Doch eines nach dem anderen.
Lautlos schlichen die Schwarzen Pfeile in den Saal und schwärmten aus, sodass jeder Mann an einem Bett stand. Die Mönche schliefen tief und fest, nur das Schnarchen und die Atemgeräusche einiger Männer und das Pfeifen des Windes draußen störte die nächtliche Stille. Auch Luna positionierte sich an einem Bett und hob ihre Klinge in die Höhe.
Arthur blicke sich kurz um. Als alle auf ihrem Posten waren, nickte er kurz, um das Signal zu geben. Die Schwerter fuhren nach unten und durchbohrten die Leiber der schlafenden Mönche. Ein, zwei, drei Mal stach Luna zu. Dann sah sie, wie das Stroh und die Federn um den Mann sich mit dessen Blut vollsaugten. Außer dem Eindringen der Klinge und einem scharfen Ausatmen gab der Mönch keinen Laut von sich. Aus den Augenwinkeln erkannte sie, wie sich einige der Schwarzen Pfeile schnell lösten, um die letzten Mönche zu töten, an deren Betten noch kein Mann gestanden war. Es ging alles so schnell, dass selbst Männer, die kurz aufwachten, nicht schreien konnten. Natürlich war das Massaker nicht vollkommen lautlos, aber es gab keine Laute, die mit Sicherheit durch das ganze Kloster zu hören gewesen wären.
Luna zog ihr Schwert aus dem Leichnam des Mönches und wischte die Klinge an der Wolldecke ab, bevor sie es wieder in die Scheide steckte. Dann ging sie auf Arthur zu, der neben dem letzten noch lebenden Mönch kniete und ihm seinen Dolch an den Hals hielt.
„Wo sind der Prior und der Wächterrat?“, fragte er flüsternd, während er dem Mann die Hand auf den Mund hielt. Vorsichtig lockerte er sie dann, damit der Mönch antworten konnte. Doch dieser machte vorerst keine Anstalten zu antworten, sondern blickte Arthur nur mit großen, verängstigten Augen an. Also erhöhte der Ritter den Druck der Klinge, sodass die Haut leicht eingeritzt wurde.
„Sprich schnell und die Wahrheit, dann verschone ich dein Leben vielleicht.“, fauchte er drohend.
Der Mönch versuchte sich leicht nach hinten zu drücken, um den Druck der Klinge zu verringern, war aber nur mäßig erfolgreich. Also nickte er leicht, vorsichtig, um sich nicht zu verletzen.
„Also?“, sagte Arthur auffordernd.
„Sie sind im Turm, im Norden des Gebäudes.“, keuchte der Mann leise. „Dort ist das Quartier des Priors und der Ratssaal. Sie meditieren gerade.“
„Danke.“, sagte Arthur und schnitt dem Mann dann die Kehle durch. Es durfte keine Überlebenden geben. Dann stand er auf und drehte sich zu Luna.
„Majestät, wir sollten gemeinsam mit Yatane und den meisten der Männer zu diesem Turm. Wir werden die Kraft Eures Schwertes brauchen. Rogard kann hier mit zwei Männern allein die restlichen Räume durchkämmen.“, schlug er flüsternd vor. Luna nickte nur. Yatane stand bereits neben ihnen und brachte keine Einwände vor.
„Also los!“, sagte Arthur so und winkte den Männern zu, ihm zu folgen. Diese waren gerade von Bett zu Bett gegangen, um zu überprüfen, dass die Arbeit vollständig verrichtet worden war. Als sie den Schlafsaal verließen spürte Luna die gespenstische Stille, als nur noch der Wind von draußen pfiff. Sie hatte sich kurz so stark und sicher gefühlt, als sie ihre Klinge gezogen hatte. Nun zog sich ihr Magen leicht zusammen, als sie an all die Toten dachte. Doch das Blutvergießen war noch nicht beendet.
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