J.D. David - Sternenglanz
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„Ich danke euch allen für euer Kommen.“, sagte Vincent. Der Winter hatte Valorien fest im Griff, und so war das Reisen umso anstrengender. Doch die Angelegenheiten, die zu besprechen waren, forderten die Anwesenheit aller wesentlichen Entscheider des Reiches. „Unsere Königin ist aufgebrochen, um dem Feind im Herzen seines Reiches entgegen zu treten. Uns obliegt nun die Verantwortung, den Angriff auf das Kaiserreich in Kargat vorzubereiten, wenn wir uns der dunklen Mächte dieser Mönche entledigt haben. Wenn der Schnee schmilzt, müssen unsere Truppen marschbereit sein.“, führte er aus. Obwohl er mit Abstand der jüngste Mann am Tisch war, respektierten ihn die anderen Ritter. Nicht zuletzt, weil Celan große Stücke auf seinen Sohn hielt, und treu hinter ihm stand.
„Ich habe Berlan und Sivert vor einigen Tagen verabschiedet.“, begann Taskor zu berichten. „Sie sollten mittlerweile die ersten Städte in Kargat erreicht haben. Wir hoffen, regelmäßig Nachrichten zu bekommen, über die Stärke des Feindes und unsere Chancen, Unterstützung vom Volk Kargats zu bekommen. Der Winter ist hart. Dies sollte den Unmut der Bevölkerung über das Kaiserreich weiter stärken, denn die Soldaten wollen verpflegt werden. In Kargat sind die Vorräte noch geringer als hier in Valorien, da immerhin unsere letzte Ernte gut war. Das sollte uns in die Karten spielen.“, führte er weiter aus.
„Die Urben sind losgezogen.“, sagte dann Celan. „Ich verabschiedete Narthas und Wanfried vor einigen Wochen aus Taarl. Ihr Weg durch die Steppen und die Peltamark wird langwierig, aber im Frühjahr werden sie Kargat erreichen, und den Feind unerwartet treffen. Noch besteht wohl kein Krieg zwischen dem Kaiserreich und der Peltamark. Aber die Herrscher werden den Hunger der Sonnen nach mehr Land erkennen. Und kaum einen Konflikt gegen das Heer von Narthas wagen wollen.“, berichtete Celan von den Vorbereitungen im Osten.
„Danke, Vater.“, sagte Vincent, und blickte dann noch einmal zu Taskor. „Haben wir Nachrichten aus dem Widerstand in Hoheneck?“
Statt dem Kargatianer antwortete allerdings Arved, der Herzog von Rethas. „Wir haben einen Boten in Ostwacht aufgegriffen. Die verbliebenen Adeligen Kargats haben die Situation in Hoheneck anscheinend stabilisiert. Bisher hat das Kaiserreich noch keinen großangelegten Angriff unternommen, seit die Truppen im Frühjahr zurückgeschlagen worden waren.“
Vincent nickte dem jungen Herzog dankend zu. Arved war am ehesten in seinem Alter, und trotz der erbitterten Feindschaft ihrer Väter verstand er sich mit ihm sehr gut. Nicht zuletzt wegen der gemeinsamen Zeit in Taarl, in der Runde mit Luna, Lerke, und ihm. Nachdem Sanja aus ihrer Mitte gerissen worden war.
„Dann beginnt alles so wie geplant. Also müssen wir uns an die Planung des Hauptangriffes machen. Forgat, Celan, Arved, welche Truppen könnt ihr bis ins Frühjahr zum Eisentor führen?“, fragte er die Herzöge direkt. Über die Truppen der Kronlande hatte er das Kommando und konnte deren Stärke gut einschätzen. Doch wie sich die Armeen der Herzogtümer entwickelt hatten, war ihm zu diesem Moment nicht vollständig klar.
„Wenn wir nach Süden ziehen, werde ich mehr Männer zum Schutz der Grenzen zurücklassen müssen als für den Sturm auf Elorath.“, sagte Celan. „Ich werde etwa sechshundert Reiter und zweihundert Fußsoldaten anführen können.“
„Ich werde Tandor mit fünfhundert Fußsoldaten und Bogenschützen ergänzen können. Mehr kann ich nicht aufbringen, wenn wir Ostwacht und die Ostgrenze weiter verteidigen wollen.“, sagte Arved. Obwohl Lerke die eigentliche Erbin und Herzogin war, verantwortete er die meisten militärischen Belange des Herzogtums, während sie in Grünburg regierte.
„Ich werde in Thorians Namen vierhundert Soldaten führen können, beritten oder schwer gerüstet. Dazu noch Freiwillige und Partisanen.“, ergänzte Forgat. Das Heer Fendrons war durch den Angriff des Kaiserreiches am stärksten dezimiert worden. Andererseits musste Forgat keine Außengrenze verteidigen, nachdem ein stabiler Waffenstillstand mit den Nordmännern bestand. Denn nach der Befreiung Valoriens hatte Celan die einstigen Gebiete wieder an Fendron abgetreten, die im Norden an Valor Kath grenzten.
Vincent zählte im Kopf zusammen. Mit den Truppen der Kronlande kamen sie auf fast dreitausend Mann. Mit den Urben von Narthas und den kargatianischen Aufständischen vielleicht fünftausend. Sie waren dem Kaiserreich zahlenmäßig noch immer unterlegen, wenn er davon ausging, dass eine vollständige Armee im südlichen Königreich stationiert war. Ihr Vorteil mussten die Partisanen in der Bevölkerung sein, die verhinderten, dass kaiserliche Soldaten auch nur irgendwo in Ruhe rasten konnten. Dennoch lag viel Ungewissheit vor ihnen.
„Das sind gute Neuigkeiten. Rüstet eure Armeen über den verbleibenden Winter. Mit der Schneeschmelze sammeln wir uns vor Burg Eisentor, um zuzuschlagen.“, befahl der König, wandte sich dann aber an Taskor. „Taskor, deine Hilfe wird jenseits von Valorien benötigt. Arved wird dir einige Männer zur Seite stellen, um über Ostwacht nach Kargat zu reisen. Wir müssen die verbliebenden Truppen in Hoheneck überzeugen, sich uns anzuschließen. Und wir müssen ihnen helfen, ihre Stellung zu halten, falls die Armeen des Kaiserreiches im Frühjahr einen erneuten Vorstoß wagen sollten.“
Der Angesprochene nickte nur wortlos. Er hatte schon lange vorher gegenüber der Königin seinen Wunsch geäußert, Kargats Widerstand von innen zu unterstützen. Berlan und Sivert waren weniger bekannt, hatten aber in der Bevölkerung weit bessere Beziehungen, durch ihre Kontakte bei einstigen Unterstützern des Nachtrudels. Ihnen war die Aufgabe zugefallen, Unterstützung in den besetzten Städten des Westens zu mobilisieren. Doch trotz der heimlichen Flucht war Taskor immer noch mehr General denn Spion. Die Führung in Hoheneck entsprach eher seinen Fähigkeiten.
„Ich werde mit Branwulf nach Lyth Valor reisen, um auf die Ankunft von Luna zu warten. Wenn die Königin wieder in Elorath ist, werde ich die verbleibenden Männer zum Eisentor und darüber hinausziehen.“, sagte Geron. Seit Luna weggegangen war, war er auch Vincent mit Rat zur Seite gestanden, wie er es für die Königin getan hätte. Er wusste sie bei Arthur in guten Händen, konnte aber den Tag nicht erwarten, sie wieder im sicheren Valorien zu wissen. Er war gegen diese Reise gewesen, aber Luna hatte gute Argumente auf ihrer Seite gehabt. Und die Macht, als Königin das letzte Wort zu sprechen. So hatte er sich fügen müssen.
„In Ordnung. Wir werden in den nächsten Tagen die weitere Planung konkretisieren. Seid alle bis dahin meine Gäste in der Kronburg.“, sagte Vincent und erhob sich.
„Gewicht weniger auf den vorderen Fuß. Du willst mir doch ausweichen können. Balance halten. Steh nicht da wie ein Ackergaul. Du musst schnell sein, wie eine Katze.“ Florenzos Tadel begann schon bei der Grundhaltung des jungen Knappen. Obwohl Richard von Fendron eigentlich bei Herzog Arved von Rethas in der Knappschaft stand, hatte der Besuch in Elorath ihm die zweifelhafte Ehre eingebracht, vom südländischen Fechter ausgebildet zu werden. Mit seinen braunen Locken und blonden Strähnen war er seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten. Nur dass die verschwitzen Haare im aufgrund der Anstrengung im Gesicht klebten. Seit seiner Ankunft hatte sich Florenzo schnell zum Fechtlehrer vieler Adeliger und Krieger entwickelt. Er brachte Elemente in eine Lehrstunde, die kaum ein valorischer Streiter vermitteln konnte. Balance. Körperspannung. Beinarbeit. Die Kunst, ein feine Klinge tödlich zu führen. So war es kein Wunder, dass Florenzo stets wissbegierige Schüler hatte. Oder eben Schüler, deren Herren sie zu den Lehrstunden beim strengen Lehrer verdonnert hatten.
„Nun deine Hand. Du greifst die Klinge viel zu fest, verkrampft. Du sollst das Heft nicht zerquetschen. Die Klinge muss eins werden mit deinem Arm.“, fuhr Florenzo fort und korrigierte währenddessen Richards Griff der Klinge. Dann trat er einige Schritte zurück und hob seine eigene Klinge.
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