J.D. David - Sternenglanz

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Obwohl die Schlacht um Valorien gewonnen ist, beginnt der Krieg gegen das übermächtige Kaiserreich für die junge Königin Luna gerade erst. In einem unerbittlichen Kampf für die Freiheit ihres Volkes muss sie sich dabei auf alte Freunde und einstige Feinde verlassen. Mit Hilfe der Elfe Yatane an ihrer Seite stellt sie sich der Dunkelheit entgegen – und realisiert, dass die Finsternis sich auch bedrohlich um ihre eigene Seele legt, während größere Mächte um das Gleichgewicht der Welt kämpfen.

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So lautlos wie möglich liefen sie die Treppen hinauf und hielten dann kurz vor der Tür inne, an der die Treppe endete. Obwohl sie die Spitze wohl noch nicht erreicht hatten, musste dies der Saal des Wächterrates sein. Selbst durch die dicke Eichentür hörte man den dumpfen Gesang der Meditation und Gebete. Luna meinte sogar zu spüren, wie die Steine unter ihnen leicht vibrierten, und wie die Luft von der Macht erfüllt flimmerte. Vorsichtig und leise zog sie Zeitensturm. Als sie die schwarze Klinge sah, spürte sie sich sofort wieder stärker. Egal welche Macht diese Wächter hatten, sie hielt die Macht St. Gilberts in ihren Händen.

„Eine unglaubliche Macht…“, flüsterte Yatane leise. Die Elfe war noch empfindsamer für die Strömungen der Magie. Arthur schaute zu den zwei Männern, die sie vorne anführten.

„Bereit?“, fragte der Ritter leise. Alle Anwesenden nickten. Sie wussten, dass dies der wohl gefährlichste Moment war. Der Feind musste so schnell wie möglich ausgeschaltet werden. Denn wenn dieser erst seine volle Kraft entfesselte, ständen die Chancen zu Überleben schlecht. Gleichzeitig limitierten Tür und Treppen die Möglichkeit, zusammen anzugreifen.

Dann nickte Arthur entschlossen und die beiden ersten Männer stürmten den Raum, dicht gefolgt von Arthur, Yatane, und dann Luna. Die sieben Mitglieder des Wächterrates knieten auf dem Steinboden, alle auf eine der Wände ausgerichtet, an der Insignien, Relikte, und ein Banner standen. Sie waren von der Tür abgewandt, was den Angreifern einen kleinen Vorteil gab. Noch bevor sie reagieren konnten rammten die ersten beiden Krieger ihre Schwerter in den Rücken der hintersten beiden Wächter. Fast zeitgleich ließen Arthur und Yatane ihre Pfeile fliegen und trafen zwei weitere Wächter tödlich. Synchron, als würden sie viele Jahre zusammen kämpfen, ließen die Elfe und der Ritter ihre Bögen fallen, um ihre Klingen zu ziehen, während sie in den Raum liefen. Erst dann trat Luna in die Tür.

Vier waren erledigt, als die anderen drei den Angriff bemerkten. Sofort schwoll der Gesang an und der Jüngste der drei Männer sprang auf und deutete auf einen der vorderen beiden Krieger. Ein Stein löste sich aus der Mauer und durchschlug die Brust des Mannes, trat blutig wieder aus dem Rücken heraus, und zerschellte knapp neben Yatane an der Wand. Gleichzeitig ballte ein anderer Wächter seine Faust und ein Stein löste sich aus der Decke und zerschmetterte den Schädel des zweiten Kriegers.

Der vorderste der Wächter erhob sich und drehte sich um. Er streckte die Hände zur Seite, mit den Handflächen nach oben. Luna spürte, wie der Turm erzitterte, und sich viele kleine Steine aus den Wänden lösten und auf sie, Arthur, und Yatane zuflogen.

„Nein!“, schrie Luna laut und durchschnitt mit ihrer Klinge die Luft vor ihr. Sie schloss noch die Augen, hörte dann aber das Geräusch, wie die Steine zu Boden fielen. Sie lagen in einer sauberen Reihe vor ihnen, als hätten sie eine unsichtbare Wand getroffen. Nun hielten die drei Wächter kurz verwirrt inne. Ein Zögern, dass für sie verheerend sein sollte.

Yatane zog und warf blitzschnell einen ihrer Dolche, der sich in die Kehle eines der Wächter bohrte. Währenddessen überbrückte Arthur mit zwei großen Schritten den Abstand zum nächsten Wächter und rammte diesem Blutstein in die Brust.

Luna fokussierte den letzten Wächter und machte einen Schritt nach vorne. Getragen von der Kraft ihres Schwertes wollte sie auf den Feind zu rennen. Doch einen Augenschlag später stand sie schon vor dem Mann, hatte den Abstand von einigen Schritten in einem Moment überwunden. Sie blickte dem alten Mann in die Augen.

„Laëa…“, wollte dieser gerade noch zu einem weiteren Gebet ansetzen, als Luna ihm bereits ihre schwarze Klinge durch das Herz trieb. Während der Mann tot zu Boden sank, blickte sie sich um. Der Wächterrat war vernichtet. Es war ein gutes Gefühl. Ein wichtiger Sieg. Blut tropfte von Zeitensturm auf den Boden. Über den gesamten Steinboden des Turmes breiteten sich langsam die Blutlachen der Mönche aus. Sie hatten es so gewollt. Damals, als sie den Krieg über Kargat und Valorien gebracht hatten. Nun mussten sie den Preis dafür zahlen.

„Wir müssen den Prior finden.“, sagte Arthur und deutete auf die Tür, die sich am anderen Ende des Raumes befand. „Dort entlang. Es muss noch weiter nach oben gehen.“

Luna blickte zu Yatane, als suchte sie Bestätigung. „Ja. Ich spüre es. Dort ist ein Mann mit großer Macht.“, sagte die Elfe und blickte nach oben. Doch es war noch etwas anderes, das sie fühlte. Ein Gefühl aus einer alten Zeit, dass sie nicht zuordnen konnte. Ein Echo ihrer Erinnerung. Aber... das konnte doch nicht wahr sein. Oder?

Arthur deutete zwei Männern, zu der Tür zu gehen. Sie wusste nicht, ob die Treppe dahinter direkt in das Gemach des Priors führte, oder ob noch ein weiterer Gang dazwischen lag. Die anderen Schwarzen Pfeile sammelten sich im Raum der Wächter und legten Pfeile auf ihre Bögen. Arthur hielt entschlossen das Heft seines Ritterschwertes und blickte kurz zu Luna, bevor er den Befehl gab.

„Also. Los!“, sagte er leise und der Krieger an der Tür riss diese auf.

Luna blickte verwundert durch die Tür. Der Gang dahinter war nicht leer. Vollkommen ruhig stand dort ein alter Mann in einer Kutte und blickte auf, ihr direkt in die Augen. Es musste der Prior sein. Doch da war noch etwas. Ein Schatten kroch blitzschnell in ihren Raum, als hätte man eine Fackel vorbeigetragen. Dann ließen die Männer Arthurs ihre Pfeile fliegen.

Cleos spürte den Tod. Das Sterben. Das Leid. Den Schmerz. Es schmerzte in seiner Brust, als er aufwachte. Doch wusste er, dass es schon zu spät war. Laëa hatte sie verlassen. So hätte er wohl den Brüdern gesagt. Doch er kannte die Lüge dahinter. Er war der einzige, der den Grund ihrer Kraft kannte. Er und…

„Wenn sie sich nicht wehren konnten, waren sie es nicht wert.“ Die Stimme aus dem Schatten ließ Cleos vollends aufschrecken.

„Du.“, sagte er kalt und stand auf. „Ich habe jeden von ihnen gefunden und ausgebildet. Was wagst du es, ihr Leben herabzuwürdigen?“

„Ihr Leben ist nicht mehr. Es war so kurz und nutzlos, wie das der meisten Menschen.“

„Ich werde sie rächen.“, sagte Cleos kalt und ballte die Faust. „Wirst du mir beistehen oder nur hier sitzen und kluge Reden schwingen?“

Die Antwort war nur ein leises Lachen, als Cleos bereits die Stufen nach unten nahm. Er sammelte seine Kräfte, summte leise die Gebete an Laëa, die ihm doch halfen, die Magie zu fokussieren. Wer auch immer sie angriff: dies würde sein Tod sein. Dann würde er einen neuen Orden erbauen. Die Kraft des Kaisers und seine Kraft waren unendlich.

Als er die Tür erreichte, hörte er schon die Männer, die sich dahinter im Raum sammelten. Er spürte ihre lebenden Körper. Ihre Wärme. Ihre Energie. Doch dann spürte er noch etwas. Ein Schatten, der sich an seine Seite legte.

„Also doch.“, sagte er. Dann wurde die Tür aufgezogen.

Die Pfeile prallten an einer massiven Steinplatte ab. Luna konnte gerade noch ihr Schwert heben, als diese auf sie zuflog. Der Fels spaltete sich an der Klinge und flog rechts und links an ihr vorbei. Doch Luna nahm mehr als den Angriff von Cleos war. Sie spürte etwas, wie einen Windhauch, obwohl sich die Luft nicht rührte. Sie merkte, wie Schatten sich durch den Raum bewegten. Blitzschnell. Dann hörte sie die Schreie der Männer. Alles geschah so unglaublich schnell. Ein Schwarzer Pfeil nach dem anderen ging zu Boden. Der Klang von Stahl der Stahl traf erfüllte dann den Saal. Von Arthurs Klinge stoben Funken und der alte Ritter schrie auf, allerdings blieb er im Vergleich zu den anderen Männern stehen. Erst dann legte sich ein kurzer Moment der Ruhe über den Raum.

Luna orientierte sich. Die Männer um sie herum lagen tot auf dem Boden. Alle Krieger der Schwarzen Pfeile waren in Bruchteilen eines Momentes getötet worden. Sie erkannte sofort die vielen kleinen Schnitte, die sich über die Leiber der Männer ausbreiteten. Fein, sodass kaum Blut floss, aber an tödlichen Stellen. Sie blickte zu Arthur. Der Ritter stand noch, hatte aber mehrere Schnittwunden an Oberschenkel und Schulter. Nur seine guten Reflexe und Blutstein schienen ihn vor dem Tod bewahrt zu haben. Schnell schaute sie zu Yatane. Die Elfe stand dort mit gezogener Klinge, scheinbar unverletzt. Ihr Blick war in eine Ecke des Raumes gerichtet, ihre Augen weit aufgerissen. Luna folgte dem Blick.

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