J.D. David - Sternenglanz

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Obwohl die Schlacht um Valorien gewonnen ist, beginnt der Krieg gegen das übermächtige Kaiserreich für die junge Königin Luna gerade erst. In einem unerbittlichen Kampf für die Freiheit ihres Volkes muss sie sich dabei auf alte Freunde und einstige Feinde verlassen. Mit Hilfe der Elfe Yatane an ihrer Seite stellt sie sich der Dunkelheit entgegen – und realisiert, dass die Finsternis sich auch bedrohlich um ihre eigene Seele legt, während größere Mächte um das Gleichgewicht der Welt kämpfen.

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„Also dann, nächste Runde. Und denk daran, Richard. Du musst die Klinge führen, wie das Liebesspiel mit einer Frau. Zärtlich, vorsichtig, und dennoch bestimmt und führend.“, sagte Florenzo. Bevor er zum Kampf ansetzen konnte, hörte man deutlich das Räuspern von Forgat, der den beiden zuschaute. Er blickte ernst zu Florenzo, der mit einem Lächeln antwortete. „Obwohl du natürlich das Liebesspiel noch gar nicht kennst.“, fügte er mit einem Zwinkern hinzu. Dann trat er nach vorne und die Klingen prallten aufeinander.

„Der Junge macht sich gut.“ Forgat drehte sich um und erkannte Geron, der näher an ihn herantrat.

„Ja. Er hat gute Lehrer.“, stellte der Herzog fest. So schmerzlich der Verlust von Victor gewesen war, so erfreulich die Entwicklung des neuen Erben Richard. Als er selbst gefangen gewesen war, hatte der jüngere Sohn die Rolle des ersten Mann Fendrons angenommen, und sich als Stütze für das ganze Herzogtum entwickelt, um auch seiner Mutter zu helfen. Nach der Krönungszeremonie hatte Forgat den jungen Herzog von Rethas gebeten, die Ausbildung seines Sohnes abzuschließen, nachdem dieser bisher von ihm selbst in Tjemin geschult worden war. Seitdem stand Richard in der Knappschaft von Arved, und schien jeden Monat mehr zum Mann heranzuwachsen.

„Nein, nein, nein.“ Florenzos Ausspruch hallte über den Hof, als die Übungsklinge von Richard klirrend zu Boden gefallen war. „Du sollst mit deinem ganzen Körper die Wucht des Schlages abfedern, nicht das Heft loslassen.“, tadelte der Lehrer den Knappen, nachdem er mit einer Drehung seiner Klinge das Schwert des Jungen aus dem Griff gelöst hatte.

„Und er hat noch viel zu lernen.“, sagte Forgat leise zu Geron, während Richard die Klinge aufhob und sich demütig vor seinem Gegner verneigte.

„Gönnst du meinem Knappen eine kurze Pause? Der Junge scheint erschöpft.“, sagte dann Arved und erhob sich von der Kiste, auf der er am Rand gesessen und zugeschaut hatte. Er ging auf Richard zu und klopfte ihm auf die Schulter. „Gut gemacht. Gib mir deine Klinge.“, sagte er und reichte dem jungen Mann im Gegenzug seinen dicken Fellmantel. Richard warf sich diesen sofort um, denn ohne die Bewegung kroch die Kälte sofort in die Knochen. Arved hingegen trat durch den Schnee vor Florenzo und hob die Klinge.

„Erweist du auch mir die Ehre?“

„Mit Vergnügen, Euer Gnaden.“, antwortete Florenzo, verneigte sich leicht, und preschte dann nach vorne. Der Kampf der beiden Männer war ein vollkommen anderes Schauspiel. Florenzos Kampfkunst basierte auf Finesse und Balance, einer schnellen Beinarbeit, und gezielten Stichen und Hieben mit der Klinge. Doch Arved stand dem in nichts nach. Während er nicht die blanke Kraft seines Vaters geerbt hatte, war er wohl der schnellste und beweglichste Kämpfer Valoriens. Die Schläge hagelten blitzschnell aufeinander, während sich Florenzo und Arved durch den gesamten Innenhof der Kronburg bewegten.

„Eine neue Generation der Ritter…“, sagte Forgat leise, als er Arved so zuschaute. Mit Vincent und Arved waren in der Tat zwei sehr junge Männer nun Teil der altehrwürdigen Runde der valorischen Ritterschaft. Doch auch Branwulf und Wanfried gehörten praktisch zur neuen Generation, jene Valoren, die mehr den Konflikt denn den Frieden kannten.

Geron nickte nur, ohne etwas hinzuzufügen. Zu interessiert schaute er dem Kampf der beiden Fechter zu. Ja, eine junge Generation von Rittern würde bald Valorien schützen müssen. Aber im Moment lagen die Hoffnungen des Königreiches hauptsächlich auf den Schultern eines alten Kameraden. Sie hatten am Vormittag Nachricht von Arthur erhalten, überbracht von Branwulf aus Lyth Valor. Der Ritter hatte, nachdem sich die Gesundheit seines Vaters immer weiter verschlechtert hatte, weitestgehend das Kommando über die Hafenstadt übernommen. Vor wenigen Tagen war das Schiff, das Arthur und Luna nach Süden gebracht hatte, wieder in Lyth Valor eingelaufen. Die Männer waren erfolgreich im Norden des Kaiserreiches an Land gegangen. Das Schiff war vorerst zurückgekehrt, um für die kaiserliche Flotte nicht auffällig zu wirken. Doch in einigen Tagen würde der Kapitän erneut nach Süden aufbrechen, um dem Trupp um die Königin eine Rückzugsmöglichkeit zu bieten. Falls sie es nicht zur Küste schafften, würden sie den Weg durch Kargat nehmen müssen. So oder so war die Reise zurück nach Valorien mindestens so gefährlich wie die Aufgabe selbst. Doch trotz seiner großen Sorgen vertraute Geron auf Arthur. Er würde Luna sicher nach Hause bringen, das hatte er versprochen.

Das Klirren der Klingen verhallte, als die beiden Kontrahenten erschöpft voreinander stehen blieben. „Einigen wir uns auf Unentschieden, Euer Gnaden?“, fragte Florenzo.

Arved nickte, atmete aber noch schwer. „Dieses eine Mal, ja.“, sagte er und verneigte sich genauso wie sein Gegenüber, um den gegenseitigen Respekt auszudrücken.

„Ein wahrhaft guter Kampf.“, sagte Geron deutlich hörbar. Obwohl in einer echten Schlacht es weniger auf die hohe Fechtkunst ankam, waren die Übungskämpfe eine gute Möglichkeit, sich auf den Krieg vorzubereiten, der bald kommen würde. Dann wandte sich der alte Ritter wieder zum Herzog von Fendron. „Forgat, bevor du wieder nach Tjemin aufbrichst, muss ich dir noch etwas geben.“, sagte er nun wieder leiser.

Als Geron und Forgat den Rittersaal betraten saß der König noch auf seinem Platz und schien nachzudenken. Nachdem die Tür sich öffnete schaute er allerdings hoch, rückte dann den Stuhl zurück, und stand auf.

„Forgat. Es wird Zeit, eine wichtige Säule des Reiches wiederherzustellen.“, sagte er. Erst jetzt bemerkte der Herzog den Gegenstand, der eingehüllt in einem blauen Tuch auf dem Tisch lag. Es war offensichtlich ein Schwert, das Vincent griff. Der König ging auf Forgat und Geron zu. „Vor vielen Jahren nahm dir Geron diese Waffe. Ich möchte sie dir zurückgeben. Für deine treuen Dienste am Reiche in der Abwesenheit eines Königs und deine Tapferkeit im Kampf gegen das Kaiserreich. Dich meinen Bruder nennen zu dürfen, in der gleichen Runde der Ritterschaft wie du zu sitzen, erfüllt mich mit Stolz. Trotz oder gerade wegen der Differenzen, die lange zwischen unseren Häusern herrschten. Doch nun ist es Zeit nach vorne zu schauen, um das Reich vollständig zu einen, wie einst in Gilberts Zeiten.“

Dann schlug Vincent das Tuch zur Seite und reichte Forgat die Waffe. Wie dieser vermutet hatte, handelte es sich um das Schwert seines Vaters, in goldener Scheide, mit Saphiren verziert: Goldranke. „Meine Frau, unsere Königin, hätte es dir gerne persönlich überreicht. Doch es gab keine Gelegenheit mehr.“, fügte Vincent hinzu, bevor der Herzog das Schwert griff. Forgat versuchte die Kraft der Klinge zu spüren, die er doch nur für so kurze Zeit getragen hatte. Es war wieder Zeit, dass der Herzog von Fendron seine Heimat mit Goldranke verteidigte. Gleichzeitig wusste er nicht die rechten Worte zu finden. Er drehte sich zu Geron, dann zu Vincent, und nickte beiden zu.

„Danke.“, sagte er leise. Er zog die Klinge leicht aus der Scheide. Sie glänzte wie am Tag, als sie geschmiedet worden war. So vermutete zumindest Forgat.

„Jetzt fehlt nur noch eine Klinge.“, sagte Geron und blickte auf den freien Stuhl des Rittersaals, auf dem Valentin gesessen hatte. Wellenschnitter war vom Kaiserreich genommen worden, das hatte ihnen Daron erzählt. Sie mussten es zurückbringen.

„Bei Thorian, wir werden sie uns holen.“, sagte Forgat entschlossen. „Ich werde noch heute Nachmittag nach Tjemin reisen. Wenn der Sturm im Frühjahr beginnt, werdet ihr die besten und tapfersten Männer Fendrons in der ersten Reihe wissen.“

„Danke, Forgat.“, sagte Vincent.

Kapitel 3

Es war keine Festung. Es war ein Kloster. Außer den Mönchen lebte hier niemand. Soldaten, die diese schützten, waren im Tal in den Dörfern und einer Burg stationiert. Doch diese hatten sie erfolgreich umgangen. So gab es auch kaum Widerstand.

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