Ulrich Pätzold - Sonnenfinsternis
Здесь есть возможность читать онлайн «Ulrich Pätzold - Sonnenfinsternis» — ознакомительный отрывок электронной книги совершенно бесплатно, а после прочтения отрывка купить полную версию. В некоторых случаях можно слушать аудио, скачать через торрент в формате fb2 и присутствует краткое содержание. Жанр: unrecognised, на немецком языке. Описание произведения, (предисловие) а так же отзывы посетителей доступны на портале библиотеки ЛибКат.
- Название:Sonnenfinsternis
- Автор:
- Жанр:
- Год:неизвестен
- ISBN:нет данных
- Рейтинг книги:4 / 5. Голосов: 1
-
Избранное:Добавить в избранное
- Отзывы:
-
Ваша оценка:
- 80
- 1
- 2
- 3
- 4
- 5
Sonnenfinsternis: краткое содержание, описание и аннотация
Предлагаем к чтению аннотацию, описание, краткое содержание или предисловие (зависит от того, что написал сам автор книги «Sonnenfinsternis»). Если вы не нашли необходимую информацию о книге — напишите в комментариях, мы постараемся отыскать её.
Sonnenfinsternis — читать онлайн ознакомительный отрывок
Ниже представлен текст книги, разбитый по страницам. Система сохранения места последней прочитанной страницы, позволяет с удобством читать онлайн бесплатно книгу «Sonnenfinsternis», без необходимости каждый раз заново искать на чём Вы остановились. Поставьте закладку, и сможете в любой момент перейти на страницу, на которой закончили чтение.
Интервал:
Закладка:
Sie führte ihn in ihr Zimmer, das sauber und aufgeräumt war. Statt der Kugel stand eine Vase mit Narzissen auf dem Tisch. Er sah keine Karten, nur ein dickes Buch der Astrologie mit zahlreichen eingelegten Zetteln. Sie erkundigte sich nach seinem Befinden und freute sich über die starke optimistische Haltung, die aus seiner Stimme klang, als er ihr über seine erheblichen beruflichen Erfolge im Parlament erzählte. „Es sind noch nicht viele Tage vergangen, seit ich am Tag der Sonnenfinsternis bei Ihnen war. Da hatten Sie mir einiges offenbart, was mir sehr geholfen hat. Vor allem haben Sie das Flugzeugunglück gesehen, das uns im Augenblick so sehr beschäftigt. Sie haben vom Zerschellen gesprochen. Leider habe ich das falsch gedeutet, aber jetzt weiß ich, welche großen Gaben Sie haben.“
Die Wahrsagerin hörte sich das mit ernstem Gesicht an und schwieg eine kurze Zeit. Dann beugte sie sich zu ihm hinüber, die Arme auf den Tisch gelegt. M musste jetzt noch näher in das riesige Dekolleté schauen und erschauerte ein wenig, wie fremd ihm dieser massige Körper war. Er roch ihr starkes Parfum, das ihm eher unangenehm war, und lehnte sich weit zurück auf seinem Stuhl.
„Ich kann mich an keinen Satz, an kein Wort erinnern, was ich damals zu Ihnen gesagt habe“, sagte die Wahrsagerin. „Ich war in ein kosmisches Rauschen gefallen, wie immer, wenn ich Dinge klar zu sehen glaube. Aber nichts davon zieht in mein Gedächtnis. Sie hören zu, sind Zeuge, bezahlen mich und gehen Ihre eigenen Wege. Ich verharre noch Stunden wie in einer Starre. Finde ich zurück in die Welt, ist alles wie ausgelöscht.“
„Dann haben Sie gar nicht gewusst, dass vorgestern das Flugzeug in den Alpen zerschellen wird?“
„Ich wusste vorher nicht mehr als Sie, aber ich wusste am Tag der Sonnenfinsternis, dass große Unglücke geschehen werden.“
Dann hielt sie ihm eine kleine Vorlesung, wie sie Astrologie und das Geschehen auf der Erde versteht, und wie sie in Trance die Verbindungszeichen zwischen den kosmischen Konstellationen, großen Ereignissen auf der Erde und den Verknotungen im kleinen Geschehen bis zum Verhalten des einzelnen Menschen erfährt. Das in der Sonnenfinsternis entstandene Uranus-Pluto-Quadrat sei ein sicheres Zeichen gewesen, dass in der Folgezeit einige gewalttätige Erschütterungen die Menschen heimsuchen würden. „Aber“, so fuhr sie fort, „Sie dürfen das nicht zu eng nur für Ihr Gesichtsfeld gelten lassen. In den letzten Tagen ist Vieles geschehen, das in seiner Häufung und der weltweiten Verteilung darauf hindeutet, wie fürchterlich die Sonnenfinsternis gewirkt hat. Die Sonnenfinsternis ist ein Ereignis, das die Notwendigkeit von Verhängnissen aussäht. Dazu gehört der Flugzeugabsturz, über den sie sagen, der Absturz sei eine Folge eines terroristischen Attentats. Dazu gehören aber noch viele andere Unglücke, die wir in dergleichen Zeit zu registrieren haben.“
M hörte ihr gebannt zu und konnte kaum glauben, wie gebildet, Wort gewandt und klar diese Frau zu analysieren verstand, die er bisher nur über Kugel und Karten gebeugt und Dämpfe inhalierend erlebt hatte. Sie durcheilt mit wenigen Sätzen die Krisenherde der Welt, aus denen stets nur tropfenweise und grob ein paar Informationen in die politischen Raster aktueller Wahrnehmungen geträufelt werden. Sie bewege sich, so sagt sie, ausschließlich auf der Eklipse jener Zeit der Sonnenfinsternis, die in jedem guten Astrologie-Buch präzise beschrieben sei, und verweist mit der rechten Hand auf das Buch vor ihr. Nun zählt sie auf: Eine Woche, bevor sich der Mond zwischen Sonne und Erde drängt, stürmt eine islamistische Terrororganisation vor dem Parlament in Tunis ein Museum. Bis zu diesem Zeitpunkt war in Tunesien von einer Terrororganisation nichts bekannt. Nun war sie blitzschnell und wie aus heiterem Himmel zur Stelle, um die Haut des Parlaments verletzen zu können. Der Krieg zwischen Saudi-Arabien und dem Iran im Jemen schien schon stillzustehen, ausgestanden. Nun bricht er wieder aus, mit zahlreichen Toten. Ob Boko Haram in Nigeria, Dschihadisten, die IS-Krieger in Syrien und im Irak, die sterbenden Flüchtlinge aus Myanmar oder die rasante Häufung ertrinkender Flüchtlinge im Mittelmeer – „man schaut nicht mehr hin, will nicht wissen, woher so viel Unordnung in der Welt kommt. Lieber wirft man sie alle in einen Topf. Sollen sie sich doch die Köpfe einschlagen, Hauptsache sie tun das nicht bei uns“.
Fast pathetisch und staatsmännisch klingt es, als sie hinzufügt: „Ich erinnere daran, Saturn durchläuft noch bis Ende 2017 das Schütze-Zeichen und prüft dort Religion und Weltanschauung. Armut und Perspektivlosigkeit zu vieler Menschen sind ein fataler Nährboden für die immer heftigeren Kriege im Zeichen von Glauben und Visionen. Wir müssen tiefer in die Hintergründe einsteigen, um zu verstehen. Die Vereinigungen, zu denen auch Sie gehören, die da einfache Antworten anbieten, klingen verlockend, können aber nicht halten, was sie versprechen.“
M muss zur Kenntnis nehmen, dass seine Wahrsagerin sich bestens in den internationalen Entwicklungen auskennt. In Israel schütze Netanjahu die Siedler und weigere sich, einen eigenständigen palästinensischen Staat anzuerkennen. Netanjahu spreche vor dem amerikanischen Repräsentantenhaus, um die inneramerikanischen Querelen zu schüren, mit dem Iran ein Abkommen über das Atomprogramm zu finden. Da sei doch die Tatsache interessant, so die Wahrsagerin, dass am entsprechenden Verhandlungstisch in Lausanne zwei Nationen ihre Teilnahme verweigern: Saudi-Arabien und Israel. Sie könne noch viele Beispiele erwähnen, was den Zeitungen nicht einmal eine Meldung wert sei: Im Schwarzen Meer, das doch ein internationales Gewässer sei, umkreisen sich in Manövern amerikanische und russische Kriegsschiffe wie knurrende Hunde. In Schweden und in den baltischen Ländern wird die Angst vor russischen Bomberflugzeugen immer größer. „Nun stellen Sie sich vor, ein Pilot macht da so etwas wie Ihr Co-Pilot in den Alpen.“ Sie zählt noch mehr auf, um dann ihre Rede mit einem Verweis auf das vor ihr liegende Astrologie-Buch abzuschließen: „Die Wirkung der Sonnenfinsternis erstreckt sich nicht nur auf den unmittelbaren Zeitraum, in dem sie sichtbar ist. Im Falle der Sonnenfinsternis vom 20. März muss man sicher von einem Zeitraum von mindestens drei bis vier Monaten vor und nach ihrem Ereignis ausgehen.“
M sah sich ermutigt, sie nun zu unterbrechen. „Woher haben Sie diese weite Informationsübersicht? Was sind Sie für eine gebildete Frau!“
Sie lächelte nicht einmal, als sie das Kompliment selbstbewusst entgegennahm. Sie wendete das Gespräch und sagte ihm offen in die Augen: „Sie sind heute zu mir gekommen, um etwas über das Horoskop vom 24. März zu erfahren. Darauf habe ich mich vorbereitet, und Sie sollen meine Ergebnisse kennen.“ Sie schlug ihr Buch auf und legte sich einige Zettel zurecht. M saß ihr aufmerksam gegenüber und sagte keinen Ton. Dann erfuhr er von ihr, dass die Sonne in Konjunktion zum Uranus gestanden habe, woraus unschwer die Liebe von Lubitz zum Fliegen abzuleiten sei. Saturn in Konjunktion zum Schützen erzählt, wie hart er an seiner Liebe zum Fliegen gearbeitet hatte. Ihr sei aufgefallen, dass Mond und Mars im Skorpion stehen und Pluto daneben bleibt. Das heißt, Pluto steigt ab in den Seelenkeller. „Diese Deutung geht zurück bis auf meine Urmütter, die im Orakel des Poseidon vor den Toren der Unterwelt auf der Mani dienten.“ M erschrak, als er von der Frau vor ihm von dem Orakel auf der Mani hörte, eine Landschaft, die er bald besuchen wird. Nur mühsam konnte er eine weitere Frage unterdrücken.
Die Wahrsagerin verwies gegenüber M auf ihre ausgeprägten Kenntnisse in der Psychologie. Ihre Stärke in der analytischen Astrologie liege darin, die Grundkonstellationen des planetarischen Geschehens mit den Entwicklungen der individuellen Psyche von Menschen verbinden zu können. Die nackten Daten der Sterne am 24. März bringen Tempo in die Schwingungen der Psyche. Es sei doch offensichtlich, dass Menschen wie Lubitz in psychische Zustände wie Burnout, Depressionen, Verlustängste getrieben würden. Je enger sich die Schlinge um sie ziehe, desto kraftvoller und explosionsartiger suchen sie dann nach einer Erlösung, koste es auch die fürchterlichsten Verluste. Von außen gesehen mache man es sich mit der Feststellung zu einfach, solche Menschen rächten sich an ihrem Leben. Lubitz hätte gewusst, dass seine innere Krankheit es bald unmöglich machen würde, ihn noch fliegen zu lassen. Die als Depression erlebte Verletzung schlägt um in äußerste Aggressivität, mit der allen sichtbar gemacht werden soll, wie verachtenswert das Leben geworden ist, wenn es vollständig unter die Regeln der Anpassung gedrückt wird. Nicht er fühle sich krank, alle seien krank, die Grund seiner Angst seien, denen er nicht entfliehen könne. Der süße Tod sei ein inszeniertes Fanal, dessen Herr er sei, mit dem er sich und alle Erreichbaren in seine letzte und in seine größte Tat der Erlösung hineinreißt.
Читать дальшеИнтервал:
Закладка:
Похожие книги на «Sonnenfinsternis»
Представляем Вашему вниманию похожие книги на «Sonnenfinsternis» списком для выбора. Мы отобрали схожую по названию и смыслу литературу в надежде предоставить читателям больше вариантов отыскать новые, интересные, ещё непрочитанные произведения.
Обсуждение, отзывы о книге «Sonnenfinsternis» и просто собственные мнения читателей. Оставьте ваши комментарии, напишите, что Вы думаете о произведении, его смысле или главных героях. Укажите что конкретно понравилось, а что нет, и почему Вы так считаете.