„Ja, wäre Ok Film um 20.00 Uhr, dann komme ich dich um 18.45 Uhr holen. Was ist mit deinem Sohn, kommt er mit?“
„Nein, wir bringen ihn bei meiner Schwiegermutter vorbei, sein Vater kommt morgen und da freut er sich schon drauf.“
„Gut, wenn das so funktioniert, dann machen wir das auch so. Ich freue mich schon.“
„Ich auch, also dann bis morgen. Tschüssi!“
„Hm, gute Idee von ihr. Da bin ich mal gespannt, welchen Film sie sich da ausgeguckt hat.“
Mike freute sich wirklich auf den Abend. Er sorgte dafür, dass ihm heute aber auch wirklich nichts und Niemand dazwischen kam und er rechtzeitig Feierabend machen konnte. Er fuhr nach Hause, sprang schnell unter die Dusche, ein paar bequeme, sportliche Sachen und schon ging es ab. Chris und Andy warteten schon vor der Tür auf ihn, es war ein warmer Sommertag. Chris trug Sandalen, einen sündhaft kurzen Mini aus Jeansstoff und ein weißes, hautenges Spagettiträger-Shirt. Andy Jeans und ein T-Shirt.
„Hi Andy, wie geht es Dir?“
„Gut Mike. Weißt du, dass morgen mein Papa kommt?“
„Nö, du hast es mir gerade verraten.“
„Gut, oder. Ich freue mich richtig auf ihn. Er hat mich lange nicht mehr besucht.“
„Und was ist mit mir?“
„Hi Chris. Sollen wir dich auch mitnehmen?“ Mike ging auf Chris zu und gab ihr einen Schmatzer auf die Wange.
„So ist’s recht. So gefällt mir das. Also, los geht’s!“
Sie lieferten Andy bei seiner Großmutter ab und die beiden fuhren ins Kino. Was Mike sich schon dachte, ein typischer Frauenfilm, mit Ärger, Verwechslungen, Trennung, Tränen und Happy-End.
„Auch das, noch. Aber wenn Frauen schon Filme aussuchen.
Na gut. Warum nicht“ dachte er.
Chris gefiel der Film, sie brauchte auch eine Menge Papiertaschentücher. Nach dem Film hakte sie sich bei ihm ein.
„Der war richtig gut, oder?“ fragte sie fröhlich.
„Wie man’s nimmt...“
„Was magst du denn so an Filmen? Action sicher oder?“
„Nicht nur, Psychothriller ist doch auch Ok, oder?“
„Ja, ist auch meine Wellenlänge. Sag mal, noch Lust irgendwo was trinken zu gehen?“
„Ja, ich kenne da eine kleine aber gemütliche Kneipe, so im Berliner Milieu. Da gibt’s gemütliche Ecken, gute Musik, guter Wein, jou, die wäre was für uns.“
„Gut. Also auf, gehen wir dorthin.“
Von außen sah die Kneipe wie ein altes verkommenes Fachwerkhaus aus. Etwas windschiefe Butzenfenster, halbverputztes Fachwerk. Innen waren alle Wände mit altem Klinker versehen. Es gab einzelne alte Bistrotische, aber auch gemütliche Ecken. In einer dieser gemütlichen Ecken mit einem kleinen Fenster zur Straßenseite ließen sich die beiden nieder.
„Erzähl mal was von dir. Von mir weißt du ja schon einiges.“
„Was soll ich erzählen. Also. Ich habe eine ganze Zeit für Didi und Ilona gearbeitet, doch dann gab es Spannungen zwischen uns und ich habe dort aufgehört. Jetzt bin ich dabei mich mit einer kleinen Unternehmensberatung selbständig zu machen. Ein Spezialgebiet von mir ist das Personalmanagement, Aufbau einer Unternehmensphilosophie mit dazugehöriger Servicekultur und was ich auch gerne mache sind Verkaufs- und Produktschulungen. Es kommt natürlich darauf an, was mein jeweiliger Auftraggeber sich so vorstellt. Da bin ich aber ganz flexibel.“
„Da hast du dir ja ne ganze Menge vorgenommen und dann noch Andy dazu. Wie schaffst du das und wieso ging’s mit deinem Mann auseinander?“
„Wenn du alles weißt, dann bist du zufrieden wie?“
„Nun, das bringt mein Job so mit sich“ grinste Mike sie an.
„Tja, wo fang ich an?? Nun, mit Andy ist das halb so schlimm. Seine beiden Großmütter freuen sich immer, wenn sie ihn verwöhnen dürfen. Und dafür bin ich beiden sehr dankbar. Vorteil ist ja auch, dass mein Büro im Ort und nur eine Straße weiter ist. Es wird nur problematisch, wenn ich die richtig dicken Aufträge mal bekomme und ich Schulungen bei mir abhalten soll, daran darf ich noch gar nicht denken, aber das kommt später. Jetzt muss ich erst mal Fuß fassen.“
„Nun, ich kann ja mal meine Augen und Ohren offen halten. Wenn du Tipps für Prospekte oder so was brauchst, dann sag’s mir einfach.“
„Das werde ich mir merken, verlass dich drauf. Tja, warum hat’s nicht geklappt. Eine lange Geschichte....“
„Und? Ich habe Zeit..“
„Ok Wir haben uns sehr früh kennen gelernt, ich war gerade 17 und total in Franjo verliebt. Mit meinen Eltern stand ich damals oft auf Kriegsfuß, sobald ich 18 wurde und meine Ausbildung in der Tasche hatte, bin ich abgehauen und habe Franjo geheiratet. Er wollte mit aller Gewalt zum Bundesgrenzschutz. Doch da er kein Abi hatte, musste er eine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen und da hat er halt Kfz-Schlosser gelernt. Er drei Jahre und ich zwei Jahre Ausbildung, da passte das ganz genau. Ja und hier in der Nähe gab es keine Möglichkeit mit dem BGS. Als er damals die Aufnahmeprüfung in Köln ablegte, wussten wir noch nicht, dass der einzige Ausbildungsplatz des BGS damals in St. Augustin war. Also hieß es für uns: umziehen. Da wir verheiratet waren, bekamen wir über den BGS auch schnell eine ganz klitzekleine Wohnung. Doch fürs erste reichte das. Mit meinem erlernten Job kam ich da auch nicht weiter. Also jobbte ich rum. Schließlich fand ich einen tollen Job in einem Großhandelsunternehmen. Dieser Job hatte damals schon mit Personal zu tun und ich war davon einfach begeistert. Schnell durfte ich auch Fortbildungen besuchen. Wir hatten zwar wenig Geld, aber schnell viele Freundschaften geschlossen und jede Menge Spaß. Tja, dann kam eines Tages eine traurige Nachricht aus der Heimat. Meine heißgeliebte Großmutter war verstorben. Ich war sehr traurig, weil ich nicht in ihrer Nähe war. Was ich nicht wusste war, dass sie mir ein Häuschen vererbt hatte. Ihr Knusperhäuschen, wie wir es nannten. Ich freute mich schon, wieder in die Heimat zu ziehen, bis ich das Häuschen sah. Oh Mann, das hättest du sehen sollen. Als Kinder fanden wird das immer so abenteuerlustig, doch jetzt war es fast nur noch eine Ruine. Was tun? Abreißen? Umbauen? Neu bauen? Wir entschlossen uns, es zu verkaufen. Mit dem bisschen Geld, was Franjo verdiente und du weißt auch wie der Groß- und Einzelhandel bezahlt, damit hätten wir noch nicht mal die notwendigsten Reparaturen bezahlen können. Viele schöne Erinnerungen hingen an diesem alten Haus, doch was sollte ich machen? Je länger ich wartete, desto schlechter würde es sich verkaufen lassen. Also, Preis festlegen mit einer Schmerzuntergrenze und dann über einen Makler verkauft. Wir haben etwas von dem Geld auf die hohe Kante gelegt und dann noch ein paar neue Möbel gekauft. – Hihi - , und ich habe mir ein richtig schönes Besteck gekauft. Sauteuer war das. Aber das gefiel mir so gut, da konnte ich nicht nein sagen. Das habe ich sogar heute noch. Eines Tages kam Franjo und meinte, er müsse mir was zeigen. Wir fuhren mit seinem alten Käfer, Baujahr 1965. Stell dir das mal vor, was der heute für einen Wert hätte. Wäre ein richtiger Oldie und würde auch noch gut aussehen, so babyblau – hihi – mit Weißwandreifen, dieser alten Stoßstange mit den „Hörnern“ und einem Stoffschiebedach. Aaaach, ich komme richtig ins Schwärmen. War ein wirklich toller Käfer. Wo war ich denn jetzt?“
„Ich glaube, Franjo wollte dir was in der Stadt zeigen.“
„Ach ja richtig. Wir fuhren schnurstracks zu einem Autohändler. Ich fragte ihn noch was das denn jetzt solle, der Käfer würde es ja wohl noch eine Weile tun, doch er führte mich zu einem Traum aus rot. Da stand ein knallroter Porsche-Targa. Einfach heiß der Wagen. Aber der Preis. Nee, nee, das war zu teuer. Das sagte ich auch. „Ochh, bitte Chris, der würde doch gut zu uns passen. Richtig chic ist der, oder nicht?“ Ja klar, doch wovon bezahlen. Ich wollte das bisschen, was wir jetzt auf dem Sparbuch hatten, nicht so einfach ausgeben. Wir fuhren wieder zurück. Franjo war sauer. Nicht mein Problem. Doch der hat so eine Art an sich, weißt du, das ist richtig komisch. So: „Och, Mensch Chris, so ein schöner Wagen. Der gefällt dir doch auch, wenn du ehrlich bist. Und was meinst du was die anderen alle gucken, wenn wir damit aufkreuzen. Richtig neidisch werden die auf uns sein. Komm Chris, so ein tolles Auto.“ Ohhhh Mann, wenn ich heute dran denke, könnte ich noch durch die Decke gehen. Mit dieser Tour hat er mich doch tatsächlich rumgekriegt!! Mensch ich könnte heute noch platzen!!“
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