„Ojaaa. Gaaaanz schwarz. Das war wieder ein Wochenende. Immer diese Einladungen in letzter Zeit. Hier ne Vernissage, da neuer Autohändler, hier was von der Stadt, dort was von irgendeinem Kulturverein. Himmel neeee, und dann wird´s jedes Mal spät. Und gestern hat´s dann auch noch mit Julia... gekracht.., neee, neee, neee...“ stöhnte Thomas.
„Du.., mit Julia, aua, aua,... Hm, darf ich fragen...“
„Neee, darfste nich, obwohl du kannst es dir schon denken..., nee, nee, wat hab ich einen Brummschädel, aua, aua..“
„Also, fragen darf ich nicht und doch weiß ich es... Hm, entweder hast du mit nem Mädel geflirtet, das kennt Julia und sagt dir vor Ort was Sache ist, oder du hast zu tief ins...“
„Ja, is ja juut. Ich weiß, das bekommt mir nie gut... aua, haste ne Aspirin?“
„Moment mal, das war doch Samstag, wir haben doch Montag..., hab ich was nicht mitbekommen?“
„Eigentlich schon... doch nach dem Krach gestern, bin ich in die Stadt, hatte den Schlüssel aber liegen gelassen und da hat sie mich nicht mehr rein gelassen und so habe ich in meinem Büro dann geschlafen. Ich dachte du wärst die Putzfrau... aber besser Du siehst mich so, als die anderen... und... haste ne Aspirin?“
„Im Büro, komm mal mit, Kaffee ist fertig, Tasse? Ok, dann komm. Montagmorgen und mein Chef ist noch besoffen. Halleluja, Halleluja... “
„Aua!! Hör auf so zu brüllen, das tut doch weh!“
„Sorry, Strafe muss sein. So wie das aussieht, kannst du an der Besprechung nicht teilnehmen. Also, was liegt an?“
Mike reichte Thomas ein Aspirin und ein Glas Wasser.
„Danke. Ja eigentlich habe ich nur ein paar Kleinigkeiten...“
„Thomas, wenn du sagst Kleinigkeiten, dann ist das meistens ein Roman... Also,?“
„Ok Auf meinem Schreibtisch liegen die Unterlagen der letzten drei abgeschlossenen Projekte, da sind hier und da ein paar Zettelchen mit Bemerkungen, was nicht ganz so rund war. Das war´s eigentlich. Mehr hab ich nicht.“
„Wie viele Zettelchen?“
„Wirste schon sehen“ grinste Thomas schon wieder.
„Ok Taxi und ab mit dir nach Hause.“
„Nee, nee, Julia lässt mich nicht rein...“
„Wir werden sehen...“ und schon wählte Mike.
„Hallo Julia, guten Morgen.... Ja, ich weiß... ja... nein... ja... nix passiert. Ich schick in dir. Ok? Gut. Und mach schon mal einen Eisbeutel... Ok Schönen Tag noch. Komme heute Abend mal vorbei. Bis dann.“
„Was hat sie gesagt?“
„Nix.“ Mike rief ein Taxi.
„Wie, nix? Und deine... ja..., ich weiß..., nein... und so?“
„Nein nichts Besonderes. Ok Taxi ist auch unterwegs. Also, ab mit dir nach Hause.“
„Erst noch den Kaffee austrinken. Ok? Sag mal, wieso gehst Du eigentlich wieder tanzen?“
„Oh, hat das sich schon bis zu dir rumgesprochen?“
„Du weißt doch, ich erfahre alles“ grinste Thomas.
„Weil´s mir Spaß macht und ich glaube ich könnte mich richtig dafür begeistern. So wie damals.“
„Du meinst, als wir noch zusammen Kampfsport machten?“
„Ja, genau. Und da wir schon was älter sind, wäre das doch die körperlich schonendere Art wieder Kondition zu bekommen, oder meinst Du nicht.“
„Ja, für dich, doch ich kann ja noch nicht mal nen Takt zählen, dann bleib ich lieber bei meinen Pferden. Willst du das sausen lassen. Du bist doch bei uns im Vorstand.“
„Nee, das nicht, doch als Ausgleich hier zum Job. Du weißt doch, dass ich das Reiten sicher nicht schleifen lasse, macht mir genau so viel Spaß. Ach ja, weißt du, wer meine Tanzpartnerin ist?“
„Ja, dann ist ja gut. Tanzpartnerin? Keine Ahnung, wen Du da aufgegabelt hast. Sag schon ist sie hübsch? Aua.. mein Brummschädel..“
„Hübsch?? Carmen und hübsch? Nun ja..“
„Carmen?? Unsere Carmen aus der Kampfschule etwa?“
„Ja, genau, Pascal schleppte sie mit an.. der und Vanessa haben nie den Kontakt zu ihr verloren. Komisch oder?“
„Hast Recht, Carmen, so richtig nett nicht, die war mehr Junge als Mädchen..., damals. Ist das Taxi da? Dann fahr ich wohl besser. Sorry, war wohl nicht ganz Ok“
„Hey, du bist der Boss, du kannst machen was du willst...“
„Ja, ja, und hab die alleinige Verantwortung...“ grummelnd verschwand Thomas.
Mike ging in Thomas Büro und schaute sich die Unterlagen an. Es waren eine ganze Menge „Zettelchen“ die Thomas dazwischen gelegt hatte. Mike überflog die Unterlagen und stellte dabei fest, dass er sich eigentlich die gleichen Notizen zu den Fällen gemacht hatte. Also hatten Thomas und er mal wieder die gleichen Gedanken ohne miteinander gesprochen zu haben.
„Es hat sich nichts geändert, alles wie früher. Wir haben die gleichen Gedanken, das gleiche Gespür und Meinungen. Irgendwie komisch. Gut das es so ist. Na dann ab in die Besprechung.“
Es wurde ein harter Tag. Wie versprochen fuhr Mike am Abend noch einmal kurz bei Julia und Thomas vorbei. Nach dem harten Tag folgte eine genauso harte Woche. Thomas hatte sich für den Rest der Woche frei genommen „...muss da wohl was gerade bügeln“ sagte er ihm am Telefon. Mike grinste vor sich hin.
„Ok, macht euch eine schöne Woche. Hier wird´s schon laufen. Bis Montag.“
Endlich Freitagabend. Die Woche lief mit dem üblichen Chaos ganz gut. Alle neuen Projekte lagen im Terminplan. Mike war zufrieden. Heute Abend wollte er mal wieder zu Charles auf den Reithof und mal wieder ein paar Runden drehen. Direkt vom Büro aus fuhr er zum Reiterhof. Charles nicht nur ein freier Mitarbeiter der Agentur, sondern auch Teilhaber am Reitstall, den er mit seinem Bruder Peter-Josef gemeinsam unterhielt. Zuerst schaute Mike mal ins Reiterstübchen. Von dort konnte man durch die große Glasscheibe in die Reithalle sehen. Er trank einen Kaffee und machte sich auf die Suche nach Charles, um zu fragen mit welchem Pferd er denn heute mal ausreiten konnte. Er fand ihn schließlich in der Boxengasse.
„Hey, schön dich mal wieder bei uns zu sehen.“
„Ja klar, wenn du schon keine Zeit hast uns zu helfen, bleibt ja alles am Rest der Mannschaft hängen.“
„Ja, ja, ist ja schon gut. Durch den Neubau war hier auch einiges los...“
„Omannoee, was seid ihr in letzter Zeit alle so empfindlich geworden. Wir hatten doch abgemacht, dass du erst wieder zur Verfügung stehst, wenn hier alles läuft.“
„Ja, stimmt, aber du kannst einem mit so einem Spruch direkt ein schlechtes Gewissen einreden...“
„Gut, dann könne wir ja sicher bald mit deinem Erscheinen rechnen, oder?“ grinste Mike.
„Hm, ab Montag..“
„Ok gebongt. Wen kann ich zum Ausreiten haben?“
„Jetzt hast du wieder was du wolltest. Ok Ich komme am Montag. Nimm die „Gräfin“. Denk nur dran die ist rossig“ grinste Charles
„Ja, danke. Ist das der Dank? Nee, du bist auch nicht besser.“
„Wie war das, eine Hand wäscht die andere??“
Er holte die „Gräfin“ aus der Box, putzte und sattelte sie und ab ging es in die Reithalle. Nach gut einer Stunde brachte er sie zurück in die Box, sattelte ab, rieb sie trocken, gab ihr noch ein paar Leckerlies und ging wieder ins Reiterstübchen. Charles stand diesmal hinter der Theke und bediente.
„Hey Mike, Kaffee oder Bier?“
„Nee, kein Bier. Gib mir nen schönen großen schwarzen Kaffee.“
„Ok, kommt sofort, habe nämlich gerade frisch gebrüht.“
„Wie zu deiner Mutters Zeiten?“
„Ja, mit der Hand..“
„Dann ist er gut.“
„Hey, war das dein Ernst mit Montag?“
„Klar. Wir bekommen immer mehr Aufträge und wir werden langsam zu klein. Mir wäre ganz lieb, wenn du bei uns fest arbeiten würdest. Frag Thomas mal in diese Richtung, wenn du nächste Woche kommst. Wir können wirklich jede Hilfe gebrauchen. Du kennst dich doch aus im Fach. Wenn irgendjemand was sucht, oder sich verändern möchte, schick ihn zu Thomas. Wir müssen uns vergrößern. Doch Thomas entscheidet und nicht ich. Er ist immer noch der alleinige Boss.“
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