Grace runzelte die Stirn. »Eine Messe vermute ich? Hättest du mir wirklich früher sagen können, Andrew! Jetzt muss ich alles umwerfen!«
Er schaute sie fragend an. »Ich verstehe kein Wort, Grace! Ich muss doch nach London, nicht du. Haben wir nächste Woche vielleicht wieder eine Party auf der wir nicht fehlen dürfen?«
»Aber nein, doch nicht um diese Zeit. Da würde niemand kommen. Nein, keine Party. Aber Andrew, ich werde dich begleiten! Um meine Termine mach‘ dir mal keine Sorgen, die werde ich schon absagen können.«
Er sah seine Frau so sprachlos an, dass selbst sie sofort merkte, dass da etwas nicht stimmte.
»In London war ich schon lange nicht mehr. Wird bestimmt Spaß machen mal wieder ausgiebig shoppen zu gehen.«
Er sah sie immer noch mit offenem Mund an.
Grace runzelte etwas die Stirn. »Stimmt etwas nicht? Was ist denn mit dir?«, fragte sie.
»Du, du willst mit?« Er stotterte verdattert.
Sie lachte leise auf. »Aber Andrew, du tust ja gerade so, als wärst du darüber entsetzt!«
»Entsetzt? Ich?«, log er hastig und fügte nach einer kurzen Pause hinzu: »Aber nein!«
»Na, siehst du? Du hast mir neulich doch selbst gesagt, wie langweilig es für dich immer ist, allein auf Reisen gehen zu müssen. Und überhaupt kannst du so schlecht Koffer packen und dergleichen. Na ja, andere Männer in deiner Position nehmen ihre Sekretärin mit ... Ach, weißt du, meine Freundin hat mir die Tage erst ihr Leid geklagt. Aber du bist ja nicht so. Und weil es dir nicht behagt, habe ich mir vorgenommen, jetzt wo doch die Kinder alle aus dem Haus sind, dich zu begleiten, wenn ich Lust dazu habe. Mal sehen wie es mir gefällt. Du siehst, Andrew, ich versuche wirklich mein Bestes!«
Er schluckte tapfer. »Aber Liebes, das kann ich einfach nicht von dir verlangen, wirklich nicht.«
Sie lächelte ihn an. »Du bist einfach zu gut, Andrew. Das sag‘ ich immer. Du meldest dich nicht. Auch jetzt nicht, wo du doch so müde bist. Warum stellst du nicht endlich einen Geschäftsführer ein?«
Er konnte ihr darauf jetzt keine Antwort geben, denn er war mit seinen Gedanken bei seiner Sekretärin. »Du brauchst dich wirklich nicht überstürzen, Grace! Es stehen laufend Messetermine an!«
»Hör mal, du redest so, als würdest du mich plötzlich nicht mehr mithaben wollen!«
Er lachte kurz auf. Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Aber das kann und darf ich dir nicht sagen! »Nein, nein«, meinte er hastig. »Ich bin nur völlig verblüfft. Weißt du, ich hab‘ ...«
»... es nicht erwartet, nicht? Ach, weißt du, Andrew, es wird mir auch ganz gut tun, wenn ich mal rauskomme. Ja, ich habe auch schon mal daran gedacht in der Firma zu arbeiten. Jetzt wo mich die Kinder nicht mehr brauchen. Schließlich bin ich ausgebildete Übersetzerin!«
Dem Ehemann brach langsam der Schweiß aus.
»Werden die anderen Herren auch ihre Frauen mitbringen?«
»Wie …? Das weiß ich nicht. Bisher ist das nicht vorgekommen. Ich weiß es aber nicht.«
»Da kann man mal wieder sehen, wie wenig Ahnung du hast! Man muss doch Sekretärinnen von Ehefrauen unterscheiden können.«
»Ja, mag sein, aber ich habe noch nie darauf geachtet.« Um sich nicht doch noch zu verraten, griff er hastig zu einem Buch. Jetzt hatte ein wenig Ruhe vor Grace. Hinter dem aufgeschlagenen Buch konnte er in aller Ruhe über die veränderte Situation nachdenken. Eines jedenfalls hatte sein Freund Kingsley wirklich geschafft, nach langer Zeit fühlte Andrew sich mal wieder wie ein Lausejunge, den man bei einem Streich ertappt hatte. Um Himmels willen, schoss es ihm durch den Kopf, wenn Grace morgen mit meiner Sekretärin telefoniert, um vielleicht Einiges zu erfahren? Die Buchstaben tanzten ihm vor den Augen. Was soll ich nur machen? … Dave, da hast mir aber was eingebrockt! Plötzlich hatte er eine sehr gute Idee. Kingsley war ein Freund und ein richtiger Freund half in jeder Lebenslage. Langsam beruhigte er sich wieder. »Ich gehe schlafen«, sagte er zu seiner Frau.
»Geh nur, ich komme auch gleich«, versprach sie ihm und warf ihm einen Kussmund zu.
***
Kapitel 5
Endlich war Feierabend und Faith machte sich auf den Heimweg. Sie stieg in ihren kleinen knallroten Wagen, ließ die Zündung an und den Motor kommen, und freute sich riesig auf ihre liebgewonne Feierabend-Zigarette, wie sie den Tabakstengel nannte. An der Schachtel Lucky Strikes steckte ein Zettel, den sie bislang nicht wahrgenommen hatte.
›Warte auf Dich!
Zieh‘ dir was Heißes an!
Wird sicher aufregend!
20 Uhr?
Mary.‹
Faiths Hand zitterte ein wenig. Mary hatte sie heute völlig aus der Bahn geworfen. Nach der Berührung hatte sie sich unsicher gefühlt. Immerzu hatte sie das Gefühl rot anlaufen zu müssen, wenn sie ihre Kollegin ansah. Sie wusste nicht wie sie reagieren sollte.
Schon wieder kamen ihr die wildesten Phantasien und in gewisser Weise erregte es sie. Nie zuvor in ihrem Leben hätte sie sich auch nur im Entferntesten vorstellen können etwas mit einer Frau anzufangen, sie war schließlich nicht unzufrieden mit ihrem Sexleben; dazu brauchte es keinen festen Freund an ihrer Seite. Sie war unsicher ob sie Marys Einladung annehmen würde. Nichts wäre danach wie zuvor.
Und trotz all dieser Nervosität und Unsicherheit lief sie ins Badezimmer und ließ sich ein Bad ein, etwas was sie gewöhnlich nach Feierabend nicht tat. Sie zog sich aus und schlüpfte in ihre flauschigen Hausschuhe. Nackt, wie sie war, kochte sie sich einen Tee, während das Wasser in die Wanne einlief.
*
Das Bad hatte ihr gut getan. Wieder waren ihre Gedanken bei Mary und dem was sie erleben könnte, wenn sie sich darauf einließ.
» Warte auf Dich! Zieh‘ dir was Heißes an! « So hatte Mary es in ihrer Notiz geschrieben.
Faith lächelte, als sie sich dabei ertappte wie sie gedankenverloren im Schlafzimmer vor ihrem geöffneten Kleiderschrank stand. Als sie ihre rote Lieblingskorsage vom Bügel nahm, wusste Faith, sie würde Marys Einladung annehmen.
***
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