„Sind Sie bereit?“
„Ja.“
„Haben Sie Lord Horst Debenham ermordet?“
„Nein!“ Auch wenn Lord Francois de Honc selbst ein wenig unsicher zu wirken schien, der Lügendetektor war es nicht – und er bestätigte die Aussage seiner Lordschaft.
„Das war’s dann auch schon“, nickte Ethan. „Mit Ausnahme von einem Detail. Man hat am Tatort etwas gefunden, was nicht dorthin gehörte.“ Er deutete auf einen kleinen, goldenen Ring, den der Lord an der Hand trug. „Man hat diesen Ring dort hinterlassen – wahrscheinlich, um den Tatverdacht auf Sie zu lenken. Er war völlig blutverschmiert, als man ihn gefunden hat. Ich fürchte, in nächster Zeit wird der Täter seine Zeitmaschine benutzen, um Sie zu bestehlen. Informieren Sie bitte umgehend Constabler Jones, wenn dies geschehen ist.“
„Selbstverständlich.“ Lord de Honc nickte.
„Dann dürfen wir uns verabschieden“, meinte Ethan, ließ noch einmal seinen Blick über die malerische Landschaft schweifen, dann machten sie sich auf den Weg zu ihrer Zeitmaschine.
„Und…“
„…jetzt?“ beendete Cause die Frage seines jungen Mitreisenden.
„Woher wussten Sie, dass ich das fragen würde?“
„Es ist die nahe liegende Frage. Jetzt“, lächelte Ethan, „haben wir ein ganz besonderes Ziel.“
Die Tür der Zeitmaschine öffnete sich und sie standen vor…
„Die Asservatenkammer?“
„Ja“, lächelte der Detective. Er sprang voller Energie auf den Fußboden und lief zum Schalter. Innerhalb weniger Sekunden hatte er das gefunden, was er haben wollte. Tenant trottete ihm hinterher. Als er den Schalter ebenfalls erreichte, kam dort bereits das an, worauf sein Vorgesetzter gehofft hatte.
„Und was wollen wir hier?“
„Ich dachte, das wäre offensichtlich.“
„Aber Sie haben doch die Liste der Dinge, die am Tatort gefunden wurden, bereits gesehen.“ Tenant deutete auf den Block, den ihnen Constabler Jones gegeben hatte.
„Ja, aber ich habe sie nicht gelesen.“
„Bitte?“
„Sehen Sie, ich versuche, die Zeitlinie so wenig wie möglich zu verändern – auch, wenn’s mir eigentlich scheißegal sein könnte. Ich kann behaupten, es wurde etwas gefunden, wenn ich weiß , dass nichts gefunden wurde – und hinterher wird’s dann doch gefunden und ändert die Fakten ein wenig. Das ginge, muss aber nicht sein. Ich habe also einfach behauptet , es wäre etwas gefunden worden – und da ich es vorher nicht wusste , hat das so gesehen nichts verändert.“ Er deutete auf die Liste. „Und tatsächlich wurde etwas gefunden.“
„Ich weiß“, seufzte Tenant, der sich ein bisschen unterfordert fühlte, „und zwar ein Knopf, eine Nadel und eine Brosche. Ich hab aufgepasst, müssen Sie wissen.“
„Offensichtlich haben Sie das… nicht!“
„Bitte?“
„Schauen Sie nach, was gefunden wurde.“
„Ein… Knopf. Ja.“
„Und was sagt Ihnen das?“
„Der Knopf war von Lord Horatio von Peebles, also bedeutet das, dass wir eins wissen.“
„Und das wäre?“
„Dass er es nicht war!“
„Aha.“
„Denn Sie sagten ihm, dass einer der anderen ihm den Knopf klauen würde, um ihn blutverschmiert am Tatort zurück zu lassen und ihn damit in Verdacht zu bringen.“
„Das sagte ich ihm.“ Ethan lächelte milde. „Und wem habe ich das noch gesagt?“
„Mir und…“ Tenant dachte angestrengt nach.
„Schließen wir Sie also mal spaßeshalber als Verdächtigen aus.“
„Sie haben es… Sie haben es nur ihm gesagt.“
„Richtig.“
„Aber… also… aber die waren doch alle unschuldig.“ Der junge Beamte deutete auf den Lügendetektor. „Oder wollen Sie sagen, das Ding funktioniert nicht?“
„So la la“, gestand der Inspektor ein, „aber behalten Sie das besser für sich. Wir machen gerne einen Test und die Verdächtigen machen den auch, damit sie sich sicher fühlen. Und damit auch die Mörder die Wahrheit sagen können.“
„Was? Wie?“
„Oh, ich habe Ihnen gar nicht gesagt, wann wir die Verdächtigen verhört haben.“
„Wann? Spielt das eine Rolle?“
„Für gewöhnlich schon. Wenn die Zeit zwischen dem Verbrechen und dem Verhör lang genug auseinander liegt, haben sie die Tat bis dahin wahrscheinlich begangen – und das würde der Lügendetektor auch wahrscheinlich anzeigen.“
„Dann sollte man die Verdächtigen also am besten erst Jahre nach der Tat verhören?!“
„Nicht unbedingt, denn das wären dann ja Jahre, die sie in Freiheit verbracht haben und das möchte man bei einem Verbrecher doch eigentlich vermeiden.“
„Man könnte dann…“
„…in der Vergangenheit zurückreisen…“
„…und ihn da verhaften…“
„…und damit die Zeitlinie verändern, weil er zum Zeitpunkt des Verhörs auf freiem Fuß war?“ hakte Ethan nach.
„Verdammt, das ist aber auch kompliziert“, entfuhr es Tenant.
„Und das ist erst der Anfang. Jedenfalls werden die Leute gerne verhört, bevor sie den Mord begangen haben, denn dann können Sie noch überzeugend sagen, dass sie unschuldig waren.“
„Ah. Was? Und wann haben wir jetzt…“
„Etwa zum Tatzeitpunkt. Täter reisen, aus dem Grund, den ich gerade genannt habe, ungern in die Zukunft, um ihre Tat zu begehen, sondern lieber aus der Zukunft.“
„Das heißt, der Täter…“
„Hatte zu dem Zeitpunkt die Tat noch nicht begangen.“
„Das bedeutet…“ Tenant sah Cause ein wenig hilflos an. „Was bedeutet das?“
„Dass der Mörder weiß, dass er etwas tun muss, wenn er die Tat begeht.“
„Er weiß…“ Dem jungen Beamten ging ein Licht auf. „Er weiß, dass er etwas hinterlassen muss, von dem er annimmt, dass es darauf hindeutet, dass jemand anders es hinterlassen hat, um ihn zu belasten, aber da in Wirklichkeit niemand sonst davon weiß, belastet es nur ihn selbst!? Also konnte nur der Mörder selbst wissen, welches Beweismittel er am Tatort zurücklassen musste!“
„Perfekt.“ Ethan sprang in die Maschine.
„Und jetzt?“
„Jetzt…“
Die Maschine stand neben ihnen, ebenso Constabler Jones und ein kleines Einsatzkommando von örtlicher Polizei und Polizeiteinheiten. Eine Zeitmaschine materialisierte sich vor ihnen. Ein blutüberströmter Lord Horatio von Peebles stolperte heraus und sah sein Empfangskommitee überrascht an.
„…verhaften wir den Täter, zwar nicht auf frischer Tat, aber kurz danach – und mit allen Beweisen, die es dafür braucht. Bitte, die Ehre gebührt Ihnen.“ Cause deutete auf den verdutzten Adeligen und Lou Tenant ließ die Handschellen um dessen bluttriefende Handgelenke schnappen.
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