Nun lade ich Sie ein: Lassen Sie sich von diesem Lebenstraining herausfordern und bringen Sie mehr Frucht.
Ihr Christoph Schalk

Was Sie vor dem Lebenstraining wissen müssen
Freunde von mir bauen gerade ein Haus. Bei diesem mühsamen Unterfangen hilft ihnen zum Glück ein Architekt, der nach ihren Wünschen und Vorstellungen einen Bauplan entworfen hat und die Umsetzung dieses Plans durch die Handwerker überwacht. Ohne Bauplan geht nichts: Die Maurer wüssten nicht, an welcher Stelle sie Wände hochziehen sollten. Die Elektriker könnten weder sinnvoll Leitungen verlegen noch Steckdosen setzen. Die Installateure wären nicht in der Lage, Wasseranschlüsse an der richtigen Stelle zu montieren. Natürlich könnten alle nach Gutdünken arbeiten; am Ende würde das Haus aber kaum dem entsprechen, was sich die Bauherren erhofft hatten, geschweige denn alle Funktionen erfüllen.
Vielleicht erwarten Sie jetzt, dass ich Ihnen sage, dass auch Ihr Leben so einen Bauplan braucht. Das werde ich aber nicht tun, im Gegenteil. Ich halte es für einen Fehler, dass viel zu oft Prinzipien aus der Welt der Technik auf lebendige Systeme (das sind wir Menschen, aber beispielsweise auch Gruppen, Teams und Organisationen) angewandt werden. Das Leben war zuerst da, und so kann die von Menschen erfundene Technik von der Natur und vom Leben lernen, wie das zum Beispiel in der Bionik geschieht. Der umgekehrte Weg ist aber oft eine unnatürliche Reduktion der Wirklichkeit und hat dann meist unerwünschte Auswirkungen.
Ein Bauplan, den ein Experte entwickelt hat und der von außen bestimmt, was geschehen soll, passt nur in die Welt der Technik. Der Bauplan des Lebens dagegen ist im Leben selbst verankert: Im Erbgut, in den Genen. Er kommt von innen heraus und wird nicht von außen aufgedrückt. Er wird nicht „gemacht“, sondern er entfaltet sich. Leben entwickelt sich aus sich selbst heraus. Wachstum und Frucht sind die Folge.
Es wäre jetzt aber ein Irrtum, wenn „Leben“ als Gegensatz zu „Bauplan“ gesehen wird. Denn gesundes Leben geht immer auf einen innewohnenden Bauplan zurück, der auch eine gesunde Struktur hervorbringt. Nur wenn das Erbgut geschädigt ist, also zum Beispiel bei einer Krebserkrankung, beginnen die Zellen planlos zu wuchern. Leben ohne Struktur und Plan ist ungesund.
Gesundes Leben beinhaltet immer beides: Dynamik und Statik, Organismus und Organisation. Und für Strukturen gilt ebenfalls: Nur, wenn beide Aspekte beachtet werden, fördern sie Leben und erhalten es auf Dauer.
Ein Leben führen, das Spuren hinterlässt
Ein sinnvolles und erfülltes Leben bringt Frucht. Diese Frucht kann sich im eigenen Leben zeigen, wenn wir uns glücklich fühlen und den Sinn unseres Daseins geradezu spüren können. Die Frucht unseres Lebens zeigt sich aber noch viel mehr im Leben anderer Menschen: Wenn ich andere Menschen mit meinen Fähigkeiten und Möglichkeiten unterstütze und dadurch auch ihnen zu einem erfolgreichen Leben verhelfe. Wenn ich sie durch meine Freundlichkeit zum Lächeln bringe. Wenn ich nachhaltig prägende Spuren in ihrer Entwicklung hinterlasse. Wenn ich ihnen etwas beibringe. Wenn ich mich für soziale Gerechtigkeit einsetze. Wenn ich für Menschen in meinem Umfeld zum Vorbild werde. Wenn ich im Beruf Entscheidungen und Ziele so beeinflusse, dass gute Werte sichtbar werden.
Diese Aufzählung macht deutlich, dass ein erfolgreiches und fruchtbares Leben für jeden Menschen etwas ganz Individuelles ist. Es gibt nicht die eine Frucht, sondern eine große Bandbreite an ganz unterschiedlichen „Früchten“. Für Sie sieht Frucht anders aus als für mich. Deshalb werden Sie in diesem Bereich auch am meisten profitieren, wenn Sie sich konkret überlegen, wo Sie in Ihrem Leben mehr Frucht sehen wollen. Auf welchem Hintergrund und mit welchem Anliegen wollen Sie das Buch durcharbeiten? Bitte halten sie einen Moment lang inne und überlegen Sie, was gerade Ihr Thema ist. Am besten machen Sie sich dazu ein paar Notizen:
Wo wollen Sie mehr Frucht bringen? In Ihrem Leben insgesamt? In Ihrem Beruf? In Ihrer Rolle als Führungskraft oder Unternehmer? In bestimmten Beziehungen? In Ihrem Ehrenamt? In einer bestimmten Aufgabe, für die Sie zuständig sind?
Was könnte Frucht in diesem Bereich bedeuten? Wie würde die Frucht aussehen?
Angenommen, Sie wären da angekommen, wo sich diese Frucht schon ganz und gar zeigt: Was wäre dann genau anders als heute?
Der Weg zur Frucht
Bei aller Unterschiedlichkeit der Frucht – eine Gemeinsamkeit gibt es doch: den Weg zur Frucht. Der Reifungsprozess, den es für jede Frucht braucht, folgt bestimmten Elementen und Prinzipien, die sich in jeder Lebenssituation wiederfinden. Wenn Sie in Ihrem Leben (mehr) Frucht sehen wollen, dann können sie diese Prinzipien bewusst einüben und anwenden.
Der Weg lässt sich grob in drei Phasen einteilen: Perspektive, Position und Potenzial. Wer sich entwickeln will, braucht zunächst einmal eine Perspektive, ein Ziel. Wohin soll die Entwicklung gehen? Wie sieht denn die Frucht aus, die am Ende stehen soll? Bei der Zielsetzung (für die persönliche Entwicklung, für eine Aufgabe, für eine Organisation etc.) wird deshalb vorab festgelegt, was das Ergebnis der Aktionen und Schritte sein soll. Unser Handeln soll ganz klar von einem Ziel, einem Auftrag, einer Bestimmung geleitet sein.
Nach der Zielbestimmung (Perspektive) erfolgt die Standortbestimmung (Position): Wo bin ich momentan auf dem Weg zum Ziel? Welche Schritte habe ich schon hinter mir? Was habe ich schon erreicht? Wie habe ich das geschafft? Ich durchdenke die Ist-Situation, stelle Querverbindungen her, entdecke Zusammenhänge und sehe das große Bild. Ich weiß jetzt, wo ich stehe und wo ich hin will.
Um das Ziel zu erreichen, brauche ich aber auch bestimmte Mittel und Ressourcen. Ich muss das Potenzial nutzen, das ich in mir habe: Meine Fähigkeiten und Stärken, Menschen in meinem Umfeld, Informationen, Geld – kurz: alles, was mir als „Baumaterial“ für die Zukunft dient, die ich anstrebe.
Der Kreis schließt sich, wenn ich nach Ziel- und Positionsklärung anfange, mein Potenzial und meine Ressourcen zu nutzen und Schritt für Schritt auf das Ziel zugehe. Die Perspektive, die ich entwickelt habe, leitet mich dabei. Vereinfacht könnte man sagen: Ihr Leben wird Frucht bringen und auch Ihr Umfeld positiv prägen, wenn Sie immer wieder Ihre Perspektive und Ihre Ziele klären, schauen, wo Sie bereits stehen und dann Ihr volles Potenzial einsetzen, um Ihre Ziele zu erreichen. Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Ein wissenschaftliches Forschungsprojekt, das ich seit 1994 in einer Langzeitstudie zu Themen der Organisations-, Führungskräfte- und Persönlichkeitsentwicklung leite, zeigt, dass es darum geht, in diesem Prozess bestimmte Prinzipien zu beachten: Ich nenne sie hier Lebensprinzipien (in früheren Veröffentlichungen wurden sie auch als „organische Prinzipien“, „Wachstumskräfte“ oder „biotische Prinzipien“ bezeichnet – gemeint ist jedoch immer dasselbe).
Lebensprinzipien im Überblick
Wenn Sie etwas in Ihrem Leben und Ihrem Beruf bewirken und andere dabei mitnehmen wollen, ist es sinnvoll, einzelne Lebensprinzipien zu trainieren und in den Alltag zu integrieren. Ich stelle Ihnen diese von der Natur abgeleiteten Prinzipien an dieser Stelle kurz vor, wir werden sie auf einer Reise durchs Tier- und Pflanzenreich später genauer unter die Lupe nehmen. Außerdem werden wir so genanntes organisches Denken einüben mit dem Ziel, ein Frucht bringendes Leben führen zu können.
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