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Costa das Baleias, Küste der Wale, Porto Seguro und die anderen Flussmündungen? Schön und interessant. Auch andere sollen ihre Kolonie aufbauen.
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Rio de Janeiro. Das ist kein Fluss, das ist eine Bay mit einer engen Einfahrt. Zum Strand des Atlantiks klettert man über schroffe Berge, kraxelt eine Serpentine hoch. Schlecht zu verteidigen. Da braucht man schon mehrere Posten am Zuckerhut und der Landzunge. Und der Corcovado, gewiss ein schöner Blick, aber erst mal dort hoch, da sträubt jeder Esel. Und dann diese Indianer, die Tupinambas. Stolz, arrogant und kriegerisch. Die sollen sogar Menschen in ihre Töpfe stecken. Haben wir zwar nicht gesehen, trauen ihnen aber so etwas zu. Nein diese Kolonie kann man nur als Reserve nehmen.
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Martim Afonso de Sousa hat den größten Teil seiner Reise hinter sich. Was wird der Rest noch bringen? Werden die Siedler unverrichtet Dinge wieder zurück nach Portugal fahren? Nun sind sie schon über einem Jahr unterwegs, eine lange Zeit, in der alles zur Routine wird und die Langeweile um sich greift.
Routine auch der tägliche Eintrag des aktuellen Datums ins Logbuch: 21. Januar 1532.
Ja, das sieht doch gut aus!
Eine schone große Insel. Weitere Nachbarinseln, Kanäle für die Anlage eines Hafens. Da gibt es sogar mehrere Optionen. Die kleine Bucht am Atlantik oder einer der kleinen Meeresarme rund um die Insel. Die beiden besten Standpunkte waren die Bucht von São Vicente und der Meeresarm zwischen Santos und der Insel Santa Amaro.
Und dann steht da auch noch plötzlich ein stämmiger Landsmann am Strand, braun gebrannt, nicht alleine, mit seiner ganzen Familie, mit seiner Frau und den 11 Kindern, Caboclos, braune, kleine aufgeweckte und freche Halbblüter. Wie die Kleinen die Schiffe stürmten, rauf in die Takelage, runter unter Deck, hoch auf die Reling und mit Hechtsprüngen ins Wasser.
Martim Afonso de Sousa entschied sich für São Vicente, das sollte seine Capitania werden, São Vicente wurde seine Capitania.
Kleine Flüsse kamen vom Hinterland, der Hochebene und den Bergen der Serras und ein großer Fluss ebnete nach Norden ein Tal. Ein interessanter Küstenstreifen.
Und wie sieht es mit den Eingeborenen aus? Der Empfang der Tupiniquim war freundlich. Auf ihrem weiten Weg hatten die Portugiesen Kontakt mit den unterschiedlichsten Indianerstämmen gehabt. Man bekam ein Gespür, mit wem man auskam, wo es schwierig war, wo es schwierig blieb. De Sousa hatte gelernt zu erkennen und zu unterscheiden, welche Häuptlinge ihre Macht beweisen wollten und welche kooperativ waren, mit welchen man zusammenarbeiten konnte und mit welchen man Handel treiben konnte.
Die Tupiniquim waren bereits sesshaft und betrieben Landwirtschaft. Sie waren aufgeschlossen und an den Geräten und Fertigkeiten der Weißen interessiert. Auch lernten sie schnell den Geldhandel. Kurz es wurde ein Nehmen und Geben. Und sie hatten hübsche Frauen.
De Souza brauchte nicht lange zu fragen wer von seinen Leuten in der Kolonie bleiben und São Vicente weiterentwickeln wollte. Es gab genügend Freiwillige die eine neue Heimat gefunden hatten. Die erste Capitania, die erste portugiesische Kolonie in Brasilien war gegründet.
De Sousa blieb noch eine Weile in São Vicente. Hier war es angenehm die Berichte aufzuarbeiten, die Karten zu erstellen und den Rapport für den König vorzubereiten. Dann noch eine kurze Expedition in den Süden zur Grenzlinie zwischen Spanien und Portugal um die Aufgabe abzuschließen, seine Aufgabe die Kolonisation Brasiliens vorzubereiten.
Im Oktober 1532 kam die Erlaubnis der Rückkehr nach Lissabon.
Ein erfolgreicher Martim Afonso de Sousa verließ Anfang 1533 seine Siedlung, seine Kolonie.
Vom König João III wurde er später zum Gouverneur und Donatário der Capitania São Vicente auf Lebenszeit ernannt. Obwohl er seine Kolonie und Brasilien nie wieder gesehen hat, so hat er doch den Grundstein gelegt. Den Grundstein für das heutige Brasilien.
Die Gründung von São Paulo
Nach den ersten Expeditionen entlang der Küste war es das Ziel, das Litoral zu besiedeln. In Deutschland kennen wir diese Küstenregion nicht. An der deutschen Küste gibt es keine Gebirgszüge und die Alpen sind Hunderte Kilometer entfernt.
In Brasilien ist das auf 1500 km anders. Der Küstenstreifen ist schmal und dahinter beginnen die Serras, die Gebirge, manchmal fast 2.500 Meter hoch. Diesen Küstenstreifen nennen die Brasilianer Litoral.
Das Litoral hatte man als Erstes in der Capitania São Vicente überwunden. Das Litoral von São Vicente ist schmal mit einigen der Küste vorgelagerten Inseln. Dahinter erhebt sich eine Wand, eine Wand von 700 m. Der Beginn einer Hochebene, die Hochebene von Piratininga.
Erster Siedler dieser Hochebene war João Ramalho. Er hatte bereits 1512 seine Heimat Portugal verlassen und suchte die sagenhafte Insel Paradies, der Ilha do Paraíso. Das Schiff war vor der Küste der Insel São Vicente gestrandet und so ging es für die kleine Mannschaft, ohne Hoffnung auf Rückkehr nach Portugal, ums nackte Überleben. Ramalho stieg auf die Hochebene und versuchte dort oben eine Farm zu gründen. Die Erde war fruchtbar und es gab gute Ernten. Nur leider hatte João das falsche Stück Land ausgesucht. Er war in das Gebiet der Tupinambas geraten und bekam nur Ärger. Beinahe hätte er aufgegeben.
Doch dann traf er auf Tibiriçá. Tibiriçá war Häuptling der Tupiniquim. Tibiriçá, das ist die Zusammensetzung der Wörter der Tupí Sprache yby = Erde und esá = Auge, oder frei übersetzt: "Augen der Erde". Oder traf João zuerst Mbicy?
Jedenfalls lud Tibiriçá João ein in seinem Gebiet eine Fazenda anzulegen. Beide wurden Freunde, und nicht nur Freunde. Beide, Tibiriça und João lernten voneinander, beide profitierten von der neuen Zusammenarbeit.
João verliebte sich in Mbicy und Mbicy verliebte sich in João. Tibiriça wurde vielfacher Großvater und irgendwo wird zitiert, dass mehr als eine Million Brasilianer von seiner Tochter Mbicy abstammen sollen. Die Fazenda von João und Mbicy entwickelte sich und auch ein weiterer Gestrandeter wurden Siedler auf der Hochebene.
Als dann 1532 Martim Afonso de Sousa mit seinen fünf Schiffen und den Siedlern und Soldaten in São Vicente landete und Zuckerrohr Setzlinge mitbrachte, ließen sich weitere Siedler hier auf der Hochebene nieder.
Bis 1549 ging alles gut. Ob Indianerin oder Portugiese, ob Cabolco oder Cabolca, ob Mameluca oder Mameluco, die Gemeinschaften wuchsen. Leider nur in São Vicente und Pernambuco.
Die anderen Capitanias waren nicht so erfolgreich. Aber wenigsten doch so erfolgreich, das die Regierung in Lissabon und König João III sich für Brasilien zu interessieren begann. Für Brasilien? Ja seit der Zeit der Capitanias hatte das Land jetzt wenigsten einen eigenen Namen und nicht mehr "Land des heiligen Kreuzes"
1549 wurden zwar die Capitanias nicht abgeschafft, aber die Erblichkeit der Lehen wurde gestrichen und eine einheitliche Kommandozentrale in Salvador eingerichtet.
Waren es die vielen persönlichen Schicksalsschläge, waren es die Heiraten im engen Familienkreis? König João III hatte zwar oft die Geburt einer Tochter, die Geburt eines Sohnes erlebt, aber nur ein Enkel und ein Bruder konnten ihm auf den Thron folgen, der Thron der dann doch schon 1580 vakant wurde und in Personalunion an Philipp II von Spanien viel.
Waren es diese Schicksalsschläge, war es ein Erdbeben das Lissabon erschütterte, oder war es die Zeit der aufkommenden Kirchenspaltung, oder waren es alle diese Gründe.
Auch in Portugal setzte sich die Inquisition durch, auch in Portugal stärkte sich der Einfluss der Jesuiten. So bekam Brasilien nicht nur eine einheitliche Hauptstadt und einen General-Gouverneur, Brasilien bekam auch die Mission der Jesuiten. Und wo Siedler und friedliche Indianer zusammenlebten, waren damals die Jesuiten nicht weit.
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