Die spanischen Könige hielten sich juristisch korrekt an diese Bulle. In den spanischen Kolonien gab es keine indianische Sklaven. Dafür gab es Encomiendas, Mitas und Jesuitenreduktionen.
Encomiendas wurden von der spanischen Kolonialbehörde an Großgrundbesitzer vergeben. Der Großgrundbesitzer bekam Land und war für die Ureingeborenen verantwortlich. Er hatte sie in christlichen Glauben zu erziehen, sie hatten für ihn zu Arbeiten und ihm zu gehorchen. Offiziell war es also keine Sklaverei.
Mitas waren Frondienste der Inkas. Diese Form des Arbeitseinsatzes wurde auch von den Spaniern übernommen. Der Silberberg von Potosi im heutigen Bolivien wurde nach dem Mita System betrieben.
Jesuitenreduktionen waren christliche Glaubens- und Arbeitsgemeinschaften der bekehrten Ureinwohner. Sie wurden geleitet von zwei oder mehreren Jesuiten. Ora et labora – Beten und Arbeiten, nach diesem Prinzip organisierten die Jesuiten ihre Missionsstationen. Die Jesuiten bauten eine Kirche, bekehrten die Indianer, legten mit ihnen Felder an, bewirtschafteten das Land und folgten einem täglichen kirchlichen Rhythmus. Für ihre Schützlinge, den Indianer bedeutete dieses Leben eine Art lokaler Freiheit.
Engländer, Holländer, Franzosen und Portugiesen hielten sich nicht an die päpstliche Bulle. Der Sklavenhandel war ein einträgliches Geschäft. Jeder suchte diesen Handel zu beherrschen.
Grund für die Holländer auf amerikanischer und afrikanischer Seite portugiesische Kolonien zu erobern.
Das spanische Gouvernement Paraguay
Die Kolonien Paraguay und Rio de la Plate im Vizekönigreich Peru.
Der Rio de la Plata und das Land nördlich bis zur Stadt Laguna im heutigen Bundesstaat Santa Catarina war spanisches Gebiet.
1536 gab es den ersten Versuch Buenos Aires zu gründen. Aber man hatte die falsche Jahreszeit gewählt.
Auf der Südhalbkugel beginnt der Herbst, wenn sich in Europa der Frühling anzeigt. Es war Februar und damit nicht gerade die richtige Jahreszeit, um am Rio de la Plata die erste Kolonie zu errichten. Und der Empfang der Ureinwohner war alles andere als freundlich.
So segelten die Spanier die Flüsse Paraná und Paraguay hoch und gründeten 1537 Asunción und das Gouvernement. Was zuerst am Rio de la Plata nicht gelang, gelang hier.
War es Zufall, war es Glück, war es der Wille, die zweite Chance nicht verstreichen zu lassen? Gab es ein Entgegenkommen der Guarani, den Indianerstamm, die in diesem Landstrich ihren Lebensraum und ihre Heimat hatten.
Fest steht, Asunción war für die nächsten Jahre ein solides Zentrum, die erfolgreiche Basis der Spanier, Ausgangspunkt zur Kolonisation des Südens von Südamerika.
Es muss auch wohl ein Anziehungspunkt, ein begehrtes Ziel für Abenteurer aus Europa gewesen sein, wollten doch Männer, wie der aus Hessen stammende deutsche Landsknecht Hans Staden, dort ihr Glück versuchen.
Hans Staden ist zwar nach dem Schiffbruch südlich von São Vicente bei den Portugiesen geblieben, aber übrige Gestrandete zogen lieber nach Asunción weiter und schließlich wurde dann doch noch Buenos Aires gegründet.
1617 wurde das Gouvernement getrennt und es gab zwei separate Regierungen Rio de la Plata in Buenos Aires und Paraguay in Asunción.
Theoretisch gehörten gemäß dem Vertrag von Tordesillas zu diesen Gouvernements große Teile im Süden und im Westen Brasiliens. Ganz Mato Grosso do Sul, ganz Rio Grande do Sul und die größten Teile von Santa Catarina und Paraná. Auch Teile von São Paulo waren dabei.
Die beiden Gouvernements gehörten dem Vizekönigreich Peru, zu dem dann auch noch theoretisch das ganze Amazonasbecken und das zentralbrasilianische Hochland und damit die heutigen brasilianischen Bundesstaaten Acre, Rondonia, Roraima, Amazonas, Amapá, Pará, Mato Grosso und Goiás zählen.
Erste Verwaltungsstrukturen der Portugiesen in Brasilien
Nach sorgfältigen Erkundungen durch Amerigo Vespucci und Anderen hatten die Portugiesen ihren langen Küstenstreifen kartografiert.
Amerika stand aber nicht im Fokus. Nur wenige Siedler verirrten sich, und wenn sie blieben, wurden sie Mittglieder einer indianischen Gemeinschaft.
Da waren die Franzosen schon eher aktiv. Die Franzosen interessierten sich für das die rote Farbe spendende Brasilholz. Die Franzosen handelten mit den Ureinwohnern, bauten Faktoreien zur Holzverarbeitung und führten einen einträglichen Handel.
Das war nicht im Sinne der Portugiesen. Vielleicht war es eine Notlösung, die Expedition von Dezember 1530 bis 1533 unter Martim Afonso de Sousa. Diese Expedition aber wurde zu einem Meilenstein und sie bildete ein Fundament für das heutige Brasilien.
De Sousa, mit Siedlern und Soldaten an Bord, segelte die ganze Küste ab, zerstörte und beschlagnahmte französische Schiffe und Faktoreien. Sie zeichneten See- und Küstenkarten und gründeten schließlich im Südosten Brasiliens eine Kolonie.
1532 erhielt de Souse die Erlaubnis nach Lissabon zurückzukehren, wurde mit Ehrungen überhäuft und bekam neue Aufgaben im großen Geschäft Asien.
Was sollte jetzt König João mit all den Informationen, mit der neuen Sieldung und mit der ganzen langen Küste und seinem Hinterland anfangen?
Ein Professor hatte die Idee. Diogo de Gouveia, Rektor der Universität Sorbonne, Paris schlug ein altes und bewährtes System vor. Kein Reich eines Vizekönigs sollte es sein. Nein die Ländereien sollten als erbliche Lehen an portugiesische Notable vergeben werden.
Jetzt muss man nur noch wissen, wie das Land aufgeteilt werden soll. Wie viele Teile soll es geben, und wo liegen die Grenzen?
Am portugiesischen Hof wird es da sicherlich genügend Spekulationen und Intrigen gegeben haben. Und was sind die besten und profitabelsten Lehen? Was kostet das? Wer stellt die Schiffe? Wer finanziert wen? Welche Familie, welcher Clan bekommt welches Lehen?
De Sousa und sein Bruder Pero, der so erfolgreich französische Schiffe eingenommen hatte, wurden mit je zwei dieser Lehen bedient.
1534 teilte König João III 1534 Brasilien in 15 Landabschnitte.
Die Genauigkeit dieser Arbeit sieht man daran, dass die brasilianische Atlantikküste heute 17 Bundesstaaten kennt, zum Teil mit identischen Grenzen.
12 adlige Portugiesen bekamen 15 Landstriche, 15 Capitanias gingen an 12 Donatários. Zum Teil lagen die Capitanias weit auseinander. Zum Teil gingen Capitanias an mehrere Adelige. Nicht gerade praktisch und praktikabel. Lange hielten es die Adeligen in der Wildnis nicht aus. Einige kamen nie an. Andere zog es schnell wieder zurück nach Portugal. Nur Pernambuco und São Vicente konnten sich entwickeln. Eine Capitania Rio de Janeiro gab es damals noch nicht.
König João III ernannte einige Jahre später einen General-Gouverneur für ganz Brasilien. Salvador wurde 1549 erste Hauptstadt dieser neuen Kolonie.
Brasilien war zu Beginn nur eine lange Küste mit vielen wunderbaren Stränden, Wäldern, Flussmündungen und Küstengebirgen. Es reichte von der Mündung des Amazonas bis in Serra do Mar von Santa Catarina.
Capitania do Maranhão 1
Ilha de Marajó bis zur Mündung des rio Gurupi
Donatários 1535: João de Barros und Aires da Cunha
Bundesstaat heute: Para, gleiche Grenze.
Capitania do Maranhão 2
Mündung des rio Gurupi bis rio Parnaíba
Donatário 1535: Fernando Álvares de Andrade
Bundesstaat heute: Maranhão, gleiche Grenze.
Capitania do Ceará
Parnaíba bis Fortaleza
Donatário 1535: Antônio Cardoso de Barros
Bundesstaaten heute: Piauí und Ceará.
Strände heute: Costa Sol Poente mit Jericoacoara
Capitania do Rio Grande
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