Ich stoppte kurz, dann fuhr ich etwas unsicher fort: "Ach ja und er hat sofort gemerkt, dass ich verliebt bin." Andi und Chris schwiegen einige bedrückende Sekunden lang, die heitere Stimmung war wie weggeblasen und ich machte mich schon darauf gefasst, wie sie mir gleich offenlegen würden, dass sie Gefühle dieser Art für mich nicht hegten. Doch Andi durchbrach mit etwas anderem die schwere Atmosphäre: "Schaut mich mal an, ich bin total eingesaut. Irgendwie muss das Zeug auch wieder runter, meint ihr nicht?" Chris unterbreitete sofort den Vorschlag, zusammen duschen zu gehen, um uns von dem Schweiß und dem Massageöl zu befreien und damit auch Andi das eingetrocknete Sperma auf seinem Bauch loswurde. Ich zog mich ganz aus und gemeinsam gingen wir ins Bad. Leider mussten wir aber feststellen, dass maximal zwei von uns in die Duschkabine passten und so bestand Andi darauf, dass ich mir mit Chris die Kabine als erstes teilen sollte. Auch das gegenseitige Einseifen und die zärtlichen Berührungen von Chris konnten meine Stimmung nicht wieder aufhellen. Das gerade hatte mir etwas Wichtiges gezeigt.
Auf der einen Seite dachte, ich dass es vielleicht noch viel zu früh war, um über Gefühle zu reden aber auf der anderen wusste ich auch, dass es für Sex ja schließlich auch noch nicht zu früh gewesen war. Ich war eigentlich niemand, der sich schnell in irgendwelche Typen verliebte aber wenn sie so perfekt waren, wie Andi und Chris, dann schaltete bei mir im Kopf wohl der Verstand aus, hatte ich doch solange diesen einen speziellen Traum gehegt und mir so sehnsüchtig herbeigewünscht. Etwas derartiges war mir noch nie passiert, eigentlich war ich immer jemand, der sehr vorsichtig und zurückhaltend mit seinen Emotionen war und lieber kein Risiko einging. - Ich erkannte mich ja selbst kaum wieder!
Die Männer, die ich in meinem Leben jemals geliebt hatte, konnte ich an drei Fingern abzählen. Aber Andi und Chris waren etwas ganz Besonderes für mich und das was wir teilten war einzigartig. Die Art, auf die wir uns so selbstverständlich verstanden, der zärtliche Umgang miteinander und die kompromisslose Hingabe, die ich nie ohne ein gewisses Maß an Vertrauen möglich gewesen wäre.
Ich rieb gerade Chris mit einer großen Portion Duschgel ein und er schmunzelte mich dabei einfach nur unverhohlen an. Was wollte er mir damit bedeuten? Vielleicht: Mach dir nichts aus deinen Gefühlen, wir vögeln trotzdem weiter mit dir?' Ich nahm diesen Moment des Schweigens, der nach meiner Äußerung folgte, als ein klares Nein, wir empfinden aber nichts für dich!', wahr und mir wurde bewusst, dass diese Bindung zwischen uns, eventuell doch nicht so perfekt sein könnte, wie ich anfangs dachte. Klar, es wäre schließlich zu schön gewesen, nicht? Zwei junge Männer, deren Schönheit mir den Atem raubte und deren Sex mich noch viel weiter zum unendlichen Horizont des Wahnsinns trieb, da musste doch unweigerlich irgendwo ein kleiner Fehler verborgen sein! Nun wurde mir dieser eben gnadenlos vor Augen geführt und beschmutzte meine zuvor überschwängliche, allzu sorglose Freude. Spätestens nach dieser erneuten Niederlage mit Erik hätte ich vorsichtiger sein sollen', schalt ich mich selbst.
Chris hatte sich nun das Shampoo vollständig vom Körper gespült und gab mir immer noch mit einem Lächeln, die Brause in die Hand: "Hier, ich gehe rüber und sag Andi Bescheid, dass er jetzt dran ist." Ich nahm den Duschkopf in die Hand und ließ mir das heiße, dampfende Wasser geistesabwesend über die Schultern laufen. So stand ich jetzt da, mit den zwiespältigsten Gefühlen in meinem Herzen, die ich jemals gefühlt hatte und versuchte nicht zu weinen. Chris bemerkte es scheinbar noch nicht einmal, wie schlecht es mir ging, denn er war sofort aus dem Bad verschwunden. Es dauerte zwar beinahe eine halbe Ewigkeit, bis Andi endlich reinkam aber ich stand immer noch da. - Den Duschstrahl über meine Schultern gerichtet und mit leerem Blick nach unten, beobachtete ich, wie das Wasser unaufhörlich den Ausguss hinabfloss. Andi fiel mein Zustand sofort auf: "Hey, was ist denn los? Geht es dir nicht gut?" Er versuchte mir in die Augen zu blicken aber ich wendete meinen Kopf ab: "Nein, es ist alles in Ordnung. Ich bin nur ein bisschen erschöpft." Obwohl Andi mir darauf nicht keine Fragen stellte und ich ihn nicht ansah, konnte ich dennoch ganz deutlich spüren, dass er mir diese Ausrede nicht abnahm.
Ich stieg aus der Dusche und fasste nach dem nächst greifbaren Handtuch, um mich abzutrocknen. Ehe ich mich versah, war Andi schon unter die Dusche gesprungen und ließ sich das Wasser über den Kopf laufen. Daraufhin verließ ich das Badezimmer, suchte meine Klamotten im Schlafzimmer zusammen und hielt inne: Hatte ich meinen Rock nicht auf die Sessellehne geworfen? Wieso lag er denn jetzt auf dem Bett? Ich schaute mich um und kam zu dem Schluss, dass er wahrscheinlich heruntergefallen war und einer der Jungs ihn wieder aufgehoben hatte.
Chris saß vorm Fernseher und nachdem ich mich wieder angezogen habe, gesellte ich mich zu ihm auf das ramponierte Sofa. "Und?", fragte er mich, "Hat es dir gefallen, was du zu sehen bekommen hast?" Obwohl mich der Anblick der beiden beim Sex sehr angemacht hatte, brachte ich immer noch enttäuscht, nur ein knappes: "Ja, das hat mir sehr gefallen." heraus. Unterdessen ich immer noch versuchte, die peinliche Situation von vorhin irgendwie zu vergessen, fielen dicke Wassertropfen von meinen langen nassen Haaren auf meine Brüste. In Gedanken beobachtete ich, wie sie sich erst den Weg durch die Haarspitzen bahnten, sich schließlich an der untersten Stelle sammelten und als großer warmer Tropfen über meinen Busen perlten.
Andi war mit der Säuberung seines Körpers schnell fertig und nackt, setzte er sich zu uns auf die Couch. "Irgendetwas hast du, das sehe ich doch!", sagte er einfühlsam. Jetzt bemerkte auch Chris meine Trübsinnigkeit mit den Worten: "Du siehst total traurig aus. Was ist den los?", fragte er und setzte sich nun zu mir gewandt hin. Nun saß Chris direkt vor und Andi nah hinter mir. Ich wollte nicht mit der Wahrheit rausrücken, um das was blieb, nicht auch noch kaputt zu machen, also suchte ich händeringend, nach irgendeinem Vorwand. Schließlich sagte ich einfach: "Ach, neben mir wohnt so eine alte Vettel, die ziemlich neugierig ist und gerne tratscht. Sie hat uns gehört und euch gesehen, als ihr unter ihrem Fenster in diesen Mänteln vorbeigelaufen seid. Sie spielt die Sittenwächterin und möchte mich nun aus dem Haus rausbekommen." Chris und Andi sahen mich besorgt an. "Aber das schafft sie doch nicht. Ich meine, du lässt dir doch von dieser Schreckschraube nicht wirklich Angst machen, oder?" Ich tat amüsiert: "Quatsch, es nerven mich nur die moralischen Standpauken vor meiner Wohnungstüre."
Wir redeten an diesem Abend noch lange über intolerante Nachbarn, die verklemmten Menschen in ländlichen Gebieten und philosophierten gemeinsam über gesellschaftliche Abgründe aber auf ein gewisses Thema kamen wir nicht mehr zu sprechen. Es war schon dunkel draußen, als ich mich endlich auf den Heimweg machte. Die Verabschiedung war sehr liebevoll, wie auch die letzten Male und fast glaubte ich zu spüren, dass doch auch von ihrer Seite, da irgendwo mehr war. Wie sie mich umarmten, sanft küssten und mir gute Nacht wünschten. - Ich fand es einen Tick zu fürsorglich für eine Bettbekanntschaft.
Ich setzte mich hinters Steuer und wollte gerade meine Schuhe ausziehen, weil ich in diesen High-Heels mit Plateau-Sohle unmöglich Auto fahren konnte und da passierte es: Ich beugte mich also nach vorne und da mein Minirock ziemlich eng auf der Haut lag, konnte ich nun ein kleines Etwas an meinem Oberschenkel spüren. Ich setzte mich wieder auf und fasste nun neugierig in die kleine Seitentasche des Rocks, die wohl eher als Zierde gedacht und nicht dafür bestimmt war, um darin irgendeinen Gegenstand, gleich welcher Art, zu verstauen. Meine Finger berührten ein zusammengefaltetes Stück Papier und gedanklich ging ich schon durch, was ich wohl jemals in dieses kleine Täschchen gesteckt haben könnte. Mit schnellem Griff zog ich es heraus und faltete es auseinander. Mein Herz fing bei dem, was dort geschrieben stand, an zu hämmern wie eine Buschtrommel und das Blut schoss mir sogleich mit großer Geschwindigkeit in den Kopf. Dort stand in krakeliger Handschrift: "Wir lieben Dich auch! Deine beiden Bi-Boys Chris und Andi" Ich konnte es nicht fassen!
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