Adele seufzte laut und die Hexe blickte zu ihrer Freundin Anna und die blickte zurück und beide dachten zunächst, dass Adele einen an der Waffel haben musste. Wie jeder weiß, können Katzen nicht sprechen. Adele spürte den Unglauben. „Das ist kein Witz“, ergänzte sie ihre Ausführungen. „Und genau das ist das Problem.“ Er war mal wieder frech und jetzt haben wir den Salat.“
Hilgur lief besonnen weiter, stellte keine Fragen mehr und hörte sich an, was Adele da sagte. Beim Weitergehen rief sie laut in den Wind:
„Sprechende Katze, bist du hier?“ Keine Antwort.
Nach 2 Stunden, es musste so gegen 24.00 Uhr sein, hatten sie den Helgafell vollständig abgesucht. Adele verbrannte sich die Finger, als sie ausrutschte und sich auf einem Stein abgestützte. „Au! Heiß!“, wimmerte sie entsetzt. „Klar ist es hier heiß“, sprach die Hexe. „Das hier ist nämlich ein Vulkan, weißt du!“ Adele seufzte: „Tanz auf dem Vulkan, ja?“ „Ja“, erwiderte die Hexe und Anna lachte leise vor sich hin.
Minzer hing unterdessen ungemütlich zusammengerollt an seinem rettenden Felsvorsprung und betrachtete den Mond, der größer war als die Sonne es jemals sein würde.
„ So werde ich hier sterben “, dachte er bekümmert.
„ Im leuchtenden Mondschein, hoch oben auf den Klippen einer Insel, auf der ein paar Wikinger vor mehr als 1000 Jahren strandeten. “
Er malte sich aus, wie wüste Männer mit langen Bärten die Insel, vom Atlantik kommend, entdeckt hatten, froh, wieder Land unter die Füße zu bekommen. Sein Vorstellungsvermögen reichte kaum aus, sich vorzustellen, wie die Wikinger es bei der tief unter ihm tosenden Brandung geschafft hatten, an Land zu kommen.
„ Wilde Küste, wildes Land “, dachte der Kater mit einsamen Herzen. Dafür brauchte es wilde Männer mit wilden Bärten, in Booten aus hartem Holz. Männer, die Fleisch und Fisch aßen und nie irgendetwas angebaut hatten.
„ Das waren keine Bauern “, sinnierte Minzer, „ das waren Eroberer, die den Mut hatten, zu sterben, auf der Suche nach neuen Welten und besserem Land. Und sie waren gestorben “, setzte er seine trübsinnigen Gedanken fort, „ viele von ihnen haben den Tod gefunden. Dies wird auch mein Schicksal sein. “
So klangen des Katers trübe Gedanken, traurig und voller Selbstmitleid. „ Ich werde an den Felsen zerschellen, mein seidiges Fell wird daran hängen bleiben und der riesenhafte Mond wird mich ein letztes Mal zum Abschied bescheinen. “ Beinahe hätte er vor schauerlicher Freude über seine poetischen Gedanken, angefangen zu weinen.
Eine zarte Stimme tauchte plötzlich in seinem Kopf auf. Dazu gesellte sich weiteres, liebliches Gesäusel.
Noch EINES. Plötzlich umgab ihn Stimmengewirr; zartes, feines, schnelles und quirliges, unverständliches Gerede.
„Da!“, ein Kichern. Noch EINES. Wildes, fröhliches Gegackere. Minzer erhob sich, wurde aber vom Wind sogleich wieder an den Felsrand gedrückt. Er horchte. Lauschte. Das Gekicher war weg. Verglommen. „ Halluzinationen habe ich “, dachte Minzer, Vorstellungen von Dingen, die es nicht gibt. „ Ich werde verrückt “, kam es ihm in den Sinn, als die Stimmen erneut, nun etwas weiter entfernt, begannen, sich zu mehren.
„Wer ist da?“, rief Minzer in die Dunkelheit und erwidert wurde diese Frage mit Schweigen. „Nanu, so still?“, richtete Minzer seine Stimme in die Schwärze und zum Wind. Ein Wispern erklang. „Aha“, brummte Minzer, „doch wer da?“ Verhaltenes Gemurmel war die Antwort. Minzer maunzte wie ein kätzischer Artgenosse es getan hätte.
„Mau! Mau! Mau!“ Es erklang, nicht weit von ihm, ein ebensolches: „ MAU!“ In LAUT. „Bin ich also doch nicht kirre!“ Minzer entschloss sich zu einem weiteren: „ MAU!“ In LAUT. Die Reaktion war wie erwartete ein noch LAUTERES „ MAU.“
Beide Seiten setzten dieses Gespräch noch eine Weile fort, bis es Minzer, obgleich über dem stürmischen Atlantik am Fels klebend, zu bunt wurde. „Das nervt, Leute. Ich bin Minzer, ein Hauskater aus Deutschland. Ich sprechen 12 Sprachen und klemmen an Felswand fest, 100 m über dem Meer, yeah. Weil mich ein blöder, alter Mann in Knickebockerhosen verfolgt hat. Der Mond scheint hell und Adele hat sicher ein super Abendessen gemacht. Ich will nach Hause. Könnt ihr mir helfen? Wer auch immer ihr seid?“
Stille. Wenn man vom Toben des Ozeans absah, der laut donnernd in der Tiefe gegen die Felswände krachte. Immer noch Stille. Wispern. Gesäusele.
„Was?“, fragte Minzer. „Mir ist kalt! Helft mir, verdammt nochmal. Ich will nach Hause!“ „Will nach Hause!“, ertönte eine kleine Stimme. „Will nach Hause“, wiederholte eine Andere. „Will nach Hause ES“, erklangen nun mindestens 2 Stimmen im Duett. Dann Gesang:
„Will nach Hause, hihihhihihihihhihih“, nach Hause, will, hihi, will, will, will naaaach Hause, will ES!“ Minzer brüllte wütend: „Haltet Eure Klappen!“ „Will Klappen bei nach Hause, ES will!“, kam die prompte Antwort und dann war Minzer still, denn das man ihn, oben auf einem Felsen hängend, auch noch verspottete, das war eindeutig zu viel!
„Blöde Elfen, oder was immer ihr seid! Ihr seid Blödmänner. Oder Blödfrauen. Blödwichtel. Blödhexen. Blödärsche. Einfach Blöde seid ihr. Blödelfenwichtelgedöns. BLÖD! So!“
Minzer ringelte sich zusammen und machte sich bereit, dem Tod ins Gesicht zu spucken. „Selber blöd“, erwiderte eine der kleinen Stimmen. „Genau!“, erwiderte die Andere. „Selber voll blöd, nach Hause ES will.“ „Helft ES mir nun?“, brummte Minzer, des Gespötts Leid und nun völlig verzweifelt.
Das Gesicht eines Minimenschen erschien vor Minzer´ s grünen Augen. Dann noch Eines.
Zwei Minimenschen standen direkt vor Minzer und kicherten sich kaputt vor Lachen. Minzer war zu verdutzt, um irgendeinen Ton von sich zu geben. So etwas passiert sehr, sehr selten. Der eine Minimensch mit den riesigen Augen nutzte die Gelegenheit und zupfte an einem von Minzer ´s Barthaaren. > Doing!<
Der andere Minimensch griff nach einem anderen Barthaar und zog genauso heftig daran. Mit einem > Doing<, klatschte das Barthaar gegen Minzer ´s Maul. Das andere Wesen kicherte und nahm nun zwei Barthaare in seine minimal kleinen Händchen, zog daran und es erklang erneut ein lustiges > Doing, Doing<.
Beide Minimenschen kicherten und hielten sich dabei die Bäuche. Erst als 4 Händchen gleichzeitig jeweils 4 Barthaare des traurigen Katers ergriffen, richtete sich Minzer auf und fauchte, wie er es seit Jahren nicht mehr getan hatte. Er machte dabei einen entsetzlichen Buckel, den ersten richtigen Buckel seit seinem 12. Lebensjahr (Minzer ist in Menschenjahren 34!).
Die Wichtelfeenelfen wichen erschrocken zurück. Sie kicherten nun nicht mehr und steckten flüsternd ihre Köpfe zusammen. Minzer ringelte sich traurig wieder zusammen. Er hatte keine Lust mehr, sich dem Gespött dieser Wesen auszusetzen. „Lasst mich in Ruhe sterben“, wisperte er müde und steckte seinen Kopf unter die Pfoten.
Nein, beleidigt war er nicht. Traurig war er. Das erste Mal, seit Großvater Alfred Panele, Adele`s Onkel, gestorben war. Traurig und einsam. Ihm war kalt und er hatte Angst.
Sekunden später zupfte etwas an seinem Ohr. Streichelte es. Etwas nestelte erst das Eine, dann Etwas das andere Ohr.
Minzer blickte wehmütig nach oben. 4 große, blau-leuchtende Augen blickten in die Seinen. „Nach Hause ES will?“, fragte das eine Wesen, dann das Andere und dann beide zusammen. „Ja, nach Hause ES will. JETZT!“, heulte Minzer laut auf. Eine Art Träne klettere aus seinem Auge und fiel auf des einen Wichtelelfen Fuß. „Traurig ES ist“, bemerkte das Eine und eine Träne weinte das Andere. „Helfen wir müssen“, sagte das Weinende und über Minzer’ s Ohr strich das Andere. „Komm“, sagten entschlossen Beide. „Ich kann nicht kommen, ich falle runter, in die Tiefe, der Wind weht mich von der Küste und weg bin ich!“, antwortete Minzer traurig und die beiden Minimenschen, die wohl so eine Art Wichtel oder Feen waren, blinzelten. Kristalle glänzten in ihren Augen. „Du nach Hause willst. Komm!“
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