Zu Zeiten einer zuversichtlichen Grundhaltung bringen die Menschen einander höheren Respekt entgegen (man könnte auch sagen: dem gemeinsamen Menschentum, das jedes Individuum in sich selbst hat); damit verbindet sich größere Wertschätzung für die menschliche Rationalität; Konflikte werden eher abgemildert.
Zu anderen Zeiten zeigen sich gegenseitige Tendenzen: ein bedrücktes, wenig selbstgewisses Lebensgefühl, eine Abwertung des Menschen und seiner Vernunft.
Forschungsgeschichtlich wäre anzumerken, dass man uns bereits im 19. Jahrhundert auf diesen Megafaktor Mensch und genauer den Megafaktor „menschlicher Wandel“ (kollektiver menschlicher Wandel) aufmerksam gemacht hat. Hippolyte Taine etwa schreibt vom charakteristischen „Sigel“ des je zeittypischen Menschentums, das den unterschiedlichsten Zeitzeugnissen aufgedrückt werde – wir würden es vielleicht eher mit einem Fingerabdruck vergleichen.
d) Rekonstruktion und Rätsel des menschlichen Wandels
Der menschliche Wandel ist also jener Mega-Faktor im Hintergrund, den es zu suchen galt (längst hätten wir ihn viel genauer und methodischer ins Auge fassen müssen). – Seine Macht erklärt sich leicht: Die Menschen einer Zeit tragen ihre Gefühle, Haltungen, Ideen
mit sich –
und an alles heran, was sie tun, ersinnen, herstellen.
Dadurch hat der menschliche Wandel eine starke, prägende Ausstrahlung.
Weitere Analyse des menschlichen Wandels (Rekonstruktion)
Der nächste große Forschungsschritt muss darin bestehen, diesen menschlichen Wandel (in interdisziplinärer Zusammenschau) eingehend zu rekonstruieren. Es zeigt sich,
dass der menschliche Wandel erstaunlich wendungsreich verläuft.
Und weiter: Diese Wendungen haben ausgeprägte zyklische Merkmale;
und sie scheinen das Wesen des Menschen selbst zu erfassen.
Damit erweist sich der menschliche Wandel seinerseits als erklärungsbedürftig: Warum gibt es Zeiten eines selbstbewussten Menschseins, mit guten Gefühlen, maßvollen Bedürfnissen, vernünftigen Einstellungen – und Zeiten mit entgegengesetzten Veränderungen des Menschen?
e) Schloss-Schlüssel: Orientierungswandel
Suche nach einem passenden „Schlüssel“
Es wurde schon früher angedeutet: Die „üblichen“ Erklärungsmuster – etwa durch die Politik, durch Gesellschaft, Wirtschaft oder Religion – scheiden aus. Sie sind allesamt zu grobschlächtig. Weshalb sollten sie regelmäßig eintretende Krisen (Schwächephasen) des Menschseins erzeugen? Weshalb sollten sie eine feste Abfolge von Phasen aufweisen? Wie könnten sie differenzierte Kulturmerkmale hervorbringen?
Orientierungswelt im machtvollen Wandel
Man kann sagen: Diese differenzierte Struktur des menschlichen Wandels ist wie ein Schloss (das wir rekonstruiert haben), für das nun ein geeigneter Schlüssel gesucht wird.
Wir finden ihn schließlich im Wandel unserer Orientierungswelt. Dieser erzeugt nämlich genau derartige charakteristische Phasen:
In Orientierungskrisen erleben die Menschen eine herausfordernde, belastende Situation (begleitet u.a. von verringerter Zuversicht).
Mit einer Neuorientierung (in die Orientierungskrisen stets münden) kommt es zur inneren Beruhigung, tritt neue Zuversicht auf, fühlt man neue Perspektiven eröffnet und empfindet neuen „Rückenwind“ usw.
Ergänzung: Schlüssel-Schloss
Einige ergänzende Anmerkungen zu diesem Forschungskomplex:
Bislang ist dieser Schlüssel (Orientierungswandel) nicht einfach in irgendeinem Fachbuch zu finden. Durch die ganze bisherige Geschichte hindurch wurde der (Orientierungs-)Stand des Menschen nie auf irgendwelchen Steintafeln oder Pergamentseiten aufgezeichnet.
Vielmehr ist erforderlich, ihn seinerseits analytisch zu rekonstruieren. (Ich verwende ein Set von etwa 80 aufeinander abgestimmten Methoden und Arbeitsschritten – mit vielen nochmals darin inbegriffenen Teilschritten und Methoden.)
Dass wir das „Schloss“ des menschlichen Wandels besitzen, hilft uns, den dazu passenden „Schlüssel“ (in seiner konkreten Gestalt) aufzudecken: nämlich die Orientierungszyklen, die ihn auslösen.
Man gelangt somit zu folgendem Modell:
Orientierungswandel → Menschlicher Wandel → Zivilisation (Bereiche)
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