Nachdem wir alles Merkwürdige besehen hatten, kehrten wir nach der Estanzia, wo wir unsre Pferde gelassen hatten, zurück. Wir brachten auf dem ganzen Wege dahin nur eine halbe Stunde zu, ungeachtet wir zum Hinaufsteigen drittehalb Stunden gebraucht hatten. Es war jetzt um zehn Uhr morgens und die Sonne schien so unerträglich heiß, daß wir uns genötigt sahen, in der Hütte Schutz zu suchen. Da wir sehr ermüdet waren, so legten wir uns hier nieder um zu schlafen, konnten aber nicht wegen der Kälte, die im Schatten so heftig war, daß wir, um uns warm zu erhalten, Feuer anlegen mußten.
Nachdem wir uns etwas ausgeruht hatten, ritten wir um Mittag denselben Weg wieder hinab, den wir heraufgekommen waren und kamen an einige Fichten, etwa zwei Meilen über den Wolken. Zwischen diesen Fichten und dem Pico, wächst weder Gras, noch Kräuter, Stauden oder Bäume, das obgedachte Retama ausgenommen. Um fünf Uhr Abends kamen wir zu Orotava an, nachdem wir, ohne uns aufzuhalten geritten und nur zuweilen, wo der Weg zu steil war, zu Fuß gegangen waren. Den ganzen Weg von der Estanzia bis Orotava, den wir in fünf Stunden ritten, rechneten wir auf fünfzehn englische Meilen, denn wir legten ihrer drei in einer Stunde zurück. Zieht man nun für Krümmungen und Umwege fünf Meilen ab, so wird die Entfernung von der See bis zu der Estanzia, in gerader Linie, etwa zehn Meilen betragen. Wenn man hiermit die immer aufsteigende Erhebung des Weges genau vergleicht, so wird die senkrechte Höhe der Estanzia etwa vier englische Meilen ausmachen und tut man dann noch eine Meile senkrechter Höhe von da bis zum Gipfel des Pico hinzu, so beträgt die ganze Höhe etwa fünf englische Meilen. Ich bin fest überzeugt, daß ich mich in dieser Rechnung nicht über eine Meile irren kann. Kein Ort in der Welt schickt sich wohl besser zu einem Observatorium, als die Estanzia. Stünde hier ein bequemes, warmes Haus, zur Gemächlichkeit der Astronomen, so lange die gemäßigte Witterung anhält, nämlich den ganzen Julius, August und September hindurch, so könnten sie über die Winde und Witterung der Region über den Wolken, ihre Natur und Eigenschaften usw. die besten Beobachtungen anstellen. Wenn aber jemand den Pico besuchen will, so gebe ich ihm den Rat, ein schönes helles Wetter abzuwarten, ein gutes Zelt mitzunehmen und sich mit Wasser und Lebensmitteln gut zu versehen, damit er vier bis fünf Tage in der Estanzia bleiben, während dieser Zeit einigemal den Gipfel des Pico besteigen und seine Beobachtungen mit Muße und Bequemlichkeit anstellen könne.
Der Seefahrer Glas unterscheidet die Sichtbarkeit des Pik bei Annäherung und bei Wegfahrt. Sicherlich hatte Kapitän Glas entsprechende Einträge in seinem Tahebuch, und so werden diese zu einem schönen Beispiel, dass Wissen nicht allein aus Büchern zu gewinnen ist, man muss ab und zu auch die Natur wieder einbeziehen – auch das www ist geschriebenes Wort. Woher weiß das Licht, ob das Schiff von Glas der Insel näherkommt oder sich entfernt?
Vom Fuß des eigentlichen Pico war er „doch genötigt, wohl dreißigmal still zu stehen und Atem zu holen. Endlich kamen wir auf den Gipfel, wo wir uns niederlegten und etwa eine Viertelstunde ausruhten, weil wir gänzlich entkräftet waren.“ An anderer Stelle schreibt er nochmal über die Atemnot, „Ob dies aber der außerordentlichen Dünnigkeit der Luft, die das Atemholen erschwert oder der ungewöhnlichen Ermüdung vom Steigen, zuzuschreiben sei, kann ich nicht bestimmen, glaube aber, daß es von beiden herrührte. Unser Führer, ein hagerer, behender alter Mann wußte von nichts, sondern kletterte so leicht wie eine Ziege, denn er war einer von den armen Leuten, die sich mit Einsammeln des Bimssteins in dem Kessel und andern Vulkanen ernähren.“
Die Höhe des Berges schätzt er auf fünf englische Meilen. Das Dittehalb ist wieder zwei und einhalb. und statt Ellen steht im englischen Text yards.
Dann empfiehlt er auf der Höhe der Estanzia ein Observatorium zu errichten, um „über die Winde und Witterung der Region über den Wolken, ihre Natur und Eigenschaften usw. die besten Beobachtungen anstellen“ zu können. Das war 1761. 1904 gründete die Deutsche Seewarte in La Paz bei Puerto de Orotava eine meteorologische Station.
André-Pierre Ledru – 1796
André-Pierre Ledru, französischer Historiker, 1761 - 1830.

Reise nach den Inseln Teneriffa … ; Weimar 1812; 324 S.
I. Abtheilung
Erster Abschnitt
Am 28sten [Oktober 1796] Abends erlaubte mit die Heiterkeit des Dunstkreises den Pik von Teneriffa im Nordosten zu erblicken, dessen mit Schnee bedeckter Gipfel die Sonnenstrahlen zurückwarf. *)
Anmerkungzu *)
Man hat es für eine Übertreibung gehalten, wenn die Reisenden behaupten, daß man den Pik von Teneriffa in einer Entfernung von 40 und mehreren Lieues sehen könne. Dieses Phänomen gründet sich jedoch auf die Gesetze der Physik und der Trigonometrie [aber ganz sicher war man damit wohl noch nicht, wegen der vielen Augenzeugenberichte] denen zu Folge ein 3710 Mètres über den Horizont erhabener Körper (dieß ist die von Borda berechnete Höhe des Pik † ) unter einem Winkel von 5 Graden sichtbar ist, wann der Beobachter 22 Meilen, oder genauer 22' 8'' eines Erdgrades davon entfernt ist; und unter einem Winkel von 30' bei einer Entfernung von 97' 52'' (ungefähr 98 Meilen). Bekanntlich ist eine Minute des Erdgrades eine Meile ††) oder einem Drittheil einer Seemeile gleich.
„Man kann den Pik, sagt Borda, in einer Entfernung von 129 Meilen oder 43 Seemeilen nicht mehr wahrnehmen; allein man nimmt dann das Auge des Beobachters mit der Meeresfläche gleichstehend an. Ist das Auge 20 Toisen über der Fläche erhaben, so verschwindet der Pik erst in einer Entfernung von 47 Seemeilen; mit 48 und zwei fünftel Seemeilen, wenn es 40 Toisen hochsteht; mit 50 S.M. bei einer Höhe von 60 Toisen, und mit 51 S.M. bei 80 Toisen; endlich stünde das Auge in einer Höhe von 100 Toisen, so würde der Pik erst in einer Entfernung von 52 S.M. verschwinden.“ (Voyage I, 1380).
Der Geograph Thomas Lopez sagt, daß man ihn mit 41 Lieues (deren 20 auf einen Grad gehen) entdecken könne.
Der Reisende L Marchand bezeugt desgleichen, daß man den Pik 42 Lieues weit sehen könne, wenn man auf den Verdeck eines Schiffes, und 35 Lieues weit, wenn man im Horizonte steht.
Der Pater Feuiller behauptet im Jahre 1724 ihn vom Kanal aus, welcher Lancerote von Fuerteventura scheidet, gesehen zu haben; Borda aber versichert, daß dieß unmöglich sey. (ibid.)
Hr. Malte-Brun, in dem gelehrten Noten, womit er die Übersetzung von Barrow’s Reise nach Kochinchina bereichert hat, nimmt an, daß der Pik in einer Entfernung von 100 Meilen oder 41 Lieues (deren 25 auf einen Grad gehen) sichtbar sey. A. d. Hrn. Sonnini.
Anmerkungen †) und ††) zur Anmerkung *):
†) Die Höhe des Pik wird sehr verschieden angegeben, und hat sich vielleicht in den verschiedenen Ausbrüchen des Vulkans verändert. Nach Kassini beträgt die Höhe 2634 Toisen. Nach Herberden (in den Philosophic. transact.) 2409. Nach Feuiller 2215. Nach Bouger 2062. Nach Manuel Hermandez 1742.
††) Nämlich was die Franzosen bisweilen un mille nennen.
Zwölftes Kapitel
Dieser berühmte Feuerberg … erreicht eine Höhe von 3710 Metres oder 11130 pariser Fuß über dem Spiegel des Meeres. *)
Anmerkung*)
Diese Höhenangabe ist von La Peyrouse barometrischer Messung, nach de Luc’s Formel berechnet, erhalten worden. Nach Roy’s und Schuckberg’s berechnet, fällt solche größer aus bis zu 11336 und 11359 Fuß. Hr. von Humboldt giebt aber solche noch höher, nämlich zu 11502 par. Fuß an. D. Übers.
Читать дальше