»Ich verstehe!«
»Mit der Waffe hast du die totale Macht im Raum, damit ausgestattet bist du der alleinige Herrscher. Und das Sicherheitsfeld kann nur ausgeschaltet werden, wenn man den Schlüssel aus der Konsole entfernt, und das wirst du mit der Waffe schon zu verhindern wissen. Da von dem Kontrollraum das gesamte Schiff dirigiert wird, beherrschst du somit dann auch das ganze Schiff!«
Qor'ewá wog den Ball nachdenklich in der Hand. In der Tat hatte kein Überwachungssystem des Schiffes Alarm ausgelöst, er war unbehelligt in die Kommandozentrale und anschließend in sein Quartier zurück gekehrt. Nun harrte er der Dinge und wartete auf den richtigen Zeitpunkt.
*
Der Mann, der vor kurzem noch einer Fünfjährigen im Rockefeller Center in New York einen gewaltigen Schrecken eingejagt hatte, stand vor einem Gebäude in der achtundsechzigsten Straße. Seine Augen lagen womöglich noch tiefer in den Höhlen, und er schien merklich nervös zu sein. Längere Zeit schien er unschlüssig, ob er das Gebäude betreten solle, doch schließlich überwand er sich und ging hinein.
Er wurde erwartet. Nach einem Weg durch verschiedene Korridore und über einige Treppen gelangte er in einen großen Raum. Hier warteten achtundneunzig Männer auf ihn, die ihn teilweise neugierig, teilweise nachdenklich betrachteten.
Sie alle saßen an einer langen Tafel, an deren Kopfende sich ein Mann erhob.
»Ich begrüße dich, Bruder, dass du den Weg zu uns gefunden hast. Hiermit sind wir vollzählig, und die Versammlung kann beginnen!«
Der Sprecher wartete ab, bis sich der Neuankömmling auf den letzten freien Stuhl gesetzt hatte, dann fuhr er fort: »Deine Aufgabe lautete, ein junges Mädchen als Opfer auszuwählen und hierher zu bringen. Wo hast du es?«
Der Angesprochene wollte eben die Szene aus dem Rockefeller Center darlegen, als noch einmal die Tür geöffnet wurde. Gewaltsam und mit einer heftigen Detonation verbunden, der eine weitere folgte. Die Versammelten fuhren von ihren Sitzen auf, doch sie hatten keine Chance. Séth'ra und Hén'ar, beide geschützt durch martialisch wirkende technisch hochgerüstete Kampfanzüge und Séth'ras geheime magische Einwirkungen, richteten in Sekunden ein Blutbad an.
Sie benutzten dabei ähnliche Waffen wie Hén'ar vor kurzem in Köln, als sie aus ihrem getarnten Raumgleiter ein Fahrzeug und in einer Wohnung einen Mann in Flammen aufgehen ließ. Der Spuk währte keine Minute, dann verließen die beiden die Szenerie und gelangten über die Park Avenue zurück zu ihrem getarnten Raumgleiter.
»Das war die schwächste Loge. Gar kein Widerstand!« Hén'ar lachte verächtlich.
Séth'ra blieb jedoch realistisch. »Abwarten! Bei den anderen wird es nicht so einfach. Unsere nächsten Ziele liegen in Südamerika, Argentinien und Chile, danach müssen wir nach Asien, China und Russland, bevor es nach Europa geht.«
*
Canberra, die Hauptstadt Australiens, verdankt ihren Rang einem Kompromiss. Als Sydney und Melbourne nach dem Zusammenschluss mehrerer Kolonien zum Bundesstaat Australien zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts um den Hauptstadtsitz stritten, wurde beschlossen, die Hauptstadt zwischen den beiden Kontrahenten zu platzieren, wobei der Regierungssitz mindestens hundert Meilen von Sydney entfernt sein sollte. Über zwanzig Jahre beherbergte dennoch Melbourne den Regierungssitz, und erst seit 1927, mit Fertigstellung der ersten Parlamentsgebäude, befindet er sich in Canberra. Die Stadt, in der etwa dreihunderttausend Einwohner leben, ist von Sydney in drei Stunden und von Melbourne in sieben Stunden mit dem Auto zu erreichen.
Der an andere Dimensionen gewöhnte Europäer muss sich dabei immer vergegenwärtigen, dass die Städte zwar alle im Südosten des Kontinents relativ dicht beieinander liegen, dass es aber eben ein Kontinent ist, und die Entfernung von Melbourne nach Sydney in etwa so weit ist wie die von London nach Zürich, nämlich knapp neunhundert Kilometer, und dass ganz Europa in etwa so groß ist wie der australische Kontinent.
Der Premierminister blickte etwas irritiert drein.
Vor wenigen Augenblicken hatte ihn seine Sekretärin Kathy aus seinen Alltagsgeschäften gerissen und ihm drei Besucher angekündigt, die ihr umgehend in sein Büro gefolgt waren. Diese durchaus ungewöhnliche Art und Weise hatte sie gekonnt zu rechtfertigen gewusst, und nun saß er mit seinen Gästen in seiner Sitzecke auf einer gemütlichen Leder-Garnitur, wohin er sich in solchen Fällen zu begeben pflegte..
Bei seinen Gästen handelte es sich um drei Aborigines - australische Ureinwohner. Die beiden Jüngeren, ein Mann und eine Frau, saßen zu seiner Linken und mochten zwischen dreißig und vierzig Jahre alt sein. Ihm gegenüber saß ein Mann, der der Vater der beiden sein konnte, denn er mochte schon über sechzig Jahre alt sein. Er trug weder Jacke noch Hemd, so dass man seine kunstvolle Körperbemalung sehen konnte. Ein starker, dunkler Vollbart umrahmte sein Gesicht, doch das Faszinierendste an seinem Besucher waren dessen dunklen Augen, wie der Premier fand.
Der ältere Mann sprach, und Sir Melvin hörte gebannt zu. Das lag weniger daran, dass sie ungefähr gleichaltrig waren, sondern eher an der Art des Mannes zu sprechen. Einfach, ungekünstelt und dabei mit einer so offenen und direkten Art, dass ihm mit Sicherheit jeder Zuhörer inner-halb kürzester Zeit sein vollstes Vertrauen entgegenge-bracht hätte. Die Unterhaltung war fast durchweg einseitig, denn Sir Melvin unterbrach den Erzähler nur selten. Die beiden Jüngeren beteiligten sich gar nicht an der eigentlichen Unterredung, und er fragte sich, wozu die beiden eigentlich mitgekommen waren. Als Kathy nach fünf Minuten hereinkam, um Gebäck und Kaffee zu reichen, erlebte sie ihren Chef in einer sehr seltsamen Verfassung, es schien ihr fast, als ob er aus einem bösen Traum aufgewacht sei. Die Tasse Kaffee, die sie ihm einschenkte, trank er denn auch wie geistesabwesend. Der Inhalt des Gespräches musste ihn sehr in Anspruch nehmen.
Als die drei Ureinwohner das Gebäude eine halbe Stunde später verließen und in Richtung Bahnhof gingen, griff der australische Premierminister zum Telefon.
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