Nina Saro - Der Terror in mir

Здесь есть возможность читать онлайн «Nina Saro - Der Terror in mir» — ознакомительный отрывок электронной книги совершенно бесплатно, а после прочтения отрывка купить полную версию. В некоторых случаях можно слушать аудио, скачать через торрент в формате fb2 и присутствует краткое содержание. Жанр: unrecognised, на немецком языке. Описание произведения, (предисловие) а так же отзывы посетителей доступны на портале библиотеки ЛибКат.

Der Terror in mir: краткое содержание, описание и аннотация

Предлагаем к чтению аннотацию, описание, краткое содержание или предисловие (зависит от того, что написал сам автор книги «Der Terror in mir»). Если вы не нашли необходимую информацию о книге — напишите в комментариях, мы постараемся отыскать её.

Lars, der als Luftfahrzeugführer des Kampfhubschraubers Tiger, seinen Dienst versieht, kehrt nach einem langen Winter in Afghanistan in seine Heimat zurück.Unfähig über seine Erfahrungen zu sprechen, versucht der Heimkehrer sein gewohntes Leben wieder aufzunehmen. Seine Familie spürt die Veränderungen. Lars lehnt die ihm angebotene Hilfe ab und appelliert einzig und allein an die Zeit. Dienstliche Herausforderungen nimmt er gerne an, den familiären Anforderungen dagegen fühlt er sich wenig gewachsen. Hier auftretenden Veränderungen steht er hilflos gegenüber. Seine Frau, Claudia, die ihn liebt und deren größter Wunsch es ist, Lars zu helfen, um weiterhin eine glückliche Ehe führen zu können, verliert mehr und mehr an Stärke. Sie fühlt sich ihrem schweigenden Ehemann gegenüber hilflos. Zu diesem Gefühl kommen nach und nach auch aggressive Empfindungen, da sie Lars immer distanzierter erlebt und keinen emotionalen Zugang zu ihm findet.
Lars, dem dies durchaus bewusst ist, nimmt dankbar eine erneute kurzfristige dienstliche Verwendung im Ausland an. Hier in Frankreich, weit weg von Frau und Familie, gelingt es ihm zum ersten Mal seit dem Einsatz unbefangen zu leben. In einem intensiven Gespräch mit einem Vertrauten öffnet er sich erstmalig und spricht über die Dinge, die ihn belasten. Gestärkt durch die Erfahrung, sich seiner Vergangenheit stellen zu können, kehrt er mit dem Vorhaben nach Hause zurück, sich auch hier von seinem seelischen Ballast zu befreien. Doch kaum in der Heimat angekommen, erkennt er, dass ihm hierzu weiterhin die Bereitschaft fehlt. Die Eheleute entfremden sich immer mehr. Erst durch Informationen von außen gelingt es Claudia, die Zusammenhänge zu verstehen und die Gründe für Lars Veränderungen zu erfahren. Erst ein intensives emotionales Erlebnis außerhalb seines familiären Alltags gibt ihm den Mut, sich dem Erlebten zu stellen und öffnet in ihm den Wunsch professionelle Hilfe anzunehmen, wenn es nicht hierfür schon zu spät ist....

Der Terror in mir — читать онлайн ознакомительный отрывок

Ниже представлен текст книги, разбитый по страницам. Система сохранения места последней прочитанной страницы, позволяет с удобством читать онлайн бесплатно книгу «Der Terror in mir», без необходимости каждый раз заново искать на чём Вы остановились. Поставьте закладку, и сможете в любой момент перейти на страницу, на которой закончили чтение.

Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать
Lars beobachtete ihn auch jetzt. Kai saß mit starrer Mine im Flugzeug und Lars hatte das Gefühl, als könne er die angeregte Unterhaltung kaum mehr ertragen. Er tat ihm aufrichtig Leid. Kai war 38 Jahre alt und seit sieben Jahren verheiratet. Wenn er ehrlich war, war seine Ehe nicht wirklich gut gewesen als er in den Einsatz ging, doch Kai hatte gehofft, dass seine Frau Sandra, in dieser Zeit merken würde, dass sie ihn vermisste, aber leider war das Gegenteil eingetreten. Kai hatte schon lange vor der Abreise das Gefühl gehabt, seine Frau mehr zu lieben als sie ihn, aber Sandra hatte immer wieder beteuert, dass dies nicht so sei und ihm ihre Liebe geschworen. Pläne hatten sie gemacht, die Zeit nach dem Einsatz zu nutzen, endlich eine Familie zu gründen, vielleicht sogar ein Haus zu kaufen. Mit dieser Vorstellung war Kai in den Flieger nach Afghanistan gestiegen und vom ersten Tag an auf seine Rückkehr und auf die Umsetzung dieser Pläne fixiert. Seine Euphorie dauerte ca. 3 Monate an, dann spürte er eine deutliche Veränderung in den Telefonaten mit seiner Frau. Sie wurden seltener, kürzer und immer inhaltsloser. Er wusste, es musste ein lebensbeeinflussendes Ereignis im Leben seiner Frau gegeben haben und hatte auf der einen Seite Angst es zu erfahren, konnte aber auf der anderen Seite die Ungewissheit nicht mehr aushalten. Er erinnerte sich genau, es war ein Donnerstag als er völlig überraschend einen Hand geschriebenen Brief von Sandra erhielt und allein die Tatsache diesen in den Händen zu halten, lies bei ihm alle Alarmglocken klingeln. Er zog sich zurück in seinen Container legte sich auf sein Bett und öffnete mit zitternden Händen den Brief. „Mein lieber Kai, ich denke, du ahnst bereits beim Anblick dieses ungewöhnlichen Schriftverkehrs, dass etwas passiert sein muss, was uns beide und unser gemeinsames Leben betrifft, und ich möchte dich auch gar nicht lange im Ungewissen lassen, du hast Recht damit.“ Kai ließ das Blatt für einen Moment sinken, er wusste was kam, traute sich nicht weiter zu lesen und starrte für einen Moment an die Decke. Tränen stiegen ihm in die Augen, er zwang sich ruhig zu bleiben und richtete seinen Blick wieder auf den Brief. „Ich weiß, dass du gerade in einer wirklich schwierigen Situation bist, und dass ich dir dein Leben mit diesem Brief sicherlich nicht vereinfache, aber glaube mir, ich habe sehr lange darüber nachgedacht, wie ich mich verhalten soll und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich ehrlich zu dir sein möchte. Was macht es für einen Sinn, Telefonate zu führen wie in den vergangenen zwei Wochen, in denen du deutlich spürst, dass etwas nicht stimmt, in denen ich dir wenig bis gar nichts zu sagen habe, da ich dich nicht anlügen möchte. Telefonate in denen ich spüre, dass du Dinge von mir hören möchtest, die ich nicht mehr bereit bin zu sagen und nach denen du dich sehnst. Kai, du bist mir bei allem Geschehenen immer noch sehr wichtig und ich weiß, dass ich dich fürchterlich verletze, aber ich möchte dich nicht mehr quälen als unbedingt nötig.“ Na, Bravo, komm endlich zum Punkt, Kai knäulte das Blatt in seiner Hand, es ist wirklich nicht der Moment mir Honig um den Bart zu schmieren, ich will wissen was los ist. Er strich das Blatt wieder glatt und las weiter: „Du bist jetzt seit fast vier Monaten von hier fort und schon so voller Vorfreude auf das, was nach dem Einsatz kommt, in den Flieger gestiegen, dass mir schon damals Zweifel kamen. Natürlich haben wir gemeinsam beschlossen, ein Kind zu haben und unsere Wohnsituation zu verbessern, aber je mehr ich in deiner Abwesenheit darüber nachgedacht habe, kam ich zu dem Entschluss, dass dies mehr dein Wunsch war als meiner und eine solche Zukunftsplanung in mir eher Angst wenn nicht sogar Panik auslöst als Vorfreude. Diese Gedanken haben mich selbst erschreckt, das kannst du mir glauben, aber ich konnte und kann sie nicht verdrängen, sondern muss mich ihnen stellen. Ich verstehe, wenn du jetzt beim Lesen wütend wirst, und ich sehe dich direkt vor mir, aber ich möchte jetzt einfach nur ehrlich sein und hoffen, dass du mich dann ein bisschen verstehst. Du hast schon seit längerem behauptet, mich mehr zu lieben als ich dich. Ich habe das immer bestritten, wollte dich glücklich machen, mit dir leben und alt werden. Jetzt weiß ich, dass du Recht hattest. Jetzt, da ich ein Gefühl kennengelernt habe, was so stark, so intensiv ist, wie ich es mir nie vorstellen konnte, weiß ich das. Kai, du musst mir glauben, ich habe nicht nach einem Abenteuer gesucht, auch nicht nach einem anderen Partner, es ist einfach so passiert. Du kennst ihn nicht und ich möchte auch solange du so weit weg bist, nicht mehr über ihn Preis geben, aber durch ihn habe ich Dinge über mich erfahren, die ich vorher nicht kannte und die mich selbst erstaunen. Ich möchte dich so sehr bitten mir zu verzeihen, aber bitte glaube mir, ich kann und möchte dich nicht anlügen, auch wenn ich mir durchaus darüber bewusst bin, das dies garantiert nicht der ideale Zeitpunkt ist, dich zu verlassen. Bitte Kai versuche mich zu verstehen, du bist der, der schon immer ahnte, dass du unsere Liebe mehr lebst als ich. Jetzt hat sich diese Ahnung bestätigt und das tut mir sehr sehr Leid für dich. Aber bitte, ich weiß du bist stark, du wirst es schaffen und wenn du nach Hause kommst, reden wir. Bitte ruf mich die nächsten Wochen nicht an, auch keine E-mails, lass es einfach erst mal sacken, wir reden später. Verzeih mir, ich habe wirklich geglaubt meine Liebe zu dir reicht für ein Leben Sandra Kai lag auf dem Rücken, der Brief sank auf seinen Bauch und Tränen liefen ihm über das Gesicht. In seinem Kopf schwirrte es und er hatte Mühe, seine Gedanken zu ordnen. Sandra, verdammt, wie kannst du mir das antun und wer zur Hölle ist der Typ. Sitzt dick und breit in Deutschland und spannt mir meine Frau aus, während ich mir hier den Arsch aufreiße und die Freiheit Deutschlands auch am Hindukusch verteidige. Toller Spruch! Hilft mir gerade ungemein weiter. Wenn diese Scheiße hier nicht wäre, hätte meine Frau auch keinen anderen Kerl, oder? Er wusste nicht mehr was er fühlen und denken sollte. Er spürte nur, dass Wut in ihm aufstieg, eine Wut die sich mehr gegen seinen Beruf und seinen Einsatz hier richtete als gegen seine Frau. Er fühlte sich so ohnmächtig, so völlig hilflos und zum Nichtstun verdammt. Er saß hier noch für 9 Wochen fest, konnte nicht um seine Frau kämpfen, konnte noch nicht einmal den Mann kennen lernen, der ihm seine Sandra geraubt hatte. Und dann diese unverschämte Aufforderung von ihr, nicht mit ihr in Kontakt zu treten, alles erst mal „sacken zu lassen“. Hatte sie auch nur die geringste Vorstellung davon, wie es hier war. Bislang hatte ihn die Vorfreude auf eine kleine Familie täglich neu motiviert, denn jeder Tag der verging, brachte ihn diesem Ziel näher. Wenn er draußen auf Patrouille war, hatte er immer ein Bild von Sandra in seiner Schutzweste und bekam er ein mulmiges Gefühl, so legte er die Hand auf diese Stelle und dies gab ihm Kraft. Bei dem Gedanken daran stand er auf, ging zu seiner Weste und nahm das Bild heraus. Sandra lächelte ihn an, ihre blauen Augen leuchteten, ihr mittellanges Jahr war zum Zopf gebunden. Sie sah glücklich aus. „Alles nur ein fake, oder was soll ich jetzt glauben?“, Kai war in seiner verzweifelten Wut kurz davor, das Photo einfach zu zerreißen. Er hielt es schon in seinen beiden Händen zum Zerstören bereit. Im letzten Moment hielt er inne, besann sich anders und verstaute das Bild zurück an seinem Platz. „Egal was du denkst und fühlst, liebe Sandra, du hast mich schwer getroffen und vielleicht habe ich dich für immer verloren, aber jetzt und hier werde ich eine Trennung nicht akzeptieren, ich liebe dich und solange ich keine Möglichkeit habe, um dich zu kämpfen, wird sich daran auch nichts ändern. Jetzt nur nicht die Nerven verlieren, nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird, zuhause können wir reden, zuhause wird sich manches klären und bis dahin wirst du mir weiter beistehen, ob du nun willst oder nicht!“. Er hängte die Weste zurück an seinen Platz und ging zurück zu seinem Bett. Heute würde er es nicht mehr verlassen, sollten die anderen doch denken was sie wollten, er hatte keine Lust mehr auf ein gemeinsames Abendessen und den geplanten DVD-Abend, nein, er wollte nur noch seine Ruhe haben, abschalten, schlafen und einfach nicht mehr nachdenken. Für heute war es genug. In den folgenden Tagen war allen die Veränderung ihres Kameraden aufgefallen, er wich aber allen Gesprächen aus und ließ keinen an sich heran. Er zog sich zurück wann immer es ging, machte Dienst nach Vorschrift, ging darüber hinaus aber jeglicher Kontaktaufnahme aus dem Weg. Jeder ahnte, dass seine Veränderung nur mit einer Hiobsbotschaft aus der Heimat zu tun haben musste, denn hier vor Ort war es im Moment eher ruhig und es hatte keine besonderen Vorkommnisse gegeben. Lars war ehrlich besorgt und suchte nach einigen Tagen das Gespräch mit Kai. Kai reagierte völlig genervt auf die Frage nach seinem Befinden und unterstrich damit die Vermutung, dass etwas völlig im Argen lag. „Lasst mich doch einfach alle in Ruhe, kann man denn nicht einfach mal schlechte Laune haben?“ Sein Ton war ungewohnt heftig, er drehte Lars den Rücken zu und wollte verschwinden. „Schlechte Laune haben darf jeder“, antwortete Lars, „da brauchen wir wohl nicht zu diskutieren, schlimm ist nur, wenn sie nicht mehr verschwindet und man deutlich sieht, dass es dem Betroffenen einfach nur schlecht geht. Für schlechte Laune, und ich glaube damit untertreibst du in deinem Zustand maßlos, gibt es immer einen Grund. Also komm, lass es raus, egal was es ist, es bleibt unter uns und vielleicht geht es dir einfach besser, wenn du darüber reden kannst“. Kai drehte sich um und blickte Lars gequält an: „Lars, ich weiß du meinst es ehrlich und ich vertraue dir, aber ich kann nicht darüber reden. Mir kommt es vor, wenn ich es ausspreche, ist es nicht mehr ein Albtraum der mich zermürbt sondern die nackte bestätigte Wahrheit. Ich kann nicht!“ „Aber wie willst du weiter machen, warten, dass das was dich bedrückt einfach wieder so aus deinem Leben verschwindet wie eine Gewitterwolke am Sommerhimmel. Du weißt, dass dies nicht funktioniert. Du kannst viel mit dir alleine ausmachen, aber im Moment geht es dir offensichtlich so schlecht, dass du Hilfe brauchst. Ich bin nicht hier, weil ich mich an deinem Elend erfreuen will oder eine gute Story brauche, damit die anderen eine Abendunterhaltung haben, ich bin hier damit es dir besser geht, also komm schon pack aus.“ Lars spürte, dass seine Worte in Kai etwas auslösten, aber zu diesem Zeitpunkt konnte er noch nicht einschätzen, ob er die um sich errichtete Mauer fallen lassen würde, oder nicht. So war er auch erstaunt als Kai einfach nur sagte: „Komm mit!“. Lars folgte Kai in dessen Unterkunft und beobachtete ihn wie dieser einen Brief aus seinem Nachttischchen nahm und ihn Lars zögernd überreichte. „Lies selbst, dann wirst du mich verstehen, ich kann nicht darüber reden, aber du hast recht, es mit niemandem zu teilen, bringt mich um.“ Er ließ sich aufs Bett fallen, stützte seinen Kopf in seine Hände und erstarrte förmlich in dieser Haltung. Lars hielt den Brief in seinen Händen, unschlüssig, ob er ihn wirklich lesen sollte, denn bei einem Blick auf den Absender war ihm bereits klar, was ihn erwarten würde. „Kai, wenn du dir wirklich sicher bist, dass ich diesen Brief lesen soll, dann werde ich es tun, aber um ehrlich zu sein mir wäre lieber du würdest mir sagen was darin steht“. „Nein, verdammt noch mal, lies diesen Brief, ich bitte dich darum und dann sehen wir weiter“. Lars setzte sich neben Kai auf das Bett. Ihm war nicht ganz wohl in seiner Haut, denn wie sollte er wissen, ob Sandra damit einverstanden wäre. Doch blieb ihm eine andere Wahl? Kai würde nicht reden, da war er sich sicher und wenn er helfen wollte, so musste er dem Wunsch seines Freundes folgen. Langsam faltete er das Blatt auseinander und las. Minutenlanges Schweigen folgte. Kai verharrte in seiner Haltung und Lars fehlten einfach die Worte. Das Gelesene hatte ihn tief getroffen, Ängste in ihm aufgerissen und ihn unfähig gemacht zu agieren. Er fragte sich, wie er reagiert hätte, wenn ein solcher Brief an ihn gerichtet gewesen wäre, wenn seine geliebte Claudia ihm eine solch niederschmetternde Mitteilung gemacht hätte. Jetzt konnte er Kais Verhalten der letzten Tage nicht nur verstehen sondern er bewunderte ihn sogar dafür. Wie hatte er nur täglich seinen Dienst tun können, ohne zusammen zu brechen, wie hatte er nur die lockeren Sprüche seiner Kameraden, besonders die von Torsten aushalten können, ohne um sich zu schlagen, wie konnte er überhaupt einfach weiter arbeiten, ohne den Wunsch zu haben zu desertieren. Lars realisierte, dass Kai ihm in gewisser Weise sehr ähnlich war und diese Erkenntnis half ihm auch nach einer Weile der Sprachlosigkeit ein gutes Gespräch mit ihm zu führen. Auch in den folgenden Wochen kamen sie noch häufiger zusammen und tauschten sich aus. Lars wusste, dass er Kai keine Lösungsvorschläge geben konnte, aber er konnte versuchen ihm beizustehen und ihm zuzuhören, wann immer Kai es wünschte. Auch jetzt, wo die Heimkehr unmittelbar bevorstand, tat Kai ihm unendlich Leid. Es war wie eine Ironie des Schicksals, dass Kai seinen Container mit dem 27jährigen Jan teilen musste. Die beiden kamen aus dem gleichen Heimatbatallion und kannten sich schon seit Jahren. Sie verstanden sich prächtig und hatten sich gemeinsam dafür entschieden, die Zeit in Afghanistan in einer Unterkunft zu verbringen. Jan hatte seine Freundin in Deutschland zurück gelassen. Es war eine recht junge, aber sehr intensive Beziehung, der Jan auch nach seiner Rückkehr eine lange Zukunft wünschte. Die Männer waren gerade drei Wochen von zu Hause fort gewesen, als Jan eines Abends voller Euphorie durch die Unterkünfte gestürmt war und jedem dem er begegnete die unglaubliche Nachricht aus der Heimat mitgeteilt hatte. „Stellt euch vor, ich werde Vater, ich glaub das einfach nicht, aber Kristin hat mir ein Ultraschallbild per Mail geschickt. Ein winzig kleiner Punkt in ihrem Bauch, mein Kind, es ist nicht zu fassen“. Kristin war zu diesem Zeitpunkt gerade mal in der 8. Woche schwanger und auch sie freute sich unbändig über die ihren Zustand. „Lass mich mal rechnen, 25 Wochen sind wir hier, zur Zeit unserer Abreise war Kristin gerade mal acht Wochen schwanger, das heißt wenn ich zurückkomme, ist sie in der 33. Woche. Ich werde also die beschwerlichste Phase der Schwangerschaft mit ihr verbringen und sollte alles normal verlaufen auch bei der Geburt dabei sein. Wenn das keine Motivation ist, die Zeit hier hinter mich zu bringen, dann weiß ich es wirklich nicht. Das ist echt der absolute Hammer, ich komme aus dem Grinsen gar nicht mehr heraus“. Die Männer hatten sich alle mit ihm gefreut und besonders Kai, der seine Familienplanung für die Zeit nach dem Einsatz im Auge hatte, war fast ein bisschen neidisch geworden beim Anblick des überglücklichen Jans. Die folgenden Wochen und Monate hatte es bezüglich der Schwangerschaft nur positive Meldungen aus der Heimat gegeben, Kristin ging es blendend und das Baby entwickelte sich prächtig. Die beiden zählten nur noch die Tage bis zu Jans Rückkehr und konnten den Tag des Wiedersehens kaum mehr erwarten. Mitten in Jans Vorfreude kam dann die Hiobsbotschaft für Kai und ab diesem Moment wurde das Zusammenleben der beiden schwierig. Die Situation war für beide nicht einfach und ihre Freundschaft litt hierunter deutlich. „Weißt du“, hatte Jan eines Abends zu Lars gesagt, „es ist so schwer, zu wissen, dass es deinem Kumpel total dreckig geht, man selbst aber gerade wahnsinnig glücklich ist. Ich habe echt ein schlechtes Gewissen Kai gegenüber, obwohl ich ja noch nicht einmal weiß, was 100 %ig bei ihm los ist. Er möchte ja nicht darüber reden und ist einfach nur genervt, wenn ich ins Erzählen gerate. Am besten ich halte ihm gegenüber einfach die Klappe, aber auch das ist schwer, denn schließlich sitzen wir ja auf einer Bude“. Lars konnte die Schwierigkeiten der beiden absolut nachvollziehen, doch er wusste auch, dass die beiden sich arrangieren würden, es blieb ihnen für die verbleibende Zeit auch nichts anderes übrig. Jetzt war es geschafft. Jetzt saßen alle zusammen in diesem Flieger auf dem Weg nach Hause. Mit jeder Minute die verstrich näherten sie sich der Heimat und ihren Familien und die angeregten Gespräche verstummten mehr und mehr. Jeder hing seinen Gedanken nach. Sie alle stellten sich das Wiedersehen mit ihren Freunden und Familien vor und warteten auf den Moment der Landung. Kai saß stumm auf seinem Sitz und schaute ausdruckslos vor sich hin. Auf der einen Seite wollte er so schnell es ging dieses Flugzeug verlassen, seinen Kameraden adieu sagen und sich zurück in seine Heimat begeben, auf der anderen Seite graute es ihm davor nach Hause zu kommen aber im Grunde genommen kein zu Hause mehr zu haben. Wochenlang hatte er auf diesen Moment gewartet, gewartet auf seine Chance endlich mit Sandra reden zu können, endlich denjenigen kennenzulernen, der sich zwischen die beiden gedrängt hatte, endlich der veränderten Situation real gegenüber treten zu können und zu versuchen, zu retten was zu retten war. Während der letzten zwei Monate hatte er sich Sandras Wunsch gebeugt und jeden Wunsch nach einer Kontaktaufnahme zu ihr unterdrückt, auch von ihr hatte er wie erwartet nichts mehr gehört. Jetzt drängte es ihn zu erfahren was wirklich los war. Seinen Kameraden gegenüber mit Ausnahme von Lars hatte er sich weitesgehend in Stillschweigen gehüllt, sie wussten zwar, dass es ein massives Problem mit Sandra gab, aber auch nicht mehr. Kai hatte einfach noch viel zu viel Hoffnung, sie zurückzugewinnen, als dass er über seine gescheiterte Ehe reden wollte. In weniger als einer halben Stunde würden sie nach Aussage des Captains in Köln/Bonn landen und hier hieß es erst einmal Abschied nehmen. Abschied nehmen von guten Kameraden, die in einigen Fällen während der Dauer des Einsatzes zu echten Freunden geworden waren. Männer, mit denen man in diesen sechs Monaten mehr Zeit verbracht hatte als mit guten Bekannten und Freunden in einem halben Leben, Männer, die alle Facetten der Menschlichkeit miteinander geteilt hatten: Wut, Trauer, Angst, Sehnsucht und die Freude auf die Heimkehr. Lars tat es besonders Leid um Torsten, Kai und Jan, aber er hoffte, dass diese Freundschaften nicht vom Alltag aufgefressen werden würden, nicht dass man einfach abtauchte in seine eigene Welt und die anderen darüber vergaß. Er schaute sich nach Jan um, der still im hinteren Teil des Flugzeuges saß und vor sich hin blickte. Er blickte ernsthaft und doch voller Vorfreude und Lars ahnte was ihn bewegte. Ihre Blicke kreuzten sich für einen Moment und sie nickten sich stumm zu. Zwischen ihnen gab es eine Verbindung, die weit über das kameradschaftliche Miteinander hinaus ging, aber darüber wollte Lars zu diesem Zeitpunkt, da die Heimkehr unmittelbar bevorstand, nicht weiter nachdenken, denn das gemeinsam Erlebte gehörte ab heute der Vergangenheit an und hierin sollte es auch, wenn es nach Lars ging, beerdigt werden, auch wollte er sich an einige Dinge die geschehen waren nie mehr erinnern. Ein Rucken ging durch die Maschine und das Ausfahren der Landeklappen war deutlich zu hören. Lars schaute aus dem Fenster, ein freudiges Kribbeln erfasste seinen Körper. Ihre Reisehöhe hatten sie längst verlassen und unter ihnen sah man nun deutlich die Landschaft. Die Bäume zeigten bereits sehr viel Grün und auf einigen Feldern blühte bereits der Raps. Das Wetter schien gut zu sein. Die Sonne schien, und nur ein paar Wölkchen zierten den blauen Himmel. „Mein Gott ist das herrlich“, Tränen stiegen Lars in die Augen, „wir sind wieder daheim!“ Der Airbus setzte geschmeidig auf der Landebahn auf und rollte gemächlich in die Halteposition. Die Ruhe im Flugzeug war verflogen. Die Männer standen ungeduldig auf und sortierten ihr Handgepäck. Ihr gesamtes Hab und Gut würde später in einer Transportmaschine der Bundeswehr seinen Weg nach Deutschland finden, so dass sie sich jetzt und hier nicht lange mit ihrem Gepäck beschäftigen mussten. Fast alle Insassen hielten ihre Handys in der Hand und eine Flut von SMS verlies die Maschine mit der freudigen Nachricht, endlich wieder deutschen Boden unter den Füßen zu haben. Endlich öffneten sich die Türen der Maschine und die Männer stiegen die Gangway herab. Lars nahm jede Stufe mit Bedacht und genoss dieses unbändige Gefühl der Freiheit. Hier und jetzt war keine Vorsicht geboten. Er trug keine Schutzweste und keine Waffe, alles war so einfach und normal und das war ein gutes Gefühl. Die Pass- und Zollkontrollen verliefen problemlos und schon 20 Minuten später stand die Truppe auf dem Busparkplatz vor dem Flughafengebäude. Hier hieß es nun erst einmal Abschied nehmen, denn die verschiedenen Einheiten wurden nun mit unterschiedlichen Fahrzeugen zu ihren Heimatstandorten gebracht. „Lars, alter Junge, komm her und lass dich noch mal knutschen, wer weiß, wann wir uns das nächste Mal sehen“, Torsten kam auf Lars zu und umarmte ihn herzlich, „vielen Dank für deine Freundschaft und lass dich daheim schön verwöhnen, du hast es verdient“. „Danke, dir auch nur das Beste und schon dich ein wenig, überfalle die Frauenwelt nicht allzu brutal mit deinem Charme!“. „Geht klar, ich freue mich erst mal auf mein eigenes Bett und schaue mal wann ich mich nach einem anderen sehne“: Die beiden lachten und Torsten wandte sich ab um von den anderen Abschied zu nehmen. Auch Lars machte die Runde und stand als letztes vor Jan. „Jan, ich wünsche dir alles erdenklich Gute und ganz, ganz viel Spaß mit Kristin und deinem Nachwuchs. Bleib schön locker, alles wird gut und du wirst bestimmt ein toller Vater“. Jan blickte Lars tief in die Augen: „Danke, Lars, spätestens bei der Taufe unseres Zwerges sehen wir uns, denn dass du Pate wirst, steht fest. Ich werde nie vergessen was du für mich und meine kleine Familie getan hast.“ Die beiden Männer standen noch einen Moment schweigend voreinander, dann umarmten sie sich innig. Jeder der beiden wusste, was in dem anderen vorging und es fiel ihnen beinahe schwer sich voneinander zu lösen. „Mach´s gut und halt die Ohren steif, wir sehen uns bald.“ Lars wandte sich ab und ging zu seinem Bus. Jetzt nicht mehr zurückschauen sondern nur noch nach vorn, nach vorn und nach Hause. In ca. drei Stunden würde er seiner Frau gegenüberstehen. Eine nervöse Erwartung, gemischt mit einer immensen Vorfreude erfasste ihn. Die Busfahrt schien endlos und obwohl wenig Verkehr war, hatte Lars das Gefühl nicht voran zu kommen. Seine Gefühle spielten Achterbahn, er war hin und hergerissen zwischen freudiger Erwartung und ängstlichen Empfindungen. Das in den letzten Monaten Erlebte mischte sich mit den Gedanken an seine Lieben und er konnte den Moment des Wiedersehens immer weniger erwarten.Читать дальше
Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Похожие книги на «Der Terror in mir»

Представляем Вашему вниманию похожие книги на «Der Terror in mir» списком для выбора. Мы отобрали схожую по названию и смыслу литературу в надежде предоставить читателям больше вариантов отыскать новые, интересные, ещё непрочитанные произведения.


Отзывы о книге «Der Terror in mir»

Обсуждение, отзывы о книге «Der Terror in mir» и просто собственные мнения читателей. Оставьте ваши комментарии, напишите, что Вы думаете о произведении, его смысле или главных героях. Укажите что конкретно понравилось, а что нет, и почему Вы так считаете.

x