Ich lernte von den Gond und da ich alleine war und Niemanden hatte, mit dem ich mich in Englisch oder gar Deutsch hätte unterhalten können, lernte ich ziemlich rasch.
Nach etwa vier Monaten konnte ich mich schon recht gut in allen drei Sprachen unterhalten, wenn ich auch hin und wieder einige Begriffe durcheinander brachte.
Gondi und noch mehr das einigermaßen verwandte Mariah sind sehr melodische Sprachen und es machte mir Freude, mich darin zu üben.
Machte ich einen Fehler, lachten meine Lehrmeister herzlich und wiesen mich dieserart auf den Faux Pas hin.
Kamen Eingeborene ins Inderdorf, so lachten sie niemals, sondern zeigten unbewegte Mienen; auch dies für mich ein Zeichen, dass sie mich akzeptiert hatten; denn waren wir unter uns, so ließen sie alle Scheu beiseite und wir hatten viel Spaß miteinander.
Die Inder hielten es nicht für nötig, Gondi zu lernen; sie dünkten sich ja die Überlegenen, also konnten die Anderen gefälligst ihre Sprache lernen.....
So lebten die Gruppen nebeneinander, statt miteinander – und es schien mir nur eine Frage der Zeit, da selbst Dieses nicht mehr möglich sein würde.
Zuhause trug ich den gleichen Lendenschurz wie die Gond; hatte die gleiche Frisur und lernte von ihnen. Schließlich waren sie in diesen Wäldern Zuhause und kannten sich somit besser aus, als irgendein Zugewanderter.
Auf meinen Fußsohlen hatte sich längst die nötige Hornhaut gebildet, so dass ich mich im Dschungel barfuß bewegen konnte wie jeder Andere auch. Ich pflanzte Gemüse zum eigenen Verbrauch und hielt mir eine Hühnerschar.
Abwechselnd hatte ich verschiedene Tiere des Waldes, welche verletzt waren, in Pflege; so etwa eine Eule, einen Papagei und viele mehr, die ich nach ihrer Genesung wieder der Freiheit überantwortete.
Oft war ich unterwegs, um Bärinnen mit ihren Jungen zu beobachten und ich wollte Stunden des Tages mit Schwimmen und Herumplanschen im klaren, tiefen Wasser des Flusses verbringen.
– Der Umgang mit der Axt war mir selbstverständlich geworden – und auch das Schießen mit dem Bambus-Bogen und gefiederten Pfeilen hatte ich gelernt. –
Bereits über ein Jahr befand ich mich nun hier am Orte, als eines Tages ein Fremder in Begleitung eines Halba’s aus Chhotte Dongar auftauchte. – Der Fremde hatte im etwa vierhundertfünfzig Kilometer von hier entfernten Raipur von mir sprechen hören und war eigens gekommen, um mit mir ein gewisses Problem zu erörtern.
Der Halba–Führer wurde zurück nach Dongar geschickt, nachdem ich dem Fremden versichert hatte, dass er einen Begleiter für den Rückweg vom nahen Dorf bekäme. – Tatsächlich jedoch hatte der Fremde vor Dritten mit seinem Anliegen nicht herausrücken wollen und mir dies auch durch Zeichen zu verstehen gegeben. – Ich war gespannt, was denn Geheimnisvolles er mir zu eröffnen habe.
Der Fremde bat mich, ihn Gautam zu nennen, erklärte jedoch gleichzeitig, dass dies nicht sein wahrer Name sei.
Im Nordosten Indiens, wo seine Heimat sei, wäre das gleiche Problem zu verzeichnen, mit welchem auch die Menschen hierzulande zu kämpfen hätten; doch würde dort bereits Etwas unternommen.
Ihm sei zu Ohren gekommen, dass ich mich für die Einheimischen hier einsetze und er sei in der Hoffnung gekommen, dass ich bereit sei, mit ihm und seinen Leuten gemeinsam zu kämpfen.
Zu diesem Zwecke sei es notwendig, dass ich für eine begrenzte Zeit mit ihm käme und mich an Ort und Stelle informierte über die Art und Weise ihres Kampfes.
Es sei dies nicht nur ein lokales Problem; sondern überall in diesem Lande herrsche Ungerechtigkeit und Ungleichheit.
Das Kastenwesen sei auf dem Papier schon seit 1947 abgeschafft, doch tatsächlich beschränke sich dies auch rein auf das Papier. Dazu kämen Polizei–Übergriffe sowie Korruption und Willkür, gegen welche der Einzelne machtlos sei. Ich solle mir überlegen, ob ich tatsächlich in einem Lande leben wolle, in welchem von Menschenrechten nicht wirklich gesprochen werden könne.
Gautam nannte mir einen Termin. zu welchem er wieder in Raipur zu tun hätte und gab mir die Adresse eines Hotels, in dem ich ihn über den Zeitraum von zwei Tagen um die Mittagszeit treffen könne. – Ich solle an der Rezeption nach Gautam fragen.
Der Termin war in etwa drei Wochen und dieser Zeitraum sollte mir zum Nachdenken genügen. Ich sollte mich im Falle meines Kommens auf eine Abwesenheit von mindestens vier Monaten einrichten.
Wir tranken zusammen gewürzten Milchtee; danach begleitete ich ihn nach Umagaon, wo ich einen Jungen bat, ihn zurück nach Chhotte Dongar zu bringen.
Gautam wollte diese Nacht im dortigen Government–Resthouse, dem Dak–Bungalow, verbringen und morgen in der Frühe mit dem Bus zurückfahren.
Ich hing eigenen Gedanken nach. Mit allem, was Gautam gesagt hatte, war ich prinzipiell einverstanden; doch war ich mir auch der Tatsache bewusst, dass der Kampf, von welchem er gesprochen hatte, nicht allein mit Worten geführt würde.
So befand ich mich im Zwiespalt; was sollte ich tun ? Nie war ich ein gewaltbereiter Mensch; ich glaubte an Überzeugung durch Vorbild und Reden, doch war auch mir nicht entgangen, dass dies bei diesem Menschenschlag nichts fruchtete......
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