Das Wort Zauberer dagegen ist eigentlich das urdeutsche Wort das wir aus anderen Kulturen als Schamane kennen, ein Mittler zwischen dem Diesseits und der Anderswelt.
Der priesterliche Aspekt der Magie kommt insbesondere im Wicca sowie im Neopaganismus zum Ausdruck. Auch der Neopaganismus entlehnt sich einige seiner Wurzeln aus alten heidnischen Kulthandlungen und Ritualen sowie auf die Anrufung heidnischer Gottheiten wie z.B. Freya oder Hekate. Die grausame Verfolgung der Hexen und Geisterbeschwörer durch die heilige Inquisition der Kirche ist stellvertretend für den ewigen Konflikt der dominierenden spirituellen Hoheit gegenüber dem einzelnen Individuum mit einem eigenen Zugang zum Sakralen.
Was den Magier unabhängig von seiner bevorzugten Arbeitsmethode als solchen charakterisiert ist eindeutig seine Motivation. Der typische Magier handelt im eigenen Interesse ohne auferlegte Dogmen und Moral. Ob er seine Arbeit alleine oder innerhalb eines magisches Zirkels durchführt ist ganz allein seine Sache. Die Konzepte Schuld, Sünde und Karma sind für ihn nicht bindend. Die einzige Verpflichtung des wahren Magiers besteht darin, seinen Willen mit Hilfe seines magischen Wissens und seiner Kräfte Wirklichkeit werden zu lassen. Die möglichen Konsequenzen fehlerhafter magischer Arbeit oder unbeabsichtigter Wirkungen trägt der Magier selbst. (Siehe Goethes Ballade vom Zauberlehrling). Er handelt sozusagen auf eigene Rechnung und kann niemanden die Schuld in die Schuhe schieben. Allerdings erntet er alleine auch die Früchte seiner magischen Arbeit. Dieser wichtige Aspekt der Eigenverantwortlichkeit des Magiers wird symbolisch auch in der grossen Arkana des Tarot zum Ausdruck gebracht (Tarot ist ursprünglich ein Einweihungswerkzeug alter Mysterienschulen).
Während der Magier oder Zauberer mit seinem eigenen Willen arbeitet hat der Priester oder Schamane eine ganz andere Funktion. Natürlich sind die Übergänge je nach aktueller Situation fließend. Alle spirituellen Gruppen stellen den Kontakt zum Göttlichen oder zum schöpferischen Prinzip her. Der Priester ist ein Mittler im Amt eines Tempels der Gottheit. Er übermittelt die Opfergaben und Gebete als spirituelle Autorität. Ein Priester verbindet rituell die profane Welt der Gläubigen mit der sakralen Welt. Dabei besteht seine wichtigste magische Wirkung des Priesters häufig allein darin, der göttlichen Ebene die Verehrung und die Unterordnung zur entsprechenden Gottheit zu übermitteln. Im Mittelpunkt steht der Pakt den der Gläubige mit der Gottheit, den Ahnen oder dem Astralwesen geschlossen hat. Die Bedeutung der Religion wird später noch einmal gesondert besprochen da ein Magier diese Funktion des Priester genau verstehen sollte.
Ein Schamane oder Medizinmann hingegen (nordgermanisch 'Zauberer') verbindet sich nicht durch Tempelarbeit sondern durch einen veränderten Bewusstseinszustand mit der spirituellen Welt. Seine Motivation ist in den meisten Fällen die Heilung von Krankheiten mit Hilfe der geistigen Welt.
Eine Sonderrolle der Spiritisten nehmen die Seher (lat. Vates) ein. Die Motivation des Sehers ist die Divination (Zukunftsdeutung) in Form eines Orakels oder Weissagung. Auch die Divination ist für die Ausbildung eines Magiers eine wichtige Fähigkeit die zu seinem Handwerkszeug gehört. Warum das so ist wird später besprochen werden.
Die bekanntesten historischen Magier und Zauberer sind häufig bekennende Wissenschaftler und Alchemisten. Dieses Interesse und die Neugier für die Naturwissenschaften ist häufig der Grund, dass man in den mythologischen Magiern mystifizierte Wissenschaftler hineindeutet deren Wissen über die Kräfte der Natur für die profane Bevölkerung wie 'Teufelszeug' und 'Hexenwerk' vorkommen musste. Hierzu gehörte z.B. die Herstellung von Schwarzpulver, Porzellan oder fluoreszierendem Phosphor. Diese Nebenprodukte entstanden bei dem alchemistischen Versuch der Transmutation, der Umwandlung von unedlen Metallen in Edelmetalle wie Gold oder Silber.
Im Zusammenhang mit der Alchemie spielt auch die Symbolik der alten Mysterienkulte ein wichtige Rolle. Der unedle Mensch muss zunächst symbolisch sterben um dann durch die Initiation und Einweihung zu etwas Höherem und Edleren transmutiert zu werden. Das Konzept der Initiation spielt auch in vielen magischen Lehrarten eine wichtige Rolle.
Viele in diesem Ruf stehenden Magier waren häufig überhaupt gar keine Okkultisten oder Spiritisten sondern lediglich naturwissenschaftlich interessierte und begabte Menschen. Zum damaligen Zeitpunkt war der Zugang zu naturwissenschaftlichem und magisches Wissen nicht getrennt möglich. Das Interesse an Naturwissenschaften führte zwangsläufig auch zu der Beschäftigung mit magischen Schriften, umgekehrt gilt natürlich dasselbe.
In späteren Kapitel wird die Verbindung der Religion zur Magie noch genauer diskutiert werden. In diesem Zusammenhang stolpert der angehende Magier auch über die wesentlichen Unterschiede zwischen monotheistischen und polytheistischen Religionen. Tatsächlich galten viele Magier häufig sowohl als Vertreter der einen oder auch der anderen Weltanschauung (Darunter befinden sich sogar einige mittelalterlichen Päpste, die als Magier und Hexenmeister klassifiziert werden können).
Da Magie eine Geheimwissenschaft ist gibt es hierzu sehr widersprüchliche Theorien aus unterschiedlichen magischen Philosophien. Viele moderne Magier interessieren sich häufig überhaupt nicht dafür warum bestimmte Handlungen und Bewusstseinszustände eine magisch-übersinnliche Wirkung haben. Dieser wichtigen Frage wird häufig keine größere Bedeutung mehr zugebilligt, die angebliche Wirkung ihrer Magie allein reicht bereits aus. Der Autor hat für ein derartig naives Desinteresse keinerlei Verständnis. Ein wahrer Magier wird eine enorme Neugier um die zugrundeliegenden Kräfte und Effekte an den Tag legen die der Magie effektiv zugrunde liegen.
Die Frage nach der ursächlichen Kraft hinter der magischen Wirkung ist überaus wichtig. Der angehende Magier sollte sich während seiner ersten Kontaktaufnahme mit diesem Thema vielleicht einmal die Frage stellen, welche Ursache ihm eigentlich am liebsten währe und welche z.B. nicht. Es macht durchaus einen gewissen Unterschied ob der Magier als zugrundeliegende Kraft z.B. seine mentale Resonanz mit dem Konzept Liebe als Quelle und Ursache der magischen Wirkung sieht oder vielleicht eine ganz andere Ursache. Z.B. wäre es eine völlig andere Ursache die im Hintergrund wirkende Beeinflussung eines niederrangigen Dämons der unteren Astralebene. Einer der sich quasi bereits händereibend auf die Seele des Magiers bei seinem Ableben freut (Sofern es einen solchen Dämon überhaupt geben sollte).
Das Konzept der hinter der Magie steckenden Kraft ist enorm wichtig. Der angehende Magier sollte sich fragen was er eigentlich für bizarre und nebulöse Vorstellungen mit sich schleppt wenn es um Magie geht. Vielleicht erfüllt die Vorstellung eines niederrangigen Dämons ja auch einen wichtigen Zweck der für die Wirkung der magischen Arbeit einfach unerlässlich ist.
Vielleicht ist aber auch jedes andere Konzept eine geeignete mentale Projektion, die die Kristallisation des Willens in die Realität überhaupt erst möglich macht.
Der fortgeschrittene Magier wird im Laufe seiner Arbeit eine Antwort darauf erhalten welche Kräfte hier tatsächlich am Wirken sind. Wichtig ist zu Beginn der magischen Arbeit lediglich, dass sich der Magier seiner eigenen Vorstellung diesbezüglich ein klares Bild macht.
Die konkrete Ausgestaltung der der Magie zugrundeliegen Kräfte unterliegen zunächst der freien Schlussfolgerung des Neophyten. Diese Kräfte sollten jedoch für den Magier klar definiert und in seinem tiefsten Unterbewusstsein als unumstößliche Wahrheit abgelegt sein. Der Sinn dieser Übung wird ziemlich schnell mit Beginn der praktischen Arbeit ersichtlich sein.
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